Die DIENSTAG-PRESSE – 16. NOVEMBER 2021

Die DIENSTAG-PRESSE – 16. NOVEMBER 2021

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die DIENSTAG-PRESSE – 16. NOVEMBER 2021

Crescendo: Mitmachen beim Schwarzbuch der Klassik-Sparwut
KlassikWoche 46/2021
Geht denn nun wirklich alles nochmal von vorne los? Die vierte Corona-Welle überschwemmt langsam auch die Klassik-Szene. Und im Schatten der aktuellen Ereignisse wird der große Rotstift geschwungen. Helfen Sie mit beim KlassikWoche-Schwarzbuch der Sparmaßnahmen!
crescendo.de

Tim Theo Tinn Kommentar zur Theater-Relevanz von: Fast 7,9 Milliarden Menschen auf der Erde
Auszug Tim Theo Tinn „Habemus Theatrum“: Die gegenwärtige Ausprägung als überwiegend öffentlich-rechtliche Institutionen entwickelte sich vor rd.100 Jahren durch Geltungsbedürfnis zahlloser Gemeinden, national flächendeckend. … Deutschlandweit werden fast 150 Theater und 150 Orchester alimentiert, die früher zumindest ca. 20 % ihrer Kosten erwirtschafteten. … Diese ganze Perversion führt zu öffentlichen Ausgaben (incl. Bauleistungen) in der BRD von ca. zehn Milliarden € jährlich. Nach TTT ist es eine Eselei und politische Dummheit. Gründe liegen im Unvermögen und schwindendem, bzw. untergegangenem Anspruchsdenken. Wesentlich sind aber auch gewachsene Selbstbestätigungsfilter.
Onlinemerker.com

Berlin/Philharmonie
Tschaikowskys Mazeppa
Das unsägliche Covid-Virus hat auch traditionelle Abläufe in der Musikwelt kräftig durcheinander gewirbelt. So fanden auch die Osterfestspiele Baden-Baden diesmal zeitversetzt im November statt. Beibehalten wurde aber die Tradition, die dort gespielte Oper in der Berliner Philharmonie anschließend konzertant aufzuführen.
Klassik-begeistert.de

Die Berliner Philharmoniker spielen Oper: Das ist der Wahnsinn
Kirill Petrenko, die Berliner Philharmoniker und exzellente russische Solisten begeistern in Berlin mit Pjotr Tschaikowskys Oper „Mazeppa“
Tagesspiegel.de

Berlin
Der neue „Ring“ an der Deutschen Oper – Magie und Feinripp
rbb24.de

Tastendonner
An der Deutschen Oper in Berlin inszeniert Stefan Herheim Wagners „Ring“ als oft bizarres, nicht immer schlüssiges Riesenspektakel mit Klavier.
Sueddeutsche Zeitung

Ein heiteres Heldenepos: Stefan Herheims Siegfried an der Deutschen Oper Berlin
bachtrack.com

Bundesverdienstkreuz für Arvo Pärt – Erfinder des „Tintinnabuli-Stils“ Arvo Pärt – Jahrzehnte in Berlin
BR-Klassik.de

Frankfurt
Herbert Blomstedt und die Bamberger Sinfoniker in der Alten Oper: Der Zeitgemäße und der Unzeitgemäße
Frankfurter Rundschau

Museumskonzert mit Daniel Müller-Schott: Die Mehrsprachigen
Frankfurter Rundschau

Klarinettist Jörg Widmann : „Die Klarinette ist Mozarts späte Liebe“
Frankfurter Allgemeine

Nürnberg
Kritik: Verdis „Il trovatore“ in Nürnberg
Peter Konwitschny inszeniert Seelenstürme, Krieg und Puppentheater
BR-Klassik.de

Leipzig
Nymans „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte” an der HMT Leipzig
Neue Musikzeitung/nmz.de

Interview: Deutsche Chöre und Politik (Teil 2)
„Die singen ja nur“ – so sagte man über Chormitglieder während der Revolution von 1848/49. Das politische und gesellschaftliche Leben wirkte sich jedoch auf die Tätigkeit der Chorvereine sehr wohl aus. Am deutlichsten war es in der Nazizeit, als man zum Beispiel die Seiten mit Stücken von Mendelssohn in Liederbüchern zusammenklebte.
klassik-begeistert.de

Klagenfurt
Berührung nur im Notfall: „Le nozze di Figaro“ am Stadttheater Klagenfurt
Stimmen voller Strahlkraft: Brigitte Fassbaenders Neuinszenierung von Mozarts Opera buffa
Der Standard.at

Wien
Theater an der Wien – „Deianira, Iole ed Ercule“
„Deianira, Iole ed Ercole“ – eine Serenata von Antonio Porpora ermöglichte dem Publikum im Theater an der Wien einen konzertanten Ausflug ins Jahr 1711. Das Werk wurde für eine Hochzeit in Auftrag gegeben und warnt davor, sich der „Tyrannei“ des Liebesgottes Amor auszuliefern.
http://www.operinwien.at/werkverz/porpora/adeian.htm

„La Wally“: Einsamkeit der Berge
Selten gespielte, beherzt umgesetzte Oper im Theater an der Wien.
Wiener Zeitung.at

Alpiner Verismo-Thriller: La Wally am Theater an der Wien
bachtrack.com

Mit OpernWein helfen
Hilfsprojekt von Starbariton Clemens Unterreiner
https://www.krone.at/2555903

Opernball: Staatssekretärin Mayer zuversichtlich!
https://www.krone.at/2556367

Wien
PCR-Test-Angebot stößt an Grenzen

Aufgrund der starken Nachfrage nach PCR-Tests kommt es offenbar verstärkt zu Problemen – sei es in den Teststraßen, in den Laboren, aber auch bei der Versorgung mit den Testsets. Zuletzt kam es vielerorts zu langen Warteschlangen. Zudem mehren sich Berichte über deutliche Verzögerungen bei den Testergebnissen. Deutlich wurde das am Montag dann auch mit Blick auf die nun ausnahmslos am Arbeitsplatz geltende 3G-Regel, als viele nicht rechtzeitig einen Test zur Hand hatten.
https://orf.at/stories/3236613/

Graz
In der Grazer Oper: Robin Hood kämpft gegen die Gentrifizierung
https://www.krone.at/2555792

Salzburg
Salzburger Landestheater sagt Veranstaltungen ab
Corona-Fälle bei Musikern und Schauspielern
Salzburg24.at

Innsbruck
Die „Innsbrucker Wurzeln“ des Gregor Bloéb
Am Tiroler Landestheater läuft derzeit mit Mozarts „Zauberflöte“ höchst erfolgreich seine erste Operninszenierung. Längst ist Gregor Bloéb Teil der Oberliga im deutschsprachigen Schauspiel.
https://www.krone.at/2555058

Deutschland
Keiner kauft Tickets. Konzertbranche fordert „Freedom Day“
Live-Musik ist in diesen Monaten wieder möglich – aber die Konzertveranstalter finden kaum Abnehmer für ihre Tickets. Nach dem Virus sei nun die Angst vor dem Virus der Gegner. Deshalb müsse die Politik handeln.
Frankfurter Allgemeine

CD-Kritik: Vom Wienerlied zu Anton Bruckners Kammermusik
Ein Album mit Günther Groissböck macht glücklich, eine CD mit Rémy Ballot begeistert.
WienerZeitung.at

Links zu englischsprachigen Artikeln

München
Child’s play: Crumb and Strauss make unconventional bedfellows in Munich
bachtrack.com

Stuttgart
Bang to rights: a rare outing for an opera from the former GDR
bachtrack.com

Liège
Breaking: Music director quits
Amid a burst of turbulence at the Opéra Royal de Wallonie-Liège, music director Speranza Scappucci has announced that she is leaving
https://slippedisc.com/2021/11/breaking-music-director-quits/

New York
Opera Hispánica & Teatro Grattacielo 2021-22 Review: Cuando el Fuego Abrasa
Nancy Fabiola is Pure Fire in Vibrant Double Bill
operawire.com

Be Nice to Tourists”: New York’s Arts Scene Needs International Visitors
The United States now allows vaccinated international travelers into the country. It’s welcome news for arts institutions that lost revenue and cut jobs during the pandemic.
The New York Times

San Francisco
If Remote Work Empties Downtowns, Can Theaters Fill Their Seats?
Since the pandemic, San Francisco has embraced work-from-home policies. Now venues and concert halls are wondering if weeknight audiences are a thing of the past.
The New York

Seoul
Vienna Philharmonic lifts spirits of classical music fans
https://www.koreatimes.co.kr/www/art/2021/11/398_318826.html

Adelaide
The Barber of Seville (State Opera South Australia)
This delightful, technicolour-bright production is wonderful, light-hearted entertainment, and just what we need right now to lift the spirits.
limelightmagazine

Recordings
Renée Fleming, Lena Belkina & Svetlana Aksenova Lead New CD/DVD Releases
operawire.com

Ballett/ Tanz

„Im siebten Himmel“: Gegen den Strich getanzt
Das Wiener Staatsballett zeigt mit dem dreiteiligen Abend nicht nur Freudentänze.
Wiener Zeitung

Bachmann, Mahler, Goecke: Tanztraumpremiere am Wiener Staatsballett
bachtrack.com

Unterhaltungsmusik

Wien/Corona-Bestimmungen
André Rieu muss seine Wien-Konzerte verschieben
Die beiden Veranstaltungen sollen nun am 16. und 17. November 2022 stattfinden.
Wiener Zeitung

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Unter’m Strich

Österreich
Ausgangsbeschränkung für alle?

Weitere CoV-Maßnahmen „auf dem Tisch“
Mit einem seit Mitternacht in Kraft befindlichen Lockdown für Ungeimpfte reagiert die Regierung auf die sich zuletzt wieder dramatisch zugespitzte Coronavirus-Lage – weitere Schritte könnten in wenigen Tagen folgen. Laut Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) liegt ein entsprechendes Maßnahmenpaket bereits auf dem Tisch. Im Raum stehe auch eine für alle und damit auch Geimpfte geltende nächtliche Ausgangsbeschränkung, wie Mückstein in der ZIB2 bestätigte.
https://orf.at/stories/3236530/

Musiker gegen Diskriminierung Ungeimpfter
Musiker wie Publikum sollten frei und selbstverantwortlich über die Durchführung oder den Besuch eines Konzerts entscheiden dürfen, fordern die Mitglieder des Netzwerks „Musik in Freiheit“.
Epochtimes.de

Österreich erhöht mit Lockdown den Druck auf Ungeimpfte – und nimmt Radikalisierung in Kauf
In Österreich gilt ab Montag ein Lockdown für Ungeimpfte. Auch Bayerns Ministerpräsident Söder fordert ähnliche Maßnahmen. Die dürften aber kaum schnell wirken.
Handelsblatt.de

Joe Bidens Absturz – bekommt Trump eine zweite Chance?
Die Zeit.de

INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 16. NOVEMBER 2021)

INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 16. NOVEMBER 2021)

Quelle: onlinemerker.com

NÜRNBERG: PROBLEME MIT REGISSEUR KONWITSCHNY

Konwitschny setzt sich in Graupa aufs rote Sofa
Peter Konwitschny machte in Nürnberg arge Probleme

Gast-Regisseur Peter Konwitschny hat am Endproben-Prozess der Opernproduktion „Der Troubadour“ sowie an der Premiere am vergangenen Samstag nicht persönlich teilgenommen.

Hintergrund hierfür ist ein Konflikt zum Verhalten des Regisseurs im Umgang mit Künstler*innen des Hauses. In einer Probensituation hat sich Herr Konwitschny in einer Art geäußert, die von Beteiligten als „unangemessen und diskriminierend“ wahrgenommen wurde. Die Theaterleitung kam nach Gesprächen mit mehreren beteiligten Personen zu derselben Einschätzung und hat unmissverständlich klargestellt, dass es am Staatstheater Nürnberg für Diskriminierung keinen Platz gibt.  

 Herr Konwitschny hat seine Arbeit an der Produktion daraufhin niedergelegt. Auch die Theaterleitung sah diesen Schritt als einzige mögliche Konsequenz. Gleichwohl konnte „Der Troubadour“ am 13. November wie geplant zur Premiere kommen. Die szenische Leitung der Endproben hat Regieassistentin Marie-Christine Lüling übernommen.

Kritiken Deutschlandfunk von Jörn Florian Fuchs

https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2021/11/15/der_troubadour_peter_konwitschny_inszeniert_verdis_oper_in_dlf_20211115_2012_9e437ba4.mp3

Und hier: https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/verdi-il-trovatore-neuinszenierung-nuernberg-100.html

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Bogdan Roščić: „Primitivste Stereotypen und Klischees“

Ein Interview. Dauer 1. Stunde und 5 Minuten

rosc

Der Link ist im Artikel eingebettet: Profil.at

Staatsoperndirektor Roščić gibt sich im Club 3 kämpferisch für Plácido Domingo – und gegen die deutschen Medien.
Profil.at

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WIEN/ Staatsballett: „In seventh Heaven“ (Im siebten Himmel): Vienna State Ballet, Première, November 14th, 2021.

 

https://www.attitude-devant.com/blog/2021/11/15/in-seventh-heaven-im-siebten-himmel-vienna-state-ballet-premire-november-14th-2021

Ricardo Leitner/attitude devant


Premiere des Wiener Staatsballetts in der Staatsoper:

„IM SIEBTEN HIMMEL“ – ein Ballettgott und so einige Psycho-Defekte (14.11.2021)

Im siebten Himmel | Spielplan & Kartenkauf | Wiener Staatsoper
Foto: Ashley Taylor/Wiener Staatsballett

Vorsicht! Gar so schnell gelangt man doch nicht in den siebenten Himmel. Auch wenn sich das Wiener Staatsballett an diesem Premierenabend in jedem der drei Piecen in feiner Form präsentierte. In einem etwas eigenartig gestalteten, wohl aber auch als kreativ zu bezeichnendem Programm mit dem Übertitel „im siebten himmel“. Oben, in aller Höhe, erweist sich einmal mehr Jahrhundert-Choreograph George Balanchine als Ballettgott, dessen „Symphony in C“ als prickelnd getanzter Schlusspunkt mit all seinen edlen Harmonie dem Ballettfreund sehr wohl so etwas wie himmlische Freude zu vermitteln vermag. Am Weg dorthin: Zwei sehr kompakte, durchaus seriös erarbeitete Stücke, welche aber nicht in schwindelnde Höhen sondern zuerst einmal ziemlich abseits von Wiener Walzerseligkeit und hierauf in bedrohliche menschliche Tiefen führen…

Zum Bericht von Meinhard Rüdenauer

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BERLIN/Deutsche Oper: GÖTTERDÄMMERUNG – Kurzbericht 14. November 2021

 Szenisch überladen, übertrieben und zeitweise irritierend – musikalisch gut!

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Applaus nach dem 2. Akt. Foto: Klaus Billand

 Am Sonntagabend hat der neue „Ring“ in der Regie von Stefan Herheim mit der „Götterdämmerung“ an der Deutschen Oper Berlin seinen ersten zyklischen einwöchigen Durchgang erlebt und wurde bei Erscheinen des leading teams mit einer signifikanten Buh-Reaktion großer Teile des Publikums quittiert. Nur einmal zeigte sich Herheim mit Ko-Bühnenbildnerin Silke Bauer, Kostümbildnerin Uta Heiseke und (wahrscheinlich) Beleuchter Ulrich Niepel dem Publikum. Als der wohl nicht nur aus meiner Sicht zu Recht anhaltende Protest nicht enden wollte, vollzug Herheim einen wie eine Erlösung wirkenden Sprung auf der Bühne und dankte den Mitwirkenden überschwänglich, verständlich. Einige von ihnen hatten wirklich viel mehr zu leisten oder auszuhalten als selbst unter nur relativ normalen Bedingungen von einem Wagner-Sängerdarsteller im „Ring“ verlangt wird.

Wenn es alles einen durchgängigen oder wenigstens in großen Linien nachvollziehbaren Sinn ergeben hätte, wäre ja nicht einmal etwas dagegen zu sagen gewesen. Aber allzu viele „Ideen“ und Einfälle, ja auch unzählige Gags machten mit ihrer ständigen visuellen Reizüberflutung und der über Gebühr in der Szene wuselnden über 30 Statisten, die sich immer wieder bis auf ihre weiße Unterwäsche entkleiden mussten, auch diese „Götterdämmerung“ ähnlich wie schon den „Siegfried“ zwei Tage zuvor zu einem Abend, der nahe an der Farce vorbeischrammte.

Der erste Aufzug beginnt im großen Foyer der Deutschen Oper. Hagen steht in Spießerkleidung schon da und nimmt sein Pausenbier – wie seine Betrachter es zwei Stunden später auch machen werden. Dabei schaut er gelangweilt den Nornen zu. Kaum bietet Siegfried Gunther die Blutsbrüderschaft an, müssen beide sich schnellstens bis auf die Unterwäsche ausziehen und in Fracks schmeißen, denn man will offenbar schon auf dem Brünnhilde-Felsen Eindruck machen… (Dabei hätte man sich ja erst zum 2. Aufzug standesgemäß anzuziehen brauchen). Hagen singt seine Wacht aus der ersten Reihe des Parketts mit Blick zu Alberich auf der Bühne, nicht ganz Corona-sicher. Bei vermeintlich oder tatsächlich wichtigen Momenten geht störenderweise immer wieder das Saallicht an. Also der bekannte Wink mit dem Zaunpfahl: Es geht Euch alle an! Wie schon im Foyer zu Beginn, eine gewisse Oberlehrerart. Ich denke, man kann sich auch im Dunkel des „Ring“ seinen Teil denken. Torge Møller steuerte einige weniger stark als sonst auffallende Videos bei.

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Aile Asszonyi, Clay Hilley. Foto: Klaus Billand

Aber sowohl der Musik wie dem Verständnispotenzial des Publikums wird von Herheim nicht allzu sehr vertraut. So muss Siegfried nach Hagens Todesstoß mit Wotans Speeres-Stück hinter der Szene auch noch der Kopf abgeschnitten werden, mit dem Gutrune dann wie Salome entgeistert über die Bühne wandelt. So etwas Geschmackloses und auch Unrichtiges hätte ich mir bis dahin nicht vorstellen können. Die bis zum Abwinken hereinflatternden, -gezogenen und wieder umständlich zu entsorgenden wallenden Tücher, unter denen oft alberne Versteckspiele stattfinden, und das nahezu besinnungslose Pseudo-Klavierspiel fast aller Protagonisten, wenn ein anderer, ob Feind oder Freund, singt, mögen zwei weitere Beispiele eines großen Kataloges von teilweise heftig nervenden Entbehrlichkeiten und sinnfreien Aktionen der Regie sein. Einige wenige starke Bilder, so die Sammlung der Altgermanen auf den Kofferbergen um Alt-Wotan herum, können für das allgemeine szenische und optische Versagen dieser Produktion nicht entschädigen. Während des herrlichen Mutterliebe-Motivs der Sieglinde steht am Ende das nun verstaubte Klavier auf der leeren Bühne und eine Putzfrau zieht mit stoischer Ruhe langsam fegend über die Bühne. Es wirkte wie ein Schlag ins Gesicht angesichts der Musik, die da zu hören ist, aber man konnte es fast erwarten. Ein ganz alter Hut sind die Putzfrauen im „Ring“ oder generell bei Wagner ohnehin schon seit Jahren.

Clay Hilley bestätigte seine gute stimmliche Leistung als Siegfried. Er müsste die Rolle aber noch differenzierter spielen und sich auch um eine stärkere vokale Facettierung mit dunklerer Tongebung kümmern, um situationsgerechten Ausdruck besser treffen zu können. Beachtlich sein genüsslich in den Raum geschmettertes Hohes C zu Beginn des 3. Aufzugs! Nina Stemme gab wieder alles als Brünnhilde und überzeugte vor allem mit ihrer klangvollen und ausdrucksstarken Mittellage und ihrer guten Mimik. Die Spitzentöne der 4. Szene des 1. Aufzugs und des 2. Aufzugs wirkten allerdings oft aufgesetzt, leicht schrill. Das wohl brachte ihr am Ende auch einige Buh-Rufe ein. Jordan Shanahan war wieder ein eindrucksvoller Alberich, sowohl darstellerisch als auch vokal. Er war immer wieder auf der Bühne, wenn er dort nicht hingehörte, hätte aber viel besser als die Putzfrau an das Ende gepasst, wie es einst Ulrich Melchinger in Kassel und Harry Kupfer in Bayreuth machten. Albert Pesendorfer sang einen exzellenten Hagen mit profundem und ausdrucksvollem Bass, ein absoluter Kenner der Partie! Thomas Lehman war eine als totaler Spießer gestylter Gunther mit gutem Bariton und Aile Asszonyi eine ebenso gute Gutrune. Okka von der Damerau bestach einmal mehr mit ihrer großen Gesangskultur als Waltraute. Die Nebenrollen waren ebenfalls gut besetzt.

Sir Donald Runnicles suchte sich mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin diesem „Theaterstück“ musikalisches Gehör zu verschaffen, und das gelang ihm auch weitgehend aufgrund seiner nicht zuletzt mit dem „Ring“ in Bayreuth gewonnenen Erfahrung. Man hätte sicher mehr der hörenswerten Einzelheiten und Momente der Wagner-erfahrenen Musiker im Graben genießen können, wäre man nicht dauernd dermaßen von der Hyperaktivität auf der Bühne abgelenkt worden. Der Chor und Extrachor der Deutschen Oper Berlin, einstudiert von Jeremy Bines, sang bei guter choreografischer Intensität stimmstark und mit großer Transparenz der einzelnen Gruppen.

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Schlussapplaus mit dem Leitungsteam. Foto: Klaus Billand

Nach dem Kult-„Tunnel-Ring“ von Götz Friedrich müssen zumindest die DOB-Berliner nun eine Zeitlang mit diesem „Ring“ leben. Möglicherweise sehr lang. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich das entwickelt. Ich bin jedenfalls skeptisch.

(Ausführliche Rezension des ganzen „Ring“ in Kürze).

Klaus Billand

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Nationaltheater Mannheim: Premiere TRISTAN UND ISOLDE

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Allison Oakes (Isolde), Frank van Aken (Tristan). Foto: Christian Kleiner für Nationaltheater Mannheim

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Allison Oakes, Julia Faylenbogen. Foto: Christian Kleiner für Nationaltheater Mannheim

Zum Bericht von Alexander Walther

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Nicht nur Sonatinen

Muzio Clementi – Wikipedia
Muzio Clementi

Man kann nicht umhin, wenn man in der Kindheit das Klavierspiel gelernt hat, sich an den Namen von MUZIO CLEMENTI (1752 in Rom geboren und 1832 in England verstorben) zu erinnern. Die schönen Themen, welche seine Sonatinen für Klavier (sehr gelungene Werke dieser musikalischen Gattung) prägen, erwecken in jedem von uns ein Gefühl der Geborgenheit. Es ist eine Art von Didaktik, die an und für sich väterlich wirkt und ein Kind an der Hand führt, um ihm die Freude am Lernen zu vermitteln.

Dieses Bild ändert sich aber drastisch, sobald man die Sonaten für Klavier in Betracht nimmt: feinstes Formgefühl, Lyrik aber auch teuflische Passagen in Terzen, Sexten und Oktaven, Brillanz usw.

Es sind zur Zeit 72 Klaviersonaten bekannt, komponiert in einem Zeitraum von 56 Jahren, zwischen 1765 und 1821.

Manta Luigi | db.musicaustria.at
Luigi Manta. Foto: Sabina Ulubeanu

In 16 Konzertabenden waren alle diese 72 Sonaten in der Gesellschaft für Musiktheater in Wien zu hören. Dem in Österreich lebenden Pianist LUIGI MANTA ist es gelungen, diese großartige Leistung über die Bühne zu bringen.

Allgemein wird Clementi zu Recht als der Vater des modernen Klavierspiels anerkannt. Selbst Beethoven hat ihn sehr geschätzt.

Zum Klavierschaffen Clementis gehören nicht nur die Sonaten, doch genügen diese (gemeinsam mit dem „Gradus ad Parnassum“), um ein klares Bild zu entwerfen, welches mehr Licht in diesen Jahrzehnten, die zur Romantik führen, bringt.

Kontaktadresse Luigi Manta : >

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Staatsoper Stuttgart: Die Altistin Stine Marie Fischer gibt ihr Rollendebut als Erda.   (21.11.2021)              

Stine Marie Fischer – Artista International
Stine Marie Fischer. Foto: Matthias Baus              

Wagner: Das Rheingold / Erda
Staatsoper Stuttgart
Premiere: 21. November 2021
24., 27. November 2021
12., 17., 19. Dezember 2021

www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/a-z/das-rheingold/

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Wien Modern 34 geht in die zweite Halbzeit – diese Woche mit gleich fünf großen Festivalabenden im Wiener Konzerthaus und zwei Musiktheaterpremieren

Die heute beginnende Festivalwoche bietet zwei besondere Produktionen im Großen Saal des Wiener Konzerthauses: Vertigo / Infinite Screen mit dem Klangforum Wien und die Gesamtaufführung von Friedrich Cerhas Spiegel mit dem RSO Wien unter Ingo Metzmacher. Dazu kommen gleich drei Abende im Mozart-Saal – das Festkonzert zum 50-jährigen Bestehen des ensemble xx. jahrhundert, das Ensemble PHACE sowie der Start des großen Wiener Gastspiels des Quatuor Diotima rund um Beat Furrer, das tags darauf im Reaktor fortgesetzt wird. Ebenfalls in dieser Woche stehen die nächsten zwei Musiktheaterpremieren auf dem Programm, Der Stand der Dinge im MUK.theater und Bertl Mütter im Literaturmuseum. Mit dem Abend Generationenwechsel im echoraum endet der sechsteilige Logothetis-Schwerpunkt. Insgesamt warten bis Ende November rund 80 Ur- und 30 Erstaufführungen an 38 Spielstätten darauf, gehört, entdeckt und diskutiert zu werden.

Die Woche beginnt im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses mit dem Jubiläumskonzert des ensemble xx. jahrhundert. 1971 im damals gerade einmal neun Jahre alten Museum des 20. Jahrhunderts (heute Belvedere 21) gegründet, zählt das ensemble xx. jahrhundert gemeinsam mit dem Ensemble Kontrapunkte und dem oenm heute zu den traditionsreichsten Ensembles für zeitgenössische Musik in Österreich. Zum 50-jährigen Bestehen verbindet das Wiener Ensemble einen Blick in seine Vergangenheit – mit dem Kammerkonzert von Alban Berg gastierte es u. a. in St. Paul de Vence, bei den Salzburger Festspielen und beim Hong Kong Arts Festival – mit einer Perspektive in die Zukunft. (exxj 50, Montag 15.11.)

Spektakulär geht es tags darauf im Großen Saal weiter: Für das Künstlerduo AROTIN & SERGHEI und den Komponisten Brice Pauset ist Hitchcocks Vertigo ein Anlass, über die Wahrnehmung der Signale, der Zeichensprache und über den Infinite Screen – die Bildmatrix unserer Zeit – nachzudenken. In dem gemeinsam mit dem Klangforum Wien, dem WDR und dem IRCAM – Centre Pompidou Paris entwickelten pluridisziplinären Projekt werden Elemente von Hitchcocks Meisterwerk aus dem Jahr 1958 in eine neue intermediale musikalische und visuelle Komposition verwandelt. Parallel zum Konzert im Wiener Konzerthaus werden in der Galerie Wienerroither & Kohlbacher in Wien Zeichnungen und intermediale Bilder von AROTIN & SERGHEI gezeigt. (Dienstag 16.11.)

Zwei Spielstätten in der Johannesgasse beherbergen die nächsten zwei Musiktheaterpremieren: Im MUK.theater verhandeln 23 junge Künstler*innen der MUK und der Angewandten in fünf Episoden aus unterschiedlichsten Perspektiven Formen der Vereinzelung, damit verbundene Sehnsüchte und Bewältigungsstrategien: vom Supermarkt, der neben Gütern des täglichen Bedarfs auch alles für den Wunsch nach Nähe und zwischenmenschlichem Kontakt bereithält, über den Prepper, der sich in seinen Tarnanzug verliebt, bis hin zum glücklichen Einfinden in splendid isolation entspannt sich ein Panoptikum vom Stand der Dinge: sehnsüchtig, humorvoll, mit genauem Blick auf unsere Gegenwart − und auf eine mögliche andere Zukunft. (Mittwoch 17.11. + Donnerstag 18.11. + Freitag 19.11.)

Am Donnerstag geht es dann gleich nebenan im wunderschönen Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek weiter, der einstigen Wirkstätte von Franz Grillparzer als damaligem Archivdirektor. «Die Form, in der im Literaturmuseum Texte, Kontexte und Subtexte präsentiert werden, übt auf mich eine überwältigende Inspiration aus. Darauf wollen wir aufbauen: die gespielte Ausstellung, ihre musikalische Verwandlung. Logoratorium sei Idee eines Musiklaboratoriums, das mit der Musik des Wortes und dem rhetorischen Element musikalischen Klingens spielt. […] Im Reaktor Literaturmuseum knüpfe ich mir insbesondere jene Autor*innen vor, mit denen ich selbst persönliche Erlebnisse habe. Und dazu, gleichermaßen mutwillig und querdurch, solche, bei denen ich starke Resonanzen verspüre. Es ist aber auch für Ab- und Ausschweifungen zu sorgen.» (Bertl Mütter). (Donnerstag 18.11. + Freitag 19.11.)

Im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses bringt PHACE zwei herausragende, 2020 ins Videostreaming verbannte Uraufführungen von Wien Modern endlich live auf die Bühne: Wolfram Schurigs virtuoses Oboenkonzert aus der nicht ungefährlichen Klangwelt bedrohter Ökosysteme und Clara Iannottas tief durchatmender Befreiungsakt aus düsteren Zeiten. Dazu kommen zwei Uraufführungen: Alexander Kaiser thematisiert unbegrenzte Verfügbarkeit, Massenkonsum und Übersättigung, Januibe Tejera führt das Publikum auf verschlungenen Pfaden in eine überraschende Klangwelt. (Donnerstag 18.11.)

Ein Festivalhöhepunkt steht am Freitag im Großen Saal des Wiener Konzerthauses bevor: Wenn Sie Friedrich Cerhas monumentale Orchesterkomposition Spiegel schon einmal live und im Gesamtzusammenhang aller sieben Teile gehört haben – in Graz 1972, in Wien 1977, 1989, 2006, 2011, in Salzburg 1996 oder 2021 –, dann wissen Sie, warum Wien Modern alles unternommen hat, um nach der lockdownbedingten Absage 2020 die aufwendige Aufführung 2021, im Jahr von Cerhas 95. Geburtstag, wieder aufs Programm zu setzen. Das RSO Wien und Ingo Metzmacher laden nach der «stratosphärischen Gesamtleistung» (Donaukurier) bei den Salzburger Festspielen auch in Wien zum aktuellen Blick auf einen Meilenstein der Musikgeschichte. (Freitag 19.11.)

Uraufführungen aus dem aufsehenerregenden Frühwerk von Anestis Logothetis verbindet der echoraum im Rahmen seines Jahresthemas Generationenwechsel mit spannenden Reflexionen der Generation seiner Enkel Leonie & Serafin Spitzer. (Logothetis 100.6 Aus der Reihe, In der Reihe, Generationenwechsel, Samstag 20.11.)

Nach der aufsehenerregenden Schönberg-Gesamtaufführung des Quatuor Diotima bei Wien Modern vor fünf Jahren entstand in langer Arbeit ein würdiges Folgeprojekt: Das schlicht großartige Pariser Quartett kehrt mit vier Konzerten rund um alle vier Streichquartette von Beat Furrer (inklusive der Uraufführung des vierten) nach Wien zurück. Den Anfang macht ein Abend im Mozart-Saal im wahren Festivalformat, dessen weit gespannter Bogen – von Schubert und Ravel über beide Quartette von Clara Iannotta bis zur langerwarteten Furrer-Uraufführung – die Ausnahmeposition der Diotimas in der Musikwelt unterstreicht. (Diotima 1 | Furrer 1, Samstag 20.11.)

Weiter geht das große Diotima-Gastspiel am Sonntag im Reaktor: Klavier, Zither, Kontragitarre, zwei Violinen, ein Streichquartett – alle Musikinstrumente aus Ödön von Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald wob Christian Ofenbauer in die Klanginstallation, die 1999 als Bühnenmusik für Lutz Grafs Inszenierung am Grazer Schauspielhaus entstand. Passend zum düsteren literarischen Blick in die Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg erzeugt Ofenbauer in seinem nach Brechts Fatzer-Materialien benannten Werkkomplex Zerstörung des Zimmers / der Zeit ein zeit- und raumgreifendes Klangenvironment. Die radikal heruntergefahrene Betriebstemperatur dieser dichten, subtilen, leisen, teils fast regungslos anmutenden Musik könnte geradewegs aus Helmut Lethens Buch Verhaltenslehren der Kälte kommen – ein durchaus nicht nur retrospektives Bild einer Menschheit auf dem Weg in den «Gletscher der Gesellschaft». Wien Modern präsentiert die erste Gesamtaufführung. (Diotima 2 | Ofenbauer, Sonntag 21.11.)

Die am Vorabend im Quartettformat begonnene Linie von Schubert zu Furrer findet ebenfalls am Sonntag ihre ausdrucksstarke Fortsetzung am Klavier: Die Erfindung von Klängen und Stimmungen beginnt beim zwanzigjährigen Franz Schubert kurz nach dem Wiener Kongress und reicht über Younghi Pagh-Paan und deren 1982 in Teheran geborene Schülerin Elnaz Seyedi bis hin zum Schattenspiel von Rebecca Saunders und der virtuosen Flageolett-Studie von Beat Furrer. Ein großer Soloabend der u. a. aus ihrer Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien und den Wiener Philharmonikern bekannten Wahlwienerin Hsin-Huei Huang. (Hsin-Huei Huang | Furrer 2, Sonntag 21.11.)

Weiterhin zu sehen sind noch Hofstetter Kurts Suite Irrational für Klavier, Sternenhimmel und Sternenpartitur im Digitalen Planetarium des Naturhistorischen Museums (Mittwoch 17.11. + Mittwoch 24.11.) und die Märchenoper Jorinde für Kinder von 6 bis 12 Jahren im MuTh (Mittwoch 17.11.).

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Johannesburg/ Südafrika: SI OP Pumeza Matshikiza soiree 12.11.2021     review for DNM  14.11.21

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 Die herausragende südafrikanische lyrische Sopranistin Pumeza Matshikiza gab für SITTOPERA im Rand Club, Johannesburg einen Lieder und Arienabend. Im ersten Teil führte Pumeza das Publikum in das Reich der Lieder, weniger bekanntes und populäres, von Reynaldo Hahn zu Fernando Obradors, dann zu Robert Schumann bis hin zum südafrikanischen Chor- und Liederkomponisten Benjamin Tyanzashe. Einfühlsam und berührend trug Pumeza vor; besonders glänzend die Myrthenlieder von Robert Schumann.

Im zweiten Teil führte Pumeza das Publikum in das Reich der Bravourarien aus “Forza del Destino”, “Rusalka”, “La Wally” und schliesslich “Vissi d’arte, vissi d’amore”aus “Tosca”. Glänzend disponiert, hoch emotional , intensiv in Stimme und Spiel begeisterte sie die Zuhörer im randvoll gefüllten Ballraum des Rand Club. Triumphal!

Ein witziges, sehr persönliches Interview über ihren Lebenslauf und Karriere rundete den Abend ab. Ein kostbares Ereignis! Bei Champagner und Austern feierte das Publium noch lange die Sängerin.

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