Starkes Musiktheater: Ein großartiger "Holländer" im Theater an der Wien

Richard Wagner  Der Fliegende Holländer, Inszenierung Philipp Stölzl  MusikTheater an der Wien, 17. Oktober 2016

Foto (c) Matthias Baus Lina Lottes (junge Senta), Arnold Schoenberg Chor

Im MusikTheater an der Wien wurde Wagners prägendes Erlebnis grandios auf die Bühne und in den Orchestergraben gebracht – die intellektuell anspruchsvolle und zugleich spukhaft plastische Inszenierung Philipp Stölzls begeisterte das Wiener Premierenpublikum.

Richard Wagner  Der Fliegende Holländer

Musikalische Leitung: Robert Jindra

Inszenierung und Licht: Philipp Stölzl
Szenische Neueinstudierung: Philipp Stölzl

Daland: Wilhelm Schwinghammer
Senta: Ambur BraidErik: Cameron Becker
Mary: leva Prudnikovaitė
Der Steuermann Dalands: James Ley
Der Holländer: Jordan Shanahan

Wiener Symphoniker

Arnold Schoenberg Chor (Leitung: Erwin Ortner)
Statisterie des MusikTheaters an der Wien

Coproduktion mit der Staatsoper Unter den Linden, Berlin Originalproduktion des Theaters Basel (Premiere in Basel 8. Jänner 2009)

MusikTheater an der Wien, 17. Oktober 2016

von Dr. Charles E. Ritterband

Richard Wagner soll die Inspiration zum „Holländer“ während einer fürchterlich stürmischen Überfahrt nach London im Jahr 1839 an der norwegischen Küste erfahren und zugleich so einiges über Seemansbräuche gehört haben.

Stölzl wählte für seine Inszenierung eine ebenso eigenwillige wie intellektuell herausfordernde Herangehensweise: die bekannte Handlung spielte sich doppelt ab, denn die unverkennbar autistische Senta (als stumm agierende Figur) flüchtete sich – offenkundig Opfer eines egoistisch agierenden, sie für dessen „Schätze“ an den Holländer verschachernden Vaters – nicht wie sonst üblich in das Bild des spukhaften Seemanns, sondern verlor sich in der Parallelwelt eines dicken Buches, das offensichtlich die Geschichte des „Holländers“ schilderte.

(c) Matthias Baus Lina Lottes (junge Senta), Wilhelm Schwinghammer (Daland)

Zugleich gab es die „andere“  Senta, die zu singen hatte und in der Spukwelt des “Holländers“ agierte. Dass nun aber der geisterhafte Seemann ein stummes Pendant in Gestalt eines wohlgenährten und -gekleideten Bürgers hatte, der in der Bibliothek von Sentas Vater herumlümmelte und unerklärlicherweise Sentas Zuneigung erwarb – das war nun ganz entschieden ein Schritt zu viel in diesem Regiekonzept und entbehrlich, ja geradezu peinlich.

(c) Matthias Baus Cameron Becker (Erik), Ambur Braid (Senta)

Die Wiener Symphoniker unter der souveränen Stabführung von Robert Jindra verliehen dem Raum dieses historischen Opernhauses eine  überwältigende Klangfülle in authentischer musikalischer Tradition Richard Wagners.

Die kanadische Sopranistin Ambur Braid gab die Senta als vollendete, dramatische Wagner-Interpretin mit grossartiger Stimmstärke und überragender Leuchtkraft, bisweilen mit Vibrato.

(c) Matthias Baus Cameron Becker (Erik), Ambur Braid (Senta)

Der „Holländer“ des hawaiianischen Baritons Jordan Shanahan dominierte mit einer gewaltigen Stimmkraft , welche nicht nur glaubhaft Fluten und Meere beherrschte, sondern auch den üppigen Saal des Theaters an der Wien dominierte. Dunkel und geheimnisvoll verkörperte er die Spukgestalt, während seine Mannschaft allzu stark an „Fluch der Karibik“ erinnerte.

Jordan Shanahan (Der Holländer), Lina Lottes (junge Senta), Arnold Schoenberg Chor (c) Matthias Baus

Der Erik des Cameron Becker bot gesanglich prägnant und eine überzeugende Kontrastfigur zum „Holländer“.

Dr. Charles E. Ritterband, 17. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Richard Wagner, Der fliegende Holländer, Oksana Lyniv Bayreuther Festspiele, 29. Juli 2026

Meine Lieblingsoper (45): „Der Fliegende Holländer“ von Richard Wagner

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Richard Wagner „Der fliegende Holländer“ Oper Köln, 21. April 2023

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