Tomasz Koniecznys emotionale Deutung von Gustav Mahlers und Aleksander Nowaks Liederzyklen

CD-Rezension: Tomasz Koniecznys emotionale Deutung von Gustav Mahlers und Aleksander Nowaks Liederzyklen

Foto: Tomasz Konieczny (c)

Apocalypse
Tomasz Konieczny  Bass-Bariton

Lech Napierala  Klavier

Gustav Mahler  Kindertotenlieder
Aleksander Nowak  Songs to Baczyński’s Poems

DSI 0002

 von Peter Sommeregger

 Der international gefeierte polnische Bass-Bariton Tomasz Konieczny legt mit dieser CD ein höchst persönliches Tondokument vor. In Zusammenarbeit mit dem National Centre for Culture Poland (NCC) wurde das Programm im November 2021 beim 3. Internationalen Eufonie-Festival aufgeführt, später in den Studios des Polnischen Rundfunks in Warschau für die CD eingespielt.

Betroffenheit und Trauer über die Auswirkungen der Pandemie inspirierten Konieczny zu diesem durch Kummer und Verlust geprägten Programm, bestehend aus Gustav Mahlers Kindertotenliedern und drei Vertonungen von Gedichten des polnischen Dichters Krzysztof Kamil Baczyński, der 1944 beim Warschauer Aufstand gegen die Nazis getötet wurde. Komponiert wurden die drei Lieder von Aleksander Nowak, einem jungen polnischen Komponisten.

Die düsteren Gedichte „Der flüchtige Blick“, „Der Weihnachtsabend“ und „Tod“ sind von bedrückender Dichte und Emotionalität, Koniecznys weicher, modulationsfähiger Bassbariton verfügt über viele farbliche Schattierungen. Bei den polnischen Texten ist der Sänger in seinem Idiom und kann auch dem des Polnischen nicht mächtigen Hörer die Botschaft der Gedichte nahe bringen, die von Todesahnung geprägt sind. Das umfangreiche Booklet bietet neben einer Reihe wertvoller Informationen auch eine deutsche Übersetzung der Liedtexte.

Von tiefer Trauer erfüllt ist auch der Liederzyklus „Kindertotenlieder“, den Gustav Mahler auf die erschütternden Gedichte Friedrich Rückerts komponierte, der darin den Verlust zweier Kinder durch Scharlachfieber thematisierte. Die Wiedergabe dieses Zyklus kann trotz der einfühlsamen Begleitung durch den Pianisten Lech Napierala nicht vollständig überzeugen. Koniecznys warm timbrierte Stimme findet nicht vollständig in den Mahler eigenen Duktus, trotz akzentfreiem Deutsch bleibt der Text passagenweise undeutlich. Die etwas dumpfe Akustik der Einspielung erleichtert das Verständnis auch nicht wirklich.

Interessant und hörenswert ist die CD aber insgesamt doch, weil hier persönliche Betroffenheit und Engagement aus jeder Note zu hören sind. Vor allem der polnischen Lieder wegen hörens-und empfehlenswert!

Peter Sommeregger, 8. März 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Tomasz Konieczny, Interview, Apokalypse Münchner Künstlerhaus, 7.11.21, Musikverein Wien, 16.11.21

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