Lyatoshynsky Trio © lyatoshynskytrio
Kurz außerhalb der Wiener Stadtgrenze in Baden gastiert das Lyatoshynsky Trio mit einem spannenden Abend an abwechslungsreichen Klaviertrios. In Beethovens einstigem Kurort lebte die Musik mindestens genauso freudig wie in den musikalisch opulent verzierten Häusern am Ring!
Lyatoshynsky Trio
Mykhaylo Zakharov, Violine
Susanne Szambelan, Cello
Artem Yasynskyy, Klavier
Werke von Johannes Brahms, Borys Lyatoshynsky und Astor Piazzolla
Haus der Kunst, Baden bei Wien, 17. März 2026
von Johannes Karl Fischer
Das blühende Wiener Musikleben macht an der Stadtgrenze nicht halt. Nach nur wenigen S-Bahn-Stationen südlich von Meidling landet man in Baden, Endstation der blau-weißen, straßenbahnartigen „Lokalbahn“, der man vor der Staatsoper öfters über den Weg läuft. Und siehe da, ein paar süße Gassen mit feinen Cafés, ein Beethoven-Haus und ein Stadttheater, das ab September vom Tonkünstler-Orchester bespielt wird. Passender für eine wunderbare musikalische Entdeckungsreise könnte die Atmosphäre nicht sein!
Brahms zu Gast in Beethovens Kurort
Zwar stand im Haus der Kunst heuer nicht Beethoven selbst auf dem Programm, dafür aber sein wohl größter Verehrer des 19. Jahrhunderts, Brahms, in Form dessen Klaviertrios op. 8. Ein Katzensprung von den Massen am Musikvereinstehplatz fühlte man sich wie in einer ganz anderen Welt, als das wunderbar spielende Lyatoshynsky Trio mit brennender Intensität und sanft schwebenden Streicherbögen die Brahms’schen Klänge in die musikalischen Herzen des Publikums eindringen ließ. Das flotte Scherzo tanzte springend von den Saiten, im langsamen Adagio schwebten die wohl platzierten Akkorde sanft im Raum.
Pianist Artem Yasynskyy ließ die teils extrem fordernde Klavierstimme fast schon magisch in der Luft zerschmelzen und das Publikum in die Klangwolken dieses Werks eintauchen. Eine seelische Ruhe trat im Saal ein, ausdrucksvoll standen die Melodien im Raum und ließen das Trio mit einer Seele den Musikabend besingen. Statt in der Pause sich zwischen Weinbar- oder Toilettenschlangen zu drängen, bestand das zwischenmusikalische Programm hier vor allem aus einer Bilderausstellung im Erdgeschoss… insgesamt sehr viel reinigende Kraft für die durch den städtischen Alltagstumult getriebene musikalische Seele. Wunderbar!

Lyatoshynsky nimmt an Fahrt auf
Die äußerliche Stille tat auch dem zweiten Werk des Abends, das 1. Klaviertrio des ukrainischen Komponisten Borys Lyatoshynsky, sehr gut. Denn nach einem fast schon an einen musikalischen Impressionismus erinnernden Klangteppich in den Anfangsakkorden nahm dieses Werk deutlich an Fahrt auf. Beinahe unmerklich zogen die Musiker das Publikum in die wuchtigen Wellen ihrer Melodien, mit denen sie bis zum Schlussakkord die tiefen Emotionen dieser Musik immer weiter in scheinbar unendliche Höhen steigerten. Die perlenden Läufe entfalteten sich zu einer magischen musikalischen Kraft, man spürte die Saiten am Ohr schwingen.

Zuschauer filmt vor Begeisterung auf der Bühne
Im zweiten Teil ging es dann mit Piazzollas Vier Jahreszeiten deutlich entspannter zu. Auch diesen Stimmungswechsel meisterte das Trio mit Bravour und tanzte durch die schwungvollen Melodien. Ein Zuschauer schien von dieser Musik dermaßen begeistert, dass er mit filmender Handykamera die Bühne betritt und sich offenbar den Flügel in Action mal ganz genau anschauen wollte… im Konzerthaus hätte das wohl einen etwas größeren Einsatz des Publikumsdienstes oder gleich der Sicherheitskräfte gegeben. Hier sah man das entspannter – es passte wohl zur allgemeinen Stimmung. Hautnah segelte hier die Musik von der Bühne, die Violine strahlte sonnenhell ins Ohr und berührte das musikalische Herz. Als hätte man diese Musik in seinem eigenen Wohnzimmer. Viel größer als bei einer etwas größeren Hausparty war leider auch das Publikum nicht.

Als Zugabe gab es eine „kleine Meditation.“ Ich würde eher sagen, eine kleine Piazzolla-Reprise zum Abschluss. Noch einmal diese sonnigen Klänge einsaugen, bevor man sich gut gelaunt in den kühlen Frühlingsabend verabschiedete. Der Geist der Wiener Musikszene lebt jedenfalls in Beethovens Kurort nicht weniger freudig als in den musikalisch opulent verzierten Häusern am Ring!
Johannes Karl Fischer, 19. März 2026 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Festival „Beethoven Frühling“ Congress Center Baden bei Wien, 23. Mai 2024
Ensemble Wien Brahms-Saal, Musikverein, Wien, 30. September 2025