Heinz Ferlesch am Pult von Barucco. Credit: Haydnregion Niederösterreich, Abdruck honorarfrei bei Namensnennung.
Der Abend der Klassik-Konzertreihe „Haydnregion Niederösterreich“ bot im Schloss Petronell einem musikalischen Leckerbissen: das “Alexanderfest” von Georg Friedrich Händel, in der von Heinz Ferlesch intensiv und mitreißend gestalteten Interpretation durch das Originalklangensemble Barucco und Barucco Vokal. Das Programm wurde eingeleitet mit einem “Te Deum” des Namenpatrons Joseph Haydn.
Joseph Haydn
Te Deum für Fürst Nikolaus Esterházy in C-Dur Hob/XXIIIc:1
Georg Friedrich Händel
Alexander’s Feast HWV 75
Barucco Orchester und Vokalensemble
Heinz Ferlesch, Dirigent
Festsaal des Schlosses Petronell, Petronell-Carnuntum (NÖ), 17. Mai 2026
von Dr. Rudi Frühwirth
Das einleitende “Te Deum” von Joseph Haydn entstand um 1760, als Haydn seinen Dienst als Vizekapellmeister am Hof des Fürsten Nikolaus Esterházy antrat. Das strahlende Gotteslob kann durchaus auch als Huldigung an den Brotgeber verstanden werden. Orchester wie Chor, geleitet von Heinz Ferlesch, verhalfen dem kurzen, aber ausdrucksstarken Werk zu prächtiger Geltung.
Die Textgrundlage von Händels Oratorium ist “Alexander’s Feast, or the Power of Music”, John Drydens Ode zu Ehren der Heiligen Cäcilia, bekanntlich Schutzpatronin der Musik. Das Gedicht erzählt von einem Festmahl Alexanders des Großen in Persepolis nach dem Sieg über die Perser. Ihm zur Seite ist Thais, seine liebliche Braut. In der Schar der Sänger sitzt ganz oben Timotheus, der durch die Macht seiner Musik den Kriegshelden und die Festgesellschaft durch eine Reihe von Gefühlen steuert: Stolz und Freude über die gottgleiche Gestalt Alexanders, Trunkenheit und Ausgelassenheit im Lobpreis auf Bacchus, Mitleid mit dem besiegten Darius, Rache für die gefallenen Griechen, Zerstörungswut im Brand von Persepolis.
Schließlich erscheint die Heilige Cäcilia und hebt die Musik aus der vorwiegend emotionalen Sphäre auf die himmlische, transzendente Ebene. Im Schlusschor teilt sie sich die Krone mit Timotheus: während er den sterblichen Alexander in den Kreis der Götter versetzt, holt sie einen Engel auf die Erde, die göttliche Musik unter uns Menschen.

Es ist in höchstem Maße bewundernswert, wie Händel die Macht der Musik in seiner Vertonung zu illustrieren versteht. Das Wechselbad der Emotionen wird einfallsreich durch Rezitative, Arien und Chöre abgebildet, charakterisiert durch ständig wechselnde, originelle Instrumentierung und raffinierte Klangeffekte. Der Gegensatz zwischen der irdischen und der transzendenten Macht der Musik wird im Schlusschor eindrücklich hörbar gemacht. Er gipfelt in einer monumentalen Chorfuge, in der Händel seine ganze kontrapunktische Meisterschaft entfaltet, in der sich die Musik in ihrem reinen, wahren Wesen zeigt: nicht als Beschreibung der Welt, sondern als abstraktes Spiel der Themen und Stimmen.

Die Interpretation durch Barucco und Heinz Ferlesch verdient höchstes Lob. Das Orchester bestach durch leidenschaftliches und ausdrucksstarkes Musizieren. Der farbenreiche Klang der Oboen, die sonoren Fagotte, die sicher geblasenen Naturhörner, die virtuos gespielten Trompeten sowie die gesamte Streichergruppe fügten sich zu einem beeindruckenden Klangbild, das im barocken Festsaal des Schlosses mit seiner bemerkenswert guten Akustik die Macht der Musik mit allen Sinnen erleben ließ.

Ebenso großen Anteil am beglückenden Gesamteindruck hatte Barucco Vokal, kein gewöhnlicher Chor, sondern ein Ensemble von Solisten, allesamt vertraut mit historisch informierter Aufführungspraxis. Aus den durchwegs exzellenten Leistungen stachen im ersten Teil die beiden Soprane Maria Ladurner und Katharina Wegscheider heraus, im zweiten Teil der Bassist Daniel Ochoa. Es versteht sich, dass die Chöre und insbesondere die Schlussfuge mit makelloser Präzision gesungen wurden.
Heinz Ferlesch steuerte Orchester wie Chor mit sicherer Hand und ließ die zahlreichen Nuancen der Vertonung plastisch hervortreten. Begeisterter Beifall war der Lohn.
Dr. Rudi Frühwirth, 18. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Besetzung Barucco Vokal
Sopran: Maria Deger, Maria Ladurner, Katharina Wegscheider
Alt: Tobias Knaus, Cornelia Sonnleithner, Therese Troyer
Tenor: Johannes Bamberger, Jakob Gerbert, Jan Petryka
Bass: Alexander Aigner, Daniel Ochoa, Stefan Zenkl
Besetzung Barucco
- Violine: Martin Jopp, Roswitha Dokalik, Nina Pohl
- Violine: Elisabeth Wiesbauer, Fano Vovoni
Viola: Martine Reiter, Roswitha Haberl
Violoncello: Peter Trefflinger, Beatrice Holzer-Graf
Kontrabass: Herwig Neugebauer
Oboe und Blockflöte: Andreas Helm, Elisabeth Baumer
Fagott: Dora Kiraly, Petra Szovak
Trompete: Matthias Schwetz, Martin Flörl
Horn: David Fliri, Michael Söllner
Pauken: Maximilian Kanzler
Cembalo: Anne Marie Dragosits