Die SONNTAG-PRESSE – 3. MAI 2020

Die SONNTAG-PRESSE – 3. MAI 2020

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
Die SONNTAG-PRESSE – 3. MAI 2020

Berlin/ Philharmonie
Trauer und Hoffnung
Das Europakonzert der Berliner Philharmoniker hätte in Israel stattfinden sollen. Nun wurde es in Kammerbesetzung im Fernsehen übertragen. Ein fulminantes Erlebnis.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/klassik-trauer-und-hoffnung-1.4893973

LESEN SIE BITTE AUCH DEN WUNDERBAREN BEITRAG AUS DEM ONLINEMERKER.COM WEITER UNTEN!

Bregenz/ Festspiele
Verschiebung ist „Plan B“
Festspiel-Präsident Metzler: Vor halbleeren Rängen zu spielen keine Option. Können die Bregenzer Festspiele aufgrund der Corona-Einschränkungen nicht in vollem Umfang stattfinden, sollen sie komplett auf das Jahr 2021 verschoben werden. Das erklärte Festspielpräsident Hans-Peter Metzler gegenüber den „Vorarlberger Nachrichten“ (Samstagausgabe). Vor halbleeren Rängen zu spielen sei für ein „demokratisches Festival“ keine Option.
Wiener Zeitung

Matthias Goerne über Beethovens Lieder
Münchner Abendzeitung

„Es ist eine Katastrophe“
Das Rheingau Musik Festival, eines der größten Europas, fällt aus. Intendant Michael Herrmann blickt skeptisch in die Zukunft.
Frankfurter Allgemeine

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: Kultur als Lebensmittel – gerade in der Corona-Krise
DeutschlandfunkKultur.de

Bayreuth
Der Wagner-Schock
Die Festspielleiterin Katharina Wagner fällt längerfristig aus. Es ist das nächste Drama auf dem Grünen Hügel.
Der Spiegel

Lieses Klassikwelt 33: Schule
Am Montag öffnen neben größeren Geschäften und Friseuren wieder die Schulen. Es wäre wohl allzu schön, wenn damit auch die mannigfachen Probleme, die das deutsche Bildungssystem schon lange vor dem Shutdown belasteten, hinweggefegt wären
„Ich weiß, wovon ich rede, habe ich doch selbst Schulmusik studiert und mein Referendariat schon anno 1991 nach einem halben Jahr abgebrochen. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut.“
von Kirsten Liese, Berlin
https://klassik-begeistert.de/lieses-klassikwelt-33-schule-klassik-begeistert-de/

CD
Rattles Ringen um Wagners „Ring“
„Diese beiden ersten Teile des Rings profitieren von der hervorragenden Qualität des Orchesters, die Sängerbesetzung zumindest der Walküre ist äußerst problematisch. Sollte dieses Ring-Projekt tatsächlich weitergeführt werden, müsste eine überzeugendere Besetzung gefunden werden. Und Sir Simon Rattle sollte sich selbst vielleicht die Frage stellen, ob er sich mit Wagner-Dirigaten einen Gefallen tut.“
Peter Sommeregger berichtet aus Berlin
Klassik-begeistert

Meine Lieblingsoper 21: „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss, Teil 1 – der Abend der Leonie Rysanek
Der Familienrat hat es beschlossen. Zwischen den Feiertagen der Weihnachtszeit gehen wir in die Oper. Meine Tante mit Sinn für Ausgefallenes suchte „Ariadne auf Naxos“ aus. Wir füllten fünf der damals sechs Sitze der Loge aus. Ich bin gerade eben zehn Tage Opernfan, aber für italienisches Repertoire. Jeden Tag hatte ich mir bis zu zehnmal „Una furtiva lagrima“ mit Mario Lanza aufgelegt.
Lothar Schweitzer/Wien
Klassik-begeistert

Couch-Tipps: „Space Junk“ und „Tanz die Toleranz“
Vom Dommuseum über das Volkstheater bis zur Grazer Oper.
Wiener Zeitung

Links zu englischsprachigen Artikeln

Streams
A Comprehensive List of All Opera Companies Offering Free Streaming Services Right Now
https://operawire.com/a-comprehensive-list-of-all-opera-companies-offering

OPERA IS ON To Feature Archival San Francisco Opera Performances
broadwayworld

Opera Australia launches a free online streaming platform
https://www.limelightmagazine.com.au/news/opera-australia-launches-a-free

Berlin
The Berlin Philharmonic Tests a Musical Path Out of Lockdown
The New York Times

London
Honk for Mimi if you want to enjoy your opera at the drive-in
The ENO is adapting a gimmick to attract new audiences now the pandemic has hit
https://www.ft.com/content/5d0a4aea-8ae7-11ea-9dcb-fe6871f4145a

Feuilleton
Opera Quiz: How Well Do You Really Know Mozart’s “Le Nozze di Figaro?’
https://operawire.com/opera-quiz-how-well-do-you-really-know-mozarts-le-nozze-di-figaro/

Obituary
Appreciation: Remembering Lynn Harrell, the singing cellist
https://www.latimes.com/entertainment-arts/story/2020-05-01/lynn-harrell-cello-dies

Ausstellungen/ Kunst

Wien
Museen: Wann welche Wiedereröffnung kommt
Nach den „großen Drei“ kündigen auch NHM und MAK Neustart an.
Wiener Zeitung

Wenn Kunst zum Leben erwacht
Kunstunterricht in Corona-Zeiten: Die Schüler und Schülerinnen der 1A der NMS Neukirchen/Vöckla bewiesen jede Menge Kreativität beim Nachstellen von Kunstwerken.
https://www.nachrichten.at/kultur/wenn-kunst-zum-leben-erwacht;art16,3254240

TV/ Film

Gerhard Zeiler wird zum Sieben-Milliarden-Mann bei AT&T
Der frühere ORF-Generalintendant verantwortet künftig das gesamte Werbegeschäft des US-Medien-Riesen.
Kurier

Bekannt als Anwalt aus „Scrubs“: Sam Lloyd gestorben
Der Schauspieler Sam Lloyd wurde 56 Jahre alt.
Kurier

Gewaltsamer Angriff auf ZDF-Kamerateam in Berlin
Warum das Team der Satiresendung „heute-show“ von etwa 20 vermummten Personen heraus attackiert wurde, ist noch unklar. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.
Die Presse

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Unter’m Strich

Seehofer gegen schnelle Grenzöffnung zu Österreich
Solange das Virus keinen Urlaub macht, müssten sich auch die Deutschen mit ihren Reiseplänen beschränken, sagt Innenminister Horst Seehofer. Aus Schweden wurde jetzt bekannt, dass die Corona-Reproduktionszahl seit einigen Tagen bei unter 1,0 liegt. Alle Entwicklungen im Liveticker.
http://www.welt.de/vermischtes/live206935325/Corona-Krise-Seehofer-gegen-schnelle-Grenzoeffnung-zu-Oesterreich.html

Nordkoreas Diktator Kim Jong nun nach wochenlanger Abwesenheit aufgetaucht
Der inszenierte Auftritt Kims dürfte aber nach Ansicht von Beobachtern die Spekulationen um seinen Gesundheitszustand vorerst beenden
Der Standard

Kim Jong-un zeigt sich nach wochenlanger Abwesenheit
Seit drei Wochen war Nordkoreas Machthaber nicht mehr zu sehen, Gerüchte um seinen Tod mehrten sich. Nun soll er an einer Zeremonie teilgenommen haben.
Die Presse

Fußball-Meisterschaft im Kalenderjahr – ein Weg aus der Coronakrise?
Für FIFA-Vizepräsident Montagliani hätte dies auch Vorteile für WM in Katar.
Wiener Zeitung

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 3. MAI 2020)

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 3. MAI 2020)

Quelle: onlinemerker.com

Europakonzert der Berliner Philharmoniker triumphiert über Corona, 01. Mai 2020

Foto: Monika Rittershaus

Europakonzert der Berliner Philharmoniker triumphiert über Corona, 01. Mai 2020

„Musik als Lebensmittel“

Der schöne Monat Mai sollte nicht nur in Deutschland eigentlich ganz anders beginnen – auch für die Berliner Philharmoniker und ihren Chef Kirill Petrenko. Seit 1991 feiert das Weltklasseorchester genau an diesem Tag seinen Geburtstag und stets an einem historisch bedeutsamen Ort. Sei es in Sälen, Kirchen und Museen oder unter freiem Himmel wie 2017 in Europas damaliger Kulturhauptstadt Paphos auf Zypern.
Nun beim 30. Europakonzert sollte Tel Aviv das Ziel sein und sich außerdem eine Tournee anschließen. Doch auch bei diesem Kultur-Event machte Corona einen Strich durch die Rechnung. Also Kirill (statt Kevin) – allein zu Haus?
Keineswegs, und es werden auch keine der edlen Konserven gestreamt, die in der Digital Concert Hall 30 Tage lang bis vor kurzem gratis geboten wurden. Stattdessen trotzen in der leeren Philharmonie nun 15 Musikschaffende inklusive der Sopranistin Christiane Karg und Kirill Petrenko dieser Pandemie.
Zuvor wurden die zurzeit erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Sie alle, auch Petrenko, wurden zweimal negativ auf Corona getestet. Nun sitzen sie zwei Meter voneinander entfernt. Die Bläser, im Hintergrund postiert, halten sogar fünf Meter Abstand.

Der Wunsch, dennoch mit dabei zu sein, war bei den meisten der 128 Philharmoniker enorm groß. „Fünf Wochen haben wir für eine Lösung gekämpft, um das Konzert nicht absagen zu müssen“, erklärt Solo-Cellist Olaf Maninger vom Orchestervorstand. Klar, dass sich die Musiker nach der langen Zwangspause regelrecht um den Auftritt gerissen haben. Deshalb musste teilweise ausgelost werden, wer teilnehmen darf.“

Kultur ist halt keine Nebensache, sondern „ein Lebensmittel“, wie es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer kurzen Eingangsrede formuliert hatte. Alle Philharmoniker/innen wollten endlich mal nicht nur daheim üben. Sie haben auch mit deutlich erkennbarem Eifer ein total verändertes Programm für nur 13 Instrumentalisten/innen einstudiert.

Ursprünglich hatten sie fünf Mahler-Lieder, seine Symphonie Nr. 4 sowie ein Violinkonzert von Max Bruch mit den dazugehörigen Solisten (Elisabeth Kulman, Mezzo, und Amihai Grosz, Viola) im Reisegepäck. Das angepasste Programm, das heute Abend noch einmal um 19.00 Uhr auf rbb Kultur und gratis in der Digital Concert Hall zu sehen und zu hören ist, umfasst folgende Werke:

Arvo Pärt Fratres, Fassung für Streichorchester und Schlagzeug
György Ligeti Ramifications
Samuel Barber Adagio for Strings
Gustav Mahler Symphonie Nr. 4, jedoch bearbeitet für Kammerensemble von Erwin Stein.

Die anfänglichen drei Stücken passen durchaus zu der vielerorts durch Corona noch immer verdüsterten Stimmung, während die eher beschwingte, teils fröhlich wirkende kammermusikalische Fassung von Mahlers Vierter Raum für vorsichtigen Optimismus öffnet. Auf alle Fälle sorgt die bekannt großartige Akustik der Berliner Philharmonie trotz dieser Spar-Besetzung für einen erstaunlich satten Klang.

In über 80 Länder wurde dieses andersartige Europakonzert ausgestrahlt und wird vermutlich vielen – gerade wegen der Reduzierung aufs Wesentliche – lange in Erinnerung bleiben. Zu verdanken ist das neben dem engagierten und feinfühligen Dirigat von Kirill Petrenko insbesondere den intensiv spielenden Mitwirkenden. Sie alle vertreten sozusagen ihre nicht anwesenden Kolleginnen und Kollegen, sind deswegen auch weit öfter als sonst quasi als Solisten tätig.

Im Stream – und das ist sein Vorteil – lässt sich genau erkennen, wie sie alle mit höchster Energie und Perfektion arbeiten, mit Herz und Hand und Hingabe. Eine Ausnahmeleistung selbst für langjährige Profis, die aber auch die volle Konzentration der Zuschauenden und Zuhörenden einfordert. Nicht wie sonst sich bei vollen Klängen mal entspannt zurücklehnen – auch die daheim sollten auf dem Sprung sein.

Unvergessliche Eindrücke entstehen, für mich von ähnlicher Sogwirkung wie bei der am Karfreitag aus der Leipziger Thomaskirche in alle Welt ausgestrahlten Schlicht-Variante von Bachs Johannes-Passion. Der Freitag 2020 scheint zum Glückstag zu werden, auch der am 1. Mai in Berlin.

Und besser als mit Arvo Pärts „Fratres“ kann ein solches Konzert in dieser vielfach von Trauer und diversen Ängsten geprägten Situation gar nicht beginnen. Mit diesem mystischen Schweben, unterbrochen von wiederkehrendem Schlagzeugeinsatz, der mahnt, dass alle gefühlte Sicherheit bedroht ist. Eine Musik, die bewusst zurückgeht zur Gregorianik und in noch tiefere Schichten. Klänge der Trost- und Gottsuche, für viele „bigger than life“.

Nach „Ramifications“, auf Deutsch Verästelung, einem flatterhaft unruhigen Kurzstück von György Ligeti, das die Berliner Philharmoniker 1969 uraufgeführten hatten, folgt mit Samuel Barbers „Adagio for Strings“ eines der bekanntesten Trauerweisen überhaupt.

Nach der Ermordung von John F. Kennedy (1963) und nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 wurde dieses innige Stück in den USA gespielt und ist seitdem nicht nur dort öfter zu hören. Arvo Pärts Tiefe erreicht dieses Werk nicht, schwebt aber – jetzt den Corona-Toten gewidmet – von den Streichern tonschön gestaltet durch die leere Philharmonie.


Foto: Monika Rittershaus

Doch nach der Umbaupause, in der alle – außer den damit Beschäftigten – den Saal verlassen müssen, ist mit Mahlers Vierterin kammermusikalischer Fassung wieder mehr Zuversicht angesagt.Kirill Petrenko, zuvor stets sehr ernst, hat nun oft ein verschmitztes Lächeln im Gesicht und legt sich mit den Seinen voll ins Zeug.

Das wirkt wie ein Aufatmen, wie ein erster Sonnenstrahl nach all’ dem vielfach zu spürendem Trübsinn und all den Sorgen der vergangenen Wochen. Glück hatte man außerdem, denn diese reduzierte Mahler-Version von Erwin Stein gibt es seit einigen Jahren, und die ursprünglich eingeladene Sopranistin Christiane Karg bleibt uns auch erhalten.

Gleiches gilt für die unveränderte Benennung der einzelnen Sätze. Die propagieren zwar sämtlich Ruhe und Behaglichkeit, doch daran halten sich Petrenko und seine Mitwirkenden eher nicht. Jetzt wird temperamentvoll musiziert, passend zur belebenden Mai-Sonne.

Dass aber Mahlers Vierte keine nur heitere Humoreske ist, zeigt sich sehr bald. Hinter aller Munterkeit lauert die Gefahr. Selbst der Bi-Ba-Butzemann, dessen Melodie sich durch das Werk zieht, ist nicht nur scheinbar ein lustiger oder grotesker Clown. Spuk und Gefahr werden nur übertüncht – auch das passt gut zur momentanen Situation.

Auf alle Fälle sind nun, wie anfangs erwähnt, die Musiker als zumeist Einzel-Veranwortliche besonders gefordert. Daher ist es enorm spannend, sie genau zu beobachten. Extremsportler der Musik, die auch im Ausland gefragt sind, zeigen sich hier hochkonzentriert bei der Arbeit, so Daishin Kashimoto als Erster Konzertmeister.

Ludwig Quant als die Nr. 1 am Cello, hat über das Entstehen großer Musik auf der Bühne nachgedacht und schreibt: „indem man sich ihr hingibt, anstatt sie sich untertan zu machen.“ Das gilt sichtlich auch für die anderen in dieser auf wenige Musiker/innen reduzierten Darbietung.

Den Flötisten Emmanuel Pahud sehe ich zumeist nur von der Seite, Albrecht Mayer erfreulicherweise von vorne, zwei Weltstars, deren stupende Leistung sich erst im Nahblick offenbart und höchste Wertschätzung verdient. Wie munter wippt Wenzel Fuchs(Klarinette) mit dem ganzen Oberkörper, während seine Finger über die Klappen huschen, und Kotowa Machida entgeht sicherlich nicht das geringste Detail.

Oft werfen sie sich die Töne ganz zielsicher zu, sie alle können sich aufeinander verlassen. So deutlich habe ich das selbst im Block A sitzend und mit Fernglas noch nie sehen und bewundern können. Das Harmonium als Orgelersatz spielt Hendrik Heilmann von der Akademie der Künste, um nur einige zu nennen.

Am Abend musste ich mir unbedingt dieses Ausnahme-Konzert erneut abrufen, um noch mehr als bisher von Mahlers Polyphonie zu entdecken und wahrzunehmen, wie sich die Musiklinien zwischen den einzelnen Künstlern und Künstlerinnen entwickeln. Soviel von meiner immer noch knappen Zeit hat diese Ausnahmeleistung verdient. Sie wird wohl nicht nur mir unvergesslich bleiben.

Und das betrifft auch die Bösartigkeit und Boshaftigkeit in dieser Symphonie, die mir jetzt stärker als früher auffällt. Hinter der oft wohlig heiter wirkenden Oberfläche versteckt sich – trotz des ergreifenden Adagios, bei dem hier oft zwei und zwei wundervoll kommunizieren – so manche Falle. Das zeigt vor allem der 4. Satz, dessen Titel „sehr behaglich“ eine Irreführung sondergleichen darstellt, insbesondere das Lied „Das himmlische Leben“.

Christiane Karg singt es bestens, auch mit lebhafter Mimik und blitzenden Augen, doch trotz ihrer intensiven Mundbewegungen bleibt der Text weitgehend unverständlich. Fast besser so, denn wie sich bei diesem Song aus Des Knaben Wunderhorn die damaligen Kinder den Genuss der himmlischen Freuden vorstellten, ist Sarkasmus pur oder auch wahre Menschenkenntnis. Die Kindlein tanzen und springen, um dann zu singen:

„Wir führen ein geduldig’s
Unschuldig’s, geduldig’s
Ein liebliches Lämmlein zu Tod!
Sankt Lucas den Ochsen tät schlachten
Ohn’ einig’s Bedenken und Trachten!…“

Zeigen diese Verse, wie wir vielleicht in der Mehrzahl wirklich sind? Oder werden wir stattdessen die positiven Nebeneffekte der Corona-Krise, wie Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme, bewahren?

Hoffen wir also, dass wir in absehbarer Zeit das Lebensmittel Kultur wieder live in Konzertsälen, Opernhäusern und Theatern genießen und die Berliner Philharmoniker Ihr Europakonzert am 1. Mai 2021 in Barcelona im Gotteshaus „Sagrada Familia“ erklingen lassen können, dem noch immer unvollendeten, mehr als hundertjährigen Meisterwerk von Antoni Gaudí.


Sagrada Familia (Gewölbe) in Barcelona. Foto: Ursula Wiegand

Ursula Wiegand

5. Mai Christopher VENTRIS wird 60


Als Siegmund. Foto: Bill Cooper

 Er absolvierte sein Gesangstudium 1982-88 an der Royal Academy of Music London bei Joy Mammen. Er gewann den John Christie Award in Glyndebourne und sang 1987-89 im Chor des Glyndebourne Festivals, wobei er bereits kleinere Soloaufgaben übernahm (1987 und 1990 einen der Diener im »Capriccio« von R. Strauss, 1988 eine kleine Rolle in »Katja Kabanowa«  von Janácek). Beim Glyndebourne Festival sang er dann auch 1989 den Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, 1992  den Hotelportier in Brittens »Death in Venice«, 1995 und 1997 den Janek in »Die Sache Makropoulos« von Janácek…

…2003 debütierte er als Stewa an der Metropolitan Oper New York, an der er seither auch als Tambourmajor im »Wozzeck« von A. Berg auftrat. 2003 debütierte er als Parsifal an der Wiener Staatsoper, an der er bis 2019 in insgesamt 54 Vorstellungen auch als Siegmund, als Jim Mahoney in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill, als Andrei in »Chowanschtschina« von Mussorgsky und als Max im »Freischütz« auftrat…

Zu den Geburtstagen Mai 2020
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STREAMS DER METROPOLITAN-OPERA vom 4. bis 10. MAI 2020)

Metropolitan Opera streaming free performances in response to ...

Gefunden von Renate Wagner

Die Pavarotti-Boheme mit Scotto!!!!

Jetzt holen sie die ganz alten Leckerbissen hervor!!!!

WEEK 8

Monday, May 4
Mozart’s Le Nozze di Figaro
Starring Renée Fleming, Cecilia Bartoli, Susanne Mentzer, Dwayne Croft, and Sir Bryn Terfel, conducted by James Levine. From November 11, 1998.

Tuesday, May 5
Thomas’s Hamlet
Starring Marlis Petersen, Jennifer Larmore, Simon Keenlyside, and James Morris, conducted by Louis Langrée. From March 27, 2010.

Wednesday, May 6
Saariaho’s L’Amour de Loin
Starring Susanna Phillips, Tamara Mumford, and Eric Owens, conducted by Susanna Mälkki. From December 10, 2016.

Thursday, May 7
Strauss’s Capriccio
Starring Renée Fleming, Sarah Connolly, Joseph Kaiser, Russell Braun, Morten Frank Larsen, and Peter Rose, conducted by Sir Andrew Davis. From April 23, 2011.

Friday, May 8
Viewers’ Choice: Puccini’s La Bohème
Starring Renata Scotto and Luciano Pavarotti, conducted by James Levine. From March 15, 1977.

Saturday, May 9
The Opera House
A 2017 feature-length documentary by Susan Froemke about the creation and 1966 opening of the new Met at Lincoln Center

Sunday, May 10
Mascagni’s Cavalleria Rusticana and Leoncavallo’s Pagliacci
Cavalleria Rusticana: Starring Eva-Maria Westbroek, Marcelo Álvarez, and George Gagnidze.
Pagliacci: Starring Patricia Racette, Marcelo Álvarez, and George Gagnidze.
Conducted by Fabio Luisi. From April 25, 2015.

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Streaming-Angebote: Erstaunlich wie auch diese Ahnung von TTT aus dem Nov. 2019 in die Realität gefunden hat.

Es bleibt die Frage nach der Darbietungsform.

Wird die tradierte Musiktheateraufführung zum Antagonismus darstellender Künste?

Der Vergleich von TV zur Bühne … bleibt n. m. E. noch unentschieden. Szenisch/optisch gewinnt die kinematographische Sichtung eindeutig. Die einzig mögliche Bühnentotale kann nicht mit der optischen Feinzeichnung der Charaktere, Situationen und Aktionen im TV-Detail konkurrieren, …

Akustisches aus digitaler Übertragung kann noch keine vergleichbar überwältigenden Ergebnisse bei überschaubarem Aufwand zum Live Erleben im Theater bieten. Musik eröffnet feinstoffliche Welten, die manchmal in bestimmten Frequenzbereichen sogar physisch berühren, das ist noch unverzichtbares unmittelbares Erleben. …

Aber: Die technische Entwicklung wird auch emotionsprägende Akustik feingezeichneter bieten.

Tatsächlich hat die Entwicklung schon eingesetzt. … (Anmerkg: s. nun überbordende weltweite Streaming-Angebote von Musiktheater-Inszenierungen)

Da ist es mglw. nur noch ein kleiner Schritt die hochsubventionierten Theater-Plätze zu sparen. …wenn sich bessere optisch akustische Ergebnisse und Auswahl bieten. (Anmerkg.: … und weltweite Finanzkrisen die Theater nicht mehr bezahlbar machen).

Da werden museale Repräsentationsbesuche in Prachtbauten obsolet. Historie und Bewertung scheint i. d. R. unkundigen Politikern noch nicht erschlossen. „Weiter so“ ist keine zulässige Maxime.

So könnte Bereinigung in Quantität und Qualität erfolgen. Überlebte Traditionen müssen befragt werden. Sind antiquierte 140 Theater/130 Orchester nötig oder kann das Interesse mglw. durch neue Medien besser bedient werden? (TTT im Nov. 2019)

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Internet Projekt: „Künstler für Helden der Pandemie“


Bitte untenstehenden Link anklicken

https://www.youtube.com/watch?v=EpeRM5QcSN0

 Jeder Klick auf Youtube ist „Danke schön“ an Ärzte, Pfleger, Hebamme die jetzt um uns kämpfen. Das Projekt ist Pro Bono, es verdient niemand. Es geht um die Idee.

Eine Gruppe von 15 internationaler Künstler aus Österreich, Polen, Groß Britannien und Serbien (unter der Leitung von Sopranistin Sabina Zapior  und der Kulturverein „Passion Artists“) hat eine Internet Performance (Cover des Stückes „Victory“-Filmmusik) aufgenommen. Mit dem Projekt möchten die alle Ärzte, Pfleger, Assistenten, Hebammen und alle Mitarbeiter des Gesundheitssystems würdigen, die jetzt für unsere Gesundheit kämpfen – so genannte „Corona Fighters“. Im Projekt sind professionelle Opernsolisten und Orchestermusiker  involviert, die derzeit nicht Live auftreten dürfen. Alle haben eigene Stimmen zuhause mit Handy aufgenommen. Um die Tonmischung und Mastering hat sich Tonstudio Room 66 Wien mit Heidli Bobal gekümmert. Filmschnitt und Regie hat Sabina Zapior gemacht.

Sabina Zapiór– Idee/idea/pomysł   Regie/director/reżyseria   Film/film/film  Sopran/soprano/sopran

Heidi Bobal-Tonmischung und Mastering/technika dzwięku i mastering    Tonstudio Room 66, Wien


Ewelina Jurga
-Sopran/soprano/sopran

Małgorzata Mielec-Pop Sopran/pop soprano/pop sopran

Marta Mularczyk-Sopran/soprano/sopran

Aleksandra Resztik-Sopran/soprano/sopran

Tehmine Schäffer-Sopran/soprano/sopran

Nikola Tatar-Sopran/soprano/sopran

Krzysztof Chalimoniuk-Bariton/baritone/baryton

 

Alesia Aleksandrowicz-Klavier/piano/fortepian

Lana Grcak-Geige/violin/skrzypce

Natalia Hiesberger-Klavier/piano/fortepian

Katarzyna Kamer-Cello/cello/wiolonczela

Michael Babytsch-Cello/cello/wiolonczela

Grzegorz Cholewiński-Geige/violin/skrzypce

Steven Ellery-Saxophon/saxophone/saksofon
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Linz: „CUPAK UND DIE MASKENMÄNNER“ – Kommentare mit Fortsetzungen auf der website des online-Merker, März/April 2020 (cum continuatione ad nauseam?)


Dr. Helmut und Petra Huber, unsere Linzer Theaterberichterstatter, diesmal in ihrer beruflichen Rolle. Copyright: Huber

Satyrspiel in zahllosen Akten nach dem Paranoical Unnötige Corona-Panik gefährdet Existenzen, Gesundheitssystem und sozialen Frieden von DDr. Christian Fiala, Libretto von P. R. Purkathofer, Musik von Mei-Lung Pfeyffer

Als vor Jahrhunderten Pest und Cholera durch das Land zogen, waren sich die Ärzte einig: diese Gottesgeiseln konnten nur durch üble Ausdünstungen aus dem Boden hervorgerufen werden. Man erfand dafür den Ausdruck „Miasma“, von altgriechisch μίασμα, zu Deutsch ‚Besudelung, Verunreinigung‘. Erst als Leute wie der Mathematiker, Physiker und Musiktheoretiker Christian Huygens und der Linsenschleifer Antoni van Leeuwenhoek ernsthaft in die Mikrowelt eintauchten und erste Erkenntnisse über die „animalcula“ erwarben, war der Grundstein für andere Auffassungen gelegt. Mit diesen, freilich deutlich späteren, Erkenntnissen sind Namen wie Robert Koch oder Louis Pasteur verknüpft, die Entdeckungen in einem Bereich der Krankheitsursachen machten, den man im wesentlichen heute mit dem Wort „Bakterien“ zusammenfaßt.

Viel älter allerdings ist der Begriff des Virus (lat. virus, -ūs n. für Schleim, zähe Feuchtigkeit, Gift), der schon im 1. vorchristlichen Jahrhundert im Zusammenhang mit einer Tollwutinfektion als Übertragungsmedium von Krankheiten auftaucht. Viren als solche wurden erstmals um 1900 dargestellt, deren Natur als im Grunde reine Erbinformation ohne selbständige Lebensfähigkeit – zur Vermehrung bedienen sie sich des Stoffwechsels von Wirtszellen – erst nach Aufklärung des DNS-Prinzips von Franklin, Watson und Crick erforscht werden konnte. Die Coronaviren sind seit Mitte der 1960er bekannt und gelten, wie viele andere Virenfamilien, als hochvariabel; sie können eine Vielzahl leichter Erkrankungen beim Menschen auslösen, aber eben auch sehr schwere Erkrankungen wie SARS (2003) und die aktuelle Pandemie. Das Ende 2019 identifizierte und benannte SARS-CoV2 ist bislang völlig unbekannt gewesen – dem menschlichen Abwehrsystem wie der Wissenschaft.

In einer genialen Wendung belebt Fiala nun die Miasmentheorie neu: „Dann muss man sich die Po-Ebene genauer ansehen: vom Mikroklima her ist die Po-Ebene eine besondere Region mit besonders schlechter Luft. Daher gibt es dort eine außergewöhnlich hohe Zahl an Menschen mit Atemwegserkrankungen.“ (zackzack.at). Sucht man nach Belegen für diese Aussage, findet man z. B. das: http://www.salute.gov.it/imgs/C_17_pubblicazioni_1893_allegato.pdf; mit Stand 2011 gibt diese Arbeit (S. 35) eine Prävalenz (Fälle in der Bevölkerung zum Erhebungszeitpunkt) der MRC (malattia respiratoria cronica = chronische Atemwegserkrankung) von  12 % in Kalabrien, 10 % in Latium (also um Rom), aber in den „Po-Provinzen“ Emilia Romagna, Piemonte,  Veneto und Lombardei mit 8 – 7 % einen Wert teils unter dem gesamtstaatlichen Durchschnitt von 8 an. Diese Erklärung Fialas für die hohe Zahl an Toten in (Nord)Italien ist also schon einmal blanker Mumpitz.

Suchen wir international nach Todesraten an chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) als Parameter für Umwelteinflüssen als Faktor für Covid-19-Tote… I, A, D, CZ, S, N unter 25 pro Jahr und 100.000 Einwohner, DK, F, E, GB 25 – 50/a. Jedoch stehen die Todesfälle (1. 5. 2020 22:00) an Covid-19 lt. dem „Protokollführer“ Johns Hopkins University mit I 28.236 ≙ 46,8/100.000 EW, A 589 ≙ 6,6, D 6.640 ≙ 7,8, CZ 240 ≙ 2,3, S 2.653 ≙ 25,9, N 210 ≙ 3,9, DK 460 ≙ 7,9, F 24.376 ≙ 36,4, E 24.573 ≙ 52,3, GB 27.510 ≙ 41,3 nicht im Einklang mit „schlechter Luft“ oder sonst einem Wirkmechanismus wie dem von Fiala für die Po-Ebene behaupteten, aber sehr wohl damit im Einklang, ob ein frühzeitiger und konsequenter shut-down stattgefunden hat oder nicht!!

Zum Vergleich Todesraten bekannter Grippeepidemien: die „Russische Grippe“ 1977/78 forderte ca. 600.000 Tote weltweit, also auf damals 4,3 Mrd. Bevölkerung 14 Tote auf 100.000, bei der „Hongkong-Grippe“ 1968 dürfte in der BRD mit 40.000 Toten über der sonst üblichen Sterberate ein Verhältnis von 66,7/100.000 erreicht worden sein. Seit 2014 gab es in Österreich lt. AGES jährlich vermutlich 259 – 4.436 Grippetote (2,5 bis 50,6/100.000), ohne nennenswerte Prophylaxemaßnahmen, aber mit rascher und zuverlässiger Immunisierung, mit kürzer dauernder präklinischer Ansteckungsgefahr (1 – 5 Tage vs. bis zu 14 Tage bei CoV2) und auf Basis eines unseren Abwehrsystemen zumindest teilweise bekannten Erregers. Legt man die bisherige, noch nicht abschließende (!) Covid-Totenzahl von Gesamtitalien (das mitten in der Krankheitsexplosion eine heftige Notbremsung hinlegte und damit eine noch viel höhere Ausbreitung abfing) auf Österreich um, würden wir jetzt bei 4.162 Toten halten; hätten wir eine Ausbreitung entsprechend nur der besonders rapiden norditalienischen, wäre auch die doppelte Zahl nicht unwahrscheinlich; ohne zu den späten italienischen Quarantänemaßnahmen vergleichbare Schritte könnte man wirklich 10.000e befürchten. ZUsätzlich zu den heuer bis zur KW 7 gezählten 650 Influenza-Toten (obige Influenza-Zahlen beziehen sich sonst immer auf die KWW 40 – 20).

Wobei anzumerken ist, daß, anders, als Fiala behauptet, die Covid-Diagnose nicht nur mit Virentests erstellt wird, sondern auch auf typischen/einzigartigen radiologischen und klinischen Lungenbefunden etc. beruhen kann. Zur SEHR komplexen Situation der Diagnosestellung, noch dazu über die letzten Monate „in Entwicklung“, z. B. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/covid-19/diagnose-therapie/

Mangelnde Evidenzbasis zu monieren, wie das Fiala macht („diese auf unzuverlässigen und deshalb nicht zugelassenen Tests beruhen“), ist, freundlich ausgedrückt, eine Chuzpe, weil die Werkzeuge zur molekularbiologischen Diagnose erst über die allerletzten Monate entwickelt werden mußten – was ohnedies rasend schnell ist, gemessen an durch Vorsicht, wohlfundierte gesetzliche Auflagen und Rückversicherung zwecks höchster Zuverlässigkeit geprägte, übliche Entwicklungsprozesse. Zur Vorgangsweise https://www.oeglmkc.at/corona.html: Auch wenn bis zu gut 90 Proben parallel abgearbeitet werden können – der Gesamtprozeß dauert 3 – 5 Stunden, und die dazu nötigen Reagenzien sind halt ein bissl aufwendiger herzustellen als der gute alte PVH-Leim, den man nach Belieben im 50-ml-Flascherl oder im 30 kg-Faß bei jedem Großhändler beziehen kann. Dementsprechend, wird der Tischlermeister Cupak verstehen, ist alleine diese Diagnostik schon ein bissl aufwendiger und unsicherer, als ein Nachtkastel zu bauen – und schon dabei ist es doch vorgekommen, daß unversehens ein Sopran draus wurde.

Zur Situation hinsichtlich der erst kürzlich und schnell auf den Markt gebrachten, aber noch nicht validierten (nur auf validierte Tests darf man sich verantwortlich verlassen!), nicht einheitlich ansetzenden Antikörpertests siehe weiter unten auf zuletzt zitierter website der österr. Labormedizin. Erst wenn zuverlässige, validierte, vergleichbare/vereinheitlichte Anti-Virus-Antikörper-Bestimmungen verfügbar sind, lassen sich zuverlässige Aussagen über eine „Herdenimmunität“ und deren eventuelle Dauer(haftigkeit) treffen; aber selbst wenn ein gesichert zuverlässiger Test vorliegt: alleine schon, solche Tests in größerer Menge stabil zu produzieren, ist eine sehr große Aufgabe, die eher Jahre als Monate erfordert. Deshalb war und ist die Attitude von S und (anfänglich) GB und Fiala, das Leben nicht einzuschränken und quasi freie Infektionsmöglichkeiten zuzulassen, in ihrem Ergebnis fahrlässig und letztendlich mörderisch; sie erinnert in ihrer bösartigen Naivität an die „großartige“ Idee der „Masernparties“.

Sowohl zum Virusnachweis wie zu den Antikörpertests ist zu sagen, daß beide in ihrer Aussagekraft und Zuverlässigkeit durch eine auch bei höherer Durchseuchung mit dieser Erkrankung suboptimal bleiben, weil z. B. alleine schon aus mathematisch-statistischen Gründen insbesondere die Spezifität (also die Ausschlußsicherheit gegenüber falsch positiven Ergebnissen) schlecht sein muß. Praktisch gute Spezifität läßt sich nur in begrenzten Gruppen, etwa Patienten mit einem bestimmten Karzinom in der Vorgeschichte, hinsichtlich einer klar umschriebenen Fragestellung erwarten – deshalb wurden ja auch vor einigen Jahren aufgetretene optimistische Vorstellungen, man könne als mutmaßlich Gesunder ein Ganzkörper-MRI durchführen lassen und wisse dann, daß man wirklich gesund sei (oder auch nicht) schnell in den Bereich der Träumerei verwiesen: unter solchen Umständen würde eine an sich sehr gute Spezifität von 95 % bedeuten, daß 5 % der Untersuchten eingreifendere, risikoreichere Folgeuntersuchungen benötigen würden, um die falsch positiven Befunde zu entkräften. Hingegen würden die selben 5 % Irrtümer bei bekannter Vorerkrankung höchstens ohnedies nötige weitere Untersuchungen halt etwas früher oder häufiger veranlassen.

Falsch abgebogen? Hier irrt die Regie! Erstens war Mitte März die weitere Entwicklung nicht genau abzusehen, anhand der Entwicklungen in Italien war eine explosive Vermehrung der Fälle denkbar – andererseits eine sehr zögernde Ausbreitung bei restriktiven Verordnungen am Beispiel Taiwan oder Singapur zu sehen. Der Bevölkerung eindringlich die ehrlich und fundiertermaßen mögliche ungünstigste Variante zu schildern, ist keine Panikmache, sondern unumgängliches politisches Tagesgeschäft, um dem Land die Restriktionen zu „verkaufen“, die „Compliance“ zu sichern. Schon Abraham Lincoln hat in seiner Gettysburg Address für den Fall der Niederlage der Union im Bürgerkrieg den Untergang des US-Staatsmodells an die Wand gemalt, und Winston Churchill 1940 mit „Blood, toil, tears and sweat“ nicht minder, von unzähligen weniger prominenten Beispielen einmal abgesehen.

Der Punkt, an dem in Italien die Dämme brachen ist auch eine grundsätzlich – nicht erst „in den letzten Jahren kaputtgesparte“ – viel schlechtere medizinische Ausstattung als in Deutschland und Österreich, z. B. in Intensivbetten pro Kopf; für 100.000 Einwohner gibt es in D 33,9, hierzulande 21,8, in Italien 12,5; im heurigen Jänner gab es in Österreich 2.500 Beatmungsgeräte, in Italien nur 5.000 bei der zu uns 7fachen Bevölkerungszahl. Im Februar wurden Daten aus China publiziert, daß 13,8 % der Covid-Infizierten schwer erkrankten, 4,7 % Intensivpflege benötigten. Zwar blieb die eigentliche Durchseuchung weiter unklar, aber sicher war für uns, daß auch unser „reiches“ System bei ungebremster Ausbreitung an Grenzen kommen würde, die bedeuten, daß man Patienten mangels Ressourcen sterben lassen müßte. Ein Kollege, der für intensivtechnische Hilfe im Februar in Italien war, hat uns von verzweifelten Szenen unter Angehörigen, Patienten und Personal erzählt; die Pressemeldung über einen Priester (in Bergamo), der auf seinen Beatmungsplatz verzichtete, um diesen einem anderen zu geben, und der dann auch an Covid starb, sollte auch bekannt sein.

Auch die unserem Tageskommentator so überaus mysteriöse Maskenfrage ist aus medizinischer Warte leicht zu erklären – wie so vieles bei näherer Betrachtung eben auch relativ und nicht als allzu einfache Wahrheit: die üblichen „leichten“ oder u. U. selbst geschneiderten Masken stellen keinen brauchbaren Selbstschutz dar, konnten also anfänglich nicht mit gutem Gewissen, womöglich gar als „Allheilmittel“, verordnet werden. Relevanter Selbstschutz ist erst ab professionellen Produkten mit Zertifizierung FFP2 zu erwarten. Dazu ist der Maskengebrauch kritisch – zu lange Nutzung am Stück verursacht Durchfeuchtung und damit weitestgehenden Barriereverlust. Der Schutz Dritter wird allerdings, wie schließlich die laufende Auswertung aus Epidemiegebieten ergab, auch durch einfache Masken, am besten in zeitlich beschränkter Verwendung (Durchfeuchtung, eh schon wissen), etwa unter den Kunden in einem Geschäft, um ein paar % verbessert. Und im Sinne der Zinseszinsrechnung, die dem Geschäftsmann geläufig sein müßte, hat dann eben auch eine nur geringe Senkung der Ausbreitungsrate einen längerfristig relevant günstigeren, weil exponentiellen, Gesamtverlauf in einem größeren Kollektiv zur Folge – im Gegensatz zum Selbstschutz, der individuell nur nach dem Binärprinzip wirksam ist, oder nicht ist.

Übrigens ist die Wirtschaft auch in Ländern ohne frühzeitigen shut-down verbreitet zum Erliegen gekommen, nur halt dazu mit viel mehr Toten und schauerlichen Details wie die nicht mehr zu bewältigende Leichenzahl in New York. Was man aus der Warte des Opernbetriebes auch nicht vergessen darf: die Altersgruppe der eifrigsten Opernbesucher ist unter denen mit höherem Covid-Sterberisiko wie den wohl tatsächlich Verstorbenen überrepräsentiert. Und genau DA liegt die Rechtfertigung für den shut-down, der NICHT die Gesamtzahl der Ansteckungen vermindern kann – es sei denn, die wärmere Jahreszeit beeinflußt die „Aggressivität“ des Virus günstig, sodaß durch die Verzögerung schlußendlich weniger Personen davon erfaßt würden; aber das Hauptziel des shut-down ist, daß durch Verlangsamung der Ausbreitung erst gar nicht die Frage „Wen lasse ich mangels Beatmungsplatzes sterben“ gestellt werden muß, und es auch keine Überforderung des medizinischen Systems im Ganzen durch eine Vielzahl auch nicht-intensivbedürftiger gleichzeitiger Fälle gibt. Schon bloße Verdachtsfälle bedingen im Krankenhaus (und auch der Arztpraxis) riesigen zeitlichen personellen und finanziellen Mehraufwand durch Schutzmaßnahmen, um die mögliche Infektionsquelle einzudämmen, bis vielleicht deren Negativität hinlänglich gesichert ist – und zwar völlig unabhängig von Regierungsverordnungen, rein aus klassischer „Seuchenhygiene“ heraus! Nebenbei bemerkt, eine Vorgangsweise, die bei Influenza bei weitem nicht so aufwendig ist.

In einer kleinen Nebenrolle: der internationale Starbassist Günter Groissböck. Seine künstlerische Kompetenz wird von seiner epidemiologischen Inkompetenz mit Leichtigkeit überrundet, und seine diesbezüglichen Auftritte sind eine glänzende Bestätigung des dictums von weiland Nikolaus Harnoncourt: „Ich sehe überhaupt nicht ein, warum ein Künstler mehr Fähigkeit zur Einschätzung von Politik aufweisen sollte als irgend ein x-beliebiger Bürger auf der Straße“.

Weist schon Fialas Buch arge Ungereimtheiten auf, werden diese von Regie und Dramaturgie nicht nur nicht ausgebügelt, sondern auch noch betont. Auch die musikalische Untermalung mit Husten, Räuspern und Brozzelgeräuschen trägt zur Stringenz der Darstellung kaum bei. Insgesamt eine fragwürdige Vorstellung an der Grenze zwischen Verschwörungstheorie und Verschwörungspraxis. Vom Publikum ist aufgrund der Theaterschließung nichts zu hören.

Petra und Helmut Huber

Zitat Ende

Worte des Herausgebers: Nun, ich muss keineswegs Recht haben und mit Medizinern kann ich wohl schlecht ernsthaft über dieses Thema diskutieren. Die oberste Maxime des Online-Merker ist eine ausgewogene Berichterstattung – und ich gebe gerne zu, dass meine Berichterstattung durch meine Meinung zu diesem Thema beeinflusst und daher nicht ausgewogen war.

Das habe ich übrigens mit der Tagespresse gemein, von Ausgewogenheit ist da auch keine Spur zu finden. So gesehen habe ich mich bemüht, ein Gleichgewicht herzustellen. Ich habe das durch die Veröffentlichung von Meinungen anderer Mediziner getan, keineswegs mit denen von Gewerbetreibenden und Kaufleuten, die ja besonders in Mitleidenschaft gezogen sind!

Die Analyse und Diagnose des Dr. Huber erhellt meinen Horizont durchaus, obwohl ich nie behauptet habe, dass man überhaupt nicht reagieren hätte sollen, es geht mir lediglich um die Angemessenheit der Maßnahmen. Ein „Brand“ muss gelöscht werden – sonst brennt er weiter. Man kann ihn mit Wasserkübeln löschen, man kann professionell die Löschschläuche an einen Hydranten anhängen, man kann aber auch die Schleusen des benachbarten Stausees öffnen und damit gleich alles zerstören.

Nach „Brand aus“ werden wir wissen, was nun notwendig war und was nicht. Das heisst, jeder wird es natürlich für sich wissen, sich bestätigt fühlen. Soll sein, wenn nur der Spuk bald vorbei ist.

Dank jedoch an das Ehepaaar Dr. Huber für diese Aufklärungen!

A.C. Anton Cupak, Herausgeber onlinemerker.com

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