Ferdinand Hérolds „Zampa“ ist eine lohnende Ausgrabung mit viel französischem Flair

Ferdinand Hérold, Zampa, Palazzetto Bru Zane 48  klassik-begeistert.de, 6. Oktober 2026

Insgesamt hinterlässt das Werk einen positiven Eindruck, man könnte es sich gut auch in einer szenischen Aufführung vorstellen, wobei die unübersichtliche Handlung vielleicht im Wege steht.

Ferdinand Hérold
Zampa

ou la Fiancée de marbre

Palazzetto Bru Zane 48

 von Peter Sommeregger

Die neueste Ausgabe der luxuriösen Editionen der Reihe Palazzetto Bru Zane widmet sich der Oper „Zampa“ des französischen Komponisten Ferdinand Hérold. Sie ist als einziges Werk ihres Schöpfers lange nach ihrer Premiere an der Pariser Opéra –Comique 1831 auf den Spielplänen geblieben. Heute hört man nur noch gelegentlich die schmissige Ouvertüre, die durchaus Lust auf mehr macht.

Die Handlung um den Piraten Zampa, in Wahrheit Spross einer Adelsfamilie, ist reichlich verworren. Ein wichtiges Element der Handlung ist die Marmorstatue einer von Zampa einst verlassenen und an Kummer verstorbenen Frau, die erst mahnend, am Ende als Rächerin erscheint, und Zampa in den Abgrund reißt. Darin besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit Mozarts „Don Giovanni“, von dem der Komponist angeblich beeinflusst war.

Besonders reizvoll sind die zahlreichen Ensembleszenen der Oper, die nicht nur die Handlung vorantreiben, sondern auch der auf Sizilien spielenden Oper französisches Flair und Eleganz verleihen. Der Titelheld fährt am Ende zur Hölle, und sorgt damit für ein glückliches Ende.

Die erste Einspielung auf CD ist im Rahmen einer konzertanten Aufführung in München, im November 2025 entstanden. Unter der Leitung von Erik Nielsen gelingt dem Münchner Rundfunkorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks eine inspirierte, beschwingte Realisierung der Partitur.

Ungewöhnlich, dass Hérold die drei wichtigsten Männerrollen mit Tenören besetzt hat. Das macht die Unterscheidung stellenweise schwierig, aber in diesem Fall entwickeln die drei Sänger durchaus eigenes Profil auf hohem Niveau. Julien Henric trumpft in der Titelrolle mit viriler Kraft auf, wogegen sein Bruder Alphonse von Cyrille Dubois mit klangschönem Timbre erheblich lyrischer angelegt wird. Der Diener Dandolo ist traditionell eine Buffopartie, der Pierre Derhet seine agile Stimme leiht.

Weniger überzeugend ist die Besetzung der weiblichen Partien. Die Grafentochter Camille, die erst am Ende der Oper endlich mit dem Richtigen vor den Traualtar treten kann, wird von Hélène Carpentier mit massivem Tremolo und Höhenschärfe gesungen, was sich vor allem in den Ensembles unschön bemerkbar macht. In der zweiten Frauenrolle bleibt Héloïse Mas mit ihrem Mezzosopran zu unauffällig.

Insgesamt hinterlässt das Werk aber einen positiven Eindruck, man könnte es sich gut auch in einer szenischen Aufführung vorstellen, wobei die unübersichtliche Handlung vielleicht im Wege steht.

Dem Palazzetto Bru Zane ist erneut eine interessante Ausgrabung gelungen, das prächtig ausgestattete Buch, das die beiden CDs enthält ist eine Freude fürs Auge, die CDs selbst eine fürs Ohr.

Peter Sommeregger, 6. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Ferdinand Hérold, Zampa ou La Fiancée de marbre, Bru Zane klassik-begeistert.de, 6. September 2026

Alexis Kossenko, Querflöte, Vassilis Varvaresos, Klavier Palazzetto Bru Zane, 19. April 2024

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