Ein Abend mit Königs-Stern

Foto: © Bernd Uhlig
Erich Wolfgang Korngold, Die tote Stadt
Staatsoper Hamburg, 2. Oktober 2018


von Ulrich Poser

Mit Klaus Florian Vogt ist es wie mit Wagner: Die einen lieben ihn abgöttisch, die anderen nicht. Der Rezensent gehört seit Jahren zur ersten Gruppe und pilgert – nur wegen Vogt – zum Beispiel nach Bayreuth, Berlin und München, wo Herr Vogt in den letzten Jahren als Lohengrin, Stolzing und Tannhäuser die Vogtianer aus der ganzen Welt durchwegs begeistert hat. Insbesondere sein Stolzing in Bayreuth in der gerade zur Inszenierung des Jahres gewählten Interpretation von Barrie Kosky entfachte jeden Abend vehemente Jubelstürme. Was für eine Stimme!

„Erich Wolfgang Korngold, Die tote Stadt, Klaus Florian Vogt, Allison Oakes,
Staatsoper Hamburg“
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Ein Traum von Zauberei und Liebe: „Alcina“ an der Hamburgischen Staatsoper

Foto:  (c) Hans Jörg Michel
Georg Friedrich Händel, Alcina, Staatsoper Hamburg, 30. September 2018

von Sarah Schnoor

Am Ende fallen Wände, Tiere werden zu Männern verwandelt, und ein Saal voller Menschen erwacht aus einem dreistündigen Traum, der mit herzlichem Applaus besonders für Lezhneva, Eichenbaum, Fagioli und das Orchester beklatscht wird.

Händels bekannte Oper „Alcina“ wird in der Hamburgischen Staatsoper nach 12 Jahren endlich wiederaufgenommen. Regisseur Christof Loy hat die Oper um die Zauberin Alcina 2002 mit gewohnt wenigen Mitteln inszeniert und hofft auf ein spielfreudiges Ensemble. Ein Glück, dass die wunderbaren Sänger auch bei der Wiederaufnahme ein Traumreich voll Liebes- und Stimmzauber vor den Augen und Ohren des Publikums entstehen lassen können.

Kaum schlägt der Dirigent Riccardo Minasi die ersten Takte, geht der Barockhimmel auf. Er leitet einen beschwingten Händel an, und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg zusammen mit einer kleinen Continuo-Gruppe folgt aufmerksam. Lebhaft werden die verschiedenen Charakteristika der Musik gestaltet. Das macht einfach Freude! „Georg Friedrich Händel, Alcina,
Staatsoper Hamburg“
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Tot denn Alles! Alles tot!
Ein triumphaler Abend für die Sopranistin Nino Machaidze

Foto © Monika Rittershaus
Giuseppe Verdi, Luisa Miller, Staatsoper Hamburg, 28. September 2018

Ulrich Poser berichtet über die Aufführung der Luisa Miller aus der Hamburgischen Staatsoper vom 28. September 2018

Nein, es geht nicht um eine Wagner-Oper. Auch ein Film von Quentin Tarantino ist nicht Gegenstand nachfolgender Gedanken. Die Handlung von Verdis Oper Luisa Miller (nach Kabale und Liebe) ist typisch für Verdi: Unglückliche Liebe, die Gute, der Böse, Intrigen, Gift.  Am Ende sind fast alle tot. Amore, vendetta, sangue, morte. Die Musik von Luisa Miller ist „ganz nett“, kommt aber nicht an Verdis Meisterwerke wie z.B. Maskenball, Aida, La Traviata, Rigoletto oder Otello heran. „Giuseppe Verdi, Luisa Miller, Staatsoper Hamburg, 28. September 2018“ weiterlesen

Wagners Ring & Wrestling: Tiefstes Reeperbahn-Feeling in der Oper

Foto: Jörn Kipping (c)
opera stabile
, 22. September 2018
Ring & Wrestling, Operanovela in fünf Teilen, Teil 3
Musik nach Richard Wagner (Ring des Nibelungen)

von Teresa Grodzinska

Was bis jetzt geschah, erzählt am Anfang der Vorstellung in Telenovela-Manier Don Pedro, der Ring-Ansager der St. Pauli-Fraktion. Ich muss ihn mal beschreiben: klein, mit Bäuchlein, weißes Adidas-Dress bis zum Bauchnabel geöffnet, Goldkettchen, gold umrandete Sonnenbrille, schwarze Haare (Perücke?) und loses Mundwerk. Wir fühlen uns sofort wie in der Boxerkneipe “Ritze”. Tiefstes Reeperbahn-Feeling. Aus seinem Munde erfuhr ich, was ich beim zweiten Teil der Operanovela nicht verstanden hatte: der Gewinner des Wrestling-Kampfes zum Wohle der Götter war Käpt’n Kernschmelze. Ein grünschleimiges Transformer-Monster (Eltern wissen, was ich meine), obszön mit einer grünen Keule winkend und die selbige leckend. Hüftschwung, grüne Blinker auf den Schulterblättern, viel Schaum um Nichts. „Richard Wagner (Musik), Ring & Wrestling, Operanovela in fünf Teilen“ weiterlesen

Chopin Dances in Hamburg: Der polnische Nationalheld hätte wohlwollend geschmunzelt

Staatsoper Hamburg, 20. September 2018
Hamburg Ballett, Chopin Dances
Zwei Ballette von Jerome Robbins

Ein Gastbeitrag von Teresa Grodzinska

Warum zwei? Und warum in der verkehrten Reihenfolge? Erst “Dances at a Gathering” von 1969 und nach der Pause “The Concert” von 1953? Nun, die Länge der einzelnen Ballette reicht nicht für einen ganzen Abend, wie man ihn hier kennt. Auf dem Broadway wahrscheinlich schon, dort laufen im Vorprogramm Sketche und Gesangseinlagen von wenig bekannten Künstlern. Aber wir sind zu Gast in der Staatsoper der Freien und Hansestadt Hamburg – im Hamburg Ballett von John Neumeier.
„Hamburg Ballett, Chopin Dances,
Staatsoper Hamburg“
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Ring & Wrestling: St. Pauli trifft die Oper

Foto: Jörn Kipping (c)
Ring & Wrestling, Operanovela
, 2. Teil
opera stabile, Hamburg, 15. September 2019

ein Gastbeitrag von Teresa Grodzinska

Liebe Leute,

Ihre Berichterstatterin wurde auf eine – mittelschwere – Probe gestellt. Der zweite Abend von “St. Pauli meets establishment” oder: “wie politisieren wir die Hamburgische Staatsoper” kam langsam zum Erblühen.

Es liegt am Konzept: die trashige Aufmachung, Opernsänger im Boxring in Rauchschwaden gehüllt – sie schocken nicht mehr. Also lag das Neue im Feld der Rock-and-Wrestling-Mannschaft, dachte ich. Die ersten paar Minuten sangen die Wotans, Donners und Rheintöchter ihren Kummer heraus, weil der Drache Pinkzilla im Ring scheinbar tot auf dem Boden lag. Pinkzilla ist nämlich der neue Siegfried. Er hilft den Göttern oder möchte es jedenfalls. Pinkzilla schlüpfte am Ende des ersten Teils aus einem überdimensionalen Überraschungsei. Wer unter Ihnen mit Kindern zu tun hat, weiß, welche Spannung entsteht, wenn das Ei aufgebrochen und die Figur gebaut wird… „Ring & Wrestling, Operanovela, 2. Teil,
opera stabile, Hambur“
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Wie bringt man  junge Menschen zu Wagner? Über Wrestling – genial einfach, einfach genial

Foto: Jörn Kipping (c)
Ring & Wrestling – e
ine Operanovela in fünf Teilen
opera stabile, Hamburg, 8. September 2018
Musik aus „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner

Ein Gastbeitrag von Teresa Grodzinska

Die opera stabile, die kleine Schwester der Staatsoper Hamburg, wagt an diesem Abend einen Schritt in Richtung Subkultur. Schon die Zusammensetzung des Publikums machte Lust auf diesen Abend: betagte Wagnerianer in Abendgarderobe neben Drei-Generationen-Patchwork-Familien. Omas und Opas in Jeans, Mütter und Väter in Straßenkleidung,  Sprösslinge in schicken Klamotten, sichtlich aufgeregt statt wie  üblich gepflegt gelangweilt. Wie bringt man  junge Menschen zu Wagner? Über Wrestling. Genial einfach, einfach genial. „Ring & Wrestling, nach Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen,
opera stabile, Staatsoper Hamburg“
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Der Geist Leonard Bernsteins lebt: Das Hamburg Ballett eröffnet die Spielzeit

Hamburgische Staatsoper, 9. September 2018
„Bernstein Dances“, Ballettrevue von John Neumeier
Musik: Leonard Bernstein
Choreografie und Bühne: John Neumeier
Kostüme: Giorgio Armani
Dorothea Baumann, Sopran
Oedo Kuipers, Bariton
Sebastian Knauer, Klavier
Liza Ferschtman, Violine
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Garrett Keast, Musikalische Leitung

von Leonie Bünsch

100 Jahre Leonard Bernstein! Auch John Neumeier gedenkt seinem Freund und Kollegen und widmet ihm in Hamburg die Spielzeiteröffnung mit der Wiederaufnahme seiner Ballettrevue „Bernstein Dances“. Den Titel kann man auf zweierlei Weisen verstehen: „Bernstein tanzt“ und „Bernstein-Tänze“. Beides trifft auf diese Inszenierung zu. „„Bernstein Dances“, Ballettrevue von John Neumeier,
Staatsoper Hamburg“
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Großer Premierenerfolg für Herbert Fritsch – Slapstick-„Così fan tutte“ an der Staatsoper Hamburg

Foto: Hans Jörg Michel (c)
Staatsoper Hamburg, 8. September 2018
Wolfgang Amadeus Mozart, Così fan tutte

Inszenierung und Bühnenbild: Herbert Fritsch
Musikalische Leitung: Sébastien Rouland
Fiordiligi: Maria Bengtsson
Dorabella: Ida Aldrian
Guglielmo: Kartal Karagedik
Ferrando: Dovlet Nurgeldiyev
Despina: Sylvia Schwartz
Don Alfonso: Pietro Spagnoli
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Chor der Hamburgischen Staatsoper

von Sarah Schnoor

Ohne Frage ist Herbert Fritsch ein Meister des Slapsticks, der schrillen Farben und übertriebenen Gesten. So erwartete man für die Eröffnungspremiere an der Hamburgischen Staatsoper großartig Komisches. Gespielt wird Wolfgang Amadeus Mozarts „Così fan tutte“ oder auf Deutsch „So machen es alle“. Das kann man über Fritsch nicht sagen. Seine besondere Regiehandschrift erkennt man sofort. Gleichzeitig ist er auch Bühnenbildner seiner Inszenierung und setzt auf knallige Farben – rot, grün, blau, orange – und ein einziges Bild. Deckenhohe, einfarbig-glänzende Seitenwände, die nach hinten offen sind. Bewegung kommt durch die absenkbare Decke und eine geniale Lichtregie (Carsten Sander) in das Bühnenbild. Farbige Riesenkristalle und ein selbstspielendes Cembalo bieten dem spielfreudigen Ensemble eine Phantasielandschaft zum Austoben. „Wolfgang Amadeus Mozart, Così fan tutte,
Staatsoper Hamburg“
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Hamburger Pianosommer 2018: Vier Dorsche in der Karibik

Foto: martin-tingvall.com (c)
Hamburger Pianosommer 2018

Staatsoper Hamburg, 20. August 2018
Konzert von Axel Zwingenberger, Joja Wendt, Sebastian Knauer und Martin Tingvall

Ein Gastbeitrag von Teresa Grodzinska

Ich würde mir nie erlauben, ein Konzert in den heiligen Hallen der Hamburgischen Staatsoper wie oben zu betiteln, hätte Martin Tingvall sein Duett mit Axel Zwingenberger nicht als “Zwei Dorsche in der Karibik” angekündigt. Aus seiner entzückenden Ansprache mit schwedischem Zungenschlag hoffe ich richtig verstanden zu haben, dass er damit fiebrig jazzende Nordeuropäer meinte. Andere Auslegungen sind mir sehr willkommen. „Hamburger Pianosommer 2018, Axel Zwingenberger, Joja Wendt, Sebastian Knauer und Martin Tingvall,
Staatsoper Hamburg“
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