CD-Besprechung:
Für ein Jugendwerk klingt „Marina“ bereits erstaunlich professionell, speziell im zweiten Teil blitzt das große Talent Giordanos, der später mit „Andrea Chenier“, „Fedora“ und „Siberia“ Welterfolge geschaffen hat, bereits deutlich auf. Mit dieser Einspielung schließt sich endgültig eine Lücke in seiner Rezeptionsgeschichte.
Giordano Marina
Eleonora Buratto Marina
Freddie De Tommaso Giorgio
Vincenco Milletari Dirigent
Orchestra I Pomeriggi Musicali di Milano
DECCA 576 7566
von Peter Sommeregger
Der junge Umberto Giordano reichte seine erste Oper 1888 bei jenem Wettbewerb des Verlegers Sonzogno ein, der von Pietro Mascagni mit dessen „Cavalleria Rusticana“ gewonnen wurde. Auch Giordanos Werk wurde durchaus gelobt, und spätere seiner Opern wurden von Sonzogno verlegt.
Erstaunlicherweise wurde „Marina“ trotz Giordanos späterer Welterfolge niemals aufgeführt, erst 2026 kam es in Mailand zu einer konzertanten Aufführung, an die sich die Einspielung für CD anschloss. Quelle war das wieder entdeckte Autograph, das sich im Archiv der Universität von Yale befand.
Der Einakter beschreibt eine dramatische Begebenheit während der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Serbien und Montenegro. Marina und ihr Bruder Daniele gehören letzterer Volksgruppe an, ein von Marina versteckter Serbe, Giorgio, löst das für das Liebespaar tödlich endende Drama aus. Der Stoff eignet sich hervorragend für eine Oper, Giordano bedient sich dabei bereits des aufkommenden Stils des Verismo.
Das Personal besteht nur aus vier Personen, Sopran, Tenor, und zwei Baritone.
Eleonora Buratto singt eine leidenschaftliche Marina, den Ansprüchen der Partie wird sie ausgezeichnet gerecht, einmal mehr kann man die hohe Phrasierungskunst der Sängerin bewundern.
Ein adäquater Partner ist Freddie De Tommaso,,der mit klangschönem Spinto-Tenor punkten kann.
Mihai Damian als Lambro und Nicholas Mogg als Marinas Bruder Daniele hinterlassen trotz der Kürze ihrer Partien einen positiven Eindruck.
Vincenzo Milletari dirigiert das Orchestra I Pomeriggi Musicali Di Milano und den Coro della Fondazione Teatro Petruzzelli stilsicher und konzentriert.
Für ein Jugendwerk klingt „Marina“ bereits erstaunlich professionell, speziell im zweiten Teil blitzt das große Talent Giordanos, der später mit „Andrea Chenier“, „Fedora“ und „Siberia“ Welterfolge geschaffen hat, bereits deutlich auf. Mit dieser Einspielung schließt sich endgültig eine Lücke in seiner Rezeptionsgeschichte.
Peter Sommeregger, 14. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Umberto Giordano (1867-1948), Marina klassik-begeistert.de, 5. August 2026
Umberto Giordano (1867–1948), Fedora Deutsche Oper Berlin, Aufführung am 2. Dezember 2025
Umberto Giordano (1867 – 1948), Fedora Deutschen Oper Berlin am 27. November 2025 PREMIERE
Umberto Giordano, Andrea Chénier Deutsche Oper Berlin, 4. Juni 2025
Umberto Giordano, SIBERIA Theater Bonn, Opernhaus, 12. März 2023 PREMIERE