Martha Argerich beendet ihr Festival in Hamburg bei 35 Grad mit Megakonzert

Martha Argerich Festival, „Krönende Freundesbande“,  Laeiszhalle, Hamburg, Großer Saal, 30. Juni 2019  

Fotos: Martha Argerich © Daniel Dittus
Laeiszhalle, Hamburg, Großer Saal, 30. Juni 2019
Martha Argerich Festival, „Krönende Freundesbande“
Veranstalter: Symphoniker Hamburg
Intendant: Daniel Kühnel

Ludwig van Beethoven
Sonate G-Dur op. 30/3 für Violine und Klavier
Clara Schumann
Klaviertrio g-Moll op. 17
Robert Schumann
Andante und Variationen B-Dur WoO 10 Nr. 1 / Fassung für zwei Klaviere, zwei Violoncelli und Horn
Johannes Brahms
Sonate F-Dur op. 99 für Violoncello und Klavier
Sergej Prokofjew
Filmmusik / Arrangement für zwei Klaviere von Sergei Babayan
Witold Lutosławski
Variationen über ein Thema von Paganini für zwei Klaviere
Franz Schubert
Klaviertrio Es-Dur D 897 »Notturno«
Johann Sebastian Bach
Konzert für vier Klaviere a-Moll BWV 1065

von Eva Stratmann

Hamburg: Es ist nicht einfach, als Journalist im Zustand der Sprachlosigkeit über das Abschlusskonzert eines atemberaubenden Festivals zu berichten. Versuchen wir es trotzdem und benutzen dabei so wenige Superlative wie möglich.

Am Sonntag gab Martha Argerich in der Laeiszhalle das mehr als vierstündige Abschlusskonzert ihres Festivals. Es war das elfte Konzert in Reihe, das sie trotz hartnäckiger Lungenentzündung großzügig zelebrierte. Zum Finale schütteten die Solistin und ihr Ensemble aus 16 Freunden und den Hamburger Symphonikern gemäß dem Motto des Abends „Krönende Freundesbande“ noch einmal das volle Horn aus.

Geboten wurde ein Repertoire aus zehn, teilweise selten aufgeführten Werken. Eröffnet wurde der Abend vom Cello-Urgestein Mischa Maisky und seinen Kindern Sascha (Violine) und Lily (Klavier). In Teil eins des Konzerts faszinierten mich besonders die junge Pianistin Sophie Pacini, der Geiger Adrian Iliescu und der Cellist Edgar Moreau bei Clara Schumanns Klaviertrio g-Moll mit ihrem jugendlichen und charakterstarken Spiel.

Martha Argerich © Daniel Dittus

In Teil zwei kam Martha Argerich hinzu. Die musikalische Mischung brachte auch seltene Perlen der Kammermusik zu Gehör. So zum Beispiel Schumanns Andante und Variationen B-Dur für zwei Klaviere, zwei Celli und Horn, meisterhaft lebendig gespielte Fantasiestücke op. 73 von Schumann oder der für mich entrückend zauberhaften Polonaise Brillante in C-Dur von Chopin. Trotz 35 Grad Außentemperatur war die Laeiszhalle bis auf den letzten Platz ausverkauft, und das sonst eher kühle Hamburger Publikum zeigte frenetische Begeisterung.

Der Intendant Daniel Kühnel fand für dieses besondere Gemeinschaftsgefühl die passenden Worte und dankte in seiner Rede: „Eine Welle aus Freude und Freundschaft schwappte von der Bühne auf das Publikum und dann wieder aus dem Zuschauerraum zurück auf die Bühne, und es war ein einziges Fest der großen Freude und des Miteinanders.“

Die paar wenigen musikalischen Hänger waren an diesem Abend neben den Umbaubaupausen eine willkommene Verschnaufpause zwischen den zahlreichen Glücksmomenten und intensiven Gefühlen, die die Musiker im Publikum auslösten. In Teil drei des langen Abends hauchten die Pianisten Sergei Babayan und Evgeni Bozhanov Claude Debussys Petit suite für zwei Klaviere mit einer entrückender Sanftheit in die Tasten, wie ich dieses Stück zum ersten Mal hören durfte.

Kaum möglich ist es, sämtliche Highlights dieses magischen Abends zu benennen. Zu erwähnen ist aber auf jeden Fall das abschließende
Bach-Konzert für vier Klaviere und Orchester a-Moll, mit dem Martha Argerich, Dong Hyek Lim, Sophie Pacini und Mauricio Vallina am Klavier den Abend gemeinsam mit den Hamburger Symphonikern das Festival beendeten. Es war ein wirkliches Riesen-Konzert, wie ich es nie erlebt habe. Zum Ende des Abends schlug Martha Argerich einen riesigen Gong zum symbolischen Abschluss des Festivals 2019. Eine wirkungsvolle Geste, die ihr offensichtlich großen Spaß machte.

Eva Stratmann, 2. Juli 2019, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Symphoniker Hamburg
Péter Gulyka, Horn
Geza Hosszu-Legocky, Violine
Sascha Maisky, Violine
Mischa Maisky, Violoncello
Edgar Moreau, Violoncello
Martha Argerich, Klavier
Sergei Babayan, Klavier
Evgeni Bozhanov, Klavier
Karin Lechner, Klavier
Lily Maisky, Klavier
Sophie Pacini, Klavier
Sergio Tiempo, Klavier
Mauricio Vallina, Klavier
Adrian Iliescu, Dirigent, Violine

 

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