Staatstheater am Gärtnerplatz, München: Zuckersüße Walzerseligkeit

Wiener Blut, Operette, Johann Strauß (Sohn),  Staatstheater am Gärtnerplatz, München

Foto: © Christian POGO Zach
Staatstheater am Gärtnerplatz, München
Spielzeitpremiere,
9. November 2018
Wiener Blut, Operette
Musik von Johann Strauß (Sohn)
Für die Bühne bearbeitet von Adolf Müller jun.
Libretto von Viktor Léon und Leo Stein

von Barbara Hauter

Wer bei dieser Inszenierung des Gärtnerplatztheaters nicht in Champagnerlaune kommt, ist selber schuld. Der Lebenssaft des Gärtnerplatztheaters sprudelt bei Wiener Blut besonders temperamentvoll. Da kommt auch das Blut der Zuschauer in Wallungen. Man amüsiert sich prächtig. Und es macht auch den Sängern und Musikern Spaß. Das hört man.

Zwei Engel, ein bayrischer und ein österreichischer, eröffnen den Liebesreigen –  ganz herzallerliebst mit blonden Locken und in Lederhosen. Zuckerwatte-Wölkchen schweben am Theaterhimmel. Das Portal auf der Drehbühne, das verziert mit Gustav Klimtschen Bildmaterial mal zur Villa, mit Riesen-Trauben mal zum Heurigen wird, könnte direkt von Sacher stammen.

Die Worte fliegen, die Sänger und Schauspieler sind von der Leine gelassen und legen in breitestem Wiener Schmäh los. Übertitel wären ganz nett. Zumindest für Nicht-Süddeutsche ist der Text kaum zu verstehen und man wundert sich über die vielen Lacher um sich herum. Die wunderbaren Sänger entschädigen aber sofort. Die Melodien perlen regelrecht. Der Abend gehört ganz besonders den beiden Debütantinnen. Alexandra Reinprecht singt die  Gräfin Zedlau mit Grandezza. Sie scheint mit ihrer überlegenen Art in dem Verwechslungsspiel jederzeit die Fäden in der Hand zu haben. Jungsängerin Ilia Staple ist kurzfristig für Jasmina Sakr als Probiermamsell Pepi Pleininger eingesprungen. Mit Witz und Tanzfreude ist sie einfach süß anzusehen und anzuhören.

Wiener Blut gilt vielen als die Inkarnation der Operette. Das Libretto erzählt von den amourösen Eskapaden des Grafen Zedlau. Ehrlicherweise müsste es statt „von Strauß“ heißen „von Adolf Müller“, er hat die Operette nach Motiven von Strauß aus 31 seiner populärsten Werke zusammengestellt. Sie kam erst vier Monate nach dem Tod des Walzerkönigs auf die Bühne und war zunächst ein Reinfall. Heute ist die Verwechslungskomödie ein Publikumsliebling.

Das liegt zum einen an den Melodien, die ganz oben in der Operettenhitperade plaziert sind, zum anderen an dem vielem gespielten Witz – auch in den Nebenrollen. Der lüsterne Rollstuhlfahrer Graf Bitkowski (Harald Hofbauer) jagt einer gackernden Schar junger Mädchen hinterher. Kagler, der Vater von Demoiselle Cagliari, gespielt von dem Burgtheater erfahrenen Wolfgang Hübsch, ist ebenso weinselig wie grantelnd.

Spritzig-witzig inszeniert macht Wiener Blut im Gärtnerplatztheater einfach Spaß.

Barbara Hauter, 12. November 2018, für
klassik-begeistert.de

Musikalische Leitung: György Mészáros
Regie: Nicole Claudia Weber
Choreografie: Cedric Lee Bradley
Bühne: Karl Fehringer, Judith Leikauf
Kostüme: Marie-Luise Walek
Licht: Michael Heidinger
Choreinstudierung: Felix Meybier
Dramaturgie: Daniel C. Schindler

Fürst Ypsheim-Gindelbach: Hans Gröning
Balduin Graf Zedlau: Daniel Prohaska
Gabriele Gräfin Zedlau: Alexandra Reinprecht
Demoiselle Franziska Cagliari: Sophie Mitterhuber
Kagler: Wolfgang Hübsch
Pepi Pleininger: Ilia Staple
Josef: Christoph Filler
Graf Bitowski / Ein Fiakerkutscher: Harald Hofbauer

Chor und Statisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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