Jai, jai, Mamám! Jonas Kaufmann begibt sich die Donau abwärts

CD/Blu-ray Besprechung: Jonas Kaufmann, Magische Töne  klassik-begeistert.de, 17. April 2026

CD/Blu-ray Besprechung:

Jonas Kaufmann
Magische Töne

Hungarian State Opera Orchestra
Dirk Kaftan

Sony 19958413542

von Peter Sommeregger

Das alljährliche Concept-Album Jonas Kaufmanns führt diesmal die Donau abwärts, nach Budapest. Die wichtigsten Komponisten der „Silbernen Ära“ der Operette waren Ungarn und finden sich mehrfach auf der neuen CD.

Mit dem Budapester Staatsopernorchester unter Dirk Kaftan wurden Operettenlieder von Kálman, Lehár, Paul Abraham, um einige zu nennen, an authentischem Ort eingespielt.

Assistiert wird Kaufmann bei insgesamt sechs Titeln von Nikola Hillebrand, die mit jugendlich frischem Sopran den eher gesetzten Stil des Tenors erfolgreich konterkariert. Eine Nennung ihres Namens auf dem Cover des Booklets hätte sie sich redlich verdient. Erinnerungen an den großen Rudolf Schock werden wach, der sich mit fortschreitendem Alter vom Helden- zum Operettentenor wandelte, und damit seine Karriere erfolgreich verlängern konnte.

Kaufmann kommt mit den keineswegs geringen Anforderungen des Programmes gut zurecht, was ihm aber fehlt, ist eine gewisse ironische Distanz zu den sehr blumigen Texten und stilistischen Übertreibungen, die in den Stücken angelegt sind. Er bleibt Opernsänger, wirkt dadurch oft übertrieben ernst und stilisiert die Komödien zu Tragödien.

Insgesamt drei Lieder singt er auf Ungarisch, eines davon wurde zwar auf einen deutschen Text komponiert, aber man ist ja schließlich in Budapest. Authentisch klingt das nicht, Ungarisch ist eine von der Aussprache gesehen sehr komplexe Sprache, vom Prompter abzulesen bringt hier wenig.

Ein wenig unmotiviert werden den Operetten-Nummern noch zwei Arien aus Opern angefügt, eine aus Ferenc Erkels „Bánk bán“, und das berühmte „Magische Töne“ aus Karl Goldmarks einstiger Erfolgsoper „Die Königin von Saba“, eine Arie die sogar Enrico Caruso seinerzeit auf Platten aufnahm. Kaufmann setzt dafür reichlich Falsett ein, das kann man mögen oder auch nicht.

Es gibt deutlich stimmigere Einspielungen dieser Musik, aber für die große Fan-Gemeinde Jonas Kaufmanns ist die neue CD natürlich ein Muss!

Peter Sommeregger, 17. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Ein Kommentar zu „CD/Blu-ray Besprechung: Jonas Kaufmann, Magische Töne
klassik-begeistert.de, 17. April 2026“

  1. Lieber Herr Sommeregger,

    es ist ja nicht die erste CD des Weltstars Jonas Kaufmann, die Sie rezensieren. Jedes Mal gewinne ich aber mehr den Eindruck, es würde Sie irgendjemand dazu zwingen. Nichts ist so richtig stimmig in Ihren Augen, fast immer verlieren Sie sich in irgendwelche Nebensächlichkeiten (Nikola Hillebrand z.B. ist sehr wohl und eindeutig auf der Cover-Rückseite genannt), es kommt halt einfach keine rechte Freude beim Lesen auf. Der Schwerpunkt dieser Scheibe liegt auf Ungarn – glücklicherweise zu rechten Zeit wie man angesichts der politischen Veränderungen dort sagen könnte. Operette – ja, aber und bewusst gewählt auch Oper! „Magische Töne“ ist der Titel der CD und gleichzeitig das Motto der gerade laufenden Konzert-Tournee. Und ausgerechnet die beiden wunderschön gesungenen Opernarien auf der CD finden Sie „etwas unmotiviert“? Karl Goldmark und Ferenc Erkel waren nun einmal ebenfalls ungarische Komponisten! Vielleicht haben Sie ja noch die Gelegenheit, eines der kommenden Magische Töne-Konzerte zu besuchen, da könnten Sie so wie ich neulich in der Isarphilharmonie selbst erleben, wie erfrischend lebendig und schwungvoll Operette heutzutage klingen kann. Wenn sich das Publikum dann auch noch zum Mitklatschen animieren lässt und nicht nur die Vokalisten, sondern auch das Orchester samt Dirigenten für die Instrumentalteile teils stürmischen Applaus erhalten, war es wohl ein gelungener Konzertabend, nicht nur für die eingefleischte Kaufmann-Fan-Gemeinde! Noch einmal: Die CD heißt „Magische Töne“ – wäre diese Kritik ein Schulaufsatz gewesen, hätte der Deutschlehrer wohl mit „Thema weitgehend verfehlt“ urteilen müssen.

    Franz Büchel

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