Klein beleuchtet kurz 71: Das Wesen der Geschlechter hat noch immer viele „Kratzer“

Frauenliebe und -leben, Szene aus Schumanns Acht Liedern © Erik Berg

„Frauenliebe und -sterben“ – Drei Operneinakter von Robert Schumann, Béla Bartók und Alexander Zemlinsky

Drei Meisterwerke – zwei Jahrhunderte – eine Erzählung

Der Intendant der Hamburgischen Staatsoper Tobias Kratzer wagt sich an die selten zu hörenden Acht Lieder „Frauenliebe und -leben“ von Robert Schumann und an die bereits in 2024 in Oslo von ihm realisierte Kombination mit „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók und „Eine florentinische Tragödie“ von Alexander Zemlinsky – und stellte die Frage nach den Unterschieden der Begierden und der Rolle des Mannes über die Generationen hinweg.

Hamburgische Staatsoper, Premiere am 12. April 2026

von Patrik Klein

Nach dem erfolgreichen Beginn der aktuellen Saison mit Schumanns „Das Paradies und die Peri“, ebenfalls inszeniert vom neuen Intendanten Tobias Kratzer, knüpfte die gestrige Premiere der Übernahme aus Oslo aus 2024 an dieses Ereignis nahtlos an. „Klein beleuchtet kurz 71: Das Wesen der Geschlechter hat noch immer viele „Kratzer“
Hamburgische Staatsoper, 12. April 2026 PREMIERE“
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Kommentar zum Opernspielplan 2026/27 der Hamburgischen Staatsoper

Hamburgische Staatsoper Außenansicht Seite Nacht © Niklas Marc Heinecke

von Dr. Ralf Wegner

Es hat sich bewahrheitet, die Staatsoper zieht um in ein Zirkuszelt, zumindest für mehrere Monate. Euphemistisch wird die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr erwähnt: Die Haltestelle Luruper Chaussee befinde sich direkt vor der „Kuppel“. Vergessen wird, dass dieser irgendwo im Hamburger Nordwesten liegende, im allgemeinen wohl völlig unbekannte Veranstaltungsort über keinen U- oder S-Bahnanschluss, sondern nur über eine Bushaltestelle verfügt. Nun gut, für John Neumeiers Sommernachtstraum werden wir dieses Manko in Kauf nehmen. „Kommentar: Opernspielplan Saison 2026/27
Hamburgische Staatsoper, 7. April 2026“
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Auf den Punkt 87: Über Aprilscherze und Pausen-Nervenkitzel an der Hamburgischen Staatsoper

Hamburgische Staatsoper: Lila Parkettfoyer mit neuer Bilderwand sowie Foyer im 4. Rang (Foto: RW)

Hamburgische Staatsoper, Spielzeit 2025/2026

Stellen sie sich vor, Sie wollen mit dem IC 709 Clara Schumann von Berlin nach München reisen. Abfahrt laut Fahrplan 10:33 Uhr. Weil Sie gerne in Ruhe daheim frühstücken, statt sich am Bahnhof ein Franzbrötchen mit schlechtem Kaffee hinunterzuspülen, sind Sie wie immer auf den letzten Drücker am richtigen Gleis. Sagen wir 10:27 Uhr. Doch der Zug ist bereits um 10:15 Uhr abgefahren. Begründung der Bahn: So gewährleisten wir eine pünktliche Ankunft am Zielbahnhof wie im Fahrplan ausgewiesen.  Das wäre doch mal einen Aprilscherz wert …

von Jörn Schmidt

… aber Aprilscherze sind out, sagt Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert. Daher hat er auch die eigentliche Folge 87 nicht veröffentlicht. Ich hatte getitelt: „klassik-begeistert geht an die Börse.“ Andreas fand das als Aprilscherz urkomisch. Hat er jedenfalls gesagt …Aber was, wenn das jemand ernst nimmt?  Nicht auszudenken, das zöge einen Shitstorm nach sich … Die Idee zu dem IC-Aprilscherz kam mir übrigens unweit des Bahnhofs Hamburg Dammtor, an der Hamburgischen Staatsoper. Was war passiert? „Auf den Punkt 87: Aprilscherze und Pausen-Nervenkitzel
Hamburgische Staatsoper, 8. April 2026“
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Maestro Yoel Gamzou dirigiert wie Alfred Hitchcock, Teil II

Boris Kudlicka & Yoel Gamzou © Karpati&Zarewicz

Yoel Gamzou, der designierte Musikdirektor der Polnischen Nationaloper in Warschau, kehrt mit Carl Maria von Webers Freischütz an die Hamburgische Staatsoper zurück. Angelegentlich haben wir dazu gesprochen, warum der Maestro in einem toten Haus lebt, wie Hitchcock dirigiert und dass Giacomo Puccini für ihn der Erfinder der Filmmusik ist. Außerdem wollte ich wissen, wie Gamzou mit vernichtender Kritik umgeht. Und vieles mehr …

Jörn Schmidt im Gespräch mit Yoel Gamzou (Teil II)

klassik-begeistert: Sie leben in einem toten Haus, habe ich mal getitelt. Weil …

[Anm. Jörn Schmidt: Die tote Stadt, op. 12, ist eine Oper von Erich Wolfgang Korngold]

Yoel Gamzou:  … ich in dem Wiener Haus wohne, in dem auch Korngold gelebt hat.

klassik-begeistert:  Erinnert in der Wohnung noch etwas an Erich Wolfgang Korngold, spürt man gar seine Aura? So wie ich meine, dass Karajans Geist noch durch die Berliner Philharmonie geistert?

Yoel Gamzou:  Ja, absolut. So wie ich mir in Wien vorstelle, wie Schubert mit seiner ewigen Zettelsammlung unterm Arm durch Wien gerannt ist, so spüre ich, wie Korngold zwei Etagen unter mir Die tote Stadt komponiert hat…

klassik-begeistert:  Sind Sie gerade wegen Korngold dort eingezogen?

Yoel Gamzou:  Absolut. Als ich das erste Mal in Wien war, bin ich erstmal zu Mahlers Grab gegangen, dann zu Korngolds Wohnung. Als in eben diesem Haus eine Wohnung frei wurde, war mir klar, dass ich da einziehen muss. Noch verrückter war dann der Zufall, dass ich mit Die tote Stadt mein Debüt an der Wiener Staatsoper gegeben habe. Als Einspringer mit 10 Stunden Vorlauf. „Interview: klassik-begeistert im Gespräch mit Yoel Gamzou, Dirigent,Teil II
Hamburgische Staatsoper, 6. April 2026“
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Hamburg findet mit Lohengrin zurück in die Spur!

Lohengrin, Archiv HSO © Arno Declair

Auch am Gänsemarkt in Hamburg kann Richard Wagner schwer begeistern. Denn kaum zeigte sich Omer Meir Wellber nach einem spektakulären ersten Lohengrin-Aufzug dem Publikum, tönten aus allen Rängen schon nach der ersten Pause gleich mehrere Bravos. Sowas gab’s in Hamburg noch nie!

Lohengrin, romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto und Komposition von Richard Wagner

Inszenierung: Peter Konwitschny
Bühne: Helmut Brade

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber

Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026

von Johannes Karl Fischer

Dieser überaus spektakuläre Opernabend ging längst nicht nur auf das Konto des wohl stolzesten Alumnus der Hamburger Opernschmiede, Klaus Florian Vogt. Neben dem unter Omer Meir Wellbers Leitung begeisternd spielenden Orchester glänzte auch der Chor in Höchstform. Jener Chor, der beim letzten Lohengrin vor vier Jahren nicht gerade positiv auffiel, sang die sehr zahlreichen und fordernden Chornummern einfach souverän, wie entfesselt. Man spürte die Begeisterung jedes einzelnen Sängers in der musikalischen Seele brennen, am liebsten würde man selbst auf die Bühne stürmen und mitsingen.     „Lohengrin, romantische Oper von Richard Wagner
Die Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026“
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Unter Omer Meir Wellber gelingt eine nahezu exemplarische Lohengrin-Aufführung

Nach dem zweiten Aufzug: Gabor Bretz (König Heinrich), Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Sara Jakubiak (Elsa), Yulia Matochkina (Ortrud), Martin Ganter (Telramund), Szymon Mechlinski (Heerrufer) (Foto: RW)

 Unter Berücksichtigung des wunderbar aufspielenden Orchesters, des glanzvollen Chores und der sängerischen und darstellerischen Kraft von Klaus Florian Vogt und Sara Jakubiak sowie der spannungsgeladenen, in sich schlüssigen Inszenierung war es eine (nahezu) exemplarische Lohengrin-Aufführung.


Lohengrin, romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto und Komposition von Richard Wagner

Inszenierung:  Peter Konwitschny
Bühne:  Helmut Brade

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung:  Omer Meir Wellber

Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026

von Dr. Ralf Wegner

Peter Konwitschnys Lohengrin-Deutung funktioniert immer noch. Frisch wie bei der Premiere 1998 präsentierten sich Chor und Ensemble spiel- und sangesfreudig. Die Erscheinung des Gralsjüngers Lohengrin in der Klassenmitte und die sofort beginnende Verehrung für diesen Superstar inmitten begeisterungsfähiger Schülerinnen und Schüler ist psychologisch nach wie vor schlüssig und überzeugend. „Richard Wagner, Lohengrin
Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026“
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Die neue Hamburger Trovatore-Besetzung lässt sich sehen und hören

Vor allem wegen der beiden weiblichen Hauptpartien lohnt sich der Besuch dieser Serie. Die französische Mezzosopranistin Clémentine Margaine verfügte als Azucena über eine ausgesprochen schallstarke, breit in den Raum tragende Stimme, die sie farbreich changierend für die Interpretation dieser geschundenen Mutterseele einsetzen konnte. Ihr Schlussgesang Ai nostri monti zeugte von reiner lyrischer Beseeltheit, wie man es selten hört.

Il Trovatore, Oper in vier Akten
Komposition: Giuseppe Verdi

Inszenierung: Nach Immo Karaman
Bühne: Alex Eales, Kostüme: Herbert Barz-Murauer

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung: Matteo Beltrami

Hamburgische Staatsoper, 18. März 2026

von Dr. Ralf Wegner

Es war wohl die beste Besetzung seit der Premiere dieser fast genau vor zwei Jahren auf die Bühne gehobenen Trovatore-Inszenierung. Sie nennt sich nur noch nach Immo Karaman. Vor allem wurde diesmal auf üble, dem Inhalt zuwider laufende Szenen wie das Anzünden oder die Vergewaltigung von Dienstpersonal verzichtet. Das tat der Aufführung gut. Das stattdessen angesetzte Russisch Roulette mit zwei Gefangen widersprach nicht unbedingt der Handlung. „Giuseppe Verdi, Il Trovatore, Matteo Beltrami Dirigent
Hamburgische Staatsoper, 18. März 2026“
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Omer Meir Wellber foppt das Hamburger Publikum – Die Große Stille, eine Mozart-Premiere

Omer Meir Wellber vor den Mitgliedern des Philharmonischen Staatsorchesters (Foto: RW)

Die ersten 40 Minuten ähnelten einer Oberstufen-Klassenaufführung, die gestandene Sängerinnen und Sänger unter die Knute des Mikrophons zwang. Aus Operngängersicht eigentlich eine Unverschämtheit. Der Orchestergraben war bis dato völlig verdeckt, so dass kaum eine Besserung zu erwarten war, was zum vorzeitigen Abgang einiger Zuschauer führte. Hätten sie Omer Meir Wellbers Fopperei doch abgewartet!!!


Die Große Stille, In fernen Welten, Mozarts Musik neu entdecken

Musiktheaterprojekt von Christopher Rüping, Omer Meir Wellber und Malte Ubenauf mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, u.a. Apollo et Hyacinthus, KV 37, 1767

Inszenierung: Christopher Rüping, Bühne: Jonathan Mertz, Kostüme; Lene Schwind

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Leitung: Omer Meir Wellber

Hamburgische Staatsoper, Premiere, 15. März 2026

von Dr. Ralf Wegner

Der Star des Abends war das Orchester unter der Leitung seines Generalmusikdirektors. Welche Durchsichtigkeit der Instrumente, was für dynamische Abstufungen und welche innere Beseeltheit erreichten aus dem schließlich doch noch teilgeöffneten Orchestergraben den Saal. Das war fesselnd von Anfang bis zum Ende, so dass die ersten vierzig Minuten, während der einige Premierengäste ob der Verkaraokung Mozartscher Weisen bereits den Zuschauerraum verließen, im Nachhinein vergessen werden konnten. „Die Große Stille, In fernen Welten, Mozarts Musik neu entdecken
Hamburgische Staatsoper, 15. März 2026“
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Das ist kein Belcanto, der vom Sitz reißt

Katja Danowski (Double Elisabetta), Chao Deng (Cecil), Barno Ismatullaeva (Elisabetta), Mariangela Sicilia (Maria Stuarda), Konu Kim (Roberto), Manuel Fuentes (Talbot), Mariana Poltorak (Anna), Sandra Gerling (Double Maria Stuarda) (Foto: RW)

Neben mir äußerte jemand seine Begeisterung mit lauten Uuuuu-Rufen, das hörte sich an wie Buh, war aber offenbar positiv gemeint. Demnächst wird man echte Buh-Rufe wohl nicht mehr als solche von anderen lautmalerischen Begeisterungsausbrüchen unterscheiden können.

Maria Stuarda, lyrische Tragödie in zwei Akten nach Friedrich Schiller
Musik von Gaetano Donizetti

Inszenierung: Karin Beier
Bühne: Amber Vandenhoeck
Kostüme: Eva Dessecker

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung Stefano Montanari

Hamburgische Staatsoper, 26. Februar 2026

von Dr. Ralf Wegner

Donizettis Maria Stuarda in der Hamburgischen Staatsoper

Donizettis Oper erfordert für die Partie der Maria außerordentliche Fähigkeiten, vor allem eine schöne, weiche Stimme mit Koloraturfähigkeit und Höhenglanz, über die in der Premierenserie im März letzten Jahres die Sopranistin Ermonela Jaho verfügte.

„Gaetano Donizetti, Maria Stuarda
Hamburgische Staatsoper, 26. Februar 2026“
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Hat die Sopranistin Mariangela Sicilia mehr Contenance als Maria Stuarda? Teil II

Mariangela Sicilia als Desdemona (Otello) 2022 TCBO © Andrea Ranzi – Teatro Comunale di Bologna

Die Sopranistin Mariangela Sicilia hat unlängst an der Hamburgischen Staatsoper ihr Debut als Maria Stuarda in Gaetano Donizettis gleichnamiger Oper gegeben. Wir haben angelegentlich über Regietheater, schwerste Beleidigungen und Pop-Kultur gesprochen. Gleich zu Beginn habe ich die Italienerin gefragt, wie viel Selbstbeherrschung ihr italienisches Temperament erlaubt….

Jörn Schmidt im Gespräch mit Mariangela Sicilia, Teil II

klassik-begeistert: Unrein, Bastard, Dirne… Maria Stuarda konnte ganz schön austeilen. Ist das Frauenbild, das Donizetti hier zeichnet, noch zeitgemäß?

Mariangela Sicilia: Das Zitat muss ich geraderücken, in den Kontext der Geschichte stellen. Maria war als Königin verraten, abgesetzt und eingekerkert. Eine absolute Grenzsituation, sie war am Ende ihrer Kräfte. Der einzige Weg in die Freiheit war, vor Elizabetta niederzuknien und um Gnade zu flehen. Nach dieser Geste der Unterwerfung sah sie sich öffentlich provoziert und beleidigt. Ihr verbaler Ausbruch war nicht nur Wut: Es war verletzter Stolz… besser, sie wollte ihre Würde zurück. „Interview: kb im Gespräch mit der Sopranistin Mariangela Sicilia, Teil II
klassik-begeistert.de, 24. Februar 2026“
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