Bruno de Sá ist schlicht ein Ereignis

Bayreuth Baroque, Delirio d‘Amore, Bruno de Sá, Sopran   Markgräfliches Opernhaus Bayreuth, 7. September 2026

Archiv Bayreuth Baroque, Bruno de Sá © Bayreuth.media

Bayreuth Baroque Opera Festival 2026

Er nutzt seine Stimme ganz und gar wie ein Instrument, produziert bruchlose Glissandi, phrasiert noch die längsten Bögen gekonnt, singt makellose Koloraturen und Triller, platziert Staccati und Portati und wo nötig auch Vibrati perfekt, beweist seinen enormen Tonumfang bis auf olympische Spitzen: Bruno de Sá ist schlicht ein Ereignis.

Bayreuth Baroque
Delirio d’Amore

 

Bruno de Sá   Sopran

Pedro Beriso   Musikalische Leitung und Cembalo

Wrocław Baroque Orchestra Residenzorchester des Bayreuth Baroque Opera Festival 2026

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth, 7. September 2026

von Sandra Grohmann

 

Eigentlich hätten wir einen Abend mit Julia Lezhneva verbringen wollen und sollen. Sie musste ihre Tournee jedoch krankheitsbedingt absagen und wir wünschen ihr nur das Beste und vor allem schnelle und nachhaltige Genesung.

Dem Barockfestival von Bayreuth ist es aber, um den Abend nicht ganz ausfallen lassen zu müssen, gelungen, mehr als nur „Ersatz“ zu verpflichten. Es ist geradezu ein Coup: Der gefeierte Sopranist Bruno de Sá, der dem Markgräflichen Opernhaus seit Jahren verbunden ist, gestaltet einen Abend zusammen mit dem Residenzorchester des Festivals. Unter dem Titel „Delirio d’Amore“ bringt er Arien und Rezitative aus unterschiedlichen weltlichen Kantaten, Opern und Serenaden von Händel, Telemann, Hasse und Pergolesi zu Gehör, die höchste Virtuosität ebenso wie tiefe Musikalität verlangen.

Nicht nur de Sá, sondern auch das Wrocław Baroque Orchestra unter Pedro Beriso bringt beides in höchstem Maße mit. Auf der Bühne wird dies vom ersten Ton an nicht nur ohren-, sondern auch augenfällig. Das Orchester schwingt sich mit der Ouvertüre geradezu ein. Wie bei einem griechischen Reihentanz, der im Idealfall alle Tanzenden in einem gemeinsamen Rhythmus pulsieren lässt, scheint auch das Orchester bereits wie ein einziger Körper von der Musik erfasst und bewegt sich selbst schon wie tanzend, als Bruno de Sá mit silbern glitzerndem Oberteil die Bühne betritt und sich sofort in den Groove einfügt.

Und dann hört das staunende Publikum, warum es heißt, man „spiele“ ein Instrument. Natürlich muss man das erstmal können. Aber wer kann, der kann, und de Sá kann eben: sich mit dem Orchester Echos zurufen, auf Tönen ins Orchester gleiten wie auf einer schnellen Rutsche, zusammen mit Oboe und erster Geige einen flotten Dreier hinlegen, trillern bis die Zuhörer keine Luft mehr bekommen (während es scheint, als müsse er selbst nicht atmen). Töne in den höchsten Lagen funkeln lassen und in der Mittellage in ein butterweiches Piano zurückführen.

Für alles dies bietet das Orchester ihm einen idealen Resonanzraum. Und die Musiker mögen sich offensichtlich. Mit ihrer Fröhlichkeit, ihrem Schalk, gelegentlich auch ihrem Ernst, mit ihrer Virtuosität und Musikalität stecken sie einander und das Publikum an. Die Lacher sind auf allen Seiten, wenn ein musikalischer Scherz seine Wirkung entfaltet oder de Sá schelmisch die Bewegung des Orchesters aufnimmt.

Der Abend endet mit zwei Zugaben, nach einem Vivaldi folgt als Kontrast Der Schwan aus dem Karneval der Tiere von Saint-Saëns, der bereits auf der Single aus de Sás neuem Album ausgekoppelt ist und den der Sopranist als Vokalise darbietet. Dass es die Zuhörer auf ihren Sitzen nicht hält, dass sie jubelnd Beifall spenden, ist in diesem Fall äußerst verständlich. Das mit so vielen hochkarätigen Künstlern besetzte Festival ist mit de Sá auf einem einsamen Gipfel angelangt.

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