Richard Wagners Seefahrer-Oper begeistert auf Weltklasseniveau!

Richard Wagner, Der fliegende Holländer, Inszenierung Philipp Stölzl  MusikTheater an der Wien, 20. Oktober 2026

Jordan Shanahan (Der Holländer), Lina Lottes (junge Senta), Arnold Schoenberg Chor © Matthias Baus

Prädikat „absolut sehens- und hörenswert“!

Wenn Sie auf der Kärntner Straße stadtauswärts unterwegs in Richtung Wiener Staatsoper sind, dann gehen Sie die paar Hundert Meter weiter zum MusikTheater an der Wien. Da erwartet Sie eine selten so grandiose Aufführung des „Fliegenden Holländers“– leider ist da nur noch bis zum 30. Oktober 2026 Zeit!

Richard Wagner   Der fliegende Holländer

Musikalische Leitung:  Robert Jindra

Inszenierung und Licht:  Philipp Stölzl
Szenische Neueinstudierung:  Philipp Stölzl

Daland:  Wilhelm Schwinghammer
Senta:  Ambur Braid                                          Erik:  Cameron Becker
Mary:  Ieva Prudnikovaitė
Der Steuermann Dalands:  James Ley
Der Holländer:  Jordan Shanahan

Wiener Symphoniker

Arnold Schoenberg Chor (Leitung:  Erwin Ortner)
Statisterie des MusikTheaters an der Wien

Koproduktion mit der Staatsoper Unter den Linden, Berlin – Originalproduktion des Theaters Basel (Premiere in Basel 8. Jänner 2009)

MusikTheater an der Wien, 20. Oktober 2026

von Herbert Hiess

Es ist fast wie in einem Film; man stelle sich einen teilweise rebellischen Teenager vor, dessen einziger Lebensinhalt offenbar die Sage um den in „alle Ewigkeit verdammten“ holländischen Seefahrer besteht. Und keiner – nicht ihr Vater Daland, nicht ihre Amme Mary können Sie bewegen, sich von diesem Buch zu lösen und in den Alltag einzutauchen.

Man betrat das Theater mit einer gewissen Skepsis, da von Stölzls Arbeiten schon einiges bekannt ist. Aber wie er diese Sage auf menschliche Ebene bringt, ist unvergleichlich.

Ambur Braid (Senta) © Matthias Baus

Es ist sozusagen die Bühne auf der Bühne; vorne sieht man Sentas Freuden und Leiden, während sich auf dieser speziellen Bühne die Handlung abspielt; offenbar ist Dalands Tochter die Einzige, für die diese Handlung sichtbar ist.

Am Anfang war das alles noch gewöhnungsbedürftig; steigerte sich dann bis zum Schluss auf unheimliche Stärke. Der Schluss war der bewegendste, den man von dieser Oper bisher erlebt hat.  Letztlich stirbt Senta auf offener (Haupt-)Bühne, während dahinter auf dem holländischen Schiff das Erlösungsdrama stattfindet. Ihre Sterbeszene erinnerte mehr als eindringlich an Verdis „La Traviata“ oder an Puccinis „La Bohème“. Und war genauso tränentreibend wie die beiden genannten Opern.

Stölzl zeigt auch ganz die menschliche Ebene; vor allem bei Daland, dem Vater Sentas. Er möchte sie sowohl eindringlich als auch aufdringlich verkuppeln; das erinnert an Beethovens „Fidelio“, wo Rocco seine Tochter Marzelline mit der Hauptperson dieser Oper verbinden will (was natürlich schiefgeht). Hier bei Stölzl sah man auf der Bühne einen „alten Sack“ (wie es in der pubertären Sprache so schön heißt), der bei Senta natürlich kein Interesse weckte.

Auch Erik, der sie anbete, blitzte angesichts des Rivalen Holländer kräftig ab. Schon allein wegen dieser großartigen Regie sollte man sich diese Aufführung nicht entgehen lassen.

Cameron Becker (Erik), Ambur Braid (Senta) © Matthias Baus

Auch musikalisch war diese Produktion hochklassig – und die Senta sogar Weltklasse. Man könnte  Ambur Braid als Entdeckung bezeichnen. Warum diese Kanadierin in Wien bis jetzt nie zu sehen und zu hören war, kann auch der Intendant der Wiener Oper sicher nicht erklären.

Auf alle Fälle hat sie einen gewaltigen und durchschlagskräftigen, fast ins dramatische Fach reichenden Sopran. Einzigartig, wie sie auch mit ihrer Stimme spielte; in ihrer großen Ballade war plötzlich in der zweiten Strophe das kleinmädchenhafte zu hören, als sie wieder in ihre Phantasiewelt abdriftete.

Lina Lottes (junge Senta), Arnold Schoenberg Chor © Matthias Baus

Der musikalische Teil war auf höchstem Niveau grundsolide. Natürlich könnte man da und dort was kommentieren; bringt aber im Detail nichts.

Störend war manchmal die mangelnde Präzision des Chores; vor allem deutlich hörbar bei den Damen im Prestissimo im zweiten Akt „Ach! Wie viel hab ich ihn zu fragen“. Aber das sind letztlich nur Kleinigkeiten.

Resümee:  wer eine besondere Produktion dieser romantischen Oper sehen und hören will, soll sich ins MusikTheater an der Wienzeile begeben!

Gelegenheit dazu gibt es am 22., 25., 28. und 30. Oktober 2026.

Prädikat „absolut sehens- und hörenswert“!

Herbert Hiess, 21. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Richard Wagner, Der fliegende Holländer, Inszenierung Philipp Stölzl MusikTheater an der Wien, 17. Oktober 2026

 

„Alla Napoletana“ Christina Pluhar und L’Arpeggiata MusikTheater an der Wien, 27. September 2026

Francesco Cavalli: La Calisto, L’Arpeggiata / Christina Pluhar MusikTheater an der Wien, 26. September 2026

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