Natalia Ponomarchuk © olegsamoilenko
2. Philharmonisches Konzert: Beethoven und Walzertakt
Ludwig van Beethoven Klavierkonzert N. 3 c-Moll op. 37
Richard Strauss Suite aus „Der Rosenkavalier“ op. 59
Maurice Ravel La Valse
Alexander Krichel Piano
Natalia Ponomarchuk Dirigat
Die Bremer Philharmoniker
Bremer Konzerthaus Die Glocke, 2. November 2026
von Dr. Gerd Klingeberg
Gewiss ließe sich ein zumindest einigermaßen stimmiger Zusammenhang zwischen den stilistisch recht unterschiedlichen Werken dieses Konzerts herstellen. Muss aber nicht zwingend sein; ebenso gut kann man diese doch etwas ungewöhnliche Programmabfolge als ein Beispiel für die Wandlungsfähigkeit der Bremer Philharmoniker werten.
Los geht’s erst einmal mit einem Klassiker: Beethovens Klavierkonzert
Nr. 3. Die ukrainische Dirigentin Natalia Ponomarchuk lässt die ausgedehnte Orchesterexposition zunächst fast noch vorsichtig, dann mit zunehmender Bestimmtheit in eher moderatem Tempo angehen. Deutlich energischer klinkt sich Pianist Alexander Krichel ein. Mit präzisem Anschlag setzt er auf Klarheit und Transparenz bei nur dezentem Rubato. Ganz vereinzelt wahrnehmbare minimale Lapsus beeinträchtigen zu keiner Zeit den lockeren Spielfluss; der Dialog mit dem Orchester geschieht durchweg auf Augenhöhe. Die große Kadenz absolviert Krichel mit Bravour; seine zum Ende hin verhaltener angegangene Interpretation wird vom äußerst gefühlvollen Orchestereinsatz sehr schön weitergeführt, um dann zum überwältigenden Klangrausch-Finale auszuwachsen.
Von auftrumpfend opulent bis einschmeichelnd freundlich
Den Largo-Mittelsatz präsentiert Krichel gemütvoll ruhig, wie nachdenklich sinnierend, ohne melancholische Färbung. Kurze, minimal gedehnte Pausen im Ablauf wirken nicht als Zäsur, sondern intensivieren den unterschwelligen, subtil gesteigerten Spannungsbogen der stimmungsvollen harmonischen Abfolge. Im Schlusssatz Allegro dominiert anfangs eine hüpfend tänzerische Note bei zumeist scharfer Konturierung.

Nach munterem Voranstreben facettenreicher Themen und Motive kündigt sich das Ende durch ein nur kurzes Innehalten an, das anschwillt zum auftrumpfend imposanten Finalgetöse. Ein interpretatorisch vollends überzeugender Beethoven, der vom Publikum begeistert bejubelt wird. Und Krichel legt noch eine kleine Zugabe nach: „Von fremden Ländern und Menschen“ aus Robert Schumanns „Kinderszenen“, nicht romantisch verbrämt, sondern einschmeicheln freundlich und mit gefühlvollem Ausdruck vorgetragen.
Richard Strauss’ Suite aus „Der Rosenkavalier“ entführt nach der Pause in einen gänzlich anders gearteten, fast schon karnevalesk turbulenten musikalischen Kosmos. Unter Ponomarchuks anfeuernd energiegeladenem, mit sehr weiten Armbewegungen ausgeführtem Dirigat gehen die Philharmoniker wie bei einem temperamentvollen „Hoppla, jetzt komm’ ich!“ gleich in die Vollen, um indes kurz darauf in zarten Klangfarben zu schwelgen. Die mit ausgeprägter Spielfreude angegangenen Walzerpartien imponieren mit geradezu urwienerisch schwungvollen Wiegeharmonien.
Farbenreiches Kaleidoskop, bombastisches Finale
Mit einer stets auf größtmögliche Transparenz setzenden Spielweise erstellen die Philharmoniker ein großartiges farbenreiches Spektakel, bei dem auch Strauss’ Instrumentierung effektvoll zur Geltung gebracht wird. Das vielgestaltige szenische Kaleidoskop kulminiert in einem zunehmend rasanter werdenden, in seinem Bombast kaum noch steigerbaren Tschingderrassabum-Fortissimo-Finale.

Wer danach bei Ravels untergründig grummelnd beginnendem Choreografischen Poem „La Valse“ auf ein Kontrastprogramm eingestellt war, wird schnell vom Gegenteil überzeugt. Was der Komponist hier an diversen Walzervariationen unterschiedlichster Couleur erdacht hat, bringen die engagiert aufspielenden Musiker in einem nahezu theatral anmutenden Soundtrack mit allen glanzvollen Schattierungen und ungemein mitreißend zum Klingen – teils jazzig wirbelnde, aber auch sehr sanft fließende Passagen inclusive.
Der Schluss, zu dem die Philharmoniker offensichtlich sämtliche dynamischen Reserven bis ins Letzte ausreizen, gerät mindestens so phänomenal wie bei Strauss: eben ein veritabler, lang anhaltend beklatschter Rausschmeißer par excellence.
Dr. Gerd Klingeberg, 3. November 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Gewinnspiel 2 x 2 Konzertkarten Symphoniker Hamburg Beethoven/Brahms Laeiszhalle, 8. November 2026