Josquin atmet wieder: Wie Cut Circle den frühen Meister entstaubt

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Es gibt in der Musikgeschichte Momente, in denen das starre Handwerk des Mittelalters plötzlich aufbricht und Platz macht für echte, menschliche Gefühle. Josquin Desprez war der Architekt dieses Umbruchs. Mit dem zweiten Band ihrer ambitionierten Josquin-Reihe beim Label Musique En Wallonie führen uns Jesse Rodin und sein Ensemble Cut Circle nun direkt zu den Anfängen dieses Genies zurück.

Josquin Desprez: Vol. 2 – Early Works
Missa „L’ami Baudichon“

Anonymus: L’ami Baudichon, Madame
Que vous ma dame / In pace
Motettenzyklen: Vultum tuum deprecabuntur & Qui velatus facie fuisti

Ensemble: Cut Circle
Leitung: Jesse Rodin

Mitwirkende: Corrine Byrne, Sonja DuToit Tengblad, Lawrence Jones, Bradford Gleim, Rupert Peacock

Label: Musique En Wallonie, MEW 2514

von Dirk Schauß

Das Wort, das diese Veröffentlichung am besten zusammenfasst, ist Lebendigkeit. Wer bei Renaissance-Musik an verstaubte Notenblätter oder den kühlen Hall leerer Kathedralen denkt, wird hier eines Besseren belehrt.

Josquin entwickelte schon in seinen frühen Dreißigern ein Gespür für Klang, das körperlich greifbar scheint. Er verstand es, Rhythmen so zum Schwingen zu bringen, dass sie den Hörer mal schützend einhüllen, mal mit befreiender Energie nach vorne peitschen. Seine Melodien wirken nicht wie am Reißbrett konstruiert; sie sind voller Saft und Kraft – mal sanft fließend, mal verschlungen wie ein vertrauliches Gespräch. In den Duetten hat man das Gefühl, die Sänger würden sich beim Musizieren tief in die Augen schauen. Es ist eine Musik, die zwar für die Kirche geschrieben wurde, aber vor allem eines bewahrt: eine zutiefst menschliche Schönheit. „CD/Blu-ray Besprechung: Josquin Desprez: Vol. 2 – Early Works
klassik-begeistert.de, 5. März 2026“
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Lise Davidsens großer Sopran überzeugt auch im Liedgesang

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Lise Davidsen scheint bereits jetzt ein Liebling des verwöhnten New Yorker Publikums zu sein. Inzwischen ist sie Mutter von Zwillingen geworden, und wird in diesem Monat Wagners Isolde in einer Neuinszenierung verkörpern. Der Mitschnitt des Konzertes vom September 2023 ist eine eindrucksvolle Visitenkarte der Künstlerin, und zeigt sie bereits auf höchstem vokalen Niveau.

Lise Davidsen
Live at the Met

James Baillieu

Decca 487 0691

von Peter Sommeregger

Seit dem Gewinn des Operalia- Wettbewerbes 2015 kennt die Karriere der Norwegerin Lise Davidsen nur eine Richtung: steil nach oben. Frühzeitig nahm auch die New Yorker Metropolitan Opera sie unter Vertrag, wo sie 2023 einen Solo-Abend gab, der nun auf CD erscheint. „CD/Blu-ray Besprechung: Lise Davidsen Live at the Met
klassik-begeistert.de, 5. März 2026“
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Quatuor Dutilleux: Wenn der Funke überspringt

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Diese CD ist ein kurzweiliger und intelligenter Musikgenuss für alle, die das Streichquartett nicht als museale Form, sondern als lebendigen Dialog verstehen. Ein vielversprechender Auftakt zu einer Trilogie, die Beethoven nicht auf den Sockel hebt, sondern ihn dort abholt, wo er damals stand: hungrig, mutig und bereit, die Welt aus den Angeln zu heben.

Triptyque Beethoven Vol. 1
Quatuor Dutilleux

b-records, LBM086

von Dirk Schauß

Als Ludwig van Beethoven nach Wien aufbrach, gab ihm sein Gönner Graf Waldstein mit auf den Weg, er solle „Mozarts Geist aus Haydns Händen“ empfangen. Genau an diesem entscheidenden Wendepunkt der Musikgeschichte setzt das Quatuor Dutilleux an. Mit Triptyque Beethoven Vol. 1 (erschienen bei b-records) eröffnen die Musiker eine Trilogie, die weit mehr ist als eine bloße Werkschau – es ist eine packende Charakterstudie des jungen Beethoven und seiner Idole. „CD/Blu-ray Besprechung: Triptyque Beethoven Vol. 1, Quatuor Dutilleux
klassik-begeistert.de, 4. März 2026“
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Bar Avni und das magische Dreieck: Eine symphonische Entdeckungsreise

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Wer glaubt, im Repertoire der großen Orchester sei bereits jeder Stein umgedreht, hat die Rechnung ohne Bar Avni gemacht. Die israelische Dirigentin, frischgebackene Gewinnerin des renommierten „La Maestra“-Wettbewerbs 2024, präsentiert bei Alpha Classics ein Debütalbum mit dem Orchestre National Bordeaux Aquitaine, das so gar nicht in die gängigen Schubladen passen will.

Symphonies in 3 Movements

Charlotte Sohy, Darius Milhaud, Carl Philipp Emanuel Bach, Igor Stravinsky

Orchestre National Bordeaux Aquitaine
Bar Avni, musikalische Leitung

Alpha Classics, Alpha 1201

von Dirk Schauß

Ihr Konzept ist so simpel wie bestechend: Vier Komponisten, vier Epochen, aber eine gemeinsame Architektur – die Dreisätzigkeit. Dass Avni im Interview behauptet, dieses verbindende Element sei ihr erst im Nachhinein aufgefallen, nehmen wir ihr als charmante Koketterie ab. Es wirkt schlicht zu stimmig, um Zufall zu sein. Die ehemalige Schlagzeugerin beweist hier Mut zur Nische und ein feines Gespür für Programme abseits ausgetretener Pfade. „CD/Blu-ray Besprechung: Symphonies in 3 Movements, Bar Avni
klassik-begeistert.de, 4. März 2026“
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Thielemanns Dresdner „Tristan“: Es reicht nur zu gebremster Liebesglut

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Richard Wagner
Tristan und Isolde

Klaus Florian Vogt  Tristan
Camilla Nylund  Isolde
Georg Zeppenfeld  König Marke
Martin Gantner  Kurwenal
Tanja Ariane Baumgartner  Brangäne

Sächsische Staatskapelle Dresden
Christian Thielemann  Dirigent

C Major Blu-ray 770804

 von Peter Sommeregger

 Am Ende seiner langjährigen Tätigkeit in Dresden wollte Christian Thielemann 2024 noch einen letzten Höhepunkt setzen, nämlich eine Serie von Aufführungen von Wagners „Tristan und Isolde“. Mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden im Graben der Semperoper, von Richard Wagner selbst einst als „Wunderharfe“ gepriesen, war schon eine optimale Voraussetzung geschaffen. „CD/Blu-ray Besprechung: Richard Wagner, Tristan und Isolde
klassik-begeistert.de, 2. März 2026“
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Doulce Mémoire besingt ein ewiges Vermächtnis

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Lasso   Agostini
Lagrime di San Pietro

Doulce Mémoire

Denis Raisin Dadre, musikalische Leitung

Alpha Classics, Alpha1209

von Dirk Schauß

Manche Alben scheinen nicht einfach nur veröffentlicht zu werden; sie ereignen sich wie ein Schicksalsschlag. Wenn das französische Ensemble Doulce Mémoire unter der Leitung von Denis Raisin Dadre nun ein Programm vorlegt, das sich den „Tränen“ widmet, dann schwingt von der ersten Sekunde an eine Metaphysik mit, die weit über das bloße Abspielen von Renaissance-Noten hinausgeht. „CD/Blu-ray-Besprechung: Lasso Agostini, Lagrime di San Pietro
klassik-begeistert.de, 2. März 2026“
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Loewes Oratorium erinnert wie Pfitzners Oper an den Komponisten Palestrina

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Von den insgesamt 18 Oratorien des Komponisten sind die meisten in Vergessenheit geraten. Aktuell kann man ein ansteigendes Interesse an Loewes Musik feststellen, diese Veröffentlichung leistet einen erfreulichen Beitrag dazu.

Carl Loewe
Palestrina Oratorium

Vox Quadrata
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
Tristan Meister

Rondeau ROP 6284

von Peter Sommeregger

Dem im 16. Jahrhundert wirkenden Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina haben gleich zwei Komponisten musikalische Denkmäler gesetzt. Hans Pfitzner mit seiner großen, dreiaktigen Oper, die 1917 in München uraufgeführt wurde, und Carl Loewe mit seinem 1843 entstandenen Oratorium. „CD/Blu-ray Besprechung: Carl Loewe, Palestrina Oratorium
klassik-begeistert.de, 27. Februar 2026“
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Ludovic Tézier zeigt als Simon Boccanegra seine große Gesangskunst

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Giuseppe Verdi (1813-1901)
SIMON BOCCANEGRA
Melodramma in einem Prolog und drei Akten

Prima Classic PRIMA069

von Jean-Nico Schambourg

Die Oper “Simon Boccanegra” wurde 1857 in Venedig uraufgeführt und fiel durch. Erst nach einer tiefgreifenden Revision unter Mithilfe von Arrigo Boito, dem späteren Librettisten der Opern “Otello” und “Falstaff”, wurde die Oper nach ihrer Aufführung an der Mailänder Scala 1881 zum Erfolg.

„CD/Blu-ray Besprechung: Giuseppe Verdi, Simon Boccanegra
klassik-begeistert.de,“
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SNO - Ein neues Orchester aus der Schweiz überzeugt mit Bruckners Dritter

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Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 3 d-moll

Swiss National Orchestra
Ralf Weikert, musikalische Leitung

von Dirk Schauß

In einer Zeit, in der viele Orchester um ihre Existenz ringen, wirkt die Gründung eines neuen Klangkörpers beinahe wie ein kleines Wunder. Umso mehr gilt das für das Swiss National Orchestra, das nicht aus institutioneller Notwendigkeit entstanden ist, sondern aus einem klaren künstlerischen Anspruch heraus. Über siebzig Musikerinnen und Musiker gehören dem Ensemble an, viele von ihnen Solisten oder Stimmführerinnen und Stimmführer in ihren jeweiligen Herkunftsorchestern. Sie bringen ihre Erfahrung, ihr musikalisches Wissen und ihre individuelle Klangkultur in dieses Projekt ein und legen damit das Fundament für die außergewöhnliche Qualität des Orchesters. „CD/Blu-ray Besprechung: Anton Bruckner, Sinfonie Nr. 3 d-moll, Ralf Weikert Dirigent
klassik-begeistert.de, 25. Februar 2026“
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Salomons „Médée et Jason“ ist stilistisch zwischen Lully und Rameau einzuordnen

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Diese 1713 uraufgeführte Tragédie en musique reihte sich in eine lange Reihe von Vertonungen des antiken Medea-Stoffes ein.

Salomon
Médée et Jason

Choeur de Chambre de Namur

A nocte temporis
Reinoud Van Mechelen

CVS 189

von Peter Sommeregger

Joseph François Salomons Oper in fünf Akten und einem umfangreichen Prolog entstand auf ein Libretto von Simon Joseph Pellegrin. Auffällig an seiner Version der Tragödie ist die ungewöhnlich umfangreiche Rolle der Créuse, die in anderen Versionen des Stoffes bedeutend kleiner angelegt ist, und damit die Dominanz der Figur der Medea relativiert. „CD/Blu ray Besprechung: Salomon, Médée et Jason
klassik-begeistert.de, 24. Februar 2026“
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