In den Monat August fallen sowohl der Geburtstag (28. August 1931) als auch der Todestag (7. August 2014) der holländischen Sopranistin Christina Deutekom. Höchste Zeit, wieder einmal an die Sängerin zu erinnern, die eine außergewöhnliche internationale Karriere hatte, an der sich aber auch die Geister schieden.
Die als Christine Engel in Amsterdam geborene Künstlerin nahm nach ihrer Heirat 1952 den Familiennamen ihres Ehemannes an. Nach dem Ende ihres Gesangsstudiums trat sie zunächst in kleineren Rollen auf, angeblich war es die große Elisabeth Schwarzkopf, die auf Deutekom aufmerksam wurde, als diese sich vor einer Vorstellung mit der Arie der Königin der Nacht einsang. „Sommereggers Klassikwelt 148: Wer kennt noch Christina Deutekom? klassik-begeistert.de“ weiterlesen
Bild: Die Wiener Staatsoper, Oskar Kokoschka, 1956, Belvedere
von Lothar und Sylvia Schweitzer
In Tatarstan, einer autonomen, als sehr eigenständig geltenden Republik im östlichen Teil des europäischen Russlands, 1987 geboren schloss IlseyarKhayrullova 2012 ihr Studium am Sankt Petersburger Konservatorium ab. Am 15. Dezember 2013 debütierte sie im Studio Walfischgasse der Wiener Staatsoper als Alte Frau in Elisabeth Naskes Kinderoper „Das Städtchen Drumherum“, in der Kinder gemeinsam mit den Tieren einen Wald retten, einige Wochen später im großen Haus als Elfe in „Rusalka“.
Ilseyar Khayrullova Petra Sittig Photography
In der darauf folgenden Spielzeit fiel sie uns dann persönlich als in das Füchslein verliebter Hund in der beliebten Janáček-Oper als „Hoffnungsträgerin“ auf. Als Olga in den „Drei Schwestern“ von Péter Eötvös erinnerte ihre schöne dunkle Stimme, der noch einiges an Dramatik fehlte, an Weinhebers Gedicht „Kammermusik“, wo die zweite Violine vom „lichtern“ Wesen ihrer Schwester, der ersten Violine, spricht und ausruft: „Lass dich begleiten, Schwester!“ Eine Wiederaufnahme und ein Wiederhören nach nur fünf Aufführungen im März 2016 fielen der Pandemie zum Opfer. Kurz darauf erlebten wir sie als Kameraden des aus sehr nobler Familie stammenden Mädchens Pünktchen in der Oper „Pünktchen und Anton“ nach Erich Kästner von Iván Eröd. Ende 2017 erregte sie als Gymnasiast in „Lulu“ unser Interesse für ihre weitere Laufbahn. Am 2. Mai 2018 gab sie ihre letzte Vorstellung als Bersi („Andrea Chénier“). „Schweitzers Klassikwelt 69: Sie sind der Wiener Staatsoper abhandengekommen klassik-begeistert.de“ weiterlesen
Kritisieren kann jeder! Aber die Gretchenfrage ist immer die nach Verbesserung. In seiner Anti-Klassiker-Serie hat Daniel Janz bereits 50 Negativ-Beispiele genannt und Klassiker auseinandergenommen, die in aller Munde sind. Doch außer diesen Werken gibt es auch jene, die kaum gespielt werden. Werke, die einst für Aufsehen sorgten und heute unterrepräsentiert oder sogar vergessen sind. Meistens von Komponisten, die Zeit ihres Lebens im Schatten anderer standen. Freuen Sie sich auf Orchesterstücke, die trotz herausragender Eigenschaften zu wenig Beachtung finden.
von Daniel Janz
Krieg – Schrecken, Grauen und Tod. Das sind jedenfalls die Assoziationen, die bei diesem Begriff aktiv werden. Zu oft wird vergessen, dass im Krieg auch Menschen existieren und überleben müssen. Menschen mit Nöten, Wünschen und Hoffnungen an ein Ende all des Schreckens. Diese Hoffnung auf etwas Besseres nicht aus den Augen zu verlieren und immer wieder hochzuhalten stellt sich gerade in solchen Zeiten als regelrechter Kampf eines jeden Individuums heraus. Deshalb soll in diesem Beitrag einmal ein Werk betrachtet werden, das eben genau jenen Spagat versucht: Den Ausdruck von Frieden und Hoffnung inmitten von Krieg und Tod. Die Rede ist von „Le Grand Cahier“ von Alexander Litvinovsky.
Dabei lautet die erste Frage: Wer ist eigentlich Alexander Litvinovsky? Obwohl er nach wie vor rege komponiert, ist in deutschen Medien fast nichts über ihn bekannt. Selbst international lässt sich kaum etwas zu ihm finden. Er gleicht einem Mysterium, was sicher auch damit zusammenhängt, dass sein Geburtsland Weißrussland – die letzte „Diktatur“ Europas – heute selbst aktiv in den größten Kriegskonflikt der letzten Jahrzehnte verwickelt ist. Immerhin klärt EverybodyWiki.com darüber auf, dass der 1962 in Minsk Geborene „zeitgenössische Komponist“ sich der „Rekonstruktion historischer Musikmodelle von Renaissance, Barock, Klassik und Romantik“ widmet, aber auch der Avantgarde gegenüber offen ist. „Daniels vergessene Klassiker Nr 2: Alexander Litvinovsky – Le Grand Cahier (2015)“ weiterlesen
Die Entwicklung und Karriere vielversprechender NachwuchskünstlerInnen übt eine unvergleichliche Faszination aus. Es lohnt sich dabei zu sein, wenn herausragende Talente die Leiter Stufe um Stufe hochsteigen, sich weiterentwickeln und ihr Publikum immer wieder von neuem mit Sternstunden überraschen. Wir stellen Ihnen bei Klassik-begeistert jeden zweiten Donnerstag diese Rising Stars vor: junge SängerInnen, DirigentInnen und MusikerInnen mit sehr großen Begabungen, außergewöhnlichem Potenzial und ganz viel Herzblut sowie Charisma.
von Dr. Lorenz Kerscher
Serena Sáenz als Puppe Olympia: Les oiseaux dans la charmille
Es hat schon viele Regieideen gegeben, um die Puppe Olympia in Hoffmanns Erzählungen in Szene zu setzen, doch eine Sängerin, die gleichzeitig als perfekte Ballerina auftritt, steht nur selten zur Verfügung. Doch mit Serena Sáenz könnte man das machen, denn sie hat parallel zum Gesangsstudium auch eine Ballettausbildung durchlaufen. Noch hat sie die Olympia nicht dargestellt, aber in bedeutenden Rollen als lyrischer und Belcanto-Sopran hat sie schon gezeigt, wie gut die Eleganz ihrer Bewegungen mit ihrer stimmlichen Agilität harmoniert. Schon in sehr jungen Jahren machte sie an namhaften Häusern auf sich aufmerksam. Das war nicht nur das heimatliche Gran Teatre del Liceu in Barcelona, sondern vor allem auch die Berliner Staatsoper Unter den Linden, an der sie von 2018 bis 2020 dem Opernstudio angehörte und sehr bald in bedeutenden Rollen des lyrischen Sopranfachs eingesetzt wurde. Das waren u. a. die Pamina in der Zauberflöte und die Zerlina in Don Giovanni, bei der ihr das Regiekonzept sehr entgegenkam. Hier war der verruchte Lebemann ein Fotograf und Zerlina ein bezauberndes Fotomodell, dessen Posen sie in dem berühmten Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“ sehr beeindruckend in Szene setzte. „Rising Stars 31: Serena Sáenz, Sopran – die mit den Koloraturen tanzt klassik-begeistert.de“ weiterlesen
Als wir (noch) nicht „Merker“ und „Blogger“ waren. Wir erinnern uns an schöne musikalische Erlebnisse
Ludwig van Beethoven FIDELIO Salzburger Festspiele, 16. August 2015
von Lothar und Sylvia Schweitzer
Ein Jahrhundert-Fidelio, um die Bayreuther „Ring“-Inszenierung von Patrice Chéreau frei zu zitieren, der Ausdruck „Jahrhundert“ jedoch als Genitiv zu interpretieren. Dieses Bühnenbild und die Menschen mit ihren Schattenbildern werden dank Claus Guth (Regie), Christian Schmidt (Bühne und Kostüme), Olaf Freese (Licht), dramaturgisch assistiert von Ronny Dietrich, uns lebenslang eingeprägt bleiben.
Beethoven selbst scheint mit den gesprochenen Zwischentexten nicht glücklich gewesen zu sein, denn er gestattete, anlässlich einer Prager Aufführung den Text je nach Gefallen abzuändern oder zu kürzen. In Salzburg wird Gesprochenes durch nonverbale Gestik ersetzt. Das schmerzhafte Entäußern des Weiblichen bei Leonore wird durch eine stumme Verdoppelung mit vielleicht allzu häufiger Verwendung der Gebärdensprache (Nadia Kichler) fühlbar gemacht. Auch Pizarro erhält ein alter Ego (Paul Lorenger).
Die Rettungsoper mit politisch naivem Hintergrund wird zu einem Drama, der in die Mauern des eigenen Körpers gedrängten Seele (Norbert Abels). Das betrifft nicht nur Florestan und seine Mitgefangenen.
Schon lange fragen wir uns, ob diese Ehe noch glücklich werden kann. Erschütternd ist eine Erzählung in Erinnerung, wie sich ein Kind auf den aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Vater gefreut hat und einem fremden, verstörten Menschen begegnet. Florestan bricht am Ende zusammen. In dem Fall stört uns diese Art einer Gegenstimme zum jubelnden Chor nicht.
Foto: Jonas Kaufmann, Florestan und Adrianne Pieczonka, Leonore (c) Monika Rittershaus
Kein biedermeierliches Ambiente des ersten Aufzugs. Der Handlungsort bleibt immer derselbe, weil es sich ja um die in die eigenen seelischen Gefängnismauern Eingeschlossenen handelt. Der Chor der Gefangenen ist nicht in den üblichen Fetzen gekleidet, sondern in Weiß. Auch in ihren Bewegungen eine interessante neue Aufgabe für den Wiener Staatsopernchor (Einstudierung Ernst Raffelsberger). Farben sind ambivalent, symbolisieren vieles, das Weiß Unschuld ebenso wie Leere. „Schweitzers Klassikwelt 68: Salzburger Festspiele 2015, Fidelio Klassik-begeistert.de“ weiterlesen
Foto: Jan Kiepuras Schallplatte mit Liedern aus Filmen, als erstes „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frauen“, herausgegeben in den 1960er Jahren in Polen. Eigentum der Autorin.
Erinnerungen an Jan Kiepura – Teil 2
von Jolanta Łada-Zielke
Als Polen im Frühjahr 1939 die deutschen Forderungen nach Danzig und dem „Korridor“ ablehnte, verschlechterte sich ebenfalls die Haltung des Propagandaministeriums gegenüber polnischen Künstlern. Im April erschien in den Nachrichtensendungen des „Dritten Reiches“ eine sarkastische Bemerkung über Jan Kiepura, der gerade auf einer Konzertreise in die USA war und von dort aus 100.000 Złoty seiner Gage für die polnische Luftrüstung spendete. Die deutschen Radiohörer erfuhren nämlich, dass sich der Tenor „in der amerikanischen Hetzluft schnell akklimatisiert“ habe.
Die Namen von Jan Kiepura und seinem Bruder Władysław erschienen im 1940 herausgegebenen „Lexikon der Juden in der Musik“ mit der Bezeichnung (H) – als „Halbjuden“. Ebenso bezeichnete man die Ehefrau von Jan, die ungarische Schauspielerin Martha Eggerth. Wenn ausländische Künstler für die nationalsozialistische Propaganda nicht mehr nützlich waren, erinnerte man sich plötzlich an ihre wahre Herkunft. Nach der Meinung von Carsten Roschke, entlarvte sich so der Mythos des „polnischen Ariers“ als Produkt einer ebenso wahnwitzigen wie inkonsequenten Ideologie.
Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs weilte der Sänger in Frankreich. Er wollte sich einer im Entstehen polnischen Militäreinheit in Frankreich anschließen, um für Polen zu kämpfen. Der polnische General Kazimierz Sosnkowski hielt ihn aber davon ab: „Es gibt viele, die schießen können, singen können aber nur Sie! Lassen Sie die Uniform und das Gewehr und fahren Sie mit Konzerten, wohin Sie noch fahren können.“ Kiepura trat in Benefizkonzerten für Polen auf, bei denen er oft polnische patriotische Lieder sang und gab seine Honorare für die Unterstützung seiner Heimat aus. Bevor Nazi-Deutschland Frankreich überfiel, ging er mit seiner Frau in die USA.
Foto: Das Ehepaar Eggerth-Kiepura in 1954; Quelle: Bildarchiv der US-Informationsdienste in Österreich
Dort sang er auf den Bühnen der Civic Opera House in Chicago (1940-1944) und der Metropolitan Opera in New York (1941-1942), sowie in Kanada (Montreal), latein- und südamerikanischen Ländern, unter anderem am Teatro Colón in Buenos Aires (in „Manon“ von Jules Massenet). Außerdem trat er mit seiner Frau als Graf Danilo in der „Lustigen Witwe“ im Majestic Theatre am Broadway auf. Die Aufführung hatte großen Erfolg, und das Ehepaar spielte bis 1946 über 800 Vorstellungen davon. Nach dem Krieg veranstalteten sie „Die lustige Witwe“ auf den Bühnen Englands, Frankreichs, Italiens und Deutschlands. „Ladas Klassikwelt 95: Erinnerungen an Jan Kiepura – Teil 2 Klassik-begeistert.de“ weiterlesen
Der Schlager „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frauen“ von Robert Stolz aus dem Jahr 1935 ist immer noch bekannt und beliebt, besonders bei den Herren älterer und mittlerer Generation. Aber nicht jeder weiß, dass der erste Interpret dieses Liedes der polnische Startenor jüdischer Herkunft Jan Kiepura (1902-1966) war, der sowohl in Opern als auch in Operetten und in zwölf Musikfilmen auftrat. Legendär sind seine spontanen, öffentlichen Auftritte; einmal sang er sogar stehend auf dem Dach eines Taxis.
Im Mai 2022 war der 120. Geburtstag dieses Sängers und Schauspielers, der in den 1920er und 1930er Jahren eine große Karriere ebenfalls im deutschsprachigen Raum machte. Leider fiel seine berufliche Tätigkeit in Deutschland mit der Herrschaft der Nationalsozialisten zusammen, die versuchten, den Künstler für ihre Propagandazwecke zu nutzen.
von Jolanta Łada-Zielke
Jan Kiepura wurde 1902 in Sosnowitz (Polnisch: Sosnowiec) geboren. Nach einer Gesangsausbildung in Warschau debütierte er 1924 an der Lemberger Oper. Von 1926 bis 1928 sang er an der Wiener Staatsoper, worauf Engagements auf allen bedeutenden Opernbühnen Europas folgten. 1938 verpflichtete ihn schließlich die Metropolitan Opera. Carsten Roschke behauptet, in deutschen „Sängerfilmen“ gelänge der polnische Tenor dank seinem hervorragenden Belcanto, sowie der Fotogenität, Ausdruckstärke und dem strahlenden Optimismus zu Berühmtheit [1]. Der Sänger spielte und sang in den Produktionen: „Ein Lied für Dich“ (1933), „Mein Herz ruft nach Dir“ (1934), „Ich liebe alle Frauen“ (1935), „Im Sonnenschein“ (1936).
Die Nationalsozialisten versuchten Kiepura zum „beliebtesten Tenor der Welt“ zu erheben. Hermann Göring förderte polnische Künstler bei deren Gastspielen im „Dritten Reich“ und organisierte sogar die Berlinpremiere von Moniuszkos Oper „Halka“ 1936. In der Aufführung dieser Oper in Hamburg im Mai 1935 sang Kiepuras jüngerer Brüder Władysław Ladis, auch ein Tenor, als einziger Pole in der Besetzung. All diese Aktionen waren umso erstaunlicher, als bereits 1933 das deutsche Konsulat in Kattowitz feststellte, dass Kiepuras Vater ein jüdischer Bäckermeister aus Sosnowiec war. Im November 1933 erklärte jedoch die reichsdeutsche Fachpresse Jan Kiepura als „gebürtigen Polen“. „Ladas Klassikwelt 94: Erinnerungen an Jan Kiepura – Teil 1 klassik-begeistert.de“ weiterlesen
Foto: Matinee 20151011 KS Janowitz und KS Ludwig, youtube.com
von Peter Sommeregger
Die Tochter eines deutsch-österreichischen Ehepaares wurde zwar in Berlin geboren, wuchs aber in Graz auf, wo sie das Konservatorium besuchte. Ein Stipendium der Grazer Richard-Wagner-Gesellschaft ermöglichte ihr einen Aufenthalt in Bayreuth, wo sie bereits 1960 als Blumenmädchen im „Parsifal“ unter dem legendären Hans Knappertsbusch debütierte.
Ihre glasklare, leuchtende Höhe war so unverwechselbar, dass gleich mehrere Dirigenten der Spitzenklasse sie gleichzeitig entdeckten. Karl Böhm erneuerte 1963 eine alte Tradition, als er zum Auftakt der Festspiele Beethovens 9. Symphonie aufführte, mit der noch weitgehend unbekannten Gundula Janowitz als Sopran-Solistin. Herbert von Karajans erster Beethoven-Zyklus für die Deutsche Grammophon wurde ihre erste Schallplatten-Aufnahme, mit dem Solo in der 9. Symphonie brannte sich die Charakteristik dieser Stimme ins Ohr der Klassik-Szene. Die weiteren Karriere-Schritte ergaben sich schnell. Karajan holte sie ins Ensemble der Wiener Staatsoper, wo sie anfangs in kleinen Rollen bereits sehr positiv auffiel. Dem Wiener Publikum war zu diesem Zeitpunkt unverständlich, dass der große Otto Klemperer die Sängerin für seine, inzwischen legendäre und unerreichte „Zauberflöte“-Einspielung als Pamina besetzte, die Janowitz am Wiener Haus aber noch Mägde in „Elektra“ und andere „Wurzen“, wie der Wiener sagt, singen musste. „Sommereggers Klassikwelt 147: Gundula Janowitz zum 85. Geburtstag Klassik-begeistert.de“ weiterlesen
Kritisieren kann jeder! Aber die Gretchenfrage ist immer die nach Verbesserung. In seiner Anti-Klassiker-Serie hat Daniel Janz bereits 50 Negativ-Beispiele genannt und Klassiker auseinandergenommen, die in aller Munde sind. Doch außer diesen Werken gibt es auch jene, die kaum gespielt werden. Werke, die einst für Aufsehen sorgten und heute unterrepräsentiert oder sogar vergessen sind. Meistens von Komponisten, die Zeit ihres Lebens im Schatten anderer standen. Freuen Sie sich auf Orchesterstücke, die trotz herausragender Eigenschaften zu wenig Beachtung finden.
von Daniel Janz
Dass in Europa einmal wieder Krieg herrscht, hätte noch zu Beginn des Jahres wohl niemand für möglich gehalten. Nun – mehr als 5 Monate nach Kriegsbeginn in der Ukraine gehört dieser Umstand zu unser aller Alltag und wir müssen lernen, damit umzugehen. Manche tun dies durch aktive Auseinandersetzung, manche durch Verdrängung und Vergessen, manche durch Leugnen. Das erinnert an dunkle Zeiten, in denen Deutschland selbst Ausgangspunkt des bis dato größten Kriegs der Weltgeschichte gewesen ist. Da verwundert es, dass bei der (momentan sehr aktuellen) Rückbesinnung auf solch dunkle Zeiten inklusive Frage nach der eigenen weltpolitischen Verantwortung ein Name in der klassischen Musikkultur bisher gar nicht auftaucht: Karl Amadeus Hartmann.
Eigentlich hätte diese Reihe mit erbaulichen Titeln und Namen starten sollen. Denn in dieser Kolumne über vergessene Klassiker soll einmal ein Blick auf jene Künstler der Orchesterkompositionen geworfen werden, die (völlig zu Unrecht) vergessen worden sind und in unserem Kulturbetrieb keine oder eine viel zu geringe Rolle spielen. Dem aktuellen weltpolitischen Geschehen ist es nun aber zu verdanken, dass der Einstieg mit dem 1905 in München geborenen und 1963 dort auch verstorbenen Karl Amadeus Hartmann stattfinden muss. Denn wie kaum einen zweiten zeichnet diesen fast vergessenen Komponisten des 20. Jahrhundert sein politischer Aktivismus und sein offener Widerstand gegen das Naziregime aus. „Daniels vergessene Klassiker Nr. 1: Karl Amadeus Hartmann – Sinfonie Nr. 3 (1948/1949) klassik-begeistert.de“ weiterlesen
In der letzten Woche erschütterte der plötzliche Tod des Dirigenten Stefan Soltész die Opernwelt. Der international erfolgreiche Musiker brach während eines Dirigats der Strauss-Oper „Die schweigsame Frau“ im Nationaltheater München am 22. Juli 2022 plötzlich am Pult zusammen. Im Krankenhaus konnte man nur noch seinen Tod feststellen.
Dieses tragische Ereignis überschattet nun die diesjährigen Münchner Opernfestspiele, weckt aber gleichzeitig Erinnerungen an einen ähnlichen Vorfall, der sich an gleicher Stelle am 20. Juli 1968 ereignete. Während des zweiten Aktes von Wagners „Tristan und Isolde“ stürzte der damalige Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper Joseph Keilberth in den Orchestergraben, auch er war nicht mehr zu retten. Keilberth, der erst 60 Jahre alt war, hatte eine bedeutende Karriere als Dirigent vorzuweisen. Er war bis zu seinem Tod Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, die sich nach dem zweiten Weltkrieg aus Musikern des Prager Philharmonischen Orchesters rekrutierten, das Keilberth zuvor geleitet hatte. Auch bei den Bayreuther Festspielen hatte der Dirigent in den 1950er Jahren zahlreiche Aufführungen geleitet. Seine Münchner Position blieb bis 1971 unbesetzt, danach wurde sie von Wolfgang Sawallisch übernommen. „Sommereggers Klassikwelt 146: Tod am Pult klassik-begeistert.de“ weiterlesen