Interview mit Gaetano D’Espinosa: „Wir sind ja alle ewige Anfänger!“

Gaetano D’Espinosa © Carmen Kronspiess

Gaetano D’Espinosa kann sicher als einer der mutigsten Männer im klassischen Musikbetrieb unserer Zeit bezeichnet werden. Der gebürtige Sizilianer, der seit 2001 in Dresden lebt, gab 2008 seine Stelle als Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle Dresden auf (eine Stelle für die mancher Geigenstudent wohl töten würde), um sich auf eine Dirigierkarriere als freischaffender Kapellmeister zu fokussieren. Und es zahlte sich aus:  Er legte seitdem eine steile Karriere hin, und ist auf Besetzungszetteln der ganz großen Häuser dieser Welt anzutreffen. So dirigierte er zum Beispiel in Venedigs La Fenice oder in der Suntory Hall in Tokio. Aber auch an seine alte Wirkungsstätte, die Dresdener Semperoper, zieht es ihn regelmäßig zurück. Was gerade deren „Wunderharfe“ – so nannte Richard Wagner einst die Staatskapelle – ausmacht und wie sich der Perspektivwechsel anfühlt, nun auf einmal auf der anderen Seite des Pultes zu stehen, darüber sprach Gaetano D’Espinosa im Interview mit Willi Patzelt.

klassik-begeistert: Lieber Herr D’Espinosa, Sie haben gleichsam die Fronten gewechselt und sind mittlerweile nun schon länger Dirigent, als Sie Orchestermusiker waren. Hat dieser Bruch zu einem Kontaktverlust mit den eigenen Wurzeln geführt, oder blüht gleichsam etwas ganz Neues aus ihm?

D’Espinosa: Nein, es blühen – um im Bild zu bleiben – ganz viele Blätter und Blüten. Es hat mich ja vor allem interessiert, in den musikalischen Kreativprozess stärker involviert sein zu können. So ein Orchester hat ja eine extreme Anpassungsfähigkeit – trotz einer so starken Musikergemeinschaft – „stark“ im Sinne der Fähigkeit, aber auch im Sinne der großen Menge. Dennoch kann ein Orchester auch eine unheimliche Flexibilität haben. Und das fand ich immer faszinierend. „Interview mit Gaetano D’Espinosa
klassik-begeistert.de, 15. September“
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Weltstar Olga Peretyatko und Zauber-Pianist Leon Gurvitch in der Elphi: Gänsehaut ist im Eintrittspreis inbegriffen

Leon Gurvitch; Foto Patrik Klein

Wir haben den Komponisten Leon Gurvitch im Café des Hotels „Vier Jahreszeiten“ getroffen. Gurvitch hat über die Weltpremiere seiner musikalischen Serie der Gedichte von Anna Akhmatova erzählt. Wir sprachen auch über die Klischees, die das Publikum aus den Konzertsälen und Theatern vertreiben.

Das Gespräch führte Victoriya Tielemann 

klassik-begeistert: Erzählen Sie, woher kommt die Melodie von Ihren Liedern?

Leon Gurvitch: Das weiß niemand. Kein Komponist kann genau sagen, woher sie kommt oder wie sie entsteht. Es ist mystisch. Es spielt keine Rolle, ob es nachts, tagsüber, morgens, zu Hause, im Zug… Es kann überall und zu jeder Zeit passieren. Die Hauptsache ist, dass man es rechtzeitig bemerkt. Wenn man es nicht sofort tut, ist sie weg. „Interview: Leon Gurvitch
klassik-begeistert.de, 15. September 2023“
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So machen’s nicht Alle: Ein Künstlergespräch mit Bariton Georg Nigl

Georg Nigl, Foto: Anita Schmid ©

Aix-en-Provence im Juli, Ort der jährlichen Musikfestspiele, die in diesem Jahr ihren 75. Sommer erleben. Damals wie heute stand Mozarts „Così fan tutte“ auf dem Programm. In diesem Jahr hat Dmitri Tcherniakov das zynische Stück inszeniert, der Bariton Georg Nigl gibt den altersweisen Philosophen Don Alfonso, der in Tcherniakovs Lesart aber weniger weise, sondern eher der diabolische Spielmacher ist. Am Abend vor unserem Treffen habe ich eine der Aufführungen im barocken Hof des Erzbischöflichen Palais besucht, trotz der kaum erträglichen Hitze von annähernd 40 Grad hat sich Georg Nigl zu einem Gespräch bereit erklärt, in dem er viel über sein künstlerisches Credo verrät.

Peter Sommeregger führte das Gespräch mit Georg Nigl am 12. Juli 2023 in Aix-en-Provence. 

klassik-begeistert: Ganz am Anfang Ihrer Karriere, noch als Sängerknabe, haben Sie den Bastien von Mozart, auch für eine Schallplattenaufnahme gesungen. Aktuell singen Sie den weisen Philosophen Alfonso in „Così fan tutte“. Schließt sich da ein Kreis für Sie?

Georg Nigl: Den Bastien sollte ich eigentlich nicht singen, weil ich meistens die Sopran-Partien gesungen habe, aber der war für die Plattenaufnahme schon besetzt und ich habe dann den Altus übernommen.

Aber es schließt sich da auf andere Weise ein Kreis: „Interview: Bariton Georg Nigl
klassik-begeistert.de, 14. September 2023“
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Interview mit Maximilian Haberstock: „Unbedarftheit und jugendlicher Leichtsinn wären meiner Situation unangemessen“

Maximilian Haberstock ©

Maximilian Haberstock ist sicherlich einer der spannendsten aufgehenden Sterne am Dirigentenhimmel. Kürzlich gab der 19-Jährige – im Rahmen des Münchner „Stars and Rising Stars“-Programms – ein fulminantes Debüt mit dem von ihm neu ins Leben gerufenen Jungen Philharmonischen Orchester München (klassik-begeistert berichtete). Trotz seines jungen Alters konzertierte er bereits auf bedeutenden Bühnen: Als Pianist trat er etwa in der New Yorker Carnegie Hall  oder – mit niemand geringerem als Lang Lang – beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue auf. Mit 15 Jahren dirigierte er erstmals ein selbst gegründetes Ensemble; in diesem Sommer war er jüngster Teilnehmer aller Zeiten beim Gstaad Festival. Im Gespräch mit Willi Patzelt spricht er über sein neues Orchester und seine Zukunftspläne.

Willi Patzelt traf Maximilian Haberstock im Sommer zum Gespräch:

klassik-begeistert: Lieber Herr Haberstock, in meiner Kritik unterstellte ich Ihnen Vorbilder wie Furtwängler, Knappertsbusch oder Thielemann und attestierte Ihnen deutschen Klang sowie einen Drang zu romantisierender Interpretation. Wie wohl fühlen Sie sich in der Schublade, in die ich Sie gesteckt habe?

© Laurin Hirsch

Haberstock: Ich fühle mich in überhaupt keine Schublade gesteckt! Dirigenten wie Furtwängler, Knappertsbusch oder Thielemann sind wunderbare Vorbilder; man sollte nur auf keinen Fall versuchen, diese zu kopieren. Sie eröffnen vielmehr ein Feld intensiver Auseinandersetzung und stellen Ausgangspunkte dar, an denen man seinen eigenen Weg der künstlerischen Reflexion und Weiterentwicklung ansetzen muss. Im Hinblick auf die Zuschreibung einer romantischen Interpretation und eines deutschen Klangs sehe ich darin erst einmal nichts Negatives. Ich glaube, dass ein Hang zur Romantisierung unserem Lebensgefühl entspricht. Eine romantische Klangvorstellung, die Sie als deutschen Klang identifizieren, trägt in sich tatsächlich das Potential zu einer wünschenswerten Differenzierung, besonders in einer Zeit, in der die Orchester international in Gefahr sind, sich in einer klanglichen Uniformität zu verlieren.

© Michael Herdlein

klassik-begeistert: Sie sind 19 Jahre alt. Bei aller inhaltlichen und persönlichen Sympathie – die für Ihr Alter nicht untypische jugendliche Unbedarftheit, gar einen gewissen Leichtsinn strahlen Sie nicht unbedingt aus…

Haberstock: Unbedarftheit und jugendlicher Leichtsinn wären in meiner Situation unangemessen und auch ein gewisses Risiko für meine Entwicklung. Das liegt vor allem daran, dass die Anforderungen der heutigen Dirigentenausbildung und -karriere ein besonders hohes Maß an Ernsthaftigkeit und Reife erfordern. Davon abgesehen hat jeder seine eigene Zeitschiene und „innere Uhr“, der er folgen sollte. Mit jugendlichem Leichtsinn und Unernst hätte ich sicherlich bereits noch nicht so viel erreicht.

„Interview: Maximilian Haberstock, Dirigent
klassik-begeistert.de, 29. August 2023“
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Unsere Geschichte beginnt in Bayreuth

Beethoven Academy Orchestra, Foto: Bruno Fidrych © Beethoven Academy Orchestra

Gespräch mit Marcin Klejdysz, Gründer und Konzertmeister, heute Manager des Beethoven Academy Orchestra, über die 20-jährige Geschichte und Gegenwart des Ensembles.

von Jolanta Łada-Zielke

Das Beethoven Academy Orchestra (BAO) ist eines der herausragenden symphonischen Ensembles jüngerer Generation. Es setzt sich aus den hervorragendsten Studenten und Absolventen europäischer Musikhochschulen zusammen: Musikhochschule in Krakau, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, Hochschule für Musik in Karlsruhe, Royal Music Conservatoire in Brüssel, Conservatoire International de Musique in Paris und Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. Das Ensemble entstand 2003 beim 53. Festival jünger Künstler Bayreuth. Dank Elżbieta Penderecka gab das Beethoven Academy Orchestra 2005 sein Debüt beim 9. Ludwig van Beethoven Osterfestival in Warschau, das zu einem Meilenstein in seiner Karriere wurde. Zahlreiche CD-Aufnahmen, die Zusammenarbeit mit weltberühmten Künstlern und Konzerte auf bedeutenden Musikbühnen in Europa und der Welt – all das und noch mehr findet sich im Dossier des Orchesters. Das BAO tritt regelmäßig mit dem Konzertchor Darmstadt auf, wo es seit 2011 das Residenzensemble ist. Neben Werken klassischer Musik führt das BAO auch Pop- und Filmmusik auf.

klassik-begeistert: Im August 2003 kamt ihr nach Bayreuth als das Kammerorchester der Krakauer Musikhochschule mit zwei Werken: „Serenade für Streicher“ von Mieczysław Karłowicz und „Divertimento“ von Marek Stachowski, dem damaligen Rektor eurer Hochschule. Dieses Programm spieltet ihr bei der Eröffnung des 53. Festivals junger Künstler Bayreuth und in der Petrikirche in Kulmbach. Wie erinnerst du dich an diese Zeit? „Interview mit Marcin Klejdysz, Gründer und Konzertmeister des Beethoven Academy Orchestra
klassik-begeistert.de, 16. August 2023“
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„Woran geht unsere Welt zugrunde, als an dem Mangel an Liebe!“

Dr. Andreas Ströbl (links im Bild) und Hans Martin Gräber © Dr. Regina Ströbl

Interview mit Hans Martin Gräbner 

In Bayreuth ist er eine echte Instanz – der Musikwissenschaftler und Komponist Hans Martin Gräbner führt im Rokoko-Saal des Steingraeber & Söhne-Haus (Friedrichstr. 2, 95444 Bayreuth) jeden Tag um 11 Uhr vor einer Aufführung im Festspielhaus in die jeweilige Oper ein.

Solche Einführungen in Wagners Werke gibt es reichlich in Bayreuth, aber Gräbners Vormittage sind etwas ganz Besonderes, weil er ungemein charmant, humorvoll und kenntnisreich Musik, Inhalt und Entstehungsgeschichte der jeweiligen Oper vorstellt. Er spielt mit Hingabe auf dem Liszt-Flügel und singt dazu, ganz gleich, ob Tenor- oder Baritonpartie.

Wagner-Neulinge nimmt Gräbner gleichsam an die Hand und erleichtert ihnen so den Zugang zu den komplexen Kompositionen, „vorgeschädigte“ Wagnerianer erhalten immer wieder neue Einblicke auch in Werke, die sie gut zu kennen glauben. Es macht einfach Freude, Gräbner zuzuhören und zu erleben, mit welcher Leidenschaft, aber auch kritischen Bemerkungen er sich dem Werk des „Meisters“ hingibt.

Vorbestellungen oder rechtzeitiges Kommen sind in jedem Falle empfohlen! „ Interview mit Hans Martin Gräbner von Dr. Andreas Ströbl
klassik-begeistert.de, 13. August 2023“
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Lise Davidsen: „Ich bin ein Country-Girl“

Lise Davidsen © Staatsoper Berlin

Interview mit Lise Davidsen von Kirsten Liese

Die 36-Jährige Lise Davidsen ist eine der führenden Wagnersoprane im lyrisch-dramatischen Fach.

Auf den Bayreuther Festspielen nahm die Sopranistin 2022 als Sieglinde in dem sehr umstrittenen Ring von Valentin Schwarz für sich ein, für den es in diesem Sommer noch Karten gibt, und als Elisabeth im Tannhäuser.

Die Norwegerin wurde 1987 in Stokke geboren und gastiert an so ziemlich allen großen renommierten Bühnen in Wien, London, New York, München oder Berlin. Auf dem Grünen Hügel ist sie in diesem Jahr jedoch wegen anderer beruflicher Verpflichtungen nicht dabei.

Kirsten Liese: Frau Davidsen, wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie Ihre Stimme entdeckt?

Lise Davidsen: Ich habe mit dem Musikmachen begonnen, als ich 15 Jahre alt war. Zunächst habe ich  Gitarre gespielt und sozusagen ein bisschen angefangen wie die Popsängerin Eva Cassidy, von da an hat sich alles langsam entwickelt. Und als ich auf der Oberschule war – drei Jahre, bevor ich an die Musikhochschule kam – besuchte ich zusätzlich eine spezielle Musikschule, dort begann meine Ausbildung im klassischen Gesang, die sich dann natürlich professioneller und gründlicher in der Grieg Akademie in Bergen fortsetzte. Danach habe ich an der Königlichen Opernakademie in Kopenhagen noch ein Masterstudium drauf gesattelt. „Interview mit Lise Davidsen von Kirsten Liese
klassik-begeistert.de, 17. Juli 2023“
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Interview mit Vasily Petrenko: „Nur im Moment des Aussterbens protestieren sie"

Vasily Petrenko © tarlova.com

Im Rahmen der Münchner Opernfestspiele ist Vasily Petrenko mit Boris Godunov an die Bayerische Staatsoper zurückgekehrt. Im Interview mit Willi Patzelt erörtert der Chef des Royal Philharmonic Orchestra, des Jugendorchesters der Europäischen Union und Ehrendirigent des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra die Aktualität von Modest Mussorgskys russischer Nationaloper. Die Fragen nach Rolle von Macht und Volk stellen sich im heutigen Russland mehr denn je. Vasily Petrenko, halb russischer und halb ukrainischer Herkunft (seine Familie mütterlicherseits stammt aus einem Dorf unweit von Butscha), spricht über Macht, über Hoffnung und die Rolle von Kultur – gerade in Zeiten wie diesen.

von Willi Patzelt

klassik-begeistert: Sie sind zurück an der Bayerischen Staatsoper – erneut mit Modest Mussorgskys Boris Godunov. Ganz allgemein: Was ist Ihre persönliche Beziehung zu diesem Werk, was bedeutet der „Boris“ für Sie?

Petrenko: Nun, ich habe den Boris zum ersten Mal vor vielen, vielen Jahren als kleiner Junge im Chor der Oper von Kiew gesungen. Seitdem hat er mich die ganze Zeit über begleitet – vor allem deshalb, weil er eine der wenigen Choropern ist. Der Chor ist also die wichtigste treibende Kraft in dieser Oper. Und er, als Volk, führt tatsächlich zu Veränderungen oder wird zu Veränderungen getrieben.

klassik-begeistert: Ich habe Boris Godunov das erste Mal als kleiner Junge in Moskau im Bolschoi-Theater gehört. Und ich erinnere mich, dass ich mir dachte: „Das klingt ja so russisch“. Woher kommt das, was macht diese Musik so russisch? „Interview mit Vasily Petrenko von Willi Patzelt
klassik-begeistert.de, 11. Juli 2023“
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Interview mit Paolo Petrocelli, Young Global Leader und Generaldirektor der Dubai Opera

Paolo Petrocelli Dubai © Dubai Opera

von Dr. Klaus Billand

Der Italiener Paolo Petrocelli, 1984 in Rom geboren, ist wohl DER Opernintendant der Szene, der sich am besten mit der Oper in MEA (Middle East and North Africa) auskennt, also im Operngeschehen des Mittleren Ostens und Nordafrikas, im Wesentlichen also der islamischen Welt. Zu diesem Thema hat er 2019 ein hochinteressantes, informatives Buch geschrieben mit dem Titel: „The Evolution of Opera Theatre in the Middle East and North Africa“.

Es gibt aber noch eine weitere Singularität im Leben von Paolo Petrocelli, der bis Februar 2023 Generaldirektor des Stauffer Center for Strings in Cremona war, dem ersten internationalen Musikzentrum für höhere Bildung, Forschung, Komposition, Produktion, Management und Innovation in Bezug auf Streichinstrumente. Er wurde in diesem Jahr vom World Economic Forum – WEF, mit dem er schon länger kooperiert, zum Young Global Leader in the Cultural Sphereernannt, als einziger Italiener unter nur wenigen Kandidaten. Diese Ernennung basiert auf einem über 15jährigem Weg intensiver Arbeit in und mit internationalen Gremien und Institutionen im Kulturbereich. So arbeitet er mit den Vereinten Nationen, insbesondere mit der UNESCO in Paris, mit der Europäischen Kommission und dem WEF zusammen. Als kultureller Botschafter und Musikexperte versucht Paolo Petrocelli in institutionellem Rahmen Verbindungen durch Kunst und Kultur in Europa, dem Mittleren Osten, Afrika, Asien und den USA aufzubauen. Im Jahre 2022 nannte ihn das Fortune Magazine unter den 40 einflussreichsten Persönlichkeiten in Italien. „Interview mit Paolo Petrocelli, Young Global Leader und Generaldirektor der Dubai Opera
klassik-begeistert.de, 7. Juli 2023“
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Interview: Künstliche Intelligenz kann die künstlerische Tätigkeit nicht ersetzen

Foto: Professor Fredrik Schwenk, © Festival junger Künstler Bayreuth

„Wie kam es aber, daß der Musiker sich endlich mit einem tonlosen Instrumente begnügte? Aus keinem anderen Grunde, als um allein, ganz für sich, ohne gemeinsames Zusammenwirken mit anderen, sich Musik machen zu können.“, so Richard Wagner im zweiten Teil seiner Schrift „Oper und Drama“. Seine Worte bezogen sich auf das Klavierspiel, das der Komponist für nur „eine Unzahl der in Bewegung gesetzten klappernden Hämmern“ hielt. Heute könnte man sich ähnlich über die künstliche Intelligenz in der Musik äußern. In welchen Fällen und in welchem Umfang man sie einsetzen kann – darüber spreche ich mit Professor Fredrik Schwenk, dem unseren Lesern bekannten Komponisten, Musiktheoretiker und Pädagogen.

von Jolanta Łada-Zielke

klassik-begeistert: Die künstliche Intelligenz ist eigentlich nicht neu. 1956 komponierte ein Computer an der Universität Illinois die „Illiac Suite“ für Streichquartett. Zwei Programmierer, Lejaren Hiller und Leonard Isaacson, haben dieses Experiment durchgeführt[1]. Aber erst jetzt ist die KI zum meistdiskutierten Thema geworden, auch in der Musik.

Fredrik Schwenk: Vor ungefähr fünfzehn Jahren gab es ebenfalls ein Computerprogramm, aus dem man Bach Choräle generieren konnte. Zunächst fütterte man den Computer mit allen existierenden Bach-Chorälen. Dann gab man eine beliebige Choralzeile ein, die das Programm auf der Grundlage der implementierten Choraldaten weiterschrieb. All diese „erfundenen“ Choräle klangen sehr schematisch; der Computer gab das wieder, was Bach komponierte, erfand jedoch nichts Neues. Hätte Bach weitere Choräle zu bestimmten Melodien geschrieben, wären dem Programm vielleicht noch andere Verbindungen abzugewinnen gewesen. Aus meiner Sicht bedienen diese KI-Programme nur Klischees, oder imitieren den Personalstil eines bestimmten Komponisten nach bestmöglicher Eingabe und optimiertem Algorithmus. „Interview: Künstliche Intelligenz in der Musik mit Fredrik Schwenk
klassik-begeistert.de, 30. Juni 2023“
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