Auf den Punkt 88: Neulich in Kratzers Barbershop… die Rettung des Regietheaters

Frauenliebe und -sterben © Matthias Baus

Regietheater ist auf dem absteigenden Ast, behaupte ich gerne mal. Und habe dazu in den letzten Monaten u.a. mit Maestro Christoph Eschenbach, Maestro Omer Meir Wellber, dem Cellisten Jan Vogler und der Sopranistin Mariangela Sicilia gesprochen. Wenn Sie Zeit und Muße haben, dann raten Sie doch mal, in welche Richtung die Antworten gingen. Auflösung weiter unten, da finden Sie die entsprechenden Zitate im Stile eines Pro-und-Contra. Wie Tobias Kratzer zum Regietheater steht, da gibt’s nichts zu rätseln…

Robert Schumann / Frauenliebe und -leben,  Acht Lieder für Singstimme und Klavier op. 42

Béla Bartók / Herzog Blaubarts Burg , Oper in einem Akt

Alexander Zemlinsky / Eine florentinische Tragödie, Oper in einem Akt

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Karina Canellakis / Dirigentin

Tobias Kratzer / Inszenierung

Hamburgische Staatsoper, 17. April 2026

 von Jörn Schmidt

… der Intendant der Hamburgischen Staatsoper ist ein Großmeister des Regietheaters, der vor nichts zurückschreckt. Auch wenn das jetzt ein schönes Wortspiel hergäbe, so möchte ich nicht sagen, dass mich dies verschreckt. Indes ist meine ästhetische Prägung vermutlich nur zu einem geringen Prozentsatz deckungsgleich mit der von Tobias Kratzer. „Auf den Punkt 88: Frauenliebe und -sterben, Tobias Kratzer
Hamburgische Staatsoper, 17. April 2026“
weiterlesen

Tobias Kratzer verkopft Herzog Blaubarts Burg ohne Rücksicht auf Verluste

Frauenliebe und -sterben © Matthias Baus

Wenn die Deutung von Musik und Text zum Selbstzweck wird. 

Einmalig das Klangerlebnis aus dem Orchestergraben. Karina Canellakis gestaltet mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg einen berückenden, magisch in seiner Sogwirkung ausmusizierten Bartók. Mit ruhiger Zeichengebung und einem besonderen Gespür für die Einzigartigkeit dieser Komposition, ist sie den beiden Protagonisten eine aufmerksame, feinfühlige Begleiterin. Den Zemlinsky gestaltet sie mit großen Aufschwüngen und sehrendem, leidenschaftlichem Ausdruck. Ein in allen Belangen faszinierendes Dirigat.

Robert Schumann, Frauenliebe und -leben   Acht Lieder für Singstimme
und Klaver op. 42

Béla Bartók, Herzog Blaubarts Burg   Oper in einem Akt

Alexander Zemlinsky, Eine florentinische Tragödie   
Oper in einem Akt

Kate Lindsey, Mezzosopran
Éric le Sage, Klavier
Johan Reuter, Bassbariton
Annika Schlicht, Mezzosopran
Ambur Braid, Sopran
Thomas Blondelle, Tenor

Karina Canellakis, Dirigentin
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

Tobias Kratzer, Inszenierung

Hamburgische Staatsoper, 12. April 2026 PREMIERE

von Axel Wuttke

Ein großes Thema, drei Variationen. Unter dem Titel Frauenliebe- und sterben fasst Regisseur Tobias Kratzer drei Kompositionen zusammen, die sich um das Bild der Frau, Geschlechterkampf und Rollenverständnis in unterschiedlichen Epochen drehen. Das ist auf den ersten Blick gut gedacht, lässt sich aber nur bedingt auf die gewählten Stücke übertragen. „Frauenliebe und -sterben, Tobias Kratzer Regie
Hamburgische Staatsoper, 12. April 2026 PREMIERE“
weiterlesen

Tobias Kratzer hinterfragt Klischees und spielt mit ihnen

Frauenliebe und -sterben ©  Matthias Baus

Stecken auch selbsterklärt emanzipierte Männer noch mehr, als ihnen selbst bewusst ist, in patriarchalen Denkmustern? Ist schon das unkritische Sehen und Anhören eines Werks, das Rollenklischees der letzten Jahrhunderte in sich trägt, ein Verrat an der längst überfälligen Infragestellung von überkommenen Geschlechterbeziehungen? Oder entspringen solche Fragestellungen angesichts der Entstehungszeiten dieser Werke nur der bemühten Geste einer Durch-Genderung des gesamten Kulturbetriebs?

Frauenliebe und -sterben. Drei Meisterwerke – Zwei Jahrhunderte – Eine Narration

Robert Schumann, Frauenliebe und -leben   Acht Lieder für Singstimme und Klaver op. 42

Béla Bartók, Herzog Blaubarts Burg   Oper in einem Akt

Alexander Zemlinsky, Eine florentinische Tragödie   
Oper in einem Akt

Kate Lindsey, Mezzosopran
Éric le Sage, Klavier
Johan Reuter, Bassbariton
Annika Schlicht, Mezzosopran
Ambur Braid, Sopran
Thomas Blondelle, Tenor

Karina Canellakis, Dirigentin
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

Tobias Kratzer, Inszenierung

Hamburgische Staatsoper, 12. April 2026 PREMIERE

von Dr. Andreas Ströbl

Tobias Kratzers Abend „Frauenliebe und -sterben“ am 12. April an der Staatsoper Hamburg jedenfalls gibt Anstöße, sich über allgemeingesellschaftliche und eigene Standpunkte Gedanken zu machen.

Kombiniert und somit in Reaktion aufeinander gesetzt werden drei Kompositionen des 19. und 20. Jahrhunderts, die auf unterschiedliche Weise das Verhältnis von Frau und Mann thematisieren.

„Frauenliebe und -sterben, Regie Tobias Kratzer
Hamburgische Staatsoper, 12. April 2026 PREMIERE“
weiterlesen

Klein beleuchtet kurz 71: Das Wesen der Geschlechter hat noch immer viele „Kratzer“

Frauenliebe und -leben, Szene aus Schumanns Acht Liedern © Erik Berg

„Frauenliebe und -sterben“ – Drei Operneinakter von Robert Schumann, Béla Bartók und Alexander Zemlinsky

Drei Meisterwerke – zwei Jahrhunderte – eine Erzählung

Der Intendant der Hamburgischen Staatsoper Tobias Kratzer wagt sich an die selten zu hörenden Acht Lieder „Frauenliebe und -leben“ von Robert Schumann und an die bereits in 2024 in Oslo von ihm realisierte Kombination mit „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók und „Eine florentinische Tragödie“ von Alexander Zemlinsky – und stellte die Frage nach den Unterschieden der Begierden und der Rolle des Mannes über die Generationen hinweg.

Hamburgische Staatsoper, Premiere am 12. April 2026

von Patrik Klein

Nach dem erfolgreichen Beginn der aktuellen Saison mit Schumanns „Das Paradies und die Peri“, ebenfalls inszeniert vom neuen Intendanten Tobias Kratzer, knüpfte die gestrige Premiere der Übernahme aus Oslo aus 2024 an dieses Ereignis nahtlos an. „Klein beleuchtet kurz 71: Das Wesen der Geschlechter hat noch immer viele „Kratzer“
Hamburgische Staatsoper, 12. April 2026 PREMIERE“
weiterlesen

Kommentar zum Opernspielplan 2026/27 der Hamburgischen Staatsoper

Hamburgische Staatsoper Außenansicht Seite Nacht © Niklas Marc Heinecke

von Dr. Ralf Wegner

Es hat sich bewahrheitet, die Staatsoper zieht um in ein Zirkuszelt, zumindest für mehrere Monate. Euphemistisch wird die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr erwähnt: Die Haltestelle Luruper Chaussee befinde sich direkt vor der „Kuppel“. Vergessen wird, dass dieser irgendwo im Hamburger Nordwesten liegende, im allgemeinen wohl völlig unbekannte Veranstaltungsort über keinen U- oder S-Bahnanschluss, sondern nur über eine Bushaltestelle verfügt. Nun gut, für John Neumeiers Sommernachtstraum werden wir dieses Manko in Kauf nehmen. „Kommentar: Opernspielplan Saison 2026/27
Hamburgische Staatsoper, 7. April 2026“
weiterlesen

Auf den Punkt 87: Über Aprilscherze und Pausen-Nervenkitzel an der Hamburgischen Staatsoper

Hamburgische Staatsoper: Lila Parkettfoyer mit neuer Bilderwand sowie Foyer im 4. Rang (Foto: RW)

Hamburgische Staatsoper, Spielzeit 2025/2026

Stellen sie sich vor, Sie wollen mit dem IC 709 Clara Schumann von Berlin nach München reisen. Abfahrt laut Fahrplan 10:33 Uhr. Weil Sie gerne in Ruhe daheim frühstücken, statt sich am Bahnhof ein Franzbrötchen mit schlechtem Kaffee hinunterzuspülen, sind Sie wie immer auf den letzten Drücker am richtigen Gleis. Sagen wir 10:27 Uhr. Doch der Zug ist bereits um 10:15 Uhr abgefahren. Begründung der Bahn: So gewährleisten wir eine pünktliche Ankunft am Zielbahnhof wie im Fahrplan ausgewiesen.  Das wäre doch mal einen Aprilscherz wert …

von Jörn Schmidt

… aber Aprilscherze sind out, sagt Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert. Daher hat er auch die eigentliche Folge 87 nicht veröffentlicht. Ich hatte getitelt: „klassik-begeistert geht an die Börse.“ Andreas fand das als Aprilscherz urkomisch. Hat er jedenfalls gesagt …Aber was, wenn das jemand ernst nimmt?  Nicht auszudenken, das zöge einen Shitstorm nach sich … Die Idee zu dem IC-Aprilscherz kam mir übrigens unweit des Bahnhofs Hamburg Dammtor, an der Hamburgischen Staatsoper. Was war passiert? „Auf den Punkt 87: Aprilscherze und Pausen-Nervenkitzel
Hamburgische Staatsoper, 8. April 2026“
weiterlesen

Maestro Yoel Gamzou dirigiert wie Alfred Hitchcock, Teil II

Boris Kudlicka & Yoel Gamzou © Karpati&Zarewicz

Yoel Gamzou, der designierte Musikdirektor der Polnischen Nationaloper in Warschau, kehrt mit Carl Maria von Webers Freischütz an die Hamburgische Staatsoper zurück. Angelegentlich haben wir dazu gesprochen, warum der Maestro in einem toten Haus lebt, wie Hitchcock dirigiert und dass Giacomo Puccini für ihn der Erfinder der Filmmusik ist. Außerdem wollte ich wissen, wie Gamzou mit vernichtender Kritik umgeht. Und vieles mehr …

Jörn Schmidt im Gespräch mit Yoel Gamzou (Teil II)

klassik-begeistert: Sie leben in einem toten Haus, habe ich mal getitelt. Weil …

[Anm. Jörn Schmidt: Die tote Stadt, op. 12, ist eine Oper von Erich Wolfgang Korngold]

Yoel Gamzou:  … ich in dem Wiener Haus wohne, in dem auch Korngold gelebt hat.

klassik-begeistert:  Erinnert in der Wohnung noch etwas an Erich Wolfgang Korngold, spürt man gar seine Aura? So wie ich meine, dass Karajans Geist noch durch die Berliner Philharmonie geistert?

Yoel Gamzou:  Ja, absolut. So wie ich mir in Wien vorstelle, wie Schubert mit seiner ewigen Zettelsammlung unterm Arm durch Wien gerannt ist, so spüre ich, wie Korngold zwei Etagen unter mir Die tote Stadt komponiert hat…

klassik-begeistert:  Sind Sie gerade wegen Korngold dort eingezogen?

Yoel Gamzou:  Absolut. Als ich das erste Mal in Wien war, bin ich erstmal zu Mahlers Grab gegangen, dann zu Korngolds Wohnung. Als in eben diesem Haus eine Wohnung frei wurde, war mir klar, dass ich da einziehen muss. Noch verrückter war dann der Zufall, dass ich mit Die tote Stadt mein Debüt an der Wiener Staatsoper gegeben habe. Als Einspringer mit 10 Stunden Vorlauf. „Interview: klassik-begeistert im Gespräch mit Yoel Gamzou, Dirigent,Teil II
Hamburgische Staatsoper, 6. April 2026“
weiterlesen

Hamburg findet mit Lohengrin zurück in die Spur!

Lohengrin, Archiv HSO © Arno Declair

Auch am Gänsemarkt in Hamburg kann Richard Wagner schwer begeistern. Denn kaum zeigte sich Omer Meir Wellber nach einem spektakulären ersten Lohengrin-Aufzug dem Publikum, tönten aus allen Rängen schon nach der ersten Pause gleich mehrere Bravos. Sowas gab’s in Hamburg noch nie!

Lohengrin, romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto und Komposition von Richard Wagner

Inszenierung: Peter Konwitschny
Bühne: Helmut Brade

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber

Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026

von Johannes Karl Fischer

Dieser überaus spektakuläre Opernabend ging längst nicht nur auf das Konto des wohl stolzesten Alumnus der Hamburger Opernschmiede, Klaus Florian Vogt. Neben dem unter Omer Meir Wellbers Leitung begeisternd spielenden Orchester glänzte auch der Chor in Höchstform. Jener Chor, der beim letzten Lohengrin vor vier Jahren nicht gerade positiv auffiel, sang die sehr zahlreichen und fordernden Chornummern einfach souverän, wie entfesselt. Man spürte die Begeisterung jedes einzelnen Sängers in der musikalischen Seele brennen, am liebsten würde man selbst auf die Bühne stürmen und mitsingen.     „Lohengrin, romantische Oper von Richard Wagner
Die Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026“
weiterlesen

Unter Omer Meir Wellber gelingt eine nahezu exemplarische Lohengrin-Aufführung

Nach dem zweiten Aufzug: Gabor Bretz (König Heinrich), Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Sara Jakubiak (Elsa), Yulia Matochkina (Ortrud), Martin Ganter (Telramund), Szymon Mechlinski (Heerrufer) (Foto: RW)

 Unter Berücksichtigung des wunderbar aufspielenden Orchesters, des glanzvollen Chores und der sängerischen und darstellerischen Kraft von Klaus Florian Vogt und Sara Jakubiak sowie der spannungsgeladenen, in sich schlüssigen Inszenierung war es eine (nahezu) exemplarische Lohengrin-Aufführung.


Lohengrin, romantische Oper in drei Aufzügen
Libretto und Komposition von Richard Wagner

Inszenierung:  Peter Konwitschny
Bühne:  Helmut Brade

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung:  Omer Meir Wellber

Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026

von Dr. Ralf Wegner

Peter Konwitschnys Lohengrin-Deutung funktioniert immer noch. Frisch wie bei der Premiere 1998 präsentierten sich Chor und Ensemble spiel- und sangesfreudig. Die Erscheinung des Gralsjüngers Lohengrin in der Klassenmitte und die sofort beginnende Verehrung für diesen Superstar inmitten begeisterungsfähiger Schülerinnen und Schüler ist psychologisch nach wie vor schlüssig und überzeugend. „Richard Wagner, Lohengrin
Hamburgische Staatsoper, 28. März 2026“
weiterlesen

Die neue Hamburger Trovatore-Besetzung lässt sich sehen und hören

Vor allem wegen der beiden weiblichen Hauptpartien lohnt sich der Besuch dieser Serie. Die französische Mezzosopranistin Clémentine Margaine verfügte als Azucena über eine ausgesprochen schallstarke, breit in den Raum tragende Stimme, die sie farbreich changierend für die Interpretation dieser geschundenen Mutterseele einsetzen konnte. Ihr Schlussgesang Ai nostri monti zeugte von reiner lyrischer Beseeltheit, wie man es selten hört.

Il Trovatore, Oper in vier Akten
Komposition: Giuseppe Verdi

Inszenierung: Nach Immo Karaman
Bühne: Alex Eales, Kostüme: Herbert Barz-Murauer

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung: Matteo Beltrami

Hamburgische Staatsoper, 18. März 2026

von Dr. Ralf Wegner

Es war wohl die beste Besetzung seit der Premiere dieser fast genau vor zwei Jahren auf die Bühne gehobenen Trovatore-Inszenierung. Sie nennt sich nur noch nach Immo Karaman. Vor allem wurde diesmal auf üble, dem Inhalt zuwider laufende Szenen wie das Anzünden oder die Vergewaltigung von Dienstpersonal verzichtet. Das tat der Aufführung gut. Das stattdessen angesetzte Russisch Roulette mit zwei Gefangen widersprach nicht unbedingt der Handlung. „Giuseppe Verdi, Il Trovatore, Matteo Beltrami Dirigent
Hamburgische Staatsoper, 18. März 2026“
weiterlesen