Orgel und Trompete überraschen in der Pommer’schen Provinz

Alexander Pfeifer, Trompete, Frank Zimpel, Orgel  Ev. Kirche Ducherow, 9. August 2026

Alexander Pfeifer und Frank Zimpel – Photo Andreas Ströbl

Wer ahnt das schon? Da verschlägt es einen berufsbedingt in eine Gemeinde in Vorpommern mit gut 2.000 Einwohnern, und dann erlebt man plötzlich zwei hochkarätige Musiker, die in einer Dorfkirche Musik von Charpentier bis Gershwin zum Besten geben – in ausgezeichneter Qualität! 

Duo Presto Leipzig

Werke vom Barock bis in die Moderne

Alexander Pfeifer, Trompete
Frank Zimpel, Orgel

Ev. Kirche Ducherow (Ldkr. Vorpommern-Greifswald), 9. August 2026

von Dr. Andreas Ströbl

Eine kleine Zeitreise vom Barock bis in die Klassik …

Seit 27 Jahren spielt das renommierte Duo Presto Leipzig zusammen; der Trompeter Alexander Pfeifer und der Organist Frank Zimpel haben bislang rund 1340 gemeinsame Konzerte in ganz Europa, Nordamerika, Russland und Ägypten gegeben. Derzeit machen sie eine Art „Ostsee-Urlaubstour“; eine Station war am 9. August 2026 die Ducherower Kirche, ein Feldsteinbau aus dem 15. Jahrhundert mit unterschiedlichen Bauphasen. Sie verfügt über eine Kaltschmidt-Orgel bzw. das Fragment eines einst deutlich größeren Instruments. Was die beiden Musiker klanglich aus Material und Raum herausholten, war allerdings beachtlich. Die Dorfkirchenorgel schien unter den Händen von Frank Zimpel geradezu über sich hinauszuwachsen. Mit der strahlenden Trompete von Alexander Pfeifer entstand ein wunderbar runder, fülliger Klang, hörbar gespeist aus dem jahrzehntelangen Miteinander-Musizieren.

Beide moderierten launig und im Wechsel das chronologisch aufgebaute Programm, festlich eingeleitet von Marc-Antoine Charpentiers Te-Deums-Fanfare, einem breiten Publikum bekannt als „Europahymne“. Bereits in diesem Stück baute Pfeifer barocktypische Verzierungen ein, die er im Weiteren immer wieder einstreute – ein charmantes Spiel mit unprätentiöser Virtuosität.

Eine echte Entdeckung war eine Sonate von Jean-Baptiste Loeillet de Gant, einem bemerkenswert vielseitigen kleinen Werk, das zwischen gemessen sakraler Feierlichkeit und einem schwungvollen Duktus mit geradezu tänzerischer Leichtigkeit changiert – zumal in dem flott-beschwingten Tempo des Duos.

Bachs Toccata d-Moll BWV 565, gefolgt von der Choralbearbeitung von „Jesus bleibet meine Freude“, in der Pfeifer seine Trompete klanglich golden leuchten ließ, war nach seiner Aussage als Heimat-Reminiszenz notwendig, damit die beiden Musiker bei ihrer Rückkehr nach Leipzig nicht vor verschlossenen Toren stehen müssen …

Fünf Wassermusik-Sätze von Händel beschlossen die Barock-Abteilung, rhythmisch sehr differenziert und mit großer Sensibilität für minimale Rubati vom Organisten gespielt. Obwohl – da war doch noch dieser Mozart, der sich anhörte wie Bach, oder auch nur ansatzweise, mit nur ganz leichtem Anklang in das späte 18. Jahrhundert. KV 399, eine C-Dur-Suite im alten Stil, assoziiert man beim Hören wirklich nicht mit der Wiener Klassik – auch das war eine überraschende Zutat in diesem Konzert, das sonst mit sehr bekannten Stücken aufwartete.

… und von der Spätromantik bis ins 20. Jahrhundert

Die Cantilene in F-Dur von Josef Rheinberger ist ein Stück, das weit über einen bloß spätromantischen Habitus hinausweist. Die beiden Musiker spielten dieses selten gehörte Werk (überhaupt wird Rheinberger seit Jahrzehnten vernachlässigt) mit anmutigem Schmelz und ineinandergreifenden Linien. Reizvolle Tonartwechsel und eine lebhafte Chromatik geben dem kleinen Werk zumindest in Teilaspekten etwas ausgesprochen in die Moderne Weisendes.

Und da es ja ein heißer Sommerabend war, erklang Gershwins „Summertime“ in eigener Bearbeitung von Frank Zimpel, begleitet von der zuerst jazzig gedämpften, fast wie eine tiefe Klarinette klingenden Trompete Alexander Pfeifers, später wieder strahlend ohne Dämpfer. Ein humorvoller Gruß in die Bach-Toccata hinüber ganz am Ende beschloss das Stück und damit das Konzert.

Ohne Abendsegen allerdings entließ Pastorin Marie-Luise Stegen die Gemeinde nicht, passend zum Hinweis der Musiker auf die Sakralität des Charpentier-Stücks, das sie nochmal als Zugabe spielten. Was für ein ländlich-schönes, sommerlich-heiteres Konzert!

Dr. Andreas Ströbl, 10. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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hr-Sinfonieorchester, Alain Altinoglu, Sebastian Berner, Trompete Alte Oper Frankfurt, 22. Mai 2025

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