Einer der Trümpfe des gefeierten Liedersängers Matthias Goerne war stets seine, für den Liedgesang unverzichtbare Textdeutlichkeit. Enttäuschend empfindet man daher schon beim ersten Lied seiner neuen, ausschließlich Kompositionen Robert Schumanns gewidmeten CD, die verwaschene, unscharfe Diktion des Sängers, die den literarisch bedeutenden Texten der Lieder keineswegs gerecht wird.
Robert Schumann
Zwielicht
Matthias Goerne
Markus Hinterhäuser
Deutsche Grammophon 486 9039
von Peter Sommeregger
Ist es ein Tribut an das Alter des Sängers, ein ungünstig gewählter Zeitpunkt für die Aufnahmen? Letzteres kann man ausschließen, da jene sich vom Dezember 2022 bis Mai 2025 hinzogen.
Stattgefunden haben sie im Berliner Teldex Studio, und es drängt sich der Verdacht auf, dass eine ungünstige Raumakustik, bzw. Abmischung der Bänder die Ursache für das unbefriedigende Hörerlebnis sind. Der wunderbare Liederkreis op.39 auf Texte Joseph von Eichendorffs verpufft so im Ungefähren, selbst die ikonische „Mondnacht“ ist weitgehend ihrer Wirkung beraubt. Gleiches gilt für die Lieder und Gesänge aus Wilhelm Meister, und die fünf der schottischen Königin Maria Stuart zugeschriebenen Gedichte.
In Markus Hinterhäuser hat Goerne einen hoch sensiblen und versierten Begleiter, den keine Schuld am Misslingen der Einspielungen trifft. Man kann nicht ausschließen, dass der Effekt des etwas verschwommenen Klangbildes vielleicht, den Titel der CD aufgreifend, sogar beabsichtigt war. In diesem Fall wäre es jedoch ein bedauerlicher Missgriff gewesen.
Man hofft, Matthias Goerne bald wieder live oder in einer neuen CD-Produktion zu erleben, die technisch besser gelungen ist.
Peter Sommeregger, 17. Juli 2026, für klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Herbert hört hin 8: Matthias Goerne Musikverein Wien, 28. November 2025
Goerne und Trifonov, Franz Schubert, Die schöne Müllerin Musikverein Wien, 26. November 2025