Zehn Fragen an die österreichisch-israelische Chansonnière Timna Brauer: "Es ist eine Freude, das Zepter weiterzureichen!"

Zehn Fragen an die österreichisch-israelische Chansonnière Timna Brauer  klassik-begeistert.de

„Für mich ist der herkömmliche Heimat-Begriff obsolet. Wirklich zu Hause, in meinem wahren Element, fühle ich mich in meiner schöpferischen Tätigkeit des Komponierens, Malens und Schreibens im Atelier und im Tonstudio einerseits und andererseits im unmittelbaren Wirken auf der Bühne.“

Interview: Charles E. Ritterband
Fotos: wikipedia.de (c), Timna Brauer (c)

Timna Brauer ist die bekannteste, vielseitigste und für viele auch beste Chansonnière Österreichs. Sie lebt in Wien, Ein Hod und Jaffa; ihr Repertoire reicht von israelischer Folklore, französischen Chansons zu Jazz und jiddischen Liedern. Timna stammt aus Wiens prominentester Künstlerfamilie: Ihr Vater Arik Brauer ist der zur Zeit berühmteste Maler der Donaumetropole, ihre Mutter stammt aus einer musikbegeisterten jemenitischen Familie. ihre Schwester ist eine namhafte Schauspielerin und ihre Tochter entwickelt sich zu einer herausragenden Sängerin. Timna singt, komponiert, sie verfasst und illustriert Kinderbücher. Das israelisch-palästinensische Projekt „Voices for Peace“ sieht sie als einen der Höhepunkte ihrer bisherigen Laufbahn.

Die österreichisch-israelische Sängerin Timna reiht sich in die Nachfolge der legendären Chanson-Sängerinnen ein, von der unsterblichen Edith Piaf zu Mireille Mathieu, von Barbara bis zu Esther Ofarim. Timna Brauers künstlerische Begabung wurde ihr, etwas pathetisch ausgedrückt, in die Wiege gelegt: ihr Vater ist der überragende Maler, Poet und Sänger Arik Brauer, der in seiner Pariser Zeit Ende der 1950er-Jahre mit seiner Frau Naomi mit israelischen Liedern als Gesangsduo Karriere machte. Ihre Schwester Ruth ist eine erfolgreiche Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin auf Wiener Bühnen. Auch ihre Großeltern pflegten den Gesang – ihr jemenitischer Großvater war übrigens der Kutscher von Theodor Herzl und im jemenitischen Viertel von Tel Aviv bekannt für seine gewaltige Singstimme, die, wie man sich heute noch erzählt, über den ganzen Markt hinwegdröhnte. Timna hatte das seltene Privileg, in ihrer eigenen Familie auf Vorbilder und Traditionen zurückgreifen zu können. So begann sie hinabzusteigen in die geheimnisvollen Tiefen des Liedguts vieler Völker.       

Wie ihr Vater Arik ist auch Timna eine Universalkünstlerin: sie singt, komponiert, schreibt und malt. In Wien wohnt sie in einem romantischen ehemaligen Heurigen mit zwei alten Kastanienbäumen im Garten, in Israel in der Künstlerkolonie Ein Hod südlich der Stadt Haifa, sowie neuerdings auch in Adjami, dem muslimischen Viertel der alten arabischen Hafenstadt Jaffa, direkt am Strand. Dort kommt sie zur Ruhe, komponiert und malt, schreibt neue Chansons und Kinderlieder.

Wien und Paris waren die beiden wichtigsten Stationen in Timnas Curriculum – in diesen beiden so unterschiedlichen Metropolen legte sie die Basis für ihre musikalische und akademische Ausbildung : Sie studierte Klavier und Gesang am Konservatorium Wien und promovierte an der Sorbonne über „Die Stimme im Jazz“. Aber auch die Oper durfte bei ihrem Musikstudium nicht fehlen: sie besuchte Meisterkurse im Opernfach – und, als Kontrastprogramm, in indischem und Jazz-Gesang. Timna arbeitet bei ihren Auftritten seit 1986 eng mit dem virtuosen israelischen Pianisten und Perkussionisten Elias Meiri zusammen. Gemeinsam haben sie an die 20 CDs und Kinderhörbücher produziert. Mit Elias hat Timna zwei erwachsene Kinder, Jasmin – inzwischen selbst eine erfolgreiche Chansonniére – und der Filmemacher Jonathan. Timna lebt mit dem österreichischen Schriftsteller Wolfgang Hermann zusammen.

Timna tritt aber nicht nur mit eigenen Produktionen auf, mehrmals betrat sie die Bühne als singende Schauspielerin: Als Jenny in der Dreigroschenoper 1999 (Frankfurt) und in Andrew Llloyd Webbers Evita 2001 (Sommerseebühne Klagenfurt), als Golde in Josef Steins Musical Anatevka (Schoß Kittsee im Burgenland 2007 und Stadttheater Bozen 2015) sowie als Erzählerin im Stadttheater Innsbruck bei der Österreichpremiere der Oper Der Stein der Weisen 2018.

Timnas so vielfältiges Repertoire widerspiegelt ihr Leben und ihre Identität:  Sie interpretiert hingebungsvoll französische Chansons:

https://www.youtube.com/watch?v=XipzdfGTHbQ

Mozart in Jazz:

https://www.youtube.com/watch?v=7YYKNFzmT8E

gibt seelenvolle Gesänge aus der versunkenen, vernichteten Welt der jüdisch-osteuropäischen „Stetl“ wieder:

https://www.youtube.com/watch?v=c-mp5EfM4pc

Bay mir bistu sheyn – Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble – ORF Live

Bay mir bistu sheyn – Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble – ORF Live

www.youtube.com

und lässt jahrhundertealte sephardische und jemenitische Klänge in neuer Bearbeitung aufleben:

https://www.youtube.com/watch?v=9vBfX1VWFlo

Timna Brauer – SEI YONA / FLIEG‘ TAUBE

„Music for Peace“ – concert in Vienna Radiokulturhaus, 1999

www.youtube.com

 

  1. Israel (Ein Hod im Norden, Jaffa bei Tel Aviv), Paris, Wien – drei Stationen und, um einen ungebräuchlichen Plural zu verwenden: drei Heimaten. Welche dieser drei Stationen bzw. Kulturen ist Deine wahre Seelenheimat, wo fühlst Du Dich wirklich zu Hause?

 Timna Brauer: Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt – und zwar nur deshalb, weil sie mir immer wieder von Journalisten vorgelegt wird. Das hat etwas damit zu tun, dass man in der westlichen Denkweise Identität zumeist mit Orten verbindet. Für mich ist der herkömmliche Heimat-Begriff obsolet. Wirklich zu Hause, in meinem wahren Element, fühle ich mich in meiner schöpferischen Tätigkeit des Komponierens, Malens und Schreibens im Atelier und im Tonstudio einerseits und andererseits im unmittelbaren Wirken auf der Bühne. Dies ist für mich auch ein politisches Statement: inwiefern ist der Begriff Heimat ad absurdum ausdehnbar?

Obwohl ich keinen französischen Pass besitze, fühle ich mich dieser Kultur emotional verbunden. Französische „civilisation“ und Sprache sind für mich enorm wichtig. Meine Muttersprache ist zwar hebräisch, die Vater-Sprache ist Deutsch, doch die Herzenssprache ist Französisch: Ich war in Paris im Kindergarten und dann in Wien im Lycée Francais, mein Tagebuch im Alter von 7 Jahren führte ich nicht auf Deutsch, sondern auf Französisch. In Paris habe ich an der Sorbonne meinen akademischen Abschluss in Musikwissenschaft gemacht. Die französische Sprache ist meine intellektuelle Begleiterin; Wort-Kunst findet bei mir nach wie vor auf Französisch statt. Chansons schreibe ich meistens auf Französisch, obwohl ich seit Jahren nicht mehr in Frankreich lebe. Deutsch als Sprache für Chansons ist für mich viel heikler, weil dies bisweilen in den „Kitsch“ zu kippen droht.

Sehr gerne singe ich ebenfalls auf Jiddish, das ich ganz gut verstehen kann, ist es ja eine Mischung aus Mittelhochdeutsch und Hebräisch, sowie auf Arabisch, das ich zwar leider nicht beherrsche, aber das mir durch meine jemenitischen Großeltern doch vom Klang sehr vertraut ist .

Sozialisiert wurde ich hauptsächlich in Wien und hier bin ich mittlerweile sehr verwurzelt, weil ich hier seit 30 Jahren lebe und zwei Kinder großgezogen habe.  Viele Monate im Jahr verbringe ich aber in Israel mit seinem so ganz anderen Lebensgefühl – ein Zurück zu den Wurzeln meiner orientalischen Vorfahren.

2. Israelische Songs, jiddische und sephardische Lieder, französische Chansons, Jazz – alles klingt hinreißend, wenn Du es interpretierst. Gibt es Verbindungen, Brücken zwischen diesen kontrastierenden Sparten? Welche Art von Gesang versetzt Dein Herz am meisten in Schwingungen?

Timna: Die Brücken entstehen durch meine Person, da ich all diese Identitäten in mir vereine. Ich bin aber keine Folklore-Sängerin, dazu bin ich zu wenig „mit Haut und Haar“ in einer spezifischen Kultur verwurzelt. Ich werde nie ein Wienerlied, einen jemenitischen Gesang oder sogar ein französisches Chanson wirklich authentisch vortragen, das können andere besser. Aber das ist auch nicht meine Kunstform, meine Begabung besteht darin, konträre Elemente miteinander zu verbinden und ein neues Klangbild zu erfinden. Durch das musikalische Arrangement einerseits und durch eine sehr persönliche Interpretation der Werke andererseits. Auch das Improvisatorische kommt nie zu kurz, ich habe ja meine Karriere als Jazzsängerin begonnen.

Ich habe eigentlich keine stilistischen oder sprachlichen Präferenzen im Repertoire. Sobald ich auf der Bühne bin, interpretiere ich mit derselben Verve und Begeisterung jegliche Musik. Aber ich mische nie die Programme.  Ich habe auch für jedes Projekt eigene Kostüme, die mir helfen, in die richtige Stimmung der Gesänge und Erzählungen der jeweiligen Kultur einzutauchen – mein Publikum wird jedes Mal zu einer Reise eingeladen und man kann ja nicht überall zugleich sein.

3. Du hast Dich in Deiner Ausbildung mit der Oper befasst, die mir persönlich ja viel bedeutet – hast Du je mit dem Gedanken gespielt, den steinigen Pfad der Opernsängerin einzuschlagen? Oder hast Du das Opernfach vor allem als Teil Deiner musikalischen Ausbildung, als eine Erfahrung unter anderen betrachtet?

Timna: Durch das Studium des Operngesangs habe ich mir eine solide Technik erworben. Ich habe aber nie erwogen, eine Opernsängerin zu werden. Ich will nicht an eine strikte Noten-Vorlage gebunden sein – das bin nicht ich. Aber Ausflüge mache ich jederzeit gerne: in die Pop- und Musical-Welt oder auch in die Zeitgenössische Musik.

Übungshalber habe ich für mich Opern-Arien aufgenommen – das wurde zwar nie veröffentlicht, aber Teile werden Eingang in mein Jodel-Projekt finden, das als CD herauskommen wird.

4. Inspirieren die einzigartigen Kunstwerke Deines Vater Deine eigene Kunst, sei es Musik oder Malerei?

Ich hatte wirklich das Glück und das Privileg in diese sehr musische, multilinguale, multikulturelle Familie hineingeboren zu werden. Als Kind dachte ich, dass alle Väter den ganzen Tag nur singen und malen. Die Bilder meines Vaters haben mich stets begleitet und inspiriert, wirklich intensiv befasse ich mich aber mit ihnen seit einigen Jahren, da ich regelmäßig durch seine Privatsammlung in seiner Villa in Wien führe. Informationen über den Besuch im Atelier befinden sich unter: www.leuchtpunkte.at
Mein Vater hat mir aber auch die Ölmaltechnik beigebracht, wir pflegten immer schon einen sehr regen menschlichen und künstlerischen Austausch.

5. Viel hat sich geändert in den letzten Jahren – die junge Generation konzentriert sich auf möglichst kostenloses Streaming, kauft kaum mehr CDs und hört ganz andere Musik. Befürchtest Du, dass Dir dein Publikum, vor allem das junge, wegbrechen könnte? Neigt sich das Zeitalter der CDs unwillkürlich dem Ende zu und gibt es einen zeitgemäßen Ersatz?

Timna: Es scheint so, als würde sich das Zeitalter der CD dem Ende zu neigen, ja. Wir verkaufen aber nach wie vor sehr viele CDs nach den Konzerten.

Der Vorteil der Digitalisierung ist, dass ich jederzeit meine Musik sehr breit auf YouTube präsentieren kann.

6. Der Jemen ist durch Deine Mutter Naomi und Deine musikalischen Interessen ein Teil Deines künstlerisch-musikalischen Spektrums. Warst Du je im Jemen? Siehst Du eine Möglichkeit, in diese umkämpfte Region zu reisen?

Timna: Leider war ich nie dort. Der Jemen ist eines der schönsten Länder der Welt, doch derzeit herrschen dort Krieg und Hunger. Meine Mutter ist als Kind mit meiner Großmutter von Palästina mit dem Zug nach San´aa gereist, um zum Grab des heiligen Rabbi Shabazi zu pilgern. Meine Großeltern sind aber schon sehr jung nach Palästina emigriert, es war die erste jemenitische Einreisewelle Ende des 19.Jahrhunderts. Der Jemen ist also mehr eine Erinnerung als eine Realität in der Familie.

  1. Findet das palästinensisch-israelische Projekt „Voices for Peace“ eine Fortsetzung? Sind über die musikalische Zusammenarbeit hinaus Freundschaften zwischen palästinensischen und israelischen Künstlern entstanden? Hat dieses Projekt über den künstlerischen Bereich hinaus in die politische Sphäre ausgestrahlt und – wenn auch noch so bescheidene – Friedenshoffnungen geweckt?

Timna: Voices for Peace war für mich sowohl musikalisch als auch menschlich ein Höhepunkt in meiner Karriere. Auch das Repertoire war interreligiös: jüdische, christliche und muslimische Gesänge. Fast zehn Jahre sind wir durch Israel und Europa getourt, aber bei vierzig Künstlern war es ein sehr teures Projekt gewesen. Nach der Ermordung Rabins 2005 ist die politische Stimmung im Nahen Osten gekippt und es wurde immer schwieriger, Sponsoren für das Projekt zu gewinnen.

Aber die Freundschaften haben sich bis heute – auch dank der sozialen Medien – gehalten, und es war ein kleines Biotop einer friedlichen Zusammenkunft zwischen den verfeindeten Völkern..

  1. Das österreichische Publikum besucht begeistert Deine Konzerte, in denen ja das israelische, das jiddische und das sephardische Liedgut dominiert. Liest Du daraus ein Interesse an jüdischen Themen, eine positivere Einstellung gegenüber dem jüdischen Volk heraus? Ein Gegengewicht zum wieder wachsenden Antisemitismus?

Timna: Ich habe das Privileg, in einer Zeit zu wirken, in der der Antisemitismus zwar noch existiert, aber nicht mehr in der absoluten Form, wie sie seit zweitausend Jahren von meiner Schicksalsgemeinschaft ertragen werden musste. Die meisten Europäer der Nachkriegsgeneration haben überhaupt kein Problem mit Menschen jüdischer Herkunft, es ist kein Thema für sie, der Rassismus hat sich auf andere Völker verschoben. In Ländern wie Österreich ist der Antisemitismus heute meistens das Problem der Antisemiten. Generell bin ich der Ansicht, dass der christliche Antisemitismus nach 2000 Jahren tatsächlich weitgehend überwunden wurde.

Ich spüre bei meinem Publikum eine unendliche Begeisterung für und Sehnsucht nach jüdischer Musik, fast so, als würde es sich um einen verlorenen Sohn handeln. Wichtig sind die persönlichen Geschichten, die ich erzähle und das absolute Vermeiden von Zeigefinger-Allüren oder Selbstmitleid. Diese breite Resonanz ist der Grund für meine Entscheidung, mich mit jüdischer Musik in Ihrer Vielfältigkeit so intensiv zu beschäftigen. Sehr gerne singe ich übrigens dieses Repertoire auch in Kirchen.

  1. Was tut sich in der israelischen Musikszene? Liegt Israel bei Songs und Chansons weiterhin in der Spitzenliga? Sind die großen Zeiten eines Arik Einstein oder Matti Caspi vorbei? Im Eurovision Song Contest, der ja letztes Jahr in Tel Aviv abgehalten wurde, belegte Israel den 14. Rang. Ist das relativ gut oder relativ schlecht?

Timna: Es gibt nach wie vor in Israel extrem viel Talente, viele sehr gute Sänger, aber die Szene ist nicht beständig, ein Star jagt den anderen, es ist alles viel schneller geworden. Arik Einstein und Matti Caspi sind von einer völlig anderen Generation, es ist auch eine andere Liga vom Niveau der Persönlichkeiten und der Chansons.

So ähnlich wie in Frankreich ein Georges Brassens oder eine Barbara in ihrer Art nicht übertroffen werden können. Aber solche Phänomene sind auch die Frucht einer ganz bestimmten Zeit, die Zeit der Traumata und des Aufbaus. Platz 14 im Songcontest ist in Ordnung, die Israelis waren schon vier Mal die Nummer eins, drei davon übrigens Sänger jemenitischer Herkunft.

Das wundert auch nicht, denn die jüdischen Jemeniten haben eine sehr starke Gesangstradition, als Zeichen der Trauer über die Zerstörung des Tempels von zweitausend Jahren haben sie nie wieder Musikinstrumente gespielt, und so konnte sich eine großartige Gesangskultur entwickeln, die bis heute noch währt. International bekannt geworden sind Shoshana Damari, Ofra Hasa und Noa.

  1. Du hast ein faszinierend vielfältiges Repertoire und jeder Deiner Auftritte ist hinreißend. In welche Richtung möchtest Du Dich weiter entwickeln? Gibt es neue Horizonte? Neue Herausforderungen?

Timna: Absolut, jetzt wo meine Kinder erwachsen sind habe ich mehr Zeit für neue Projekte. Mehrere CDs sind im Entstehen: Endlich habe ich es gewagt, Chansons auf Deutsch zu schreiben, „Minnesang und Drang“ wird von einem wunderbaren Tango-Orchester begleitet.

Nach meiner jiddischen und sephardischen CD ist es an der Zeit auch ein Album mit jüdisch-jemenitischen Gesängen zu produzieren die ich in meiner Kindheit gehört habe, darauf freue ich mich schon sehr. Und es entsteht auch eine CD mit der Technik des Jodelns als Basis für ein breites Repertoire (Stichwort: arabische Gesänge – Eric Satie und Jazz), das für mich musikalisch freieste und kühnste Projekt bis dato mit vielen Gästen und Zitaten.  Alles scheint möglich und vereinbar zu sein, das Wiener Dudeln (eine etwas abgeschwächte Version der weit härteren Technik aus den Alpen) agiert harmonisch mit dem Jodeln der afrikanischen Pygmäen, weil ich beide Techniken soweit beherrsche, dass ich stimmlich als Bindeglied fungieren kann. Ganz wunderbar auch der Einsatz meiner Tochter Jasmin, die wie ein Chamäleon selbstverständlich all die Gesangsstile mit mir durchwandert. Eine Freude, das Zepter weiterzureichen!

Dr. Charles E. Ritterband, 14. Juni 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Einige Highlights von Timna Brauers Karriere:

1986 nahm Timna Brauer für Österreich am Eurovision Song Contest in Norwegen mit dem Lied „Die Zeit ist einsam“ teil.

1990 Erster Preis beim Internationeln Jazzbandwettbewerb Paris-La-Défense

1990 Moderatorin der ORF-Fantasieshow SESAM ÖFFNE DICH

1995 Musikalische Leitung mit Elias Meiri für die Revue HAVA NAGILA im Wiener Etablissement Ronacher mit 40 Künstlern aus Israel

Mitte der Neunziger Jahre leitete Timna Brauer die Jazzgesang-Abteilung in der Universität für Musik in Wien.

2004 kreierte sie für die Telekom Austria „Kinderklangwolke“ das musikalische Märchen „Die begeisterten Trommeln“.

Sie gründete die palästinensisch-israelischen Chor-Gruppe „Voices for Peace“, mit der sie jahrelang auf Tourneen in Europa ging. Dafür erhielt sie 2004 den  GLOBArt INNOVATION AWARD und 2005  den Thies-Knauf Kulturpreis für Musik der EU.

2014 startete eine intensive musikalische Zusammenarbeit mit den Zisterziensermönchen im Stift Heiligenkreuz bei Wien. Dieses interreligiöse Projekt unter dem Namen „Chant for Peace“ führte zu gemeinsamen Konzerten im Stift sowie einer höchst erfolgreichen CD-Aufnahme (Deutsche Grammophon) – die auch mit der „Goldenen Schallplatte“ ausgezeichnet wurde: Eine Begegnung im Zeichen der Versöhnung zwischen zwei (einander an sich fremden) religiösen Traditionen, jüdische Synagogen-Gesänge aus dem Orient und dem Okzident und gregorianischem Choral.

Timna tritt aber nicht nur mit eigenen Produktionen auf, mehrmals betrat sie die Bühne als singende Schauspielerin: Als Jenny in der Dreigroschenoper 1999 (Frankfurt) und in Andrew Llloyd Webbers Evita 2001 (Sommerseebühne Klagenfurt), als Golde in Josef Steins Musical Anatevka (Schoß Kittsee im Burgenland 2007 und Stadttheater Bozen 2015) sowie als Erzählerin im Stadttheater Innsbruck bei der Österreichpremiere der Oper Der Stein der Weisen 2018.

2012 spielte Timna Brauer im amerikanisch-israelischen Film THE GOLDEN POMEGRANATE in einer prominenten Rolle.   Im vergangenen März hätte sie im Haus der Musik in Innsbruck Schönbergs „Pierrot Lunaire“ und Werke von Ravel und Satie singen sollen, wegen Covid 19 musste dieses Projekt auf 2022 verschoben werden. 2014 produzierte sie gemeinsam mit dem Komponisten und Pianisten Bela Koreny eine CD mit Liedern von Zarah Leander in Begleitung der Wiener Virtuosen (Solisten der Wiener Philharmoniker), mit Stargästen wie Roby Lakatos und Julian Rachlin.

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