Zubin Mehta beweist eindrucksvoll, dass der Geist über den Körper siegen kann

Pinchas Zukerman, Violine, Wiener Philharmoniker, Dirigent Zubin Mehta  Wiener Konzerthaus, 18. März 2026

WPHIL, Zubin Mehta, Pinchas Zukerman © Lukas Beck

Ohne allzu sehr die Larmoyanz ins Spiel bringen zu wollen – allein die Auftritte des wunderbaren Dirigenten Zubin Mehta, der am 29. April seinen 90. Geburtstag begeht, sind mehr als berührend anzusehen. Ist er dann am Podium, ist er bewundernswert agil. Und interessant dabei ist, dass seine Interpretationen jetzt erst an Größe gewonnen haben.

Carl Maria von Weber: Ouvertüre zu „Oberon“ J 306
Max Bruch: Konzert für Violine und Orchester in g-moll op. 26
Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 7 in A-Dur op. 92

Pinchas Zukerman, Violine
Wiener Philharmoniker
Dirigent: Zubin Mehta

Wiener Konzerthaus, 18. März 2026

von Herbert Hiess

Der indische Maestro, der früher beim Niederösterreichischen Tonkünstler Orchester Kontrabass spielte und dann gemeinsam mit Claudio Abbado bei Hans Swarowsky dirigieren studierte, ist ja schon seit Jahrzehnten eine fixe Größe in der Spitzenliga der Dirigenten.

Als junger und gutaussehender Mann war er manchmal lieber ein Dandy als ein ernsthafter Dirigent. Und seine außerordentliche Begabung dazu öffnete ihm Tür und Tor, leider war dann öfters „Leichtigkeit“ das Fazit. Aber diese Attitude ist nun vorbei – in den letzten Jahren wurde er zum ernsthaften Interpreten; bei vielen Werken ist zu hören, dass er erst jetzt das Publikum an seinen musikalischen Erkenntnissen teilhaben lässt.

WPHIL, Zubin Mehta, Pinchas Zukerman © Lukas Beck

Das Konzert begann mit der „Oberon“-Ouvertüre von Weber; die Weber’sche Sichtweise auf Shakespeares „Sommernachtstraum“. Schon war man da inmitten in die Zauberwelt von Oberon, Puck und den Elfen. Phantastisch schon das Hornsolo zu Beginn, traumhaft das Flirren der Elfen durch die Streicher. Dazu noch die genialen Holz- und Blechbläser – da war das Konzert-Glück schon perfekt! Und beweist außerdem, dass die Philharmoniker tatsächlich weltweit gesehen auf allerhöchstem Niveau unterwegs sind.

Danach das berühmte Violinkonzert von Max Bruch, das vor allem durch das „Adagio“ berühmt wurde. Dieses „Adagio“ lieferte Richard Strauss eines der wichtigsten Motive seiner „Alpensinfonie“. Pinchas Zukerman überragte hier erwartungsgemäß auf seiner Violine und verzauberte das gut halbstündige Werk mit der von ihm gewohnten Sensibilität und Sentiment und Brillanz. Eine wahre Freude, das mithören zu können.

WPHIL, Zubin Mehta, Pinchas Zukerman © Lukas Beck

Und als Hauptwerk gab es Beethovens siebente Symphonie, die das hohe Spielniveau der Philharmoniker beweist; sie hätten das Wunschorchester von Beethoven sein können. Im Gegensatz zu den mittlerweile allgegenwärtigen „Originalklagaposteln“ erwartete man sich hier eine konventionelle Aufführung.

Aber diese Erwartungen wurden schon nach den ersten Takten zerstört; Mehta machte aus dieser Evergreen-artigen Komposition ein richtiges Klangspektakel – er und das Orchester kosteten die Wechselbäder zwischen Lyrik und Dramatik mit voller Inbrunst aus. Mit getragenen Tempi und fast ohne Wiederholungen konnte man diese Symphonie so hören wie schon lange nicht. Und trotz dieser Tempi gab es eine permanente Hochspannung.

Wunderbar, wie natürlich Mehta die Übergänge im zweiten Satz (Allegretto) gestaltete. Ein Konzert, dass man sich noch lange merken wird.

WPHIL, Zubin Mehta, Pinchas Zukerman © Lukas Beck

Leider ist der Dirigent am Ende seines Lebensweges angekommen und man kann bei seinen Auftritten bewundernswert erkennen, dass der Geist und Wille oft stärker sind als physische Gegebenheiten.

WPHIL, Zubin Mehta, Pinchas Zukerman © Lukas Beck

Beim Schlussapplaus ließ das Konzerthaus es sich nicht nehmen, als Referenz für seinen kommenden 90. Geburtstag einen Konfettiregen zu vollführen.

Mehta und das Orchester haben sich das mehr als verdient. Auf alle Fälle ein großartiges und unvergessliches Konzert mit melancholischem Beigeschmack.

Herbert Hiess, 19. März 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

West-Eastern Divan Orchestra, Zubin Mehta Musikverein, Wien, 22. Februar 2026

Pinchas Zukerman und Zubin Mehta Wiener Konzerthaus, 16. Jänner 2025

HHH 4: West-Eastern Divan Orchestra, Zubin Mehta Dirigent Wiener Konzerthaus, 8. März 2025

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