Korngolds witzig-sprühende Schauspielmusiken

CD-Rezension: Erich Wolfgang Korngold, Complete Incidental Music,  klassik-begeistert.de

CD-Rezension

Korngold
Complete Incidental Music

Much Ado about Nothing
Der Vampir

Holst-Sinfonietta
Klaus Simon

NAXOS 8.573355

von Peter Sommeregger

Die Renaissance, welche die Musik Erich Wolfgang Korngolds in den vergangenen Jahren erlebt, schließt nun erfreulicherweise auch Werke kleinerer Formen ein.

Korngold, einst als Wunderkind in Wien gefeiert, vor den Nazis nach den USA emigriert, machte sich im amerikanischen Exil hauptsächlich als Komponist von Filmmusik einen Namen, ein Genre, das er förmlich revolutioniert hat. Die auf dieser CD enthaltenen Schauspielmusiken kann man als Vorläufer seiner passgenauen, inspirierten Kompositionen für das Kino ansehen.

Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat seine Musik zu Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“. Diese durchaus eigenständige Komposition folgt einer schon auf Beethoven („Egmont“) und Mendelssohn („Sommernachtstraum“) zurückgehenden Tradition der Bühnenmusik, wobei Korngold hier selbstbewusst eigene, allerdings stets der Handlung zugeordnete Akzente setzt. Der Komponist geht allerdings noch über die traditionell mehr als Lückenfüller fungierende Funktion hinaus, indem er auch gesprochene Passagen in Form eines Melodrams untermalt, wobei er der jeweiligen Stimmungslage des Textes folgt.

Einen Höhepunkt bildet das Lied des Balthasar, hier vom Tenor Hans Jörg Mammel stilsicher vorgetragen. Hier folgt Korngold doch eher einer traditionellen Linie, da dieses Lied schon bei Shakespeare als Musiknummer angelegt ist. Insgesamt trägt diese Schauspielmusik der heiteren Grundstimmung der Komödie Rechnung, wobei Korngold in den Zwischenakt-Musiken eher kommentierend agiert. Die quirlig originelle Musik ist aber auch ohne das Theaterstück, als reines Konzertstück durchaus reizvoll und demonstriert in den insgesamt 17 Nummern den Einfallsreichtum Korngolds.

Anders angelegt ist die Musik zu dem Drama „Der Vampir oder die Gejagten“ von Hans Müller-Einigen, einem längst vergessenen Theaterstück von 1922. Hier ist die Musik dem Bühnengeschehen und den Dialogen unterlegt, verdeutlicht, kommentiert und charakterisiert den Ablauf des Dramas. Eine eigenständige Aufführung der Musik ohne den Text wäre also wenig sinnvoll. Die Komposition Korngolds bricht bereits nach dem ersten Akt ab, was man lange als Aufgabe des Projekts durch den Komponisten wertete, neuer Forschungen haben aber ergeben, dass Korngold sehr wohl auch noch die anderen Akte des Stücks komponierte. Bis heute ist aber die Partitur davon nicht wieder aufgetaucht.

In der hier gespielten Version übernimmt ein Schauspieler kommentierend den Part des Erzählers. Ekkehard Abele, der auch ausgebildeter Sänger ist, übernimmt diese Aufgabe und ´verkörpert mit verstellter Stimme auch einzelne Charaktere des Dramas, was ihm vorzüglich gelingt. So kann man doch noch der Handlung folgen, wenn die Vertonung auch Torso geblieben ist.

Für die Korngold-Diskographie stellt diese Einspielung eine wichtige Ergänzung dar. Die Holst-Sinfonietta unter Klaus Simon musiziert diese facettenreiche Musik mit Hingabe und Stilgefühl. Es gäbe nicht wenige vergessene Kompositionen Korngolds- vielleicht ist dies der Auftakt für neue Entdeckungen.

Peter Sommeregger, 7. Februar 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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