Bruno de Sá startet zu unglaublichem Höhenflug

CD-Rezension: Bruno de Sá, Roma Travestita  klassik-begeistert 3. September 2022

Bruno de Sá
Roma Travestita

Erato 0190296619809

 von Peter Sommeregger

 Würde man diese CD in den Player einlegen, ohne vorher den Namen des Interpreten zu lesen, könnte man meinen, das Recital einer technisch brillanten Sopranistin zu hören.

Bei diesem Sopran handelt es sich aber um den jungen brasilianischen  Sopranisten Bruno de Sá. Er besitzt eine seltene Stimmlage, bei der der Stimmbruch ausbleibt, und die Knabensopranstimme erhalten bleibt. Nachdem die erstaunliche Entwicklung der Countertenöre in den letzten Jahren wieder viele vergessene Techniken, auch ein abhanden gekommenes Repertoire erneut in den Fokus gerückt hat, ist auf einmal die seltene Stimmlage des Sopranisten auch gefragt.

Der Künstler nutzt die Gelegenheit seines Debütalbums, um nicht weniger als sechs Ersteinspielungen vorzulegen. Man muss sich wundern, warum diese Arien von Komponisten wie Di Capua, Arena, Cocchi und Fajer so lange im Dornröschenschlaf lagen. Die Antwort ist simpel: lange Zeit fehlte es an geeigneten Stimmen für die teilweise halsbrecherischen Koloraturen, die verlangt werden. Einige der Partien wurden von berühmten Kastraten wie Farinelli kreiert, mit Freude kann man feststellen, dass die Renaissance der Barockoper auch zu einer Rückgewinnung alter Techniken geführt hat. Der Titel der CD erinnert daran, dass in Rom zeitweilig Frauen nicht auftreten durften, weshalb ihre Rollen von Kastraten in Frauenkleidern verkörpert wurden.

Die Stimme von Bruno de Sá verfügt über alle Tugenden eines Koloratursoprans in technischer Hinsicht. Triller, Registerwechsel, alles offenbar kein Problem für den jungen Brasilianer. Er verfügt auch über ein sehr ansprechendes Timbre, gerne folgt man ihm auf seiner Entdeckungsreise durch ein weitgehend vergessenes Repertoire.

Kompetente Begleitung hat er durch das bewährte Ensemble Il Pomo d’Oro unter dem Dirigenten Francesco Corti.

Ein attraktives Booklet und eine insgesamt ansprechende Aufmachung verstärken noch den positiven Eindruck dieser Produktion. Für alle Liebhaber schöner Stimmen ein Muss!

Peter Sommeregger, 3. September 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

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