Deutsche Oper Berlin: Wagner und Zeitgenossen im Wechselspiel

Lieder-und Arienabend Alejandro Marco-Buhrmester,Richard-Wagner-Verbandes Berlin-Brandenburg,  Deutsche Oper Berlin

Foto: Günter Karl Bose (c)
Deutsche Oper Berlin,
12. November 2018
Lieder-und Arienabend Alejandro Marco-Buhrmester als Abschluss des Symposiums des 
Richard-Wagner-Verbandes Berlin-Brandenburg

von Peter Sommeregger

Als krönenden Abschluss seines diesjährigen Symposiums lud der Richard-Wagner-Verband Berlin -Brandenburg zu einem Konzert ins Foyer der Deutschen Oper Berlin ein. Der Bass-Bariton Marco-Buhrmester ist in Berlin kein Unbekannter, vielen der Anwesenden war er auch von seinen regelmäßigen Bayreuther Auftritten bekannt.

Entsprechend dem Anlass sollte natürlich Wagner im Vordergrund des Programms stehen. Der sympathische Sänger hatte die interessante Idee, Stücke von Wagner solchen von Zeitgenossen gegenüber zu stellen, und zwar jeweils die gleiche Thematik oder sogar den gleichen Text behandelnde.

Der erste Teil „Lieder aus Faust“, stellte drei frühe Vertonungen Richard Wagners solchen von Ferruccio Busoni, Ludwig van Beethoven und Charles Gounod zum Vergleich vor. Marco-Buhrmester gestaltete die kurzen Stücke jeweils sehr pointiert und mit einer gehörigen Portion Humor, die in diesen Liedern ja auch angelegt ist.

Noch erheblich anspruchsvoller war der zweite Teil gestaltet, der unter dem Motto „Vierer Könige Verlust: Vater, Güte, Liebe, Treue“ stand. Die große Arie des Königs Vladislav aus Bedrich Smetanas viel zu selten gespielter Oper Dalibor ist eine sehr facettenreiche Komposition, für den geschmeidigen und höhensicheren Bass-Bariton Marco-Buhrmesters ein Paradestück. Es folgte Amfortas‘ Klage aus dem dritten Akt des Parsifal, dem Sänger gelang es auch hier, die besondere Atmosphäre des Werkes hörbar zu machen und sich in die zu interpretierende Rolle zu vertiefen.

Die große Arie des Königs Philipp aus Verdis Don Carlos gehört wiederum einer ganz anderen musikalischen Welt an. Mit ausgezeichneter Phrasierung und idiomatisch sauberem Italienisch lieferte der Sänger ein ergreifendes Porträt des unglücklichen Königs. Wagners Gegenstück dazu, die Klage des Königs Marke aus Tristan und Isolde beschloss das Programm. Auf allgemeinen Wunsch des Publikums musste Marco-Buhrmester als Zugabe die Verdi-Arie wiederholen, die beim zweiten Mal noch eindrucksvoller gelang.

Der aus Texas stammende Pianist Jonathan Ware, der seine Studien in Berlin an der Hochschule für Musik „Hans-Eisler“ abschloss, war an diesem Abend nicht nur ein sensibler Begleiter, er gestaltete den jeweiligen Klavierpart so gekonnt, dass man das Fehlen eines Orchesters nicht als störend empfand. Alejandro Marco-Buhrmester und ihm gelang es, im  nüchternen Foyer der Deutschen Oper eine dichte und konzentrierte Atmosphäre zu erzeugen. Chapeau!

Peter Sommeregger, 13. November 2018, für
klassik-begeistert.de

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