Joseph Beers Operetten erleben eine Renaissance

Joseph Beer, Der Prinz von Schiras/Polnische Hochzeit klassik-begeistert.de, 19. Juli 2026

 

Die Biographie des 1908 in Chodorow, damals noch zu Österreich-Ungarn gehörig, geborenen Joseph Beer ist ein gutes Beispiel für die durch die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts bedingten gebrochenen Lebensläufe.

Joseph Beer
Der Prinz von Schiras

Philharmonisches Orchester Regensburg
Stefan Veselka

cpo-555 670-2

Polnische Hochzeit

Münchner Rundfunkorchester
Ulf Schirmer

cpo- 555 059-2

von Peter Sommeregger

Beer, einer wohlhabenden jüdischen Familie entstammend, studierte in Wien bei Joseph Marx und komponierte anfangs Stücke verschiedener Genres, wobei ihm mit der Operette „Der Prinz von Schiras“, uraufgeführt 1934 in Zürich, ein erster großer Erfolg gelang. Diesen konnte er mit der „Polnischen Hochzeit“ 1937 noch übertreffen, aber als Österreich 1938 dem Deutschen Reich unter Hitler angeschlossen wurde, musste Beer aus Wien fliehen. In Paris fand er eine erste Zuflucht, aber nach dem Einmarsch der Deutschen musste er weiter, nach Südfrankreich fliehen. In Nizza überdauerte er die Jahre bis zum Ende des Krieges. Während seine beiden Operetten weiterhin, vor allem in skandinavischen Ländern, gespielt wurden, wandte sich Beer anderen Formen der Musik zu. Nach dem Krieg wollte er von Wiederaufführungen seiner erfolgreichen Bühnenwerke nichts wissen.

 

Lange nach dem Tod Beers im Jahr 1987 nahm seine Tochter Béatrice, eine Sängerin, einzelne Nummern in ihre Konzertprogramme auf, und weckte damit die Neugier auf das Werk ihres Vaters. Es dauerte bis 2012, dass eine neue Aufführung der „Polnischen Hochzeit“ zustande kam. Inzwischen wird diese ebenso wie der „Prinz von Schiras“ wieder verstärkt wahrgenommen.

Beim Baltic Opera Festival 2026 in Gdansk fand im dortigen Opernhaus die Erstaufführung der „Polnischen Hochzeit“ in polnischer Sprache statt.

Dem rührigen Label cpo ist es zu verdanken, dass beide Operetten auch auf Tonträgern zugänglich sind. Ist die Einspielung des „Prinzen von Schiras“ der Mitschnitt einer Live-Aufführung im Theater Regensburg 2023, so entstand die Aufnahme der „Polnischen Hochzeit“ bereits 2016 mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer.

Stilistisch unterscheiden sich die beiden Werke nicht unerheblich. Ist die erste der Operetten stilistisch den Werken Paul Abrahams nahe, greift auch auf Elemente des Jazz zurück und ist auch vom Sujet her ein moderner Stoff, so bindet die „Polnische Hochzeit“ dagegen starke folkloristische Elemente in die Musik ein, die Handlung enthält auch deutliche Anspielungen auf die zur Zeit der Handlung bestehende Fremdherrschaft in Polen. Die Nummer „Katzenaugen“ ist ein wahrer Ohrwurm und  in ihrem fetzigen Stil beinahe ein Fremdkörper in der Partitur.

In beiden Fällen tragen die Sänger zu gelungenen Aufführungen wesentlich bei. Wie fast immer in Operetten, sind die markantesten Nummern den Tenören vorbehalten, hier können mit „Du warst der selige Traum“ Carlos Moreno Pelizari als Prinz, und Nikolai Schukoff mit „Du bist meine große Liebe“ als Pole Boleslav besonders punkten.

Den Kompositionen Joseph Beers möchte man gerne weitere Verbreitung wünschen, bühnenwirksam und musikalisch gehaltvoll sind sie allemal!

Peter Sommeregger, 13. Juli 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

CD/Blu-ray Besprechung: Joseph Beer, Der Prinz von Schiras klassik-begeistert.de, 16. März 2026

Die Straßensängerin, Operette von Leo Fall, Leitung Tobias Engeli klassik-begeistert.de, 21. April 2026

CD/Blu-ray Besprechung: Jonas Kaufmann, Magische Töne klassik-begeistert.de, 17. April 2026

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