Die spanische Oper MARINA sorgt für eine willkommene Abwechslung

Emilio Arrieta (1823-1894)  MARINA  Konzertante Aufführung Bad Wildbad, Kurhaus, 31. Juli 2026

Foto Emilio Arrieta

37. Belcanto Opera Festival Rossini
in
Bad Wildbad 25. – 26. Juli 2026

Unter der Leitung des Dirigenten José Miguel Pérez-Sierra kommt in Bad Wildbad die spanische Oper MARINA von Emilio Arrieta zur Aufführung. Ursprünglich als Zarzuela geschrieben, wurde sie vom Komponisten 1873 zur Oper umgearbeitet. Das Werk ist stark vom italienischen Bel Canto beeinflusst und hat somit seine Aufführung im Rahmen des Rossini Festivals total verdient, auch wenn manch leerer Platz vom bedauerlichen Desinteresse des eingefleischten Rossini-Publikums zeugt!

Emilio Arrieta (1823-1894)  MARINA
Oper in drei Akten (Text von Francisco Camprodón, überarbeitet von Miguel Ramos Carrión)

Musikalische Leitung: José Miguel Pérez-Sierra

Konzertante Aufführung
Bad Wildbad, Kurhaus, 31. Juli 2026

 von Jean-Nico Schambourg

 MARINA wurde 1855 von Emilio Arrieta ursprünglich als Zarzuela komponiert auf einen Text von Francisco Camprodón. Später, auf Drängen des berühmten Tenors Enrico Tamberlick, der u.a. Don Alvaro in Verdis FORZA DEL DESTINO uraufführte, arbeitete Arrieta das Werk zu einer dreiaktigen Oper um (1873). Der Text wurde hierzu von Miguel Ramos Carrión adaptiert.

Diese Fassung wird an diesem Abend in Bad Wildbad aufgeführt und für eine spätere CD-Veröffentlichung auch aufgenommen.

Zur Handlung: Marina wartet auf die Rückkehr des Schiffskapitän Jorge, den sie heimlich liebt. Dieser liebt sie auch und will sie nach der Rückkehr heiraten. Um Jorges Liebe zu testen, bittet Marina den Schiffsbauer Pascual, der ebenfalls in sie verliebt ist, bei Jorge um ihre Hand anzuhalten. Jorge glaubt sich von Marina betrogen und willigt in derer Hochzeit mit Pascual ein. Dieses Missverständnis zieht sich über drei Akte hinweg, in denen sich die unglücklichen Liebhaber immer wieder begegnen, sich ihre wahre Liebe aber nie gestehen.

Als Marina einen Brief erhält, glaubt der eifersüchtige Pascual dieser wäre von einem geheimen Liebhaber. Er verflucht sie und verzichtet auf die Heirat. Der Brief ist aber ein Schreiben von Marinas verstorbenem Vater. Endlich gestehen sich Marina und Jorge ihre wahre Liebe, sodass es zum Happyend kommt.

Die Musik von Arrieta ist klar von dem Genre der Zarzuela gezeichnet. Durch die Umarbeitung wollte Arrieta die Basis für die “spanische Oper” legen, auch wenn das Werk wenig typisch spanisches Lokalkolorit beinhaltet. Eher fällt der starke Einfluss des italienischen Bel Canto auf, was nicht überrascht, da Arrieta einige Jahre in Italien studiert hat, u.a. von 1841 bis 45 am Konservatorium von Mailand. Vieles zeigt hier auf den Kompositionsstil von Gaetano Donizetti, an den auch einige von Arrieto eingefügten musikalische Zitate erinnern.

Das Werk gibt vor allem den Interpreten der Rollen von Marina und Jorge einige Möglichkeiten ein stimmliches Feuerwerk zu entfachen. Im dritten Akt gibt auch die Rolle des Roque seinem Interpreten  Gelegenheit sich zu zeigen. Seine Seguidilla ist dabei das einzige typisch spanische Stück dieses Werks.

Foto Ensemble, Jean-Nico Schambourg

 Dass diese Oper jetzt in Bad Wildbad aufgeführt wird, hat sicher mit dem Dirigenten José Miguel Pérez-Sierra zu tun, der auch musikalischer Leiter des Teatro de la Zarzuela in Madrid ist und sich zusammen mit dem Regisseur Christof Loy stark für die Wiederbelebung der Zarzuela einsetzt. Er geht dieses Werk mit großer Begeisterung an, weiß dem Werk den richtigen Rhythmus einzuflößen. Das Orchester der Szymanowski-Philharmonie Krakau folgt ihm dabei aufs Genaueste.

Allerdings fällt, wie schon vor einigen Tagen in der von ihm an selber Stelle dirigierten GAZZA LADRA von Rossini, sein Hang zur extremen Klangentfaltung auf. Der Saal des Kurhauses ist akustisch sicherlich nicht perfekt. Dem muss aber ein Dirigent Rechnung tragen. Im zweiten Teil finde ich einen leeren Platz weiter hinten im Saal. Da klingt die Musik schon viel ausgeglichener.

Die Sänger geben bei diesen Vorgaben alles und manchmal ein bisschen zu viel. Die Titelrolle wird von Ruth Iniesta mit festem lyrischen Sopran gesungen, der auch die nötigen Farben besitzt, um Marinas Verzweiflung auszudrücken. Die Sopranistin scheut nicht sich stimmlich voll zu verausgaben. Sie schleudert ihre Spitzentöne mit voller Wucht in den Saal, neigt dabei aber im Fortissimo zu einer gewissen Schärfe.

Dies begegnet man auch bei der Darstellung des Jorge durch Celso Albelo. Nach einigen Auftritten im Spintofach hat seine Stimme leider einiges an Morbidezza eingebüsst. Seine Darstellung bewegt sich meistens im Forte-Bereich. Dass er noch immer eine gute Höhe besitzt zeigt er bei jeder sich bieitenden Gelegenheit. In dieser Auffassung ergeben Iniesta und Albelo allerdings ein homogenes Paar.

An sängerischer Qualität ist an diesem Abend Pietro Spagnoli als Roque allen anderen überlegen. Er hat die dankbare Aufgabe Roque, Jorges frauenfeindlichen Freund, darzustellen und manchen im Saal zum Schmunzeln zu bringen. (“Seit Gott die Frau aus der Rippe des Mannes formte, hat dieser eine Rippe weniger und einen Feind mehr!” – Ich hoffe es entrüsten sich jetzt nicht zu viele humorlose Feministinnen)! Mit wunderbar flexibler und warmer Baritonstimme weiß er neben Zynismus auch die Romantik in dieser Musik (siehe Seguidilla) wunderbar auszudrücken.

Die zweite Baritonrolle des Pascual wird mit wuchtiger Stimme von Emmanuel Franco gesungen.  Seine etwas raue Stimme passt perfekt zum etwas ungehobeltem Schiffsbauer, der sein Glück Marina heiraten zu können nur schwerlich fassen kann.

Mit warmem Bass singt Giovanni Accardi die beiden Rollen des Handelskapitäns und des Matrosen. Erwähnt sein muss auch die bravouröse Leistung der jungen Sopranistin Juliette Amirault, die kurzfristig für eine erkrankte Kollegin als Teresa einsprang.

Der Chor der Szymanowski-Philharmonie Krakau bestätigt durch gute Leistung seine Stellung als Chor des Festivals.

Die Initiative dieser Aufführung durch das Rossini Festival Bad Wildbad ist extrem lobenswert, da sowohl der Komponist Emilio Arrieto, als auch die spanische Zarzuela im Allgemein viel mehr Aufmerksamkeit verdient als dies außerhalb Spaniens der Fall ist. Diese Musik enthält unsäglich viele musikalische Perlen. Ist auch nicht alles perfekt an diesem Abend, so darf man sich doch auf ein Wiederhören dieses Abends auf CD freuen.

Jean-Nico Schambourg, 2. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

37. Belcanto Opera Festival Rossini in Wildbad Wildbad, 23. Juli bis 2. August 2026

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