Diese Seele kennt nur einen Ausweg: die Musik

Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Live-Stream, 30. April 2021
Rezension des Videostreams: »Schuberts Reise nach Atzenbrugg« von Johanna Doderer

von Frank Heublein

Dieser Stream beginnt mit einer Einführung von Intendant Josef E. Köpplinger, Komponistin Johanna Doderer und dem telefonisch zugeschalteten Librettisten Peter Turrini. Sie besprechen die Entstehung dieser Opernauftragskomposition »Schuberts Reise nach Atzenbrugg« für das Gärtnerplatztheater in München.

Sowohl der Librettist als auch die Komponistin haben etwa 20 Fassungen hergestellt. Durch Corona musste der heutige Abend auf eine kammermusikalische Besetzung angepasst werden. Die Reise nach Atzenbrugg  des Musikers Franz Schuberts hat es zwar tatsächlich gegeben, das Stück jedoch ist Fiktion, die pointiert die „Einsamkeit und Isolation des Menschen Schubert“ (Doderer) hervorhebt, und, wie Turrini sagt, „[zeigt, dass] Liebesfähigkeit und Kunst eng zusammenhängen, […] die Liebe musste in Lieder wandern und nicht in Betten“. „Johanna Doderer, »Schuberts Reise nach Atzenbrugg«
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Live-Stream, 30. April 2021“
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Primadonnen – Die Diven vom Gärtnerplatz

Primadonnen – Die Diven vom Gärtnerplatz

Premiere, 13. März 2021
Stream aus dem Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Auf der Website als Video on demand

von Barbara Hauter

Ein Abend mit Frauenpower war angekündigt – und das Gärtnerplatztheater hat geliefert. Die Diven des kleinen, feinen Münchner Opernhauses sind stimmlich in die Vollen gegangen und haben ihre Soprane auf das Schönste poliert glitzern lassen. Thematisch ging es mit 13 Liedern (plus Zugabe) durch die Opern- und Musicalliteratur von Vivaldi bis ins 20. Jahrhundert.  Zusammengehalten wurden die Nummern von der Story über das Zusammenspiel der vier Sängerinnen, vom Zickenkrieg bis zur kollegialen Freundschaft. „Primadonnen – Die Diven vom Gärtnerplatz
Stream aus dem Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Premiere, 13. März 2021“
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Primadonnen in München

Primadonnen. Die Diven vom Gärtnerplatz
Konzept und Regie: Nicole Claudia Weber

Foto: Gärtnerplatztheater © Jazz Saletović

Premiere am Samstag, 13. März 2021 um 19 Uhr als Live-Stream aus dem Staatstheater am Gärtnerplatz, München

Was wäre die Oper ohne die Primadonna? Sie verkörpert Glamour und große Emotionen, königliche Heldinnen und bedingungslos Liebende, ihr beseelter Gesang rührt uns zu Tränen, ihre Spitzentöne bringen den Saal zum Toben. In ihr konzentrieren sich die Sehnsüchte des Publikums. Und so sehr man sie auf der Bühne bewundert, so gefürchtet sind sie hinter der Bühne, sagt das Klischee. So kursieren Geschichten über Primadonnen, die den Operndirektor ohrfeigten oder auf offener Szene mit einer Rivalin handgreiflich wurden. Was passiert, wenn gar vier von ihnen zugleich auf der Bühne stehen? Barbara Hauter sprach vor der Premiere mit dem kroatischen Dirigenten Darijan Ivezić, der seit 2019 als Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung am Gärtnerplatztheater wirkt und mit „Primadonnen“ seinen ersten großen Einsatz am Pult in Deutschland hat.

Klassik-begeistert: Wie kam es dem zu dem Projekt Primadonnen?

Darijan Ivezić: Ich kam im September 2019 ans Gärtnerplatztheater, da stand das Konzept schon, vier Gärtnerplatzsopranistinnen auf der Bühne in so einem Format zu präsentieren. In der letzten Spielzeit hatten wir die „Herzensbrecher“, fünf Tenöre. Deswegen schwebte mir für die Sopranistinnen mit ihren hohen Tönen der Titel „Ohrenbrecher“ vor, aber das fand niemand lustig (lacht). „Primadonnen. Die Diven vom Gärtnerplatz
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Samstag, 13. März 2021 um 19 Uhr als Live-Stream“
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Ein bonbonbunter Wohlfühlabend

Der Vetter aus Dingsda
Stream aus dem Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Premiere am 17. Dezember 2020

Fotos: © Christian POGO Zach

von Herman Haller und Rideamus
Nach einem Lustspiel von Max Kempner-Hochstädt
Musik von Eduard Künneke
In reduzierter Orchesterfassung von Andreas Kowalewitz

Online verfügbar bis Sonntag, 20.12.2020, 23 Uhr unter gaertnerplatztheater.de

Das hat gut getan. Weit weg von Corona und Lockdown sich auf dem heimischen Sofa den bonbonbunten Liebeswirrungen aus dem „Vetter von Dingsda“ hinzugeben und einfach viel Spaß dabei zu haben. Das Münchner Gärtnerplatztheater verpflanzt die Revueoperette aus den wilden 1920ern in die ebenso wilden 1960er-Jahre. Inklusive Käseigeln, Miniröcken, auftoupierten Frisuren und Neonfarben. Barbarella, spitzbrüstig im hautengen silbern-glitzernden Catsuit taucht auf für ihre Weltraum-Friedensmission, und die Sänger geben sich gemeinschaftlich einer psychodelischen Pilz- und Kifferparty hin. Das schrille Bühnenbild bietet viel fürs Auge, ein 60er-Bungalow mit geschwungenem Pool und aufblasbarer Palme, Gartenzwerg, ein amerikanischer Schlitten, der durch die Hecke bricht, eine Zauberfee und sogar ein Ufo schweben über die Szene. „Herman Haller und Rideamus, Der Vetter aus Dingsda,
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Premiere am 17. Dezember 2020“
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Interview Lukas Wachernig: „Für mich ist es wichtig, für diese zwei Stunden Theatererlebnis eine bessere Welt zu kreieren, die für alle Balsam für die Seele ist“

Eduard Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda“
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 17. Dezember 2020

Stückeinführung mit Regisseur Lukas Wachernig

Ganz neu: Als besonderen Service bieten Klassik begeistert Ihnen Stückeinführungen zu den Premieren des Gärtnerplatztheaters München. Heute zu Eduard Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda“. Die Premiere wird live gestreamt am 17. Dezember 2020 um 19 Uhr auf der Website gaertnerplatztheater.de.

von Barbara Hauter

Darum geht es: Ganz großes Gefühlskarussell um das wichtigste Thema der Welt – der Liebe. Roderich de Weert ist vor sieben Jahren in die Fremde gezogen, nach Dingsda. Cousine Julia wurde ihrer Sandkastenliebe beraubt. Doch Roderich kehrt zurück, just als die verwaiste Julia volljährig und damit erbberechtigt wird. Ihr raffgieriger Onkel nebst Gattin wollen die nun reiche Julia mit ihrem Neffen August Kuhbrot verheiraten. Doch dann tauchen zwei Fremde auf und das Karussell beginnt sich zu drehen.

Der Regisseur Lukas Wachernig hatte kurz vor der Premiere Zeit für ein Gespräch mit mir.

Barbara Hauter: Herr Wachernig, warum sollten wir uns den Stream morgen Abend ansehen?

Lukas Wachernig: Um einen schönen Abend zu verbringen und die düstere, graue Welt, die wir gerade erleben, für ein paar Stunden zu vergessen und sich in etwas Schöneres hineinzuträumen.  Das wird ein leichter, heiterer Abend, der dennoch Tiefgang bietet. Alles was man braucht. „Interview: Lukas Wachernig, Regisseur, Eduard Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda“
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 17. Dezember 2020“
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Königinnendrama in München: Schlachten in Koloraturen und Duetten

Anna Bolena: Premiere des Gärtnerplatztheaters in München als Stream

Gaetano Donizetti, Anna Bolena
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Premiere am 4. Dezember 2020

Tragedia lirica. Libretto von Felice Romani
Halbszenische Aufführung in einer reduzierten Orchesterfassung von Tony Burke
Foto: Jennifer O’Loughlin, © Marie-Laure Briane

von Barbara Hauter, München

Das war ein Ritt auf dem Gefühlsschlachtross. Die Geschichte der Anna Bolena hat es in sich. Sie bietet Macht, Intrige, Verzweiflung und Liebe. Das Gärtnerplatztheater hat die Emotionen trotz der Distanz, die das Streaming-Erlebnis nunmal gegenüber dem Live-Event im Theater produziert, aufs Wohnzimmersofa transportiert.

Das Schicksal Anna Bolenas, der zweiten Frau Heinrich VIII, hat schon viele Dichter und Regisseure inspiriert. Es muss eine große Liebe gewesen sein, der englische König bricht wegen ihr mit der katholischen Kirche. Aber ihr Ende ist tragisch. Sie gebiert ihm keinen Sohn, der König wendet sich von ihr ab. Seine neue Favoritin ist ausgerechnet ihre intimste Freundin und Kammerzofe Jane Seymour. Anna steht dieser Verbindung im Weg, eine erneute Lösung der Ehe ist nicht möglich, Heinrich schickt seine zweite Frau in den Tod. „Gaetano Donizetti, Anna Bolena, Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Premiere am 4. Dezember 2020“
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Interview mit dem Regisseur Maximilian Berling: „Anna Bolena ist ein wahnsinnig spannendes Stück – ein vertonter Politthriller“

Stückeinführung mit Regisseur Maximilian Berling

Ganz neu: Als besonderen Service bieten wir Ihnen Stückeinführungen zu den Premieren des Gärtnerplatztheaters München. Den Anfang macht die Oper Anna Bolena von Gaetano Donizetti. Die Premiere am Freitag, 4. Dezember 2020, wird um 19 Uhr auf der Website vom Gärtnerplatztheater gestreamt.

Darum geht es: König Heinrich VIII. hat eine neue Mätresse, Jane Seymour, die Kammerzofe seiner zweiten Gattin Anna Bolena. Nun versucht er, seine Gemahlin des Betrugs zu überführen, um sie loszuwerden. Die Intrige des Königs gelingt und Anna wird hingerichtet.

Der Regisseur Maximilian Berling hatte noch kurz vor der Premiere Zeit für ein Gespräch mit mir.

von Barbara Hauter

Klassik begeistert: Was erwartet uns bei der Premiere am Freitag?

Maximilian Berling: „Anna Bolena“ ist ein wahnsinnig spannendes Stück, es ist eigentlich ein vertonter Politthriller. Ein Stück über Intrigen am Königshof, Liebe, Macht, Eifersucht, das auch mit dem Tod endet. Das Ganze passiert in einem halbszenischen Format, es ist also keine reine konzertante Aufführung. Das Orchester sitzt im Graben, aber auf der Bühne sind Chor und Solisten mit den Noten, die Solisten tragen Kostüme und die Interaktion zwischen ihnen ist inszeniert. Wir haben für die Figuren viel psychologisch gearbeitet. „Interview Regisseur Maximilian Berling, Anna Bolena
Staatstheater am Gärtnerplatz“
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Interview mit Anthony Bramall: „Wenn kein Publikum da ist, fehlt uns die Reaktion – das ist wie ein Witz, den man allein im Wald erzählt“

„Mein Wunsch ist daher, wenn wir wieder auf haben: Kommen Sie in Strömen. Haben Sie keine Angst. Theater ist einer der sichersten Orte, an denen man überhaupt sein kann.“

Gespräch mit Anthony Bramall, Chefdirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz, München

von Barbara Hauter, München

Theater suchen verzweifelt nach Wegen, wie sie trotz der Corona-Beschränkungen ihre Stücke auf die Bühne bringen können. Es wird gestreamt und gemäß Hygiene-Vorgaben umarrangiert. Anthony Bramall (geboren 1957 in London als Sohn einer Wienerin und eines Engländers), seit 2017 Chef-Dirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, hat mir Einblick in seine Arbeit in diesen besonderen Zeiten gegeben.

Klassik-begeistert: Herr Bramall, wie geht es Ihnen mit der Situation im Moment?

Anthony Bramall: Unsere Situation ist eine Herausforderung. Aber es ist schön, wenn wir Sachen machen wie unseren „Hänsel und Gretel“ Live Stream am letzten Wochenende. Wir hatten ein Neuarrangement wegen der Kontaktbeschränkungen. Es kam wahnsinnig gut an. Wir hatten über 10 000 Klicks und ganz tolle Reaktionen von unserem Online-Publikum. Und auch die 50 hausinternen Zuschauer, die im Publikum sitzen durften, waren hellauf begeistert. Wenn wir sehen können, dass wir etwas künstlerisch Wertvolles machen können trotz Beschränkungen, dann ist das sehr befriedigend. „Interview mit Anthony Bramall
Staatstheater am Gärtnerplatztheater“
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Interview mit dem Gärtnerplatztheater-Chef: „Ohne Kunst und Kultur entwickeln wir uns zu einer Barbarengesellschaft“

„Aber egal was wir tun, wie gut unsere Hygienekonzepte sind, wir werden ja eh zugemacht. Das stinkt mir. Es geht um Wertschätzung. Das fordere ich ein. Ich erwarte einen Kampf der Kulturminister. Sie müssen aufs Volk hören, das in die Oper will.“

exklusiv von Barbara Hauter, Journalistin, München

Fotos: Christian POGO Zach (c)

Ich bin wütend. Wenn ich Eyeliner und Spitzenunterwäsche kaufe, ist das systemrelevant. Und daher erlaubt. Meinen Verstand mit der Oper „Die Kluge“ und mein Herz mit einem Ballett wie „Undine“ zu füttern, gilt als irrelevanter Freizeitspaß und ist daher unmöglich. Mein Lieblingstheater, das Haus am Münchner Gärtnerplatz, muss geschlossen bleiben. Dabei hat es nachweislich noch keine Infektion in einem Spielhaus gegeben. Zu gut sind die Sicherheitsvorkehrungen in den Theatern. Im Gärtnerplatztheater saßen wir  – mit Maske natürlich – so isoliert und von der Lüftungsanlage mit Frischluft umweht, dass ich mich erheblich sicherer fühlte als in der U6. Wenn ich schon so wütend bin – wie muss es da dem Intendanten des Gärtnerplatztheaters gehen? Josef Ernst Köpplinger, seit Spielzeit 2012/13 Staatsintendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz, München hatte Zeit für ein Gespräch mit mir. „Interview: Josef E. Köpplinger, Staatsintendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz, München weiterlesen

"Eugen Onegin" in München: Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche – die Musik; die Inszenierung ist bieder

Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Premiere, 8. Oktober 2020
Peter I. Tschaikowsky, Eugen Onegin

Fotos: © Christian POGO Zach

Libretto von Peter I. Tschaikowsky und Konstantin S. Schilowsky
Nach dem Versroman von Alexander Puschkin
Aktuell in der reduzierten Orchesterfassung von Pjotr Alexandrowitsch Klimow, entstanden im Auftrag des Staatstheaters am Gärtnerplatz

von Barbara Hauter

Schöne Stimmen, aber eine langweilige Inszenierung. Wer sich nicht durch eine interpretationsstarke Regieidee von der Musik Tschaikowskys ablenken lassen will, der ist beim neuen „Eugen Onegin“ im Münchner Gärtnerplatztheater genau richtig.

Auf der Bühne passiert nicht viel. Regisseur Ben Baur, der auch das Bühnenbild verantwortet, belässt die Oper im 19. Jahrhundert. Raumhohe Lamellenfenster bilden einen Bogen über die Bühne, deuten die Fensterfront einer hochherrschaftlichen Villa an. Ein Vorhang, der ständig auf- und zugezogen wird, schafft intimere Räume wie Tatjanas Schlafzimmer. Das ist schon alles. „Peter I. Tschaikowsky, Eugen Onegin
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, Premiere, 8. Oktober 2020“
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