DIE SONNTAG-PRESSE – 14. JUNI 2026

DIE SONNTAG-PRESSE– 14. JUNI 2026

Konrad Paul Liessmann (re.) wird von Ö1 Opern-Redakteur Michael Blees (li.) produziert © ORF/Joseph Schimmer

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SONNTAG-PRESSE – 14. JUNI 2026

Rudis Klassikwelt 10: Der Philosoph Konrad Paul Liessmann spricht über Bergs “Wozzeck”
In der Reihe “Apropos Oper” des ORF-Senders Ö1 gestaltet Konrad Paul Liessmann vier Sendungen unter dem Motto “Oper und Philosophie”, jeweils am ersten Sonntag des Monats. Liessmann, Philosoph und Opernliebhaber, bringt den philosophischen Kern der großen Opern zur Sprache, untersucht aber auch den Einfluss der Kunstgattung Oper auf das Denken so mancher großen Philosophen. In der jüngsten Sendung vom 3. Mai 2026 erforscht Liessmann den tiefen Humanismus von Alban Bergs “Wozzeck”, die eindeutige Stellungnahme für die Geknechteten und Verachteten dieser Welt.
Von Dr. Rudi Frühwirth
Klassik-begeistert.de

Salzburg/Zum Festakt im Juli
Festspiel-Hammer! Präsidentin hält keine Rede
Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, Vizekanzler Andreas Babler, ja sogar Schauspielgrande Klaus Maria Brandauer werden neben der heurigen Festspielrednerin Maria Kalesnikava Grußworte ans Publikum richten. Das ist der Einladung zu entnehmen. Normalerweise ist auch die amtierende Festspiel-Präsidentin fest in diesem Ablauf eingeplant. Noch vergangenes Jahr war dies der Fall, Hammer erzählte unter anderem über die Historie der Festspiele und begrüßte Ehrengäste. Eine Aufgabe, die 2026 jemand anderes übernehmen wird – vielleicht auch über den 26. Juli hinaus. Denn die Abwesenheit Hammers auf der Bühne könnte ein Zeichen für das generelle Ende ihrer Zeit an der Spitze des Kulturfestivals sein.
krone.at

Salzburg
Salzburger Positionierungen
Salzburgs neue Intendantin Karin Bergmann geht ein wenig auf Distanz zu Markus Hinterhäuser und kritisiert fehlende Aufklärung zu dessen Abgang. Zugleich wird bekannt, dass Präsidentin Kristina Hammer bei der kommenden Festspieleröffnung nicht sprechen wird.
backstageclassical.com

Wien/Konzerthaus
Konzerthaus: Orlińskis Lockerungsübung mit waghalsigen (Stimm-)Sprüngen
Er setzt zum Singen an, macht einen Breakdance-Move und fährt dann mit Koloraturen fort: Unkonventionell ist ein Hilfsausdruck für Jakub Józef Orlińskis Auftritte.
DiePresse.com

Wien/Festwochen
Music minus man: Konzert von Komponistinnen und Transpersonen in Wien
Sendung „Fazit“. Audio von Jörn Florian Fuchs (7,21 Minuten)
deutschlandfunkkultur.de

Wien
Reaktionen aufs Kulturbudget: „Es sind gerade viele schlechte Nachrichten“
Die Flaggschiffe der heimischen Kulturbranche machen sich weniger Sorgen als Vertreter der freien Szene. Kommendes Jahr wird es statt der bisherigen 629,8 Millionen Euro nur mehr 608,7 Millionen im Kulturbudget geben, diese Zahl präsentierte Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) am Mittwoch. 2028 sollen es dann minimal mehr sein, ehe die Summe bis 2030 wieder stark sinkt. Bauvorhaben werden auf die lange Bank geschoben. Die Basisabgeltungen für Bundesmuseen und -theater bleiben zwar gleich, was bei infolge der Inflation steigenden Kosten aber de facto einem Budgetrückgang gleichkommt. Wie sehen das die Betroffenen? Ein Überblick nach Sparten.
DerStandard.at

Graz
Ziemliche Reizüberflutung rund um einen stillen Zecher (Bezahlartikel)
Die Wiederaufnahme von Jacques Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“ – nur teilweise gelungen – am Grazer Opernhaus wurde bejubelt
Kurier.at

Grafenegg
Sommer in Grafenegg mit einer bunten Gala eröffnet
Mit der traditionellen Sommernachtsgala am Wolkenturm ist am Freitagabend die 20. Open-Air-Saison in Grafenegg eröffnet worden. Die amerikanische Sopranistin Angel Blue, der aus der Ukraine stammende Tenor Bogdan Volkov, die österreichische Cellistin Julia Hagen sowie das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter der Leitung seines Chefdirigenten Fabien Gabel sorgten für einen bunten Strauß aus vorwiegend bekannten Melodien.
SalzburgerNachrichten.at

Berlin
Franz Welser-Möst mit Strauss’ „Rosenkavalier“ zurück in der deutschen Hauptstadt
Es ist schon viel zu lange her: Nun endlich gastiert Franz Welser-Möst wieder einmal in Berlin. In Österreich, am Pult der Wiener Philharmoniker – ob bei den Salzburger Festspielen oder in der Wiener Staatsoper – wird der Dirigent aus Linz geradezu abgöttisch verehrt. In den USA gilt er gar als Institution, denn er amtiert seit über einem Vierteljahrhundert als Music Director des Cleveland Orchestra. Nur bei den zahlreichen Orchestern und Opernhäusern in Berlin wusste der 65-jährige Welser-Möst nie so recht Fuß zu fassen.
opernmagazin.de

Franz Welser-Möst und die Philharmoniker: Solistenträume und anderes Altbewährtes (Bezahlartikel)
Mit einer kuriosen Wiener Mischung und perfekter Führung gab Franz Welser-Möst sein Gastspiel in Berlin.
Tagesspiegel.de

Franz Welser-Möst zeigt einen Schubert mit Übersicht und guten Manieren (Bezahlartikel)
Berlin. Nach 15 Jahren dirigiert der Österreicher erneut die Philharmoniker. Die kleine Panne kurz vor Konzertbeginn fängt er spielend auf.
BerlinerMorgenpost.de

Gera
Sternstunde mit Problem-Oper: Kein schlechtes Gewissen angebracht wegen „Arabella“ in Gera!
„Arabella“ ist schwierig. Der Orchesterpart stellt in der kleinmaschigen Verquickung von Polyphonie, slawischen Idiomen und atonalen Verdickungen gewaltige Anforderungen. Richard Strauss’ Opus 79 erlebte am 1. Juli 1933 – wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme – in der Strauss-Hochburg Dresden seine höchst repräsentable Uraufführung. Die Melange aus Spätest-Biedermeier und vorbewusster Anpassung an den antihumanen Zeitgeist verursacht konzeptionelle Kopfschmerzen wegen des heute unmöglichen Geschlechterkonstrukts
NeueMusikzeitung/nmz.de

Dortmund
Faszination Frührenaissance: das Sollazzo Ensemble mit dem Leuven Chansonnier bei Klangvokal
2014 wurde mit dem nach seinem heutigen Aufbewahrungsort der Zweigstelle der niederländischen Alamire-Stiftung im belgischen Flandern Leuven Chansonnier getauften Büchlein auf einer Brüsseler Auktion eine Musiksammlung entdeckt, die es erforderte, auf wissenschaftliche Schnitzeljagd zu gehen. Denn so unbekannt es überhaupt war, allen voran mit zwölf darin einmaligen Handschriften (Unica), enthalten die um 1470-75 im Loire-Tal zusammengetragenen Notierungen von fünfzig Liedern, ein geistliches als erster Eintrag und neunundvierzig weltliche, keinerlei Namen der Komponisten
bachtrack.com/de

Bad Kissingen
Kissinger Sommer 2026: Fokus auf jüdischer Kultur zum Jubiläum
40 Jahre Kissinger Sommer: Ein Grund zum Feiern für das internationale Festival – und zwar unter dem Motto „Mazel Tov“, Hebräisch und Jiddisch für „Viel Glück“. Auf dem Programm stehen Klezmer, Chansons und Werke von jüdischen Komponisten. Intendant Alexander Steinbeis über die Idee und die Gestaltung.
BR-Klassik.de

Leipzig
Einheit und Vielfalt: András Schiff spielt Bach-Partiten im Leipziger Gewandhau
Das zweite Konzert des Bachfestes in Leipzig am 11. Juni 2026 im Gewandhaus mit dem Pianisten Sir András Schiff bestand aus einem Programm mit den sechs Partiten von Johann Sebastian Bach, BWV 825–830.
opernmagazin.de

Igor Levit gründet Label „No Silence“: Anspruch und Haltung
Der Pianist Igor Levit baut sich mit „No Silence“ ein eigenes künstlerisches Zuhause – ein Label, das mehr sein soll als nur eine neue Veröffentlichungsplattform. Im Interview mit BR Klassik erzählt er, warum er diesen Schritt geht und welche Künstlerinnen und Künstler er ansprechen möchte. Im Oktober erscheinen die ersten Alben.
BR-Klassik.de

Auf den Punkt 98: Oper lebt nicht nur von guten Stimmen
Andreas Schmidt ist der Herausgeber von klassik-begeistert. Demnächst feiert klassik-begeistert Geburtstag. Lieber Andreas, Dein Blog, der Jubilar, – ach was: Dein Baby, Dein Lebenswerk  – wird 10 Jahre alt und ist die Nr.  1 der Klassik-Blogs der DACH-Region  (Google-Ranking). Das habe ich mit 5 Artikeln gefeiert, die hier ab Mittwoch, 17. Juni 2026, zum Jubiläum erscheinen werden.
Von Jörn Schmidt
Klassik-begeistert.de

Buchbesprechung
Christoph Buck, Die große Hoffnung – Eine Traumfuge
Die Geschichte selbst geht zu Herzen; sie ist wegen ihres psychologischen Tiefgangs für die älteren Leser ebenso geeignet, wie aufgrund ihrer klaren Verständlichkeit auch für die jungen. So etwas findet man selten.Vindobona-Verlag, Neckenmarkt 2026, 139 S., € 24,90. ISBN: 978-3-903579-96-5. Märchen kommen niemals aus der Mode, zum Glück. Und wenn man neue schreibt, dann muss man gut erzählen können, spannend und gehaltvoll; man kann mit alten Bekannten und Archetypen spielen, gescheite Querverweise und Zitate einbauen, und man sollte vor allem eine Botschaft vermitteln, die zeitlos und fernab von Klischees aus der reinen Erzählung destilliert wird. Das kann und tut Christoph Buck mit seinem Buch „Die große Hoffnung“, das den Untertitel „Eine Traumfuge“ trägt.
Von Dr. Andreas Ströbl
Klassik-begeistert.de

Venedig
Dirigentin Venezi ficht Entlassung durch Oper in Venedig an
Die italienische Dirigentin Beatrice Venezi hat ihre Entlassung durch das Opernhaus „Teatro La Fenice“ in Venedig rechtlich angefochten. In einem Anwaltsschreiben wird die Kündigung als „nichtig, rechtswidrig, unwirksam und diskriminierend“ bezeichnet. Die 36-Jährige sollte eigentlich ab Oktober 2026 die musikalische Leitung der Oper übernehmen. Seit ihrer Ernennung gab es jedoch Kritik. Gegner bemängelten, ihre Unerfahrenheit und Nähe zu Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Ausschlaggebend für die Beendigung der Zusammenarbeit im April waren laut Stiftung des Opernhauses „wiederholte und schwerwiegende öffentliche Äußerungen“ von Venezi. So hatte sie in einem Zeitungsinterview unter anderem das Orchester der Vetternwirtschaft bezichtigt.                      deutschlandfunkkultur.de

Tonträger
Sébastien Daucé dirigiert Cavallis „La Calisto“
Als in der Spielzeit 2004/2005 die Oper „La Calisto“ des Monteverdi-Schülers Francesco Cavalli ihre Münchener Premiere feierte, wurde das ein rauschender Erfolg. Jetzt ist eine neue Aufnahme dieses Dramma per musica aus der Mitte des 17. Jahrhunderts erschienen, ein Live-Mitschnitt vom renommierten Festival d’Aix-en-Provence.
BR-Klassik.de

Links zu englischsprachigen  Artikeln

Wien
A star portrait, not quite a Liederabend: Orliński and Biel at the Konzerthaus
bachtrack.com/de

Lübeck
Theater Lübeck 2026 Review: Les Contes d’Hoffmann
operawire.com

Mailand
Review: Jakub Józef Orliński’s debut recital brings La Scala to its feet
gramilano.com

Madrid
A great triumph by Nadine Sierra as Juliette at the Teatro Real
seenandheard-international.com

Paris
Les Talens Lyriques Unveils 2026-27 Season
operawire.com

London
Pappano and the London Symphony Orchestra’s Mahler 5: less than the sum of its parts
bachtrack.com/de

New York
Bruckner Eighth builds cumulative power, cohesion with Yannick, Met Orchestra
newyorkclassicalreview.com

YNS, Met Orchestra and Bruckner challenge and reward at Carnegie Hall
bachtrack.com/de

The Philharmonic and the Met Engage in a Battle of the Bands (Subcription required)
Bruckner’s Eighth Symphony was performed in the same week by two of Lincoln Center’s orchestras. Was it coincidence or bad communication?
TheNewYorkTimes.com

Chicago
Guerrero, GPO open summer music season with varied American program
chicagoclassicalreview.com

San Francisco
San Francisco Opera 2026 Review: Elektra
Eun Sun Kim & Stellar Cast Delivers Thrilling Performance of Strauss & Hofmannsthal’s Opera
operawire.com

Recordings
Katia and Marielle Labèque: 55 album review – a handsome tribute to the sisters’ musical curiosity and brilliance
TheGuardian.com

Obituary
Mezzo-soprano Ute Walther Dies at 83
operawire.com

Ballett / Tanz

Amsterdam
Ballettpremiere Amsterdam: Menschlichkeit in tiefster Not     Tränen für die Ukraine: Das niederländische Nationalballett verabschiedet seinen langjährigen Ballettdirektor Ted Brandsen und bringt mit Alexei Ratmanskys „Solitude“ das  Premierenpublikum zum Weinen.
FrankfurterAllgemeine.net

London
So Are We: León and Lightfoot is a long overdue triumph at The Royal Ballet
bachtrack.com/de

Review: Debuts 3 – Leticia Dias and Joseph Sissens in The Royal Ballet’s La Fille mal gardée
gramilano.com

Sprechtheater

Wien
Wiener Festwochen: Durchritualisierte Todesekstase (Bezahlartikel)
Angélica Liddell kombiniert das Nô-Theater mit der westlichen Performancekunst, um in „Seppuku“ die Lust am Sterben darzustellen.
Kurier.at

Wien/Theater Scala
„Der Bockerer“ im Theater Scala: So wie wir (nicht) waren (Bezahlartikel)
Neu oder aktuell ist in dieser zweistündigen Inszenierung der Polit-Posse von Bruno Max wenig, will es wohl auch nicht sein
Kurier.at

Wien/Festwochen
Mit gelblich wohliger Butter nackt gegen die Widrigkeit der Welt
Die in Frankreich hoch gehandelte Regisseurin Rébecca Chaillon zeigt bei den Wiener Festwochen „La Parabole du Seum“. Turbulent und etwas ermüdend
DerStandard.at

Bregenz
Menschenskind, quo vadis?
Das aktionstheater ensemble feierte am Donnerstag in Bregenz Premiere des neuen Stücks „human (Ich bin Mensch)“ – und erntete dafür den begeisterten Applaus des Publikums im ausverkauften Theater Kosmos.
krone.at

Ausstellung/Kunst

Bregenzer Festspiele feiern 80-Jahr-Jubiläum
Großformatige Fotos in den Bregenzer Seeanlagen, eine Ausstellung im Festspielhaus, Hörstationen im vorarlberg museum: Die Bregenzer Festspiele laden ein, das Jubiläum mitzufeiern.
krone.at

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Unter’m Strich

Wien
Trotz Regen. 320.000 Menschen bei Wiener Pride-Parade
Das schlechte Wetter hat der Beteiligung an 30. Regenbogenparade offenbar keinen Abbruch getan: Trotz des Regens strömten am Samstag laut Veranstaltern 320.000 Menschen auf den Wiener Ring, um unter dem Motto „Sichtbar seit 1996“ gemeinsam für die Rechte der LGBTQIA+ Community in Österreich einzustehen. „Unsere Rechte stehen unter Druck, und genau deshalb ist Pride heute politischer als seit vielen Jahren“, sagte Organisatorin Katharina Kacerovsky-Strobl der APA.
oe24.at

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 14. JUNI 2026)

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 14. JUNI 2026)

Quelle: onlinemerker.com

Wiener Staatsoper: Heute wird der Bechtolf-Ring mit „Götterdämmerung“ zu Grabe getragen (oder hoffentlich bloß „eingemottet“). Erinnerung von Dr. Ulrike Messer-Krol an einige „Ring“-Vorstellungen und Kurzbericht über die letzte „Siegfried“-Vorstellung

Wiener Staatsoper 10. Jun 2026: SIEGFRIED. Der 32 . und LETZTE in dieser Inszenierung

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Programmzettel von drei „Siegfried-Vorstellungen. Foto: Erwin Messer

Vor rund 18 Jahre, zwischen Ostern – damals sehr früh – und Pfingsten, rund um den 1. Mai hob sich am Sonntag, 27. April 2008, sicher ganz pünktlich um 17h in der Wiener Staatsoper der Vorhang zu SIEGFRIED, 2. Tag des Bühnenfestspieles RING DES NIBELUNGEN. Eine Neuinszenierung von Sven-Eric Bechtolf, dirigiert von Franz Welser-Möst. Ein junger damals 46 Jahre alter Tenor, Stephen Gould trieb in Glittenberg’scher Szenerie und Glittenberg’scher Gewandung keinen Bären über die Bühne, sondern  erschreckte nur mit einem großen Schatten Herwig Pecoraro als Mime. Wer in weiser Vorausplanung für den 10. Juni 2026 in der Staatsoper – nach fast zwei Jahrzehnten – eine Karte für  die Abschiedsvorstellung erstanden hatte, konnte beruhigt feststellen: die Wände wackeln nicht, Mimes grell bunter Schlafrock  ist nicht stärker zerschlissen als früher, das Geschirr auf dem Herd glänzt noch immer wie neu, das erlegte Wild, ein Hase, ist schon ein bisschen länger tot, lag im Fundus gut vor den Motten geschützt.

Die Besetzung hat im Laufe der Jahre immer wieder gewechselt. Was im Fall des Titelhelden vieler weiteren  Vorstellungen vor drei Jahren zu großer Trauer in der gesamten Opernwelt geführt hat, als der in der Zwischenzeit  zum Österreichischen Kammersänger gekürte Heldentenor aus Roanoke in Virginia/USA ganz überraschend einer bösen Krankheit erlag. 22 Mal hat Stephen Gould auf dieser Bühne den Jung-Siegfried unter großem Applaus des nationalen und internationalen Publikums gestaltet, seine Schmiedelieder klingen allen, die ihn immer wieder mit großer Begeisterung gehört haben, noch  im Ohr.

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Siegfried in Wien 22 Aufführungen, Götterdämmerung 18! Stephen Gould und Nina Stemme © Christine Sommer

Die Stars, die mit ihm den Weg des Helden gingen, eroberten einen sicheren Platz im Wagner-Kosmos. Bei der ersten Aufführung waren es Nina Stemme, die das Licht der Sonne begrüßte, und der Finne Juha Uusitalo, der als Wanderer den Weg zu ihr erfolglos versperrte. Bei der Premiere von Walküre – noch als Wotan – verließ den Gott vor dem 3. Akt seine Stimmkraft. Direktor Joan Holender holte, so erzählt es die Mär, direkt von einem Wiener Würstelstand den deutschen Bariton Oskar Hillebrandt für die finale große Schlußszene ins Haus. Das Kostüm passte nicht, aber der Beginn des RING-Zyklus war gerettet. Der Opernchef hatte diesen nämlich, sich auf frühere Vorbilder berufend, mit dem 1. Tag des Bühnenfestspiels programmiert, das Vorspiel Rheingold stand dann einerseits am Schluß aber auch am Beginn eines neuen Zyklus. Das hatte den ökonomischen Vorteil, dass der beliebteste Teil der Tetralogie zum Start öfter programmiert werden konnte, ohne gleich den großen Apparat für einen gesamten Zyklus in Bewegung setzten zu müssen. Sein Nachfolger Dominique Meyer hielt nach seiner Verabschiedung einen Vortrag zum Thema „Richard Wagner an der Wiener Staatsoper“, eingeladen vom  Cercle Richard Wagner Rive droite in Nizza. Auf eine Bemerkung aus österreichischem Munde zur Publikumsakzeptanz  der Wiener Inszenierung antwortete er lakonisch, sie habe ihre Qualität und ließe sich ohne Probleme jährlich in den Jahresspielplan integrieren, ohne das Haus, wie es in anderen Städten notwendig ist, für ein halbes Jahr lahmzulegen. So konnte sich in Wien das Publikum fast jedes Jahr über einen, manchmal sogar zwei Ring-Zyklen freuen – oder ärgern. Das Rheingold brachte es auf 27 Aufführungen, Siegried auf 32, Götterdämmerung auf 31 und alle übertrifft Die Walküre mit 37 Abenden. Wird der Ring im Durchschnitt mit einer Länge von 16 Stunden gerechnet, so waren es 2032 Stunden Musik, die aus dem Graben der Wiener Staatsoper ertönten. An den großen US-amerikanischen Opernhäusern z.B. gibt es solche Vorstellungen nur alle „Wagner-heiligen“ Zeiten, 2013 zum 200. Geburtstag des Meisters zum Beispiel.

Höhepunkte, je nach Vorliebe des Publikums, waren unter vielen anderen das Dirigat von Christian Thielemann oder Peter Schneider, Franz Welser-Möst leitete einmal das Staatsopernorchester bei so hohen Temperaturen, dass die Musiker in weißen Hemden spielte und er auf die Frage nach seinem Befinden am Bühnenausgang antwortete, an solchen Abenden nehme er drei bis vier Kilo ab.

Der Reigen der Stars unter den Protagonisten auf der Bühne füllt viele Einträge in Wikipedia, nur einer wurde immer wieder schmerzlich vermisst, Bryn Terfel als Wotan. Einer anderen Mär aus der Direktion Meyer zufolge stellte er zu hohe Gagenansprüche, und als er endlich gleich für zwei Zyklen engagiert war, sagte er ab, es war für seine Stimme wohl zu spät.

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Schluss Applaus Siegfried 30. Mai 2026 © Ingrid Fiala

Der Wagnertenor aus Österreich, Andreas Schager, hat seine Siegfried-Karriere nicht in Wien gestartet, sondern in Mailand und Berlin. Dafür war er auserwählt, die beiden letzten Abende in dieser Inszenierung zu gestalten. Sein Siegfried am ersten Abend erhielt die besten Kritiken seit langem, der Applaus wollte nicht enden. Alle, die dabei waren, lobten begeistert und steigerten die Erwartungshaltung bei denen, die Karten für den „letzten“ Siegfried hatten. Aber leider, eine Höchstleistung ist nicht jeden Tag abrufbar, nach den Schmiedeliedern bangte das Publikum um den Fortgang des Abends, der aber mit Bravour durchgezogen wurde. Michael Volle und Camilla Nylund als Brünnhilde hielten das Niveau wie erhofft hoch. Wobei am Beginn des dritten Aktes der Wanderer überraschend auf die schon bei der Premiere, in der zweiten Vorstellung am Tag der Arbeit besonders irritierenden Erdarbeiten verzichtete. Er kletterte – etwas mühsam – aus der Grube, wobei er die Schaufel, mit der er Erda üblicher Weise den Weg aus der Tiefe freischaufeln musste, rasch beiseite legte. Auch nach 18 Jahren gab es Neues zu sehen.

Überraschend ähnlich klingt auch die Kritik nach der Wiener Erstaufführung, als hätte der Kritikerstar am Ende des 19. Jahrhunderts die Mühen des Startenors zu Beginn des 21. Jahrhunderts vorausgesehen: Anlässlich der Premiere des „Siegfried“ am 9. November 1878 schreibt Eduard Hanslick: „Von den Gesangspartien ist Siegfried die wichtigste, zugleich die anstrengendste Tenorpartie, die je geschrieben wurde. Herr Jäger führte sie in Gesang und Spiel sehr glücklich durch. Durch seine hohe schlanke Gestalt dafür wie geschaffen, versteht er überdies, frei und natürlich zu agieren. Seine Stimme hat wenig Reiz und ist bereits etwas angegriffen, wahrscheinlich infolge des vielen Siegfried-Singens. Desto rühmlicher wirkt Herr Jäger durch Energie des Vortrages und Deutlichkeit der Aussprache.“ Sehr zu hoffen, dass  es für den derzeit auf allen Wagnerbühnen erfolgreichen Sänger nur eine vorübergehende Schwäche war.

Wenn auch dem Mimen die Nachwelt keine Kränze flicht, die großen Namen der Opernwelt bleiben zumindest den Wissenden im Gedächtnis. Mit zunehmend moderneren Tonträgern kann es immer wieder neu aufgefrischt werden. Von den ersten Aufführungen gibt es Fotos und Zeitungsberichte. Am 9. November 1878 ertönte Richard Wagners Opus Magnum zum ersten Mal an der Wiener Hofoper mit  Amalie-Materna–Friedrich als Brünnhilde und Ferdinand Jäger als Siegfried wie  schon bei der Uraufführung zwei Jahre zuvor in Bayreuth. Es folgten in Wien 5 Neuinszenierungen, die bisher letzte erlebt am Sonntag, 14. Juni 2026  mit der Götterdämmerung  nicht nur den Dritten sondern auch den  letzten Tag  dieser Inszenierung. Zwei Direktoren hat sie überlebt. Der dritte,  Bogdan Roščić, plant mutig für das ungebrochene Interesse aller Wagner-Begeisterten und für seinen Platz in den Archiven eine  neue für 2028. Dann gilt es das 150 Jahr Jubiläum in Wien zu feiern, das  bereits diesen Sommer in Bayreuth ganz auf dem Stand neuester Technik mit einer KI Produktion stattfindet. Die Salzburger Osterfestspiele waren beim Gedenken an die Uraufführung der gesamten Tetralogie 1876 die  ersten und schickten mit den Berliner Philharmonikern unter der Stabführung von Kirill Petrenko ein neues Rheingold ins Rennen.

In der österreichischen Kultur-Hauptstadt war trotz Sommerwetter bei Hitze und Regen der Andrang des Publikums an allen Tagen enorm. Unter den Touristen einige, die ihren ersten erlebten, unter den „Einheimischen“ viele, die Abschied feiern wollten. Darunter nicht wenige, die mit großem Bangen die Neuinszenierung erwarten und gemeinsam mit den Nornen fragen: weißt du was daraus wird ?

Ulrike Messer-Krol

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OPER FRANKFURT: Fotos aus der Premiere Der Triumph von Zeit und Erkenntnis von Georg Friedrich Händel 


Monika Buczkowska-Ward (Bellezza) sowie im Hintergrund v.l.n.r. Michael Porter (Tempo), Katharina Magiera (Disinganno) und Younji Yi (Piacere) © Monika Rittershaus

Premiere 13.6.2026 / Frankfurter Erstaufführung im Bockenheimer Depot

Weitere Termine: 15./17./18./20./22./24. Juni 2026

Muss der Mensch seine Eitelkeiten überwinden, um Selbsterkenntnis zu erlangen? Und liegt der Schlüssel zum Glück tatsächlich in der Akzeptanz unserer eigenen Endlichkeit?
Mit brillanten Improvisationen auf der Orgel machte sich der 22-jährige Händel seit Januar 1707 in der Kulturszene Roms einen Namen und gewann gut betuchte Freunde. Einer von ihnen war Kardinal Benedetto Pamphilj. Dieser lieferte dem Komponisten nicht nur die Gelegenheit und finanziellen Mittel, sondern auch gleich den Text zu jenem musikalischen Streitgespräch zwischen der Schönheit, dem Vergnügen, der Erkenntnis und der Zeit. Die Schönheit muss sich entscheiden: Soll sie sich dem Vergnügen ganz verschreiben oder auf die Ermahnungen von Zeit und Erkenntnis hören und die Gedanken an ihre eigene Endlichkeit zulassen?

Musikalische Leitung: Simone Di Felice
Inszenierung: Katharina Kastening
Bühnenbild, Kostüme: Ashley Martin-Davis
Video: Tal Rosner
Licht: Jan Hartmann
Dramaturgie: Mareike Wink


Younji Yi (Piacere) © Monika Rittershaus

Bellezza: Monika Buczkowska-Ward
Piacere: Younji Yi
Disinganno: Katharina Magiera
Tempo: Michael Porter

Statisterie der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper


Michael Porter (Tempo) und Monika Buczkowska-Ward (Bellezza) © Monika Rittershaus


Michael Porter (Tempo) © Monika Rittershaus

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Münchner Opernfestspiele 2026 (18.6.–31.7.2026)

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Nach dem großen Jubiläum im Jahr 2025 – 150 Jahre zuvor wurde mit dem sogenannten „Festlichen Sommer“ der Grundstein für die heutigen Münchner Opernfestspiele gelegt – wird auch 2026 wieder die ganze Fülle von Musiktheater, Ballett und Konzert zu erleben sein. Der Bogen wird dabei weit gespannt: von Barock – mit Georg Friedrich Händels Alcina als Festspielpremiere im Prinzregententheater – über Opernklassiker aus dem 19. Jahrhundert bis hin zum zeitgenössischen Musiktheater. Mit Brett Deans Of One Blood  – ein Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper – kehrt die Uraufführungsproduktion der aktuellen Spielzeit erneut ins Nationaltheater zurück. Mit der Premiere von Richard Wagners Die Walküre  setzen Tobias Kratzer und Vladimir Jurowski nach der umjubelten Rheingold-Inszenierung ihre Zusammenarbeit am neuen Münchner Ring des Nibelungen fort. Die Ballettpremiere Konstellationen  präsentiert klassische und zeitgenössische Ballette, und in unseren Liederabenden und Kammerkonzerten bietet sich die Möglichkeit, Musik im intimeren Rahmen zu erleben.

Die WALKÜRE

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Erster Tag des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen (1870)  |  Premiere am 25. Juni 2026
Komponist Richard Wagner. Dichtung von Richard Wagner.

ALCINA

Dramma per musica in drei Akten (1735)  |  Premiere am 13. Juli 2026
Komponist Georg Friedrich Händel. Libretto von einem unbekannten Bearbeiter nach dem Libretto von Antonio Fanzaglia zu der Oper L’isola di Alcina von Riccardo Broschi, basierend auf dem 6. und 7. Gesang aus dem Epos Orlando Furioso von Ludovico Ariosto.

Zur VORSTELLUNG

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Deutsche Oper am Rhein: Premiere von Astor Piazzollas María de Buenos Aires im Theater Duisburg am Samstag, 4. Juli, um 19.30 Uhr

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 Astor Piazzollas Tango Operita „María de Buenos Aires“ in der Regie von Johannes Erath mit Andreas Andrés Sautel (Tango Argentino), Morenike Fadayomi (Der Schatten Marías), Maria Kataeva (María) und dem Chor der Deutschen Oper am Rhein (© Andreas Etter).

Sein einziges Werk für die Opernbühne bezeichnete Astor Piazzolla als Tango Operita – eine kleine Tango-Oper – und schuf mit „María de Buenos Aires“ einen vielschichtigen Genrespringer zwischen Orchester-, Gitarren- und Bandonéonklang, Gesang und Sprechgesang und natürlich dem Tangotanz. Regisseur Johannes Erath fügt die surrealen Tableaus über Lieben und Leiden zu einem atmosphärischen Bilderreigen zusammen und bringt sie mit einem herausragenden Ensemble aus Solist*innen der Deutschen Oper am Rhein, einem argentinischen Gast­sänger als Erzähler und Tangotänzer*innen aus Argentinien, dem Opernchor, den Duisburger Philharmoniker sowie einem Gitarristen und einer Bandonéonspielerin unter der musikalischen Leitung von Mariano Chiacchiarini auf die Bühne. Am Samstag, 4. Juli, um 19.30 Uhr ist Premiere im Theater Duisburg.

Der Begründer des Tango Nuevo, Astor Piazzolla, schuf mit seiner abgründigen Passionsgeschichte der María eine Hommage an den Tango, der in den heruntergekommenen Hafenvierteln von Buenos Aires entstanden war. Ihr Glück in der Großstadt Buenos Aires suchend, wird María – ihr Leben rückwärts abschreitend vom Vergessen zur Geburt – sterbend zur mythischen Gestalt. Jazz, Toccata und Fuge sind weitere Ingredienzen in Piazzollas Klangerzählung zwischen Lebensfreude und Melancholie. Regisseur Johannes Erath inszeniert dieses intensive und äußerst atmosphärische Bühnenwerk mit einem herausragenden Ensemble: In der selbst für eine Mezzosopranistin ungewöhnlich tief angelegten Titelpartie entfaltet Maria Kataeva ganz neue Facetten ihrer Stimme, an ihrer Seite zeigt sich Bariton Jorge Espino in verschiedenen Rollen und großer sängerischer Varianz, Morenike Fadayomi bringt mit ihrem warmen Sopran den Schatten Marías zum Leuchten. Mit Alejandro Guyot als El Duende, Carmela Delgado am Bandonéon, Ilija Tošić an der Gitarre sowie Mariano Agustín Messad, Andrés Sautel und Agostina Tarchini, der Weltmeisterin des Bühnentangos 2017, die auch den umfangreichen choreographischen Part des Stücks entwickelt hat, stehen zudem herausragende Vertreterinnen und Vertreter der zeitgenössischen Tangoszene auf der Bühne. Nach überaus erfolgreichen Vorstellungen in Düsseldorf hat der italienisch-argentinische Dirigent Mariano Chiacchiarini auch in Duisburg die musikalische Leitung inne.

Noch mehr Infos  finden Sie hier .
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Ein Liederzyklus ist eigentlich ein ganzes Komponistenleben: Ein Gespräch mit der Schweizer Sopranistin Rebekka Susanne Bräm über ihr CD-Debut bei ARS-Produktion

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© Rebekka Susanne Bräm

Drei Komponisten, drei Liederzyklen, ein Album: Die Schweizer Sopranistin Rebekka Susanne Bräm hat bei ARS Produktion ihre erste Solo-CD aufgenommen. Das Programm – Wagners Wesendonck-Lieder, Dvořáks Zigeunermelodien und die Vier Lieder op. 27 von Richard Strauss – hat sie selbst konzipiert. Beim Einstudieren der drei Zyklen entdeckte sie musikhistorische Verbindungslinien, die weit über ein zufälliges Nebeneinander hinausgehen: Von Wagners Zürcher Zeit über den Einfluss auf Smetana und Dvořák bis zu Strauss’ Bayreuth-Bezug. Das Album eröffnet mit einem Gedicht, das Bräm selbst geschrieben hat: Vulnerable & Strong – über Musik als Sprache, wo Worte versagten. Im Gespräch erzählte die Künstlerin, welche unbeirrte Arbeit hinter diesem Programm steht, warum ein Liederzyklus mehr fordert als ein gemischtes Recital und was sie bei der Einstudierung über die drei Komponisten überrascht hat.

Frau Bräm, Ihr Album heisst vulnerable & strong und eröffnet mit einem Gedicht, das Sie selbst geschrieben haben. „In der Kindheit viel verschwiegen. In der Musik fand Sprache Freiheit.“ Was erzählt dieses Album?

Es erzählt davon, dass Musik mehr ist als ein schöner Klang. Für mich war Gesang von klein auf die Sprache, in der ich mich wirklich ausdrücken konnte – wo Emotionen Platz hatten, die sonst keinen Raum fanden. „Ich singe, also bin ich“ – das ist nicht pathetisch gemeint, das ist wörtlich so. Ich habe mich jeden Abend in den Schlaf gesungen als Kind. Musik war mir immer alles. Diese drei Liederzyklen erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Freiheit und Gefangenschaft, von Schmerz und Erlösung. Jeder auf seine eigene Art, aber alle mit einer Intensität, die man nur erreicht, wenn man sich als Interpretin ganz hineinfallen lässt.

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© Rebekka Susanne Bräm

Wie ist dieses Programm entstanden – Wagner, Dvořák und Strauss auf einer CD?

Das hat sich eigentlich ganz natürlich ergeben. Nach meinem konzertanten Debüt mit der Elsa 2017 war ich neugierig auf Wagners Wesendonck-Lieder – ich wollte auf diesem Wagner-Weg bleiben. Meine damalige Pianistin hat mir dann die Zigeunermelodien von Dvořák vorgeschlagen, passend für meine Stimme. Ich war sofort begeistert, als ich die Lieder durchging – ich habe einfach eine besondere Vorliebe für östliche und nationaltraditionelle Musik. Aber dann dachte ich: Es braucht noch etwas Drittes. Einen Schmelztiegel, der Wagner und Dvořák thematisch schön verbindet. Und da kamen die Strauss-Lieder. Das hat sich sofort gefügt. Ich wusste: Das ist ein stimmiges Programm.

Es war Ihnen wichtig, drei vollständige Zyklen aufzunehmen – nicht einzelne Lieder bunt gemischt. Warum?

Weil ein Liederzyklus einfach eine ganz andere Qualität hat. Christa Ludwig hat es wunderbar formuliert: Ein Lied ist eine Oper in drei Minuten. Und ein Liederzyklus? Das ist eigentlich ein ganzes Komponistenleben. Da zieht sich über mehrere Lieder eine Geschichte durch, wie Kapitel in einem Buch. Man kann nicht einfach jedes Lied für sich singen – man muss den Zusammenhang schaffen, verstehen, was die Quelle ist, was der Komponist durchlebt hat. Es können viele Sänger hinstehen und ein paar Arien und Lieder hintereinander geben. Aber einen Liederzyklus wirklich gut interpretieren – das kann nicht jeder. Das braucht gesangstechnische Basis, das braucht Professionalität, das braucht Tiefe.

Was haben Sie bei der Arbeit an diesen drei Zyklen über die Zusammenhänge zwischen den Komponisten entdeckt?

Wahnsinnig viel, was ich vorher gar nicht wusste! Das hat mich richtig gepackt. Der zentrale Faden ist: Wagner kam 1849 als Flüchtling nach Zürich und erlebte dort seine künstlerisch wertvollste Zeit – hier entstanden grosse Teile des Ring, die Wesendonck-Lieder, Tristan und Isolde. Smetana galt in Prag als „Wagnerianer“, weil er Wagners revolutionäres Denken in eine neue tschechische Nationalmusik übersetzte. Dvořák spielte unter Smetana im Orchester und war fasziniert – ohne das Wagner-Erlebnis wäre sein Orchester nicht so klangfarbenreich geworden, wie es in der Literatur heisst. Und dann Strauss: Der schrieb die Vier Lieder op. 27 für seine Frau Pauline, nachdem sie als Elisabeth in Bayreuth debütiert hatte – also direkt im Wagner-Kontext. Da spannt sich ein Bogen über den ganzen Kontinent, über Generationen hinweg. Das ist keine willkürliche Zusammenstellung, da verlaufen echte Fäden.

Die Wesendonck-Lieder waren ursprünglich gar nicht im Programm. Wie kamen sie dazu?

Je tiefer ich mich in die Zusammenhänge zwischen den Komponisten einarbeitete, desto klarer wurde mir: Die Wesendonck-Lieder sind nicht nur eine inhaltliche Ergänzung – sie sind der Schlüssel. Plötzlich hatte das Programm eine innere Logik, die vorher noch nicht vollständig da war. Wagners Zürcher Zeit, der Einfluss auf Smetana und Dvořák, der Weg zu Strauss – alles fiel zusammen.

Was fasziniert Sie an den Wesendonck-Liedern so sehr?

Man findet sich in der Arbeit daran immer wieder neu – Wagners Kompositionen sind einfach unersättlich. Der Engel, das erste Lied, ist eines der intimsten Stücke, die ich in der Liedliteratur je kennengelernt habe. Wagner und Mathilde Wesendonck geben da Einblick in ihre tiefste Seele, das ist eine urstarke Offenbarung. Und dann Stehe still! – diese Reflexion darüber, wie ausgeliefert wir dem Lauf des Lebens und unseren eigenen Gefühlen so oft sind. Man möchte den Moment packen, anhalten – und ist machtlos dagegen. Im Treibhaus dehnt die Klanglinie so weit auseinander, dass man den Schmerz der Sehnsucht förmlich spürt. Da steckt so viel drin. Das sind keine Stücke, die man einfach schön vorsingt. Man muss durch diese Stoffe hindurchgehen.

Die Zigeunermelodien von Dvořák hört man im Konzertleben erstaunlich selten. Was reizt Sie daran?

Da kommt vieles zusammen. Ich habe schon in der Jugend wahnsinnig viel getanzt – Ballett, Modern Dance, Flamenco. Mein Bruder war ein Jahr in Ungarn und hat mir eine Platte mit ungarischen Volksliedern geschenkt, richtig so Bauernlieder. Im Gymnasium habe ich eine Arbeit über Fahrende und Freidenker geschrieben und dabei die Verbindungen kennengelernt zwischen Flamenco in Spanien und der Zigeunermusik in Ungarn. Es hat sich wie eine Landkarte über Europa gespannt. Das ist keine isolierte Nationalmusik – da verlaufen Kontexte über Ländergrenzen hinweg.

Was mich an den Zigeunermelodien besonders berührt: Im Vergleich zu den Wesendonck-Liedern, wo es um erotische Liebe auf einer fast metaphysischen Ebene geht, tritt die Liebe hier in etwas ganz anderes ein – sanfter, ruhiger, eingebettet in eine ländlich weite Idylle. Und dann diese gewaltigen Kontraste: Freiheit und Gefangenschaft, Frieden und Unterdrückung. Das siebte Lied, Darf des Falken Schwinge, endet mit einem Ruf im Fortissimo – wie ein Falke, der von seinem Felsen die Freiheit verteidigt. Das geht unter die Haut. Und das ist eine Botschaft, die über jede Zeit hinaus gilt.

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© Rebekka Susanne Bräm

Und Strauss – warum gerade die Vier Lieder op. 27?

Strauss, das ist für mich Weite, Grosszügigkeit und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. Man muss die Alpensinfonie im Ohr haben oder Also sprach Zarathustra – das ist das Temperament von Richard Strauss, und ich liebe es, seine Lieder zu interpretieren, die im gleichen Pathos geschrieben sind. Morgen! – da schaut man wie von einer Klippe auf das weite Meer hinaus, in die Unendlichkeit. Die Ruhe in dieser Komposition hat eine Grösse, die weit in sphärische Stimmung hineinreicht. In allen vier Liedern spielt die Sonne oder die Kraft der Natur eine entscheidende Rolle. Mir war wichtig, dass auch beim Strauss eine Einheit entsteht – kein buntes Potpourri, sondern ein geschlossener Zyklus. Die Strauss-Lieder bieten mit ihrer Mischung aus realitätsnaher Einfachheit und kompositorischer Grösse eine wunderbare Brücke zwischen der intellektuellen Tiefe Wagners und der volksnahen Wärme Dvořáks. Das verbindet alles.

Was schätzen Sie an Ihrer Pianistin Ievgeniia Iermachkova?

Bei Ievgeniia habe ich beim Hineinhören in ihre Interpretationen sofort diesen Dialog gespürt – zwischen ihr und dem Instrument, dem Klavier. Das hat mich total angesprochen. Ihre Interpretationen wirken sehr authentisch und persönlich, sie wird eins mit dem Klavier. Das ist genau das, was diese Liederzyklen brauchen: Man muss sich ganz hineinfallen lassen und sich dem Charakter der Musik hingeben. Dafür ist sie eine ideale Partnerin.

Was mir grundsätzlich wichtig ist: Gesangsstimme und Begleitung müssen eine Einheit sein – sich manchmal in der Aktivität abwechseln, dann ergänzen, unterstützen, in stetigem Dialog miteinander. Alle drei Zyklen sind von starken Stimmungen und Kontrasten geprägt und doch sehr verschiedenartig. Sie verlangen eine Interpretation, die von Verletzlichkeit bis Stärke diverse seelische Farben herausarbeitet, möglichst nah am Text, an der Intention des Komponisten – und trotzdem mit grosser Authentizität.

Was kann diese Musik den Menschen heute sagen?

Ich finde, unsere Zeit geht ganz vieles viel zu oberflächlich an. Aber klassische Musik und diese Lieder sind so viel mehr als ein netter Event am Abend, damit es den Leuten nicht langweilig ist – sondern da steckt wirklich ganz viel über das Leben drin, über unsere Existenz, über Ängste, Sorgen, Freuden. Alles.

Wagner, Dvořák und Strauss – alle drei erzählen von der Natur als Spiegel unserer Seele. Wagner am Vierwaldstättersee, Dvořák an der Moldau, Strauss in den Alpen. Man muss sich klarmachen: Die Wahnsinnseindrücke in Wagners Musik sind durch seine Naturerfahrung am Vierwaldstättersee entstanden. Wenn man dort ein Gewitter erlebt hat, an den Bergen, dann versteht man diese Musik anders. Diese Naturbilder sind nicht dekorativ, sie sind existenziell. Und unsere durchgeplante Agenda-Gesellschaft meidet genau das – dieses Unheimliche, diese Vergänglichkeit, diese Verletzlichkeit. Dabei ist das die Basis für Empathie.

Was ist hier die Rolle des Künstlers?

Die Rolle des Künstlers ist es, die Gesellschaft ein bisschen anzustupsen, über solche Sachen nachzudenken. Wenn der Künstler abgewertet wird und nur noch zu einem gleichgültigen Teil der Gesellschaft gemacht wird, dann verliert nicht nur die Kunst an Wert, sondern auch die Gesellschaft selbst.

Was bedeutet es für Sie, eine Solo-CD aufzunehmen?

Gerade bei einem Solo-Projekt kommt es darauf an, die Hintergründe zu erforschen und zu wissen, was man da singt. Man muss sich in den Komponisten und den Librettisten hineinversetzen – auch wenn man überträgt, was das für unsere Zeit bedeutet, muss man im Ursprung zuerst verstehen. Eine Solo-CD mit drei vollständigen Liederzyklen – das ist ein Statement. Es sagt: Ich bin nicht nur eine Stimme, ich bin eine Interpretin, die sich mit dem Werk auseinandersetzt. Dieses Wissen fliesst in die Interpretation ein.

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© Rebekka Susanne Bräm

Über die Künstlerin

Rebekka Susanne Bräm ist eine freischaffende Schweizer Sopranistin. Sie wuchs in Zürich-Witikon auf und studierte Gesang, Gesangspädagogik und Schulmusik an der Hochschule für Musik Karlsruhe bei KS Christa Lehnert und Stephan Kohlenberg. 2013/14 ergänzte sie ihre Ausbildung mit einem Certificate of Advanced Studies an der Zürcher Hochschule der Künste. Von 2001 bis 2020 wirkte sie am Opernhaus Zürich in rund vierundzwanzig Produktionen unter Dirigenten wie Fabio Luisi, Nikolaus Harnoncourt, Bernard Haitink und Franz Welser-Möst mit. 2017 debütierte sie konzertant als Elsa (Wagner, Lohengrin) und konzentriert sich seither auf das schwere Fach mit Wagner-Repertoire. 2017 besuchte sie den Meisterkurs für Liedinterpretation bei KS Christa Ludwig, 2019 nahm sie am Internationalen Stignani-Wettbewerb Imola für dramatische Solistenstimmen teil. Im Frühjahr 2025 erschien ihr Buch Das Theater mit dem Regietheater – die Oper braucht ihre Würde zurück! Das Album vulnerable & strong bei ARS Produktion ist ihre erste Solo-CD.

www.rebekkasusannebraem.com

Das Interview führte Stefan Pieper 

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