Foto: Herbert Blomstedt (c) Stephan Rabold
Seine Kunst und sein Charisma werden fehlen.
von Peter Sommeregger
Als sich heute die Nachricht vom Tod Herbert Blomstedts wie das sprichwörtliche Lauffeuer verbreitete, war auch ich persönlich davon berührt. Denn der als Sohn schwedischer Eltern in den USA geborene Dirigent verstand es nicht nur, durch seine Interpretationen zu begeistern, er hatte auch die Aura eines wahren Philanthropen, empathisch, zugewandt, und lebensklug.
Es verwundert nicht, dass er von den Mitgliedern der zahlreichen internationalen Orchester, die er teilweise auch als Chefdirigent leitete, nicht nur verehrt, sondern auch geliebt wurde. Er war ein weiser Mann, der in den 99 Jahren seines asketisch geführten Lebens ein tiefes Verständnis für die menschliche Natur entwickelt hatte.
Über die Stationen seines künstlerischen Weges muss man hier nicht noch einmal schreiben, darin überbietet sich gerade die Tagespresse, eine Besonderheit war allerdings, dass er in der Zeit des „Kalten Krieges“ unerschrocken freiwillig in der DDR wirkte, da ihm die Sächsische Staatskapelle in Dresden und das Leipziger Gewandhaus-Orchester künstlerisch wichtig waren, und er die beiden Spitzenorchester für einige Jahre leitete.
In beide Städte ist er immer wieder für Konzerte zurückgekehrt, in seinen letzten Jahren rissen sich alle bedeutenden Klangkörper förmlich um ihn.
Für seinen 100. Geburtstag im nächsten Jahr waren schon Termine vereinbart, aber nun ist ihm der Tod zuvorgekommen, was der tief gläubige Sieben-Tags-Adventist und strikte Vegetarier sicher als Gottes Fügung verstanden hat.
Ich habe eine schöne persönliche Erinnerung an ihn: nach einem Konzert in Dresden war ich Teil einer kleinen privaten Runde gemeinsamer Bekannter, eine flüchtige, aber eindrucksvolle Begegnung. Monate später wollte ich mir nach einem weiteren seiner Konzerte ein Autogramm holen. Als ich ihm in der langen Reihe der Autogrammjäger endlich gegenüberstand, sagte er „Ich kenne Sie doch!“ Ich konnte gar nicht fassen, dass dieser Mann, der permanent mit so vielen wichtigeren Menschen in Berührung kam, mich wiedererkannte. Ich glaube aber, dass dies nicht untypisch für seinen Umgang mit Menschen war, und dafür hat ihn nicht nur die musikalische Welt geliebt.
Seine Kunst, aber auch sein Charisma werden fehlen.
Peter Sommeregger,4. November 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Bruckner, Sinfonie Nr. 4, Herbert Blomstedt Gewandhaus Leipzig, 17. April 2026
Bamberger Symphoniker, Herbert Blomstedt, Dirigent Bamberg, Konzerthalle, 13. Dezember 2025
Buchbesprechung: Herbert Blomstedt, Mission Musik klassik-begeistert.de, 11. Juli 2025
CD-Besprechung: Herbert Blomstedt, Bamberger Symphoniker klassik-begeistert.de, 14. April 2025