"Madam Butterfly" beindruckt an der English National Opera: ein ästhetisch vollkommenes Gesamtkunstwerk

English National Opera, 29. Februar 2020, Wiederaufnahme, Co-Produktion mit der Metropolitan Opera New York
Giacomo Puccini, Madam Butterfly
Foto: ENO.org (c)

von Charles E. Ritterband

Der Zufall wollte es, dass ich unmittelbar vor der Vorstellung der English National Opera ENO im London Coliseum der Eröffnung einer großartigen Ausstellung zum japanischen Kimono im Victoria and Albert Museum beiwohnte. In keiner Produktion der Madam Butterfly, die ich je an diversen Opernhäusern von Buenos Aires bis Wien erleben durfte, kommen farbenprächtige Kimonos, kommt die so ganz besondere japanische Ästhetik derart großartig zum Ausdruck wie in dieser gefeierten Co-Produktion der ENO mit der New Yorker MET aus dem Jahre 2006, eine Regiearbeit des zwei Jahre später verstorbenen britischen Film- und Theaterregisseurs Anthony Minghella: ein Gesamtkunstwerk!
„Giacomo Puccini, Madam Butterfly,
English National Opera, 29. Februar 2020“
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Ein Londoner Taxi im Olymp, #metoo in der Unterwelt und viele Luftballons: Offenbachs "Orpheus" in der English National Opera

Tatsächlich war diese ENO-Inszenierung mehr als nur „politically correct“ – sie war penetrant. Mit dem Seziermesser hat sie den von ihr offenbar im historisch-politschen Kontext der Ära Offenbachs nicht restlos verstandenen feinen Humor des Altmeisters Offenbach klinisch entfernt und diesen durch eine einzige Botschaft ersetzt: Euridice als hilfloses Opfer in einer bösen, sexbesessenen Männerwelt.

Foto: English National Opera © Clive Barda
English National Opera,
28. November 2019
Jacques Offenbach, Orpheus in the Underworld

von Charles E. Ritterband

Die English National Opera lancierte im November vier eigenwillige und in jeder Beziehung höchst unterschiedliche Projekte zum Thema „Orpheus“. An dieser Stelle bereits besprochen wurde Glucks „Orpheus and Eurydice“ – eine nicht vollkommen gelungene Mischung aus Oper und (modernem) Ballett unter Zitierung des britische Künstlers Damien Hirst mit Euridices Leiche in einer Glasvitrine. Ein wahres Feuerwerk aus Kostümen, deren farbenprächtige Üppigkeit mehr an den Karneval von Rio als an die Opernbühne erinnert, garniert mit flächendeckenden Videoprojektionen bot Harrison Birtwistles avantgardistische Oper „The Mask of Orpheus“ (1986; Libretto Peter Zinovieff; Regie Daniel Kramer). Diese stieß beim Publikum im altehrwürdigen Coliseum auf höchst unterschiedliche Reaktionen – zwischen Begeisterung und totaler Verwirrung. Großartig war – und einhellig bejubelt wurde – „Orphée“ mit der hypnotisierenden Musik von Philip Glass (Regie: Netia Jones): Die hervorragende Inszenierung beruht auf Jean Cocteaus legendärem Schwarzweißfilm und variiert den Orpheus-Mythos auf überaus spannende, intelligente Weise. „Jacques Offenbach, Orpheus in the Underworld
English National Opera, 28. November 2019“
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Orpheus, Eurydice und die tanzende Yoga-Klasse: Ein Ballett mit Gesang an der English National Opera

Foto: © Donald Cooper

English National Opera, 19. November 2019

Christoph Willibald Gluck, Orpheus and Euridice
in der Version von Hector Berlioz, englische Übersetzung von Christopher Cowell, English National Opera, 19. November 2019

von Charles E. Ritterband

Wie sehr sich doch unser Ohr bei Barock-Opern an Originalinstrumente gewöhnt hat! Vor allem die meist so hervorragenden Interpretationen im Theater an der Wien haben unser Gehör auf Originalinstrumente und ihren wunderbar herben Klang eingestimmt – „getunt“, um einen Anglizismus zu verwenden. Deshalb waren wir etwas enttäuscht vom Orchester der English National Opera (Dirigent: Harry Bicket), das diese berühmteste aller Gluck-Opern mit „modernen“ Instrumenten begleitete. „Christoph Willibald Gluck, Orpheus and Euridice,
English National Opera, 19. November 2019“
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Bezaubernde „Iolanthe“ von Gilbert & Sullivan an der Londoner English National Opera

Titelfoto: © Clive Barda
Gilbert & Sullivan, Iolanthe, English National Opera,
24. Februar 2018

Dirigent, Timothy Henty
Regie, Cal McCrystal
Bühne, Paul Brown
Choreographie, Lizzi Gee
Chormeister, James Henshaw und Mark Biggins

Iolanthe, Samantha Price
The Lord Chancellor, Andrew Shore
Queen of the Fairies, Yvonne Howard
Phillis, Ellie Laugharne
Strephan, Marcus Farnsworth

von Charles E. Ritterband

Hatte sich am Abend zuvor in der „Carmen“ der Royal Opera eine gewisse Langeweile und Unmut über eine allzu sehr von eitlem Regietheater dominierte Inszenierung eingestellt, war hier, in der von Covent Garden nicht allzu weit entfernten English National Opera alles anders. „Gilbert & Sullivan, Iolanthe, English National Opera, 24. Februar 2018“ weiterlesen