Mit Nombulelo Yende besitzt die Oper Frankfurt einen Diamanten im Sopranfach

Peter I. Tschaikowski (1840-1893) MAZEPPA  Oper Frankfurt, 20. September 2026

Petr Sokolov und Nombulelo Yende, Foto © Xiomara Bender

Als Übernahme des Tiroler Festspiele Erl spielt die Oper Frankfurt Tschaikowskis Oper MAZEPPA. Unter der exzellenten Leitung von Karsten Januschke begeistert ein homogenes Sängerensemble aus dem allerdings Nombulelo Yende als Marie hervorsticht. Der Regisseur Matthew Wild inszeniert das Werk als Fehde zwischen zwei mafiösen Gruppen mit politischem Hintergrund und stellt die Frage, wieso es Populisten immer wieder gelingt, sich auf dem Rücken des einfachen Volkes ihre Machtkämpfe auszutragen.

Oper Frankfurt, 20. September 2026

Peter I. Tschaikowski (1840-1893)
MAZEPPA
Oper in drei Akten und sechs Bildern

(Text von Viktor P. Burenin und Peter I. Tschaikowski nach Alexander S. Puschkin)

Musikalische Leitung: Karsten Januschke

Inszenierung: Matthew Wild
Bühne & Kostüme: Herbert Muraurer

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Kinderchor der Oper Frankfurt (Leitung: Manuel Pujol)

von Jean-Nico Schambourg

Als Übernahme des Tiroler Festspiele Erl spielt die Oper Frankfurt Tschaikowskis Oper MAZEPPA. Es ist das düsterste Werk das Tschaikowski geschrieben hat. Basierend auf dem Gedicht POLTAWA von Alexander S. Puschkin spielt die Handlung in der Ukraine und dreht sich um den Kosakenführer Iwan Mazeppa, der seine junge Taufpatin Maria gegen den Willen ihrer Eltern heiratet und damit auch politische Aufruhr auslöst.

Kotschubej, Marias Vater, zeigt Mazeppa beim Zaren wegen Hochverrats an. Der Plan misslingt. Der Zar schenkt seinen Anschuldigungen keinen Glauben und verurteilt ihn und seine Anhänger zum Tode. Maria, die Mazeppa aufrichtig liebt, muss die Hinrichtung ihres Vaters mitansehen und verliert den Verstand. In der Zwischenzeit hat Mazeppa die Gunst des Zaren verloren, weil er für die Unabhängigkeit seines Landes einsetzt und muss fliehen. Maria bleibt allein zurück und findet sterbend ihren Jugendfreund Andrej, den sie mit einem Schlaflied in den Tod wiegt.

In der Ukraine wegen seiner Revolte gegen die Oppression Russlands als Held verehrt, wurde Mazeppa in Russland als Verräter angesehen. Dies zeigt sich auch in der Beschreibung seiner Person von Puschkin, der ihn als manipulativ, korrupt, machtbesessen und gefühllos zeichnet. Tschaikowski verleiht ihm einige menschlichere Züge in der Komposition seiner Liebesbeziehung zu Maria.

Der Regisseur Matthew Wild spielt nicht die Karte der aktuellen politischen Kriegssituation aus, sondern verlegt die Geschichte in eine Fehde zwischen kriminellen Familienbanden. Die enge Beziehung zwischen Politik und mafiöser Gruppen kennt man aus vielen Ländern. Wild fragt mit seiner Inszenierung, wieso die Völker hilflos dabei zuschauen, wie eine korrupte Elite ihre Länder immer wieder ins Verderben stürzen.

Diese Aussage findet sich auch symbolträchtig wieder im Bühnenbild von Herbert Muraurer, der auch die Kostüme konzipiert hat. Die Geschichte spielt auf zwei Ebenen: oben die Herrscher, unten das Volk. Dieses ist Zuschauer der Machtkämpfe der Elite, steigt aber nie auf deren Ebene auf. Letztere lassen ihre kriminellen Schläger manchmal herabsteigen, um das Volk gewaltsam “zu besänftigen”. Am Ende der Oper, wenn die Gewalt alles zerstört hat, findet man auch sie auf dieser unteren Ebene.

(J. Porter, A. Birkus, S. Louis, J.Hong, Foto © Xiomara Bender)

Wild schreckt nicht davor zurück, Grausamkeit und Brutalität der Elite in Szene zu setzen. Die Szenen in denen Mazeppa Kotschubej foltern lässt, jagen dem Zuschauer manchen Schauer des Entsetzens über den Rücken. Auch in anderen Szenen wird die Brutalität von Mazeppas Gefolgen schamlos offenbart, ohne aber in puren Voyeurismus zu verfallen. Es spiegelt halt das reale Verhalten der Populisten und ihrer kriminellen Mithelfer wider.

Diese Gewalt findet man in Tschaikowskis Partitur wieder, so zu Beispiel im Intermezzo, das die Schlacht von Poltawa und Mazeppas Niederlage gegen den Zaren beschreibt. Hier ließ der Komponist Teile seiner OUVERTÜRE 1812, sowie den bekannten russischen “Slava-Hymnus” einfließen und formte daraus ein musikalisches Schlachtbild.

Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Karsten Januschke trumpft in diesen Szenen mächtig auf. Aber auch die lyrischen Momente werden vom Orchester ausgenutzt, um die hohe Qualität seines Klangkörpers zu zeigen. Ergreifend die Interpretation der Schlussszene der Oper, wenn das Orchester langsam ausklingt und Maria, vom Wahn der Geschehnisse verstört ihr Schlaflied dazu singt.

Dieser Maria in Frankfurt zuzuhören ist ein Genuss. Nombulelo Yende, Ensemblemitglied des Hauses, ist sicherlich der gesangliche Höhepunkt dieser Aufführung. Ob kindlich in Mazeppa verliebt, ob fraulich verletzt durch dessen Kälte, ob aufgerührt von den Anschuldigungen der Mutter oder ob dem Wahn verfallen, all diese Emotionen werden von ihr gesanglich perfekt umgesetzt. Ihr Sopran klingt dabei stets rund und besitzt alle nötigen Farben. Mit ihrer Schlussszene rührt sie bestimmt manchen Zuhörer zu Tränen.

 

Petr Sokolov und Nombulelo Yende, Foto © Xiomara Bender

 Petr Sokolov singt und spielt einen autoritären Mazeppa. In den Szenen mit und in seiner Arie über Maria findet er aber auch zu lyrischen Tönen. Alex Birkus zeigt als Kotschubej eine runde und kraftvolle Bassstimme. John Findonin der Rolle des Andrej ist anfangs ein bisschen zurückhaltend. Im letzten Akt besticht er sowohl durch kraftvolles, als auch sehr lyrisches Singen. Karolina Makula ist eine überzeugende Ljubow, Marias Mutter.

Jarrett Porter als Orlik, Jihun Hong als Iskra, sowie Kudaibergen Abdilin als betrunkener Kosake gefallen in ihren jeweiligen kurzen Rollen.

Ein großes Lob gebührt auch dem Chor der Oper Frankfurt, einstudiert von ihrem neuen Chordirektor Manuel Pujol. Wie schon u.a. im letztjährigen BORIS GODUNOV zeigt der Chor eine große Affinität zu russischen Opernwerken und verleiht diesen ihren typisch slawischen Chorklang.

Die Oper Frankfurt erweitert mit dieser Aufführung ihr Repertoire russischer Opern und verbucht einen weiteren großen Publikumserfolg.

 

 

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