10 Fragen an Nadine Lehner: "Mit meinem Sohn höre ich Kinderlieder und tanze mit ihm dazu, das macht Laune!"

„Ich denke bewusster darüber nach, was ich gerade wirklich brauche und bemerke, dass es nicht so schwer ist, sich auch mal einzuschränken. Die Rückbesinnung auf die Familie und die intensive Zeit mit meinem Kind genieße ich sehr.“

Nadine Lehner, geboren in Bayern, absolvierte ihre Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin bei Norma Sharp. 2002 debütierte sie an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin als Papagena in Mozarts „Zauberflöte“ und sang dort weitere Rollen während ihres Studiums unter namhaften Dirigenten. Gastverträge führten sie später unter anderem an die Deutsche Oper Berlin, ans Theater Bonn, zu den Salzburger Festspielen sowie nach Kanada, China und Singapur, wo sie auch mit Peter Ruzicka, Ivor Bolton oder Kent Nagano arbeitete. Zuletzt sang sie an der Nationaloper Athen  unter Vassili Christopoulos Marie im „Wozzeck“.  Seit 2004 gehört Nadine Lehner zum Ensemble des Theaters Bremen und sang dort große Partien ihres Fachs wie Agathe in „Der Freischütz“, Katerina in „Lady Macbeth von Mzensk“, Leonore in „Fidelio“ und Kundry in „Parsifal“, für deren Interpretation sie für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2017 nominiert war. Für ihre herausragenden Leistungen wurde ihr in Bremen  der Kurt-Hübner-Preis und der Silberne Roland verliehen. Nadine Lehner wurde kurz vor Beginn der Proben für „Jenufa“ am Bremer Theater aus ihrem beruflichen Alltag gerissen und betätigt sich jetzt als „Vollzeit-Mutter“ in Bremen.

Fotos: Esther Haase /  Thomas Ratzek (c)

von Dr. Petra Spelzhaus

klassik-begeistert.de: Was haben Sie vor einem Jahr getan und wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Vor einem Jahr habe ich in Bochum konzertant Kundry mit den Bochumer Symphonikern gesungen. Parallel dazu liefen in Bremen die Proben zu  „Die tote Stadt“ von Korngold, Regie führte Armin Petras,  die Premiere war Mitte April. Meine letzte Vorstellung im  Musiktheater Bremen hatte ich vor vier Wochen als Marschallin in Strauss‘ Rosenkavalier, wie sich herausstellte die letzte Aufführung des Theaters vor Corona… Zu Beginn des Jahres sang ich noch an der Nationaloper Athen die  Marie in Wozzeck. Die letzte Aufführung war Anfang Februar 2020.

Aktuell wären in Bremen gerade die Proben für Jenufa von Janàček gestartet. Stattdessen verbringe ich den Tag überwiegend zu zweit mit meinem Sohn. Zum Glück konnten wir seinen fünften Geburtstag vor der Kontaktsperre noch ausgiebig mit seinen Freunden feiern. Jetzt darf er gelegentlich eine Freundin sehen und vermisst den Kindergarten und seine weiteren Freunde. Mein Mann ist mit seiner Arbeit als Leiter einer Rehaeinrichtung für Suchtkranke voll im Einsatz. „10 Fragen an Nadine Lehner
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10 Fragen an den Kirchenmusiker und Dirigenten Thomas Dahl: "Ich wünsche mir eine Wertschätzung so vieler Dinge, die für uns selbstverständlich geworden sind"

Thomas Dahl, geboren in Tönning (Nordfriesland / Schleswig-Holstein), Studium in Hamburg, Stuttgart, Paris und Chicago. Seit 1996 Kantor und Organist an der Hauptkirche St. Petri zu Hamburg und Dirigent des Hamburger Bachchores. Konzerttätigkeit in den meisten europäischen Ländern, den USA und Japan. Im Juni 2019 führte Thomas Dahl mit dem Symphonischen Chor Hamburg auf Gozo (Malta) „Die erste Walpurgisnacht“ von Felix Mendelssohn Bartoldy und „Carmina Burana“ von Carl Orff auf.

sankt-petri.de/kirchenmusik-und-kultur
hamburger-bachchor.de

klassik-begeistert.de: Moin, moin, lieber Thomas, nach Hamburg. Wie geht es Dir und Deiner Familie?

Thomas Dahl: Herzlichen Dank der Nachfrage. Alle sind wohlauf.

Nenne bitte drei Schlagworte, wenn Du das Wort Corona hörst.

Was trägt, was hilft, was verbindet?

Welches sind die einschneidendsten Veränderungen seit Ausbruch der Corona-Pandemie?

Die große Herausforderung an uns Musiker in der Kirche ist es, unsere Gemeinden und Zuhörer auf digitalem Wege anzusprechen. In angemessener Frequenz, in einem Format, das gut tut, in hoher Qualität. Und zwar jetzt. „10 Fragen an den Kirchenmusiker und Dirigenten Thomas Dahl
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10 Fragen an die Sopranistin Sara Jakubiak: „Ich hoffe, das Corona-Virus wird ein großer Weckruf für uns alle sein“

„Oper zu singen ist wie ein Sport. Man muss mit Gesangsübungen und Rollen trainieren. Es hilft dabei, wenn man auch ins Fitnessstudio geht!“

Sara Jakubiak ist polnischer und deutscher Abstammung und stammt ursprünglich aus Bay City in Michigan, USA. Während ihrer Karriere als Softballspielerin, die sogar zwei Staatsmeisterschaften in den USA gewann, war noch nicht absehbar, dass sie einmal als Opernsängerin die Bühnen dieser Welt erobern würde. Nach ihrem Gesangsstudium an der Yale University und am Cleveland Institute of Music erhielt sie bereits 2007 den von der Santa Fe Opera verliehenen „Judith Raskin Memorial Award“. Für die ganz große Karriere wagte Sara Jakubiak dann den Schritt über den großen Teich, um dort behutsam und schrittweise an ihrer musikalischen Entwicklung zu feilen.

Nach ihren großen Erfolgen an der Oper Frankfurt zwischen 2014 und 2018 (u.a. als Tatiana in „Eugen Onegin“, Freia in „Das Rheingold“) zählt Sara Jakubiak mittlerweile zur Riege der gefragtesten Sopranstimmen in Europa. Einen glanzvollen Triumph feierte die Amerikanerin im Frühjahr 2018 an der Deutschen Oper Berlin in Christoph Loys Inszenierung von „Das Wunder der Heliane“ von Erich Wolfgang Korngold.  “Frau Jakubiak verfügt über einen herrlich expansionsfähigen, glanzvoll jugendlich dramatischen Sopran, eine luxuriöse, wandelbare, mit unendlichen Farben gesegnete Stimme, wie sie nur alle zwanzig Jahre einmal auftaucht” – so beschrieb der onlinemerker die Interpretation der Heliane durch Sara Jakubiak.

Auch als Eva in „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner an der Bayerischen Staatsoper in München unter Kirill Petrenko oder als Marietta/Erscheinung Maries an der Komischen Oper Berlin in einer Inszenierung von Robert Carsen wusste Sara Jakubiak die Kritiker zu überzeugen. Schon jetzt darf man sich auf ihre Doppel-Rolle als Venus und Elisabeth in „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ im Dezember 2020 und ihre Rückkehr als Heliane im Mai 2021, beides an der Deutschen Oper Berlin, freuen. Auch das amerikanische Publikum an der LA Opera in Los Angeles wird sich ab Oktober 2020 vom Können der Sara Jakubiak überzeugen können – dann wird sie an diesem Haus ebenfalls als Elisabeth im „Tannhäuser“ auf der Bühne stehen.

Mit ihrer farbenreichen, ungemein wandelbaren Stimme und ihrer ausdrucksstarken Bühnenpräsenz kann sich das Publikum in den kommenden Jahren noch auf viele musikalische Sternstunden mit der jungen Amerikanerin freuen.

Ingo Luther korrespondierte für klassik-begeistert.de mit Sara Jakubiak, die sich aktuell in New York City aufhält

Fotos: © Sara Jakubiak. All rights reserved.

Klassik-begeistert.de: Was haben Sie vor einem Jahr getan, und wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Sara Jakubiak:Das Leben ist voller Überraschungen und wir müssen diese annehmen. Mein aktuelles Leben ist für mich eine Überraschung und ein Traum. Jetzt ist das Leben mit Corona eine große Herausforderung für die Menschen auf der ganzen Welt. Hätte ich all das vor einem Jahr gewusst, würde ich heute vielleicht in einem anderen Job arbeiten, in dem ich meine Kreativität auf andere Art hätte nutzen können. Ich hätte mir auch gut einen Regierungsjob für mich vorstellen können; Amerika braucht heute mehr als je zuvor vernünftige Führungspersönlichkeiten.

Nennen Sie drei Schlagworte, wenn Sie das Wort Corona hören…

Dies ist ein sehr sensibles Thema, aber mal ehrlich: der Strand, Zitronen, Bier und California! – das sind meine Schlagworte, auch wenn ich an Corona erkrankt wäre, ich würde die gleiche Antwort geben. Mein Optimismus bleibt! „10 Fragen an die Sopranistin Sara Jakubiak
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10 Fragen an die Mezzosopranistin Lena Belkina: "Mein Lieblingskomponist ist Gustav Mahler – sein Lied 'Abschied' klingt gerade so aktuell, ich würde es jetzt noch bewusster singen"

Lena Belkina, russisch Elena Júriewna Belkina; * 27. November 1987 in Taschkent, Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik, ist eine ukrainisch-österreichische  Opern-, Konzert- und Liedsängerin (Mezzosopran). Lena Belkina wurde in Taschkent (Usbekistan) geboren und übersiedelte 1989 mit ihrer Familie in die Ukraine. Sie trat schon als Kind in ihrer Heimatstadt Dschankoj auf der Halbinsel Krim als Sängerin von Volksliedern auf. Mit 14 Jahren erhielt sie Gesangsunterricht und studierte dann von 2003 bis 2009 an der Tschaikowski-Musikakademie in Kiew. Nach Gewinn des ukrainischen internationalen Boris-Gmyria-Gesangswettbewerbs war sie von 2009 bis 2012 Ensemblemitglied der Oper Leipzig. Gleichzeitig studierte sie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig und erlangte 2012 den deutschen Studienabschluss mit Auszeichnung. Im Januar 2011 gab sie ihr Debüt am Palau de les Arts, Valencia, als Olga in Eugen Onegin. Als Rosina in Il barbiere di Siviglia an der Deutschen Oper am Rhein im Dezember 2011 machte sie erstmals als Rossini-Interpretin auf sich aufmerksam. 2012 stellte Lena Belkina in der Live-Verfilmung von Rossinis La Cenerentola durch Carlo Verdone die Hauptrolle dar. Die Vorführung und Fernsehübertragung dieses Films in mittlerweile über 150 Ländern machte sie international bekannt. Von 2012 bis 2014 war sie Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper und trat dort auch als Cherubino in Le nozze di Figaro, als Flora Bervoix in La traviata und als zweite Elfe in Rusalka auf. Ihr anschließendes internationales Wirken hatte zunächst Hauptpartien in Opern von Rossini als Schwerpunkt. Bekanntheit außerhalb des Belcantofachs erlangte sie vor allem als Carmen bei den Bregenzer Festspielen 2017 und 2018. Auch mit osteuropäischem Repertoire war sie immer wieder präsent und stellte im März 2019 am Theater an der Wien die Titelrolle in Tschaikowskys selten gespielter Oper Die Jungfrau von Orleans dar.

Interview: Andreas Schmidt
Foto: Copyright Katharina Harris und Lilia Namysnik

klassik-begeistert.de: Servus Lena, schön, dass es Dir gut geht. Was hast Du vor einem Jahr getan, und wie sieht Dein Alltag heute aus?

Lena Belkina: Vor einem Jahr war gerade das Ende der Produktion von „Die Jungfrau von Orleans“ im Theater an der Wien, wo ich die Titelrolle sang. Ich habe diese Produktion und ihren Erfolg sehr genossen und bin immer noch sehr dankbar dafür, dass ich die Rolle der Johanna in meiner Repertoireliste habe. Heute sieht mein Alltag ganz anderes aus und das nicht nur, weil sich nahezu die gesamte Welt wegen der Corona-Pandemie in Ausnahmezustand befindet. Mein Mann und ich erwarten in den nächsten Tagen die Geburt unserer Tochter, auf die wir uns schon sehr freuen. „10 Fragen an die Mezzosopranistin Lena Belkina
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10 Fragen an Izabella Effenberg: "In der Krise werden die schlechtesten Eigenschaften herausgekehrt"

Die polnische Musikerin Izabella Effenberg zählt zu den wenigen Jazz-Vibraphonistinnen in Europa und ist die erste in Polen. Nach einem klassischen Schlagzeugstudium in Posen und Danzig absolvierte sie ein Jazzstudium und schloss einen Masterstudiengang in Jazz Mallets an der Musikhochschule in Nürnberg ab. Izabella Effenberg hat ein Faible für seltene Instrumente. So kommen bei ihren Auftritten neben dem Vibraphon zum Beispiel eine Array Mbira, eine große chromatische Kalimba und eine Glasharfe zum Einsatz. Sie ist immer auf der Suche nach neuen Instrumenten und musikalischen Herausforderungen. Die achtfache polnische Karatemeisterin ist mit vielen namhaften Künstlern aufgetreten, unter anderem mit Tony Lakatos, Jan Lundgren, Magnus Öström, Lars Danielsson, um nur einige zu nennen. Sie begründete das Vibraphonissimo-Festival in Nürnberg. Die umtriebige Künstlerin verbringt nun ihre Zeit mit ihrem Ehemann und dem fast dreijährigen Sohn in der gemeinsamen Wohnung in Nürnberg.

Interview: Dr. Petra Spelzhaus
Fotos von Tomasz Kowalczuk (c) / wikipedia.de (c)

klassik-begeistert.de: Witam, pani Effenberg. Was haben Sie vor einem Jahr getan, und wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Izabella Effenberg: Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht mehr genau erinnern, was ich im März 2019 gemacht habe. Der Januar und Februar sind durch das Vibraphonissimo-Festival immer sehr intensiv. Im März war ich wahrscheinlich mit einer Festivalvorbereitung, Gigs ausmachen und Üben beschäftigt. Ich habe auch die Gluck-Festspiele für den Juli 2019 vorbereitet. Ende März müsste ich im Urlaub in unserem Häuschen in Spanien gewesen sein. Heute verbringe ich die Zeit mit meinem Mann, der ebenfalls Musiker ist, und unserem Sohn daheim in Nürnberg. Wir wohnen nahe einem Naturschutzgebiet und verbringen viel Zeit dort, Spaziergänge oder Joggen. Ich habe den Garten aufgeräumt. Neuerdings kommt viel Licht durch unsere Fenster, da ich sie das erste Mal seit sechs Jahren geputzt habe. Gerade nehme ich mit Mulo Francel und anderen Musikern eine CD auf. Erfreulicherweise haben wir eine Produktionsgenehmigung unter Wahrung des Corona-bedingten Sicherheitsabstandes erhalten. „10 Fragen an Izabella Effenberg
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10 Fragen an den Bass-Bariton Carsten Wittmoser: "Ich habe Angst, dass viele Menschen alles wieder vergessen werden"

Der Bass-Bariton Carsten Wittmoser begann seine Karriere als festes Ensemblemitglied an der Staatsoper Stuttgart. Darauf folgten das Landestheater Linz, das Theater Freiburg und die Staatsoper Hamburg. Seither ist er freischaffend tätig. Seine Karriere führte ihn unter anderem zu den Bayreuther Festspielen, Luzern, dem Gergiev Festival in Rotterdam, dem Bard Summerscape in New York und zu Festspielen in Taiwan und Singapore. Er gastierte in einigen der wichtigsten Konzertsäle wie dem Musikverein in Wien, dem Sala Sao Paulo, dem Herkulessaal in München, dem Brucknerhaus in Linz, dem KKL in Luzern und der Carnegie Hall in New York. Er arbeitete unter anderem mit bedeutenden Dirigenten wie Christian Thielemann, Valery Gergiev, Mariss Jansons, Michael Boder, Simone Young, Ton Koopman, Pinchas Steinberg, Paavo Järvi, Semyon Bychkov, Sebastian Weigle, Dennis Russel Davies und James Levine.

Sein Repertoire umfasst Bass- und Bass-Bariton Partien wie Rocco und Pizarro in Fidelio, Don Basilio in Il Barbiere di Seviglia, Escamillo in Carmen, Scarpia in Tosca, die Bösewichte in Hoffmann und die Titelpartie in Der fliegende Holländer. 2016 debütierte Carsten Wittmoser an der Metropolitan Opera New York als Kurwenal in Tristan und Isolde unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Vor kurzem sang er seinen ersten Rheingold.Wotan mit der Transsylvanischen Staatsphilharmonie in Rumänien.

Barbara Hauter telefonierte für klassik-begeistert mit dem in Mexiko lebenden Bass-Bariton

klassik-begeistert.de: Was haben Sie vor einem Jahr getan, und wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Carsten Wittmoser: Vor einem Jahr habe ich mich auf ein Opern-Air-Konzert vor 20.000 Menschen in Mexico City vorbereitet. Da haben wir zusammen mit dem Orquesta Filarmónica de la Ciudad Verdis Requiem aufgeführt. Das ist eine Aktion, bei der wir Menschen, die sich sonst kein Ticket für eine Klassikaufführung leisten können oder einfach noch nie Klassik gehört haben, Zugang zu solchen monumentalen Werken bieten. Im Jahr davor haben wir Beethovens 9. auf dem Zócalo in Mexico City gegeben, auch vor ungefähr 20.000 Zuhörern. Väter haben ihre Kinder auf die Schulter genommen und die Menschen haben uns Gracias zugerufen. Das war sehr bewegend für mich. Ich kam mir vor wie ein Missionar der klassischen Musik. Heute bin ich mit meiner Familie zusammen zu Hause, in Querétaro, nördlich von  México City, und aufgrund der Coronasituation verlassen wir das Haus auch so wenig wie möglich. Eigentlich wollten wir Ende April wieder Beethovens 9. aufführen… „Interview: 10 Fragen an Carsten Wittmoser, Bass-Bariton
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10 Fragen an die Opernregisseurin Tatjana Gürbaca: "Wenn ich intensiv an Opern arbeite, verordne ich mir selbst eine Ausgangssperre"

Die gebürtige Berlinerin Tatjana Gürbaca studierte in ihrer Heimatstadt Regie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“. Ergänzt wurde ihre Ausbildung durch Meisterkurse bei Ruth Berghaus und Peter Konwitschny. In den Jahren 1998 bis 2001 war sie als Regieassistentin an der Oper Graz tätig. Sie war 2000 Preisträgerin beim Grazer Regiewettbewerb „Ring Award“ und debütierte 2001 an der Grazer Oper mit Puccinis Turandot. Seither ist Tatjana Gürbaca als freischaffende Opernregisseurin tätig. Ihre Produktionen führten sie an große Opernhäuser in Deutschland und Europa, unter anderem in Leipzig, Köln, Staatsoper Unter den Linden und Deutsche Oper Berlin, das Aalto Theater Essen, die Deutsche Oper am Rhein, das Theater Bremen, die Opern in Strasbourg, Oslo, Novosibirsk und Bogota, das Theater an der Wien. Beim Luzern-Festival 2010 erarbeitete sie gemeinsam mit Claudio Abbado eine semiszenische Aufführung von Beethovens Fidelio. Sie war von 2011 bis 2014 Operndirektorin am Staatstheater Mainz. Seit 2012 ist sie regelmäßig mit Produktionen am Opernhaus Zürich zu erleben. Für ihre Inszenierung des Parsifal an der Vlaamse Opera in Antwerpen und Gent wurde sie 2013 von Kritikern der Zeitschrift Opernwelt zur Regisseurin des Jahres gewählt und 2014 in London mit dem International Opera Award für die „Beste Opernproduktion“ ausgezeichnet.

Tatjana Gürbaca befand sich mit dem Ensemble der English National Opera in London kurz vor der Premiere von Dvoraks Rusalka, als die Produktion wegen der Corona-Pandemie kurzfristig abgebrochen werden musste. Sie ergatterte in letzter Minute einen überteuerten Flug in ihre Heimat Berlin, und verbringt dort ihre erzwungene Auszeit mit ihrem Ehemann und den beiden Katzen.

Interview: Dr. Petra Spelzhaus
Fotos: (c) Herwig Prammer

klassik-begeistert.de: Was haben Sie vor einem Jahr getan, und wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Tatjana Gürbaca: Vor ziemlich genau einem Jahr befand ich mich in Zürich in der Produktion von Le Grand Macabre von Ligeti. Es grassierte ebenfalls eine schlimme Grippewelle und legte alles lahm. Viele Darsteller waren betroffen. Zeitweilig musste ich auf der Bühne aushelfen, während eine Sängerin vom Rand sang. Erst bei der allerletzten Aufführung waren im Ensemble alle wieder gesund. Nach dem jähen Ende der Rusalka an der English National Opera bereite ich im häuslichen Umfeld meine Opern vor. Während mein Mann als Kunstlehrer Online-Unterricht erteilt, vergrabe ich mich wie ein Maulwurf mit meinen Stücken. Eine Ausgangssperre ist für mich keine Seltenheit. Wenn ich intensiv an Opern arbeite, verordne ich sie mir selbst. „Interview: 10 Fragen an die Opernregisseurin Tatjana Gürbaca
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Interview Valentina Nafornița: „Wenn ich meine Augen schließe, höre ich Vögel singen, Menschen jubeln und lachen – ziemlich optimistisch, nicht wahr?“

Fast ein Jahrzehnt nach dem aufsehenerregenden Gewinn des „BBC Cardiff Singer of the World“-Wettbewerbs veröffentlichte die Sopranistin Valentina Nafornița Anfang dieses Jahres ihr Debütalbum „Romance“. klassik-begeistert.at hatte kurz vor dem vollen Ausbruch der Corona-Krise Gelegenheit über ihr Erstlingswerk und die damit einhergehende tiefe Verbundenheit zu ihrer Heimat Moldawien zu sprechen. Wie die Sängerin zu Mozart, Romantik oder Tonstudioaufnahmen steht, lesen Sie bitte in diesem Exklusiv-Interview von Antonia Tremmel-Scheinost.

klassik-begeistert.atFrau Nafornița, wollten Sie schon immer Sängerin werden?

Valentina Nafornița: Ja, ich wollte schon immer Sängerin werden. Von frühster Kindheit an war ich von Musik umgeben. Ab dem Alter von fünf Jahren habe ich an Wettbewerben teilgenommen, mit sieben Jahren begann ich mit dem Geigenspiel. Wenn ich zurückdenke, ist nahezu mein ganzes bisheriges Leben von Musik durchzogen.

Hatten Sie auch andere Träume?

Valentina Nafornița: Ich habe immer davon geträumt die Person zu sein, die ich heute bin und dort zu sein, wo ich heute bin. Es ist wichtig für jeden Menschen seinen Träumen zu folgen. Es gibt für mich allerdings noch viele Ziele zu erreichen.

Wurden Sie zu einem Freigeist erzogen?

Valentina Nafornița: Meine Eltern haben mich gelehrt ein starkes und unabhängiges Mädchen zu sein. Das habe ich mir im Erwachsenenleben beibehalten. Sie haben mir stets großes Vertrauen entgegengebracht und unterstützten mich in allem, was ich tat. Das gibt mir auch noch heute viel Kraft und Mut. „Interview am Donnerstag 9: Valentina Nafornița
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10 Fragen an das Musikerpaar Lipa Majstrovic und Paul Tietze: „Die Kunst war das Erste, was gestrichen wurde und wird das Letzte sein, was wieder anläuft“

Lipa Majstrović und Paul Tietze sind feste Jazz-Größen in Deutschland. Majstrović brilliert als Sängerin mit eigenem Jazzquartett, dem Duo Esencia De Bolero zusammen mit Tizian Jost und der Revue „The Soul Queens“ sowie als Darstellerin des erfolgreichen „Tasche-Shows“-Ensembles. Paul Tietze, Bassist, Produzent, Arrangeur und Komponist, spielte unter anderem schon mit Lisa Fitz, Johnny Logan, Lou Bega, Franz Benton, Munich Symphonic Sound Orchestra, Carola Grey und Stephanie Lottermoser. Barbara Hauter hat mit den beiden über ihr Musikerleben in der Corona-Krise gesprochen.

Foto: Jan Scheffner (c)

klassik-begeistert.de: Was haben Sie vor einem Jahr getan, und wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Paul Tietze: Wir haben viele Auftritte gespielt und waren glückliche, freischaffende Künstler. Jede Woche waren das ein bis zwei Live-Acts bei jedem, Lipa unterrichtete dazu noch zwei Tage die Woche. Jetzt sitzen wir daheim, unterrichten so gut es geht online und machen gemeinsam Musik.

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Paul Tietze: Unwissenheit, Ängste, Umdenken. „10 Fragen an das Musikerpaar Lipa Majstrovic und Paul Tietze,
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10 Fragen an die Star-Klarinettistin Alexandra Gruber: "Aktuell höre ich mich durch die Spotify-Playlisten meiner Kinder"

Die Klarinettistin Alexandra Gruber wurde in Freudenstadt/Schwarzwald geboren. Sie studierte von 1994 bis 1999 an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Bereits in dieser Zeit wirkte sie regelmäßig in Konzerten des Bachkollegiums Stuttgart und des Stuttgarter Kammerorchesters mit. Alexandra Gruber war zweifache Preisträgerin im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Als Lehrbeauftragte war sie von 2000 bis 2005 am Richard-Strauß-Konservatorium tätig. Sie ist seit 1998 Solo-Klarinettistin bei den Münchener Philharmonikern. Sie tritt als vielgefragte Solistin und Kammermusikerin auf. Alexandra Gruber hat sich aktuell mit ihrem Ehemann und den 20- und 16-Jahre alten Kindern in das gemeinsame Haus in einem Dorf nahe des Ammersees zurückgezogen.

Interview: Dr. Petra Spelzhaus

klassik-begeistert.de: Was haben Sie vor einem Jahr getan, und wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Alexandra Gruber: Vor einem Jahr war ich auf Konzertreise mit den Philharmonikern. Wir führten in Köln, Frankfurt und Wien Bruckners 4. und Schostakovischs 5. Symphonie auf. Zeitgleich bereitete ich einen Besuch von Freunden aus Japan vor. Mein Alltag heute besteht im Familienleben, darin, dass ich vier Leute zu bekochen habe. Wir genießen die gemeinsame Zeit. Natürlich übe ich auch. Zugegebenermaßen lässt hierfür aber ein wenig die Motivation nach.

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Weltweit, Beschränkungen, Solidarität. „Interview: 10 Fragen an Alexandra Gruber
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