Philipp Stölzls „Holländer“ Unter den Linden gerät zum Wimmelbild

Richard Wagner, Der fliegende Holländer  Staatsoper Unter den Linden Berlin, 3. Juni 2023

Gerald Finley (Der Holländer), Amelie Sturm (Die junge Senta/Komparserie), Magnus Dietrich (Der Steuermann Dalands) © Jakob Tillmann

Staatsoper Unter den Linden Berlin, 3. Juni 2023

Richard Wagner
Der fliegende Holländer

Der Holländer    Gerald Finley
Daland    Jan Martinik
Senta    Vida Miknevičiūtė
Erik    Stanislas de Barbeyrac
Mary    Marina Prudenskaya
Steuermann    Magnus Dietrich

von Peter Sommeregger

Philipp Stölzls Inszenierung von Wagners „Fliegendem Holländer“ hatte bereits 2013 im Ausweichquartier Schillertheater Premiere, war auch in Basel und Barcelona zu sehen. Besser geworden ist sie über die Jahre nicht, der nicht uninteressante Ansatz, die Handlung in der Entstehungszeit des Werkes und in eine Traumsequenz der schwärmerischen Senta zu verorten, ist leider alles andere als neu, inzwischen reichlich altbacken.

Streckenweise werden die Protagonisten szenisch auf zwei Handlungsebenen gedoppelt, was schnell unübersichtlich wird. An manchen Stellen ist die Bühne richtig überfüllt, für den Zuschauer entsteht der Eindruck eines Wimmelbildes. Kein Wunder, dass beim Schlussapplaus das stumme Senta-Double donnernden Zuspruch erhält, offenbar wurde es mit der Sängerin verwechselt.

Interessant wurde die aktuelle Aufführungsserie durch einige Rollen- oder zumindest Berlin-Debüts. Allen voran der Holländer von Gerald Finley, der für ein gänzlich anderes Repertoire bekannt ist, sich aber mit der anspruchsvollen Partie mehr als wacker schlug. Die tückischen hohen Töne der Rolle meisterte er bravourös, die Stimme hat Volumen, einen guten Sitz und seine Textverständlichkeit ist mustergültig. Der Vater Sentas, Daland, wurde von Jan Martinik mit sattem Bass recht brav gesungen, dass diese Figur mehr als eine Dimension hat, blieb allerdings auf der Strecke. Als sein Steuermann konnte Magnus Dietrich aus dem Nachwuchsstudio mit sicher geführtem, ansprechenden Tenor punkten.

Gerald Finley (Der Holländer), Komparserie © Jakob Tillmann

Der Tenor Stanislas de Barbeyrac stattete den Erik mit bemerkenswertem Tenor-Strahl aus, da wächst ein Schwergewicht der Heldentenorliga heran, ein wenig Feinschliff kann dieser Rohdiamant aber noch vertragen.

Marina Prudenskaya ist für die Mary eine Luxusbesetzung, und trägt zum hohen gesanglichen Niveau der Aufführung bei. Gespannt war man auf die Senta von Vida Miknevičiūtė. Die Sängerin, deren Karriere rasant an Fahrt aufnimmt, verfügt über einen sehr hellen, kräftigen Sopran, der schön timbriert und höhensicher ist. Problematisch ist ihre Technik, sie singt fast ausschließlich mit der Kopfstimme, dadurch wirkt ihr Gesang monochrom, es schleichen sich auch bereits einige Schärfen ein, im Finale des zweiten Aktes unterläuft ihr ein technisches Missgeschick, keine große Sache, aber vielleicht eine Warnung an die Sängerin.

Marina Prudenskaya (Mary), Amelie Sturm (Die junge Senta/Komparserie), Damen des Staatsopernchores © Jakob Tillmann

Matthias Pintscher am Pult der Staatskapelle macht schon mit den ersten Takten der Ouvertüre klar, wohin die Reise geht. Es wird recht laut an diesem Abend, die Tempi zügig, so dass die pausenlose Aufführung nach gut zwei Stunden bereits zu Ende ist. Das Zusammenspiel von Bühne und Graben funktioniert aber gut, und am Ende können sich alle Beteiligten über regen, und auch verdienten Applaus freuen.

Peter Sommeregger, 4. Juni 2023, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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