Streams – die stillen Stars in der Krise

Top-Häuser wie die Metropolitan Opera (Met) in New York, das Royal Opera House (ROH) in London, die Opéra National de Paris, die Wiener Staatsoper, das Teatro alla Scala in Milano, die Bayerische Staatsoper und die Staatsoper Unter den Linden in Berlin machen es vor: Kostenlose Streams sind die stillen Stars in der Krise…  Zuhause rein in den Sessel und aus der fernen Welt feinste Klänge vernehmen…

Foto: © Wilfried Hösl, Bayerische Staatsoper

… klassik-begeistert.de-Autorin Barbara Hauter hat einen wunderbaren Beitrag aus München geschrieben – ich empfehle ihn Ihnen und Euch sehr. „Streams – die stillen Stars in der Krise,
The Metropolitan Opera, Theater an der Wien“
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Eine umjubelte "Traviata" an der Royal Opera London

Foto: © 2019 ROH / Catherine Ashmore

Diese Traviata-Inszenierung ist längst ein Klassiker und sie hat Bestand – offensichtlich. Eine Tragödie aus dem frivolen Paris des 19. Jahrhunderts, in einer durch und durch italienischen Oper, aufgeführt in einem der traditionsreichsten englischen Theater – das ist ein kultureller Mix, der seinesgleichen sucht.

The Royal Opera London, 21. Dezember 2019

Giuseppe Verdi, La Traviata

von Charles E. Ritterband

Diese „Traviata“ ist wunderschön – Bühne und Ausstattung von Bob Crowley führen in das opulente Paris Mitte des 19. Jahrhunderts, wo sich leicht degenerierte Aristokraten und rasch reich gewordene Großbürger in den Salons – auch jenen von berühmten Kurtisanen wie eben der Violetta Valéry alias „La Traviata“ – die Hand reichen, große Beträge ohne mit der Wimper zu zucken beim Roulette aufs Spiel setzen, gegeneinander intrigieren und sich anschließend bei Duellen im Morgengrauen in den großen Pariser Parklandschaften ins Jenseits befördern. „Giuseppe Verdi, La Traviata,
The Royal Opera London, 21. Dezember 2019“
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Verdis "Otello" an der Royal Opera London: Ästhetisch unbefriedigend, sängerisch grandios

Foto: Otello, The Royal Opera © 2017 ROH. Photograph by Catherine Ashmore

Royal Opera House London, 9. Dezember 2019

Giuseppe Verdi, Otello

von Charles E. Ritterband

Sängerinnen und Sänger von Weltklasse hatten auf der traditionsreichen Bühne der Royal Opera Covent Garden ihre hohe Kunst vor einem scheußlichen Bühnenbild (Boris Kudlicka) in einer Inszenierung mit zahlreichen Seltsamkeiten (Keith Warner) zu zeigen. Das bedrohlich düstere, monochrome Bühnenbild erinnerte mit seinen spießigen, fade geometrischen Mustern in Metall-Panelen im unseligen Stil der 1970er-Jahre trotz der mächtigen verschiebbaren Wände an Interieurs neureicher und entsprechend geschmacksarmer Villen aus jener Epoche – einzig das mächtige Flaggschiff Otellos in der ersten Szene hinterließ einen bleibenden Eindruck. „Giuseppe Verdi, Otello,
Royal Opera House London, 9. Dezember 2019“
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Brittens „Death in Venice“ als spektakuläre Neuinszenierung an der Royal Opera Covent Garden

Foto: Catherine Ashmore ©2019 ROH

Royal Opera House London, 21. November 2019

Benjamin Britten, Death in Venice
Libretto: Myfanwy Piper

von Charles E. Ritterband

Erstmals seit einem Vierteljahrhundert hat die Royal Opera Benjamin Brittens Oper zu Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig aus dem Jahr 1912 wieder auf die Bühne von Covent Garden gebracht – und dies mit einem überwältigenden Erfolg. Als Zuschauer fühlte man sich mitten in Luchino Viscontis filmisches Meisterwerk aus dem Jahr 1971 versetzt, nur noch um einiges gewaltiger, intensiver – und vor allem dreidimensional.

Der herausragende schottische Regisseur David McVicar hat mit seiner in vielen gemeinsamen Produktionen bewährten Bühnenbildnerin Vicky Mortimer Bilder geschaffen, die den Betrachter in die glanzvoll-dekadente aristokratische Welt des Hotel des Bains am Lido di Venezia mit seinem leuchtenden Strand – und in ein unromantisches, bedrohliches, von der Seuche gezeichnetes Venedig. Es sind eindrückliche, ja eindringliche Bilder, die den Zuschauer noch tagelang begleiten, ja verfolgen. „Benjamin Britten, Death in Venice,
Royal Opera House London, 21. November 2019“
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Eine magische "Zauberflöte" überwältigt in der Londoner Royal Opera Covent Garden

Besser kann diese Oper nicht erklingen – selbst nicht in Salzburg oder Wien.

Foto: ROH ©
The Royal Opera London Covent Garden
, 8. November 2019
Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte

von Charles E. Ritterband

Im prachtvollen Zuschauerraum der ehrwürdigen Royal Opera in Covent Garden, zwischen dunkelrotem Plüsch, dunklem Holztäfer und goldenen Ornamenten, war ich von dieser „Zauberflöte“ – einer Wiederaufnahme der gefeierten Inszenierung des schottischen Regisseurs David McVicar – schlicht überwältigt. Was sich da auf der imposanten Bühne abspielte, war reine Magie. Ein Mehr an visueller Poesie ist kaum denkbar; Mozarts unsterbliches Meisterwerk in seiner ganzen gewaltigen Majestät und mit all seinem kindlich-liebenswerten Humor. „Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte
The Royal Opera London Covent Garden, 8. November 2019“
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Don Pasquale an der Royal Opera zwischen Brillanz und Bitterkeit

Foto: © Clive Barda
Gaetano Donizetti, Don Pasquale,
Libretto Giovanni Ruffini und Gaetano Donizetti
Royal Opera House, London, 14. Oktober 2019

 Von Charles E. Ritterband

Bryn Terfel, der walisische Bassbariton ist ein Weltstar – und er ist der erklärte Liebling der Royal Opera Covent Garden. Ob er allerdings in der komischen Titelrolle von Donizetti’s „Don Pasquale“ nicht doch eher unterfordert war und unter seinem Niveau singen musste, könnte man mit Recht fragen. Terfel hat schon grandiosere Rollen gesungen, von Boris Godunov (kürzlich in Covent Garden), als großartiger Fliegender Holländer und überragend komischer Falstaff. „Gaetano Donizetti, Don Pasquale, Royal Opera House, London, 14. Oktober 2019“ weiterlesen

Händels "Agrippina" an der Royal Opera London als musikalische Farce leuchtet in Barrie Koskys High-Tech-Inszenierung

Royal Opera House London, 11. Oktober 2019
George Frideric Handel, Agrippina, Libretto Vincenzo Grimani,
Dramma per Musica in drei Akten, Koproduktion mit der Bayrischen Staatsoper München, der Dutch National Opera, der Staatsoper Hamburg, und dem Palau De Les Arts Reina Sofia, Valencia

von Charles E. Ritterband

Das Bühnenbild ist eiskalt, ein fast unerträglich nüchtern-zweckhaftes Bürohaus aus Glas, Chrom und Stahl mit aufwendig verschiebbaren Elementen auf Rollen und klinisch weißen Intérieurs. Eine Metapher für die Hauptfigur von Händels Oper, einem überaus erfolgreichen Jugendwerk. Denn eiskalt, ist sie, die kalt berechnende, machtbesessene, manipulativ agierende und alle psychologischen und politischen Fäden ziehende Agrippina, die über Leichen geht und nur eines will: ihren debilen Sohn Nero auf den Thron des Römischen Kaisers zu hieven. Was ihr, die als Frau in einer brutalen, intriganten, machthungrigen Männerwelt zu agieren hat, auch gelingt. „George Frideric Handel, Agrippina,
Royal Opera House London, 11. Oktober 2019“
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Ein maskuliner, warmer Sound – überwältigend sexy: Erwin Schrott gibt einen „Don Giovanni“ der Weltklasse im Royal Opera House London

Foto: ROH (c)
Royal Opera House London, 16.
September 2019
Wolfgang Amadeus Mozart, Libretto: Lorenzo da Ponte, Don Giovanni (Wiederaufnahme

von Charles E. Ritterband

Wie Erwin Schrott den Don Giovanni gibt – das ist ein Erlebnis der Weltklasse, das reißt selbst die verwöhntesten Besucher der vornehmen, traditionsreichen Royal Opera aus den roten Samtpolstern! Der aus Uruguay stammende Bassbariton Schrott, der mit seiner Ex-Partnerin Anna Netrebko einen Sohn hat, singt nicht nur fantastisch, mit spielerisch-mozartscher Leichtigkeit und zugleich einem maskulinen, warmen Sound, der so überwältigend sexy ist, dass nicht nur die Protagonistinnen auf der Bühne weiche Knie bekommen, sondern zweifellos auch manch vornehme Dame im Parkett. Schrott ist auch ein fantastischer, komödiantischer Darsteller: seine Grimassen, die winzigen ironischen Gesten, sein treppauf treppab federnder Gang – er gibt nicht nur sängerisch den Ton an in dieser fabelhaften Produktion, sondern auch schauspielerisch. „Wolfgang Amadeus Mozart, Don Giovanni, Erwin Schrott,
Royal Opera House London, 16. September 2019“
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Bryn Terfel – eine Naturgewalt als Boris Godunov im Royal Opera House in London

Foto: © Adam Barker
The Royal Opera (ROH) Covent Garden, London, 19. Juni 2019,
Modest Petrovich Musorgsky, Boris Godunov (Originalfassung)

von Charles E. Ritterband

Der grossartige walisische Bassbariton Bryn Terfel schien als Zar Boris Godunov mit seiner Donnerstimme alles von der Bühne zu fegen. Obwohl – nach zahlreichen glanzvollen Auftritten in einem weiten Opernspektrum von Mozart über Wagner bis Richard Strauss – stimmlich vermehrt zu einer gewissen Härte und Trockenheit neigend ist Bryn Terfels Stimme in dieser Produktion von überragender Dominanz und unerreichter Stärke. Aber es ist nicht nur die imposante Stimme – Terfel erklimmt in der Darstellung des von Visionen und schrecklichen Schuldgefühlen heimgesuchten Machtmenschen Godunov auch schauspielerisch schwindelnde Höhen. Mit seinem irren Blick und der wehenden, wirren grauen Mähne zieht er das gleichermassen fachkundige und verwöhnte Publikum des Königlichen Opernhauses in seinen Bann – von Anfang bis Ende dieser vom ersten bis zum letzten Moment das Publikum atemlos in ihrem Bann haltenden Inszenierung von Musorgskys Oper. „Modest Petrovich Musorgsky, Boris Godunov,
The Royal Opera (ROH) Covent Garden, London, 19. Juni 2019“
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Cabaret de l‘Enfer in der Royal Opera Covent Garden

Foto: The Royal Opera House ©
Royal Opera House Covent Garden,
30. April 2019
Charles-Francois Gounod, Faust
Libretto:  Jules Barbier und Michel Carré

von Charles E. Ritterband

© 2019 ROH.  Tristram Kenton

Das wahrhaft infernalische „Cabaret de l’Enfer“, das uns in diesem großartigen „Faust“ an der Royal Opera Covent Garden vor Augen geführt wird, gab es wirklich:  Am Pariser Boulevard de Clichy Nummer 53, wie uns die historische Schwarzweiß-Photographie aus dem Programmheft vor Augen führt.
Die Marguerite dieser Produktion (Irinia Lungu) arbeitet dort als Kellnerin – eine durchaus orginielle, aber wohl nicht ganz stimmige Idee, zumal die naiv-unschuldige Margarethe schon im „Cabaret“ mit den zynischen „Facts of Life“ konfrontiert worden ist und beim Werben des verjüngten Doktor Faust etwas mehr auf der Hut gewesen wäre. „Charles-Francois Gounod, Faust,
Royal Opera House Covent Garden, 30. April 2019“
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