Konzert anlässlich des 100. Geburtstages von Birgit Nilsson, Birgit Nilsson Museum, Västra Karup, 11. August 2018

Foto: Benno Movin-Hermes
Konzert anlässlich des 100. Geburtstages von Birgit Nilsson
Birgit Nilsson Museum, Västra Karup, 11. August 2018
Patrik Ringborg, Dirigent
Helsingborgs Symfoniorkester

Malin Byström, Sopran
Sofie Asplund, Sopran
Christina Nilsson, Sopran
Joachim Bäckström, Bariton
Karl-Magnus Fredriksson, Bariton

von Yehya Alazem

Zusammen mit Kirsten Flagstadt und Astrid Varnay stand die schwedische Sängerin Birgit Nilsson an der Spitze der Liga der hochdramatischen Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts.

Birgit Nilsson Museum
Foto: Charlotta Bjärholm

Birgit Nilsson wurde am 17. Mai 1918 in dem schwedischen Ort Västra Karup geboren. Nach einigen Studienjahren an der Königlichen Musikhochschule in Stockholm und ihrer Ausbildung zur Sopranistin, gab sie 1946 am Königlichen Theater in Stockholm ihr Debüt als Agathe im Freischütz von Carl Maria von Weber. Der Durchbruch gelang ihr aber erst 1947 im gleichen Haus als Lady Macbeth in Verdis Macbeth unter dem deutschen Dirigenten Fritz Busch.

Zwischen 1947 und 1951 sang Birgit Nilsson bereits zahlreiche Wagner-Partien. 1951 begann ihre internationale Karriere als hochdramatische Sopranistin, die sie in nahezu alle westeuropäischen und überseeischen Opernhäuser führte, darunter 1953 zum ersten Mal nach Bayreuth, 1954 nach Wien, 1955 nach Buenos Aires, 1958 nach Mailand und 1959 nach New York.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Birgit Nilsson arrangierte das Birgit Nilsson Museum ein Konzert mit berühmten schwedischen Sängern, die Opernszenen aus Birgit Nilssons Repertoire präsentierten – Tosca (die Titelrolle), Der Rosenkavalier (Die Feldmarschallin) und Tannhäuser (Venus und Elisabeth).

Karl-Magnus Fredriksson singt den Scarpia in Tre sbirri, una carrozza (Tosca Te Deum) aus dem 1. Akt von Puccinis Tosca.

Fredriksson hat einen wunderschönen lyrischen Bariton, der für Verdis Baritonpartien perfekt geeignet ist. Als Scarpia kommt er leider nie zurecht – ihm fehlt die Tiefe und die Autorität in der Stimme, die ein Scarpia haben muss. Wenn er aber später Wolframs O du mein holder Abendstern aus dem Tannhäuser singt, kommt die Schönheit seiner Stimme zum Tragen.

Als Cavaradossi überzeugt Joachim Bäckström mit seinem Spinto-Tenor. Er singt voller Dramatik und Leidenschaft. Für die Venusszene aus dem Tannhäuser scheint seine Stimme allerdings nicht geeignet. Anfangs singt er sehr schön, mit der Zeit klingt er jedoch allzu angestrengt, am Ende der Szene verlässt ihn die Kraft vollends.

Zwei junge Sopranistinnen brillieren an diesem Abend: Christina Nilsson und Sofie Asplund. Sofie Asplund besitzt einen glitzernden Koloratursopran mit hoher Präzision. Die Sophie im Terzett/Duett im Rosenkavalier verkörpert sie so niedlich und unschuldsvoll – eine wunderbare Leistung!

Christina Nilsson singt Elisabeths Hallenarie und die Allmächtige Jungfrau aus dem Tannhäuser mit Offenheit und Strahlkraft. Allerdings fehlt es ihr ein wenig an interpretatorischen Fähigkeiten, aber was ihre Stimme in diesem Alter schafft, ist unfassbar. Im November debütiert sie als Ariadne in Richard Strauss‘ Oper Ariadne auf Naxos an der Oper Frankfurt.

Für die Tosca, die eine von Birgit Nilssons Paraderollen war, findet man eine perfekte Besetzung in Malin Byström. Sie singt Vissi d’Arte ganz hervorragend. Ihr Sopran ist dunkel, intensiv und unglaublich ausdrucksstark. Dazu hat sie eine feine Technik und schöne Nuancierungen. Auch im Duett mit Cavaradossi im dritten Akt brilliert sie mit ihrem warmen Klang. Im Oktober debütiert Malin Byström als Tosca an der Oper Frankfurt – das sollte man nicht verpassen!

Der „Aidakuchen“
Foto: Joacim Wall

Im Übrigen ist ein Besuch des Birgit Nilsson Museums im Süden von Schweden wirklich zu empfehlen. Der Hof in Svenstadt, auf dem Birgit Nilsson aufwuchs, und der sich seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz befindet, wurde in ein Museum umgewandelt, das der legendären Sängerin gewidmet ist.

Das Museum bietet geführte Besichtigungen ihres Elternhauses . In einem weiteren Gebäude kann man die Ausstellung Birgit Nilsson – Augenblicke und Töne mit saisonal wechselnden Themenschwerpunkten besuchen. Im Stallcafé des Museums kann man Kuchen nach Birgit Nilssons eigenem Rezept genießen.

Yehya Alazem, 15. August 2018
für klassik-begeistert.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.