„Romeo und Julia“ ist eine Zumutung – und das ist gut so!

Foto: © Marie-Laure Briane
Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Choreografische Uraufführung am
22. November 2018
Romeo und Julia

Musik von Sergej Prokofjew
Ballett von Erna Ómarsdóttir und Halla Ólafsdóttir
nach der gleichnamigen Tragödie von William Shakespeare
– Altersempfehlung ab 17 Jahren –

von Barbara Hauter

„Romeo und Julia“ ist eine Zumutung. Und das ist gut so.

Noch nie hat mich ein Tanztheater so abgestoßen, fasziniert und durcheinandergebracht. Ich wollte zwischendurch einfach nur nach Haus, war aber völlig gefesselt vom Bühnengeschehen. Hoch her ging es mit meinen Emotionen in den zwei Aufführungsstunden. Was hat das Gärtnerplatztheater nur mit Romeo und Julia gemacht, mit der berühmtesten Story über die eine große Liebe? „Sergej Prokofjew, Erna Ómarsdóttir und Halla Ólafsdóttir, Romeo und Julia, Ballett,
Staatstheater am Gärtnerplatz, München“
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Staatstheater am Gärtnerplatz, München: Zuckersüße Walzerseligkeit

Foto: © Christian POGO Zach
Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Spielzeitpremiere,
9. November 2018
Wiener Blut, Operette
Musik von Johann Strauß (Sohn)
Für die Bühne bearbeitet von Adolf Müller jun.
Libretto von Viktor Léon und Leo Stein

von Barbara Hauter

Wer bei dieser Inszenierung des Gärtnerplatztheaters nicht in Champagnerlaune kommt, ist selber schuld. Der Lebenssaft des Gärtnerplatztheaters sprudelt bei Wiener Blut besonders temperamentvoll. Da kommt auch das Blut der Zuschauer in Wallungen. Man amüsiert sich prächtig. Und es macht auch den Sängern und Musikern Spaß. Das hört man.

Zwei Engel, ein bayrischer und ein österreichischer, eröffnen den Liebesreigen –  ganz herzallerliebst mit blonden Locken und in Lederhosen. Zuckerwatte-Wölkchen schweben am Theaterhimmel. Das Portal auf der Drehbühne, das verziert mit Gustav Klimtschen Bildmaterial mal zur Villa, mit Riesen-Trauben mal zum Heurigen wird, könnte direkt von Sacher stammen. „Wiener Blut, Operette, Johann Strauß (Sohn),
Staatstheater am Gärtnerplatz, München“
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Frust statt Lust im Gärtnerplatztheater: Don Giovanni hat genug vom Sex und von der Welt

Foto: Camille Schnoor, Mathias Hausmann© Thomas Dashuber
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 28.Oktober 2018
Wolfgang Amadeus Mozart,
Don Giovanni 
(Spielzeitpremiere)

von Barbara Hauter

Don Giovanni zählt neben Faust und Don Quijote zu den bedeutendsten Figuren der europäischen Kulturgeschichte: er ist der Mythos des Verführers, ein Sexbesessener mit über 1000 Eroberungen allein in Spanien. Traditionell wird er auf der Bühne dämonisiert, abgestraft und der Hölle übergeben. Was passiert mit Don Juan in säkularisierten Zeiten, in denen Sex allgegenwärtig ist und nackte Brüste keinen mehr aufregen? Das Gärtnerplatztheater inszeniert den Wüstling als von der Welt angeekelten Lebemann, den Partys langweilen und Nackte anöden. Selbst die Jagd auf Frauen gibt ihm keinen Thrill mehr. Konsequenterweise verschlingt ihn nicht der Höllenschlund, sondern er gibt sich selbst die Kugel. „Wolfgang Amadeus Mozart, Don Giovanni,
Staatstheater am Gärtnerplatz, München“
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Standing Ovations und leere Plätze: „Gefährliche Liebschaften“ spalten das Publikum

Fotos: © Thomas Dashuber
Gefährliche Liebschaften, Musical, Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 17. Oktober 2018

Musik von Marc Schubring
Buch und Liedtexte von Wolfgang Adenberg 
Nach dem Roman von Choderlos de Laclos

von Barbara Hauter

Auftragswerk des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Fünffach ausgezeichnet mit dem Deutschen Musical Theater Preis 2015 in den Kategorien »Bestes Musical«, »Beste Komposition«, »Bestes Kostümbild«, »Beste Musikalische Gestaltung« und »Beste Darstellerin« (Julia Klotz).
Uraufführung am 22.02.2015 im Cuvilliéstheater
Spielzeitpremiere, 17.10.2018, Staatstheater am Gärtnerplatz, München

Wenn eine viel gelobte und preisgekrönte Produktion wiederaufgenommen wird, sind die Erwartungen beim Publikum hoch. Das Musical „Gefährliche Liebschaften“, eigens für das Gärtnerplatztheater entwickelt, war 2015 ein voller Erfolg. Über die Spielzeitpremiere 2018 – im Wesentlichen mit dem gleichen Team wie 2015 besetzt – sind sich die Zuschauer uneinig. Die Meinungen reichen von „Fantastisch, mal eine ganz andere Musik“  bis „Alles ganz gut, aber ein bisschen langweilig“. An den Leistungen von Sängern und Musikern liegt es nicht, daran gibt es nichts zu meckern. Auch die Regieideen sind spannend, und die Ausstattung ist hübsch anzusehen. Doch die im ersten Akt phasenweise vor sich hin plätschernde Musik sorgt dafür, dass sich das Stück langatmig anfühlt. „Gefährliche Liebschaften, Musical, Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 17. Oktober 2018“ weiterlesen

Gottfried von Einems "Dantons Tod" in München: Mut wird belohnt

Foto: © Christian POGO Zach (c)
Gärtnerplatztheater München, Premiere,
11. Oktober 2018
Gottfried von Einem, Dantons Tod

Libretto frei nach Georg Büchner eingerichtet von Boris Blacher und Gottfried von Einem

von Barbara Hauter

Das Gärtnerplatztheater traut sich was. Die Volksoper, die für „Die lustige Witwe“ und „Das weiße Rössl“ steht, bringt zum 100. Geburtstag Gottfried von Einems dessen Oper „Dantons Tod“ auf die Bühne. Und die ist das Gegenteil von leichter Kost: eine verstörende, grausame Revolutionsgeschichte mit lauter moderner Musik. Das Publikum verträgt die Zumutung nicht nur, sie findet sie richtig gut. Die Premiere wird mit Bravi belohnt. Kein Wunder, denn das Stück, das mehr Musikdrama als klassische Oper ist, wirkt erschreckend aktuell. Und ist auch ganz bewusst so inszeniert. Das  geht unter die Haut. „Gottfried von Einem, Dantons Tod,
Gärtnerplatztheater München, Premiere, 11. Oktober 2018“
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Beschwingt-traditionell mit moderner Note
Ein braver Tanz auf dem Vulkan

Foto © Marie-Laure Briane
Die lustige Witwe, Operette in drei Akten
Libretto von Victor Léon und Leo Stein
Musik von Franz Lehár, Spielzeitpremiere
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 29. September 2018

Von Barbara Hauter

Seit über 100 Jahren wird die „Lustige Witwe“ im Münchner Gärtnerplatztheater gespielt. Intendant Josef E. Köpplinger liefert mit seiner Interpretation die  – seit 1906 – zwölfte Witwen-Inszenierung des Hauses. Das Gärtnerplatztheater ist eine Volksoper, dessen Publikum sich vor allem einen schönen Abend machen will und unbeschwert entlassen werden möchte. Und diese Aufgabe gelingt der Regiearbeit: die Kostüme – prächtige Glitzerroben mit voluminösen Colliers für die Damen und Frack mit Lackschuhen für die Herren – kommen gut an.  Die fetzigen Ballettszenen und vor allem die beschwingten, mitreißenden Mitsumm-Melodien des solide spielenden Orchesters liefern den ersehnten Theaterzauber. „Franz Lehár, Die lustige Witwe, Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 29. September 2018“ weiterlesen

"La Strada": Dreiecksgeschichte im Staatstheater am Gärtnerplatz – dieses Ballett lässt keinen kalt

Foto: Marie-Laure Briane (c)
Staatstheater am Gärtnerplatz, München,
23. September 2018
La Strada, Ballett
von Marco Goecke nach dem gleichnamigen Film von Federico Fellini
Buch von Federico Fellini und Tullio Pinelli
Musik von Nino Rota

von Barbara Hauter

Ein Körper wie Michelangelos David. Die Hände riesenhafte Pranken, zum Zerreißen gespannte Armmuskeln. Zampanó, der kettensprengende Schausteller, ist geballte Männlichkeit. Özkan Ayik tanzt ihn ausdrucksstark. Doch seine Bewegungen irritieren: Der Muskelbepackte zuckt, scheint wie gefangen in seinem riesenhaften Körper, hebt seine Arme wie ein Ertrinkender. Eine Dreiecksgeschichte entspinnt sich zwischen ihm, dem Mädchen Gelsomina (Verónica Segovia) und  Matto, dem Seiltänzer (Javier Ubell).

Neben dem brutalen Kerl verschwindet das Mädchen fast, tanzt ebenso zuckend, hektisch mit den Händen gestikulierend. Als würden Chiffren in den Raum geschrieben. Nur der Seiltänzer bewegt sich im klassischen Sinne tanzend, fliegt in großen Sprüngen leichtfüßig über die Bühne. Doch er ist dabei fast flüchtig. Auch er irritiert.  Allen fehlt Verbindung – zu sich selbst, zu einander und zum Boden. „La Strada, Ballett,
Staatstheater am Gärtnerplatz, München“
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"My Fair Lady" in München: Amüsieren erlaubt – ein Fingerhut voll Glück

Foto: © Marie-Laure Briane
Staatstheater am Gärtnerplatz, München,
Spielzeitpremiere, 21. September 2018
My Fair Lady, Musical
Nach Bernard Shaws Pygmalion und dem Film von Gabriel Pascal
Buch von Alan Jay Lerner
Musik von Frederick Loewe
Deutsch von Robert Gilbert
Münchner Textfassung von Josef E. Köpplinger
Ins Bairische übertragen von Stefan Bischoff

von Barbara Hauter

Wenn man nach einem Musicalbesuch vergnügt zur Straßenbahn tanzt und dabei die gerade gehörten Melodien vor sich hin summt, dann haben die Theatermacher alles richtig gemacht. Beim Musicalklassiker My Fair Lady, den das Münchner Gärtnerplatztheater 2018 neu inszeniert hat, ist das gelungen: Beschwingt und elegant wird rundum gute Unterhaltung serviert. Die Inszenierung könnte sich durchaus neben Londoner West-End.Produktionen sehen lassen, so rasant wird in die Theaterzauberbox gegriffen: Mitklatschnummern und mitreißende Choreografien, Drehbühne und historisierende Kostüme, ein präzise auf den Punkt spielendes schmissiges Orchester – hingucken und zuhören macht einfach Spaß! „My Fair Lady, Musical, Spielzeitpremiere,
Staatstheater am Gärtnerplatz, München“
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München: Prächtige Besetzung in netter Operetten-Drollerie

Foto: Christian Pogo Zach (c)
Staatstheater am Gärtnerplatz, Premiere am 14. Juni 2018
Oscar Straus, Der tapfere Soldat – Operette – Buch von Rudolf Bernauer und Leopold Jacobson nach Motiven von Bernard Shaws »Helden«

von Tim Theo Tinn

1886 stehen sich Major Alexius Spiridoff (Bulgare) und der Schweizer Söldner (bei den Serben) Bumerli als Hauptmann gegenüber. Spiridoff und seine Reiter können die entscheidende Schlacht für sich entscheiden, weil in Bumerlis Kanonen blinde Munition steckt. Er flieht und landet ausgerechnet im Haus von Nadina, der Verlobten seines Gegners. Hier verrät er die wahren Hintergründe der vermeintlichen Heldentat. Am Ende angelt sich Bumerli Nadina und die hübsche Mascha den Spiridoff – und alles löst sich in Wohlgefallen auf. „Oscar Straus, Der tapfere Soldat,
Staatstheater am Gärtnerplatz“
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Maria Stuarda in München: Reduziertes Theater zwischen Konzert und Oper – Ausstieg aus der Unterhaltung

Foto: © Christian POGO Zach
Gaetano Donizetti, MARIA STUARDA, Tragedia lirica
Staatstheater am Gärtnerplatz, München,
Premiere 22. März 2018

Von Tim Theo Tinn

„Man muss als Regisseur aussteigen aus der Idee, die Leute die ganze Zeit unterhalten zu wollen. Es ist ein Abend zwischen Konzert und Oper, ein reduziertes Theater!“ Weil es Belcanto sei, behauptet Michael Sturminger dies vor der Premiere (Abendzeitung). Er hat tatsächlich einen faden szenischen Aufguss der „Tragedia lirica“ – lyrische Tragödie – von Donizetti und Schiller abgeliefert. „Gaetano Donizetti, MARIA STUARDA,
Staatstheater am Gärtnerplatz, München“
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