Bayerische Staatsoper: Doch die Sonne, die scheint so toll! Ein musikalischer Zoobesuch

Montagsstück für Kinder: TÖRÖÖÖÖ  Bayerische Staatsoper, München, Stream, 05. April 2021

Eine tolle Idee, dieser musikalische Zooausflug! Er macht mir Spaß und gute Laune. Er zeigt mir die Vielfalt der Gefühle auf, die ich haben kann und wie sie über die Musik in mich hineingesungen werden.

Bayerische Staatsoper, München, Stream, 05. April 2021
Rezension des Videostreams: Montagsstück für Kinder: TÖRÖÖÖÖ

von Frank Heublein

Es dauert nicht lange, bis selbst die Erwachsenen herausbekommen, was eine wirklich gute Entscheidung ist. Im Opernhaus, da ist gerade nichts los. „Zu Hilfe! Zu Hilfe! Sonst bin ich verloren“ singt normalerweise Tamino in Mozarts Zauberflöte. Hier singen es gemeinsam Mirjam, Yajie, Milan und Michael. Sie sind Sänger und Sängerinnen in der Oper in München und schieben echten Frust im derzeit trüben leeren Opernhaus. Es ist niemand da, für den sie singen dürfen. Da hat Milan die trotzige Idee, dass im Zoo bestimmt was los ist!

Im Tierpark Hellabrunn angekommen, geht es zuerst zu den Vögeln. Die Vorfreude auf das Erlebnis, den Zoo, den Frühling wird mit „Alle Vöglein sind schon da“ ausgesungen von Michael und Milan. Doch so richtig ausgelassen ist die Operntruppe noch nicht. Sehnsüchtig bedrückt finde ich die folgenden beiden Lieder von Milan und Mirjam. Dazwischen spricht Michael das Gedicht „Sieben kleine Meisen“ von Matthias Claudius. So betrübt, hab ich mir das Erleben nicht vorgestellt im Zoo. Selbst wenn es kalt ist, danach jedenfalls schauen die dicken Kleider aus. Doch die Sonne, die scheint so toll!

Mirjam, Yajie, Milan und Michael finden wohl auch, dass es so nicht weitergehen darf. Alle vier singen zusammen „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ und verbreiten damit Frohsinn. Endlich! Jetzt beginnt es mir Spaß zu machen. Denn Michael spricht von Christian Morgenstern das vorwitzige Gedicht „Von dem großen Elefanten“. Vielleicht sollte ich auch mal Otto besuchen gehen? Otto, den ich dazu im Bild sehe, ist der kleine Elefant in Hellabrunn, der Faxen macht. Ausgelassen und voll Schabernack singen die vier Sängerinnen und Sänger das zu Elefanten passende Lied „Was müssen das für Bäume sein“.

Jetzt wird es bedrohlich. Denn es kommt ein Krokodil ins Spiel und Bild – wenn ich die Nasenlöcher richtig deute, ausgesprochen in einem Gedicht von Josef Guggenmos. Zum Glück geht es glimpflich aus, denn Schokolade, die muss dem Krokodil doch munden, die mag doch jeder.

© Wilfried Hösl, Bayerische Staatsoper – Nationaltheater

Im Affenhaus herrscht Aufregung. Natürlich nur bei Mirjam, Yajie, Milan, Michael und Akkordeonistin Daniela. Die singen erschrocken über die verschwundene Kokosnuss. Die Affen bleiben cool bei „Die Affen rasen durch den Wald“. Genau das Richtige, um mich vom Krokodilstress abzulenken.

Von der Aufregung im Affenhaus geht es weiter zu den Pinguinen. Die Lieder und Joachim Ringelnatz Gedicht „Pinguine“ vermitteln mir Geborgenheit und Entdeckungswille. Mirjam und Milan singen dann abwechselnd von fünf Gefühlen. So kann ich sein: glücklich, wütend, albern, traurig und fröhlich. Mit ihrem Gesang bekommen sie es hin, dass ich mich für einen Moment immer genau das Gefühl empfinde, über das sie gerade singen.

Erneut wird es nachdenklich. Michael spricht einen Teil von Gottfried Kellers Gedicht „Am fließenden Wasser“, in dem Sehnsucht eine Rolle spielt. Mirjam und Yajie zeigen singend auf, dass Sich-Sorgen-Machen anstrengend ist und versuchen sich gegenseitig dabei zu übertreffen. Das ginge bestimmt ziemlich schief, wenn es tatsächlich jemand versuchen würde. So ist es nur ein Sängerinnenwettstreit, den keine der beiden gewinnt. Yajie singt „Wide wide wenne heißt meine Puthenne“. Puthennen scheinen mir unruhige Tiere zu sein, so wie das hier klingt.

„Der Kuckuck und der Esel“ bringt die strahlende Freude zurück, die der gemeinsame Besuch im Zoo auslöst. Die Freude, gemeinsam und für jemanden singen zu dürfen. Für die Tiere im Zoo, die Zuschauer am Bildschirm und hoffentlich auch bald wieder im Opernhaus vor lebendigen Zuschauern. Die klatschen dann auch bestimmt! Mein Klatschen hören Mirjam, Yajie, Milan, Michael und Daniela nämlich heute leider nicht.

Eine tolle Idee, dieser musikalische Zooausflug! Er macht mir Spaß und gute Laune. Er zeigt mir die Vielfalt der Gefühle auf, die ich haben kann und wie sie über die Musik in mich hineingesungen werden.

Frank Heublein, 6. April 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Programm

Kinderlieder und Gedichte, in denen Tiere die Hauptrolle spielen

Besetzung

Solistin   Mirjam Mesak

Solistin   Yajie Zhang

Solist    Milan Siljanov

Solist und Erzähler   Michael Nagy

Akkordeon       Daniela Huber
Klavier   Alessandro Stefanelli

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