„Mazeppa“ unter Kirill Petrenko: Tiefer Blick in die russische Seele

Peter Tschaikowsky, Mazeppa, Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko,  Philharmonie Berlin, 14. November 2021

Foto: Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker. © Monika Rittershaus

Das blendend disponierte Orchester, die überragend guten Sänger und der förmlich vor Elan sprühende Kirill Petrenko sorgten für eine Aufführung, die beim hingerissenen Publikum für wahre Begeisterungsstürme sorgte. Nicht enden wollender Applaus dankte allen Beteiligten.

Konzertante Aufführung Philharmonie Berlin, 14. November 2021

Peter Tschaikowsky, Mazeppa (Oper in 3 Akten)

Rundfunkchor Berlin
Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko, Dirigent

Mazeppa   Vladislav Sulimsky
Maria   Olga Peretyatko
Filip Orlik   Dimitry Ivashchenko
Wassili Kotschubej   Dmitry Ulyanov
Ljubow   Oksana Volkova
Andrej   Dmitry Golovnin

von Peter Sommeregger

Das unsägliche Covid-Virus hat auch traditionelle Abläufe in der Musikwelt kräftig durcheinander gewirbelt. So fanden auch die Osterfestspiele Baden-Baden diesmal zeitversetzt im November statt. Beibehalten wurde aber die Tradition, die dort gespielte Oper in der Berliner Philharmonie anschließend konzertant aufzuführen.

Das bescherte dem Berliner Publikum eine Aufführung, die an vokalen Glanzpunkten und Dichte der Atmosphäre kaum zu überbieten wäre. Tschaikowskys mittlere der drei Opern nach Puschkin ist außerhalb des russischen Kulturkreises eher selten zu hören. Das Drama um den Kosakenführer Mazeppa hat historische Wurzeln und ist Teil der russischen Geschichte. Vor einigen Jahren brachte die Komische Oper Berlin eine Produktion heraus, die wenig ansprechend war und sehr schnell wieder vom Spielplan verschwand.Ganz anders der Eindruck diesmal in der Philharmonie. Kirill Petrenko hat eine komplett russische Sängerriege aufgeboten, die nicht nur sprachlich höchste Authentizität ermöglichte.

In „Mazeppa“ dominieren die dunklen Stimmen. Der Titelheld fand in Vladislav Sulimsky einen souveränen Interpreten, der seinen kräftigen Heldenbariton sehr differenziert einsetzte und auch die Schönheit seines Timbres perfekt zur Geltung zu bringen wusste. Nicht minder stimmgewaltig sein Gegenspieler Kotschubej, der von Dmitry Ulyanow berührend verkörpert wurde. Dimitry Ivashchenko als Orlik komplettierte die Trias der finsteren Männer.

Ausgezeichnet auch der Tenor Dmitry Golovnin als Marias Jugendfreund Andrej, der allerdings durch eine deutliche Indisposition eingeschränkt war, sich aber trotzdem eindrucksvoll schlug. Als betrunkener Kosak überzeugte Alexander Kravets mit seinem Charaktertenor.

Die Oper hat nur zwei weibliche Rollen. Zum Einen Kotschubejs Tochter Maria, an der sich der Konflikt entzündet. Olga Peretyatko sang die Partie ausdrucksstark und setzte ihren doch eher lyrischen Sopran hingebungsvoll ein. Nur in den dramatischeren Passagen hätte man sich eine Stimme von größerem Volumen gewünscht. Ihre Mutter fand in Oksana Volkova eine großartige Interpretin. Ihr satter, runder Mezzosopran hatte vom Timbre her genau die erwünschte mütterliche Wärme.

Kirill Petrenko peitschte seine Berliner Philharmoniker durch die bewegten Orchestersequenzen der Oper, die zu Glanzpunkten des an Höhepunkten reichen Abends wurden. Das blendend disponierte Orchester, die überragend guten Sänger und der förmlich vor Elan sprühende Kirill Petrenko sorgten für eine Aufführung, die beim hingerissenen Publikum für wahre Begeisterungsstürme sorgte. Nicht enden wollender Applaus dankte allen Beteiligten.

Peter Sommeregger, 15. November 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko, Berlin Philharmonie, 27. Oktober 2021

CD-Rezension: Violinkonzerte von Beethoven, Berg und Bartók, Frank Peter Zimmermann, Berliner Philharmoniker klassik-begeistert.de, 7. November 2021

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