Henzes Künstleroper wird einer umfangreichen Analyse unterzogen

Peter Petersen, Elegy for young Lovers  Klassik-begeistert.de, 6. Juni 2026

 

Der Charakter einer Kammeroper sollte eigentlich Aufführungen erleichtern, aber vielleicht ist auch der deutsche Text banaler, als beabsichtigt. Übersetzungen von Libretti sind immer problematisch, vielleicht sollte man das Werk wieder einmal im englischen Original auf die Bühne bringen.

Peter Petersen
Elegy for
young Lovers

et+k Edition text+kritik

 von Peter Sommeregger

Der bevorstehende 100. Geburtstag des Komponisten Hans Werner Henze war wohl der äußere Anlass für diese intensive Dokumentation über die Künstleroper „Elegy for young Lovers“, die der Komponist von 1959 bis 1961 als Auftragswerk des Süddeutschen Rundfunks schuf. Die Uraufführung der Oper fand bei den Schwetzinger Festspielen 1961 statt, wobei das in englischer Sprache von W.H. Auden und Chester Kallman verfasste Libretto in deutscher Übersetzung gesungen wurde. Die englische Originalversion wurde noch im gleichen Jahr beim Glyndebourne Festival uraufgeführt.

Auden und Kallman hatten bereits das Libretto zu Strawinskys „The Rakes’s Progress“ geschrieben, Henze bat die beiden um ein solches für sein geplantes Opernprojekt. Die Handlung um den in einer Schaffenskrise steckenden Dichter Gregor Mittenhofer, der egoistisch die Menschen seiner Umgebung zu Anregungen für sein Werk missbraucht, und letztlich ein junges Liebespaar in den Tod schickt, war was ihn zu seiner „Elegie für junge Liebende“ inspirierte. Das Werk ist Hugo von Hofmannsthal posthum gewidmet, der Name Elisabeth Zimmer, einer der sechs handelnden Figuren, spielt auf Hofmannsthals Tochter Christiane Zimmer an.

Die Publikation gibt mittels Notenbeispielen, Textauszügen inklusive Inszenierungsdetails und Einblicken in die Entstehungsgeschichte einen umfassenden Eindruck des Werkes. Im zweiten Abschnitt wird der Briefwechsel zwischen Henze und seinen Librettisten abgedruckt, der intime Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Oper gewährt. Es schließt sich ein Überblick über die Rezeptionsgeschichte an. Die Aufnahme durch Publikum und Kritik war von den Uraufführungen an positiv, das Werk wurde häufig nachgespielt, auch wenn Produktionen der Oper seltener geworden sind. Szenen aus der Oper wurden bald nach der Uraufführung mit Dietrich Fischer-Dieskau von der Deutschen Grammophon eingespielt, bis zu einer ersten Gesamteinspielung dauerte es allerdings noch bis in das Jahr 2000.

Der Charakter einer Kammeroper sollte eigentlich Aufführungen erleichtern, aber vielleicht ist auch der deutsche Text banaler, als beabsichtigt. Übersetzungen von Libretti sind immer problematisch, vielleicht sollte man das Werk wieder einmal im englischen Original auf die Bühne bringen.

Diese Oper mit einer so umfangreichen Dokumentation zu würdigen, ist jedenfalls eine verdienstvolle Unternehmung!

Peter Sommeregger, 5. Juni 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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