„Traurig begrüßen wir die edle Halle…“ – der verkleinerte Festspielchor verliert an Durchschlagskraft

Der Festspielchor singt am 25. Juli 2024 am Grab von Richard Wagner; Foto: Jolanta Łada-Zielke

Am Eröffnungstag der Wagner-Festspiele pflegt der Festspielchor jedes Jahr einen schönen Brauch, um den Meister zu ehren. Am 25. Juli um 10 Uhr singt er ein zehnminütiges Programm am Grab des Komponisten, auf der Rückseite der Villa Wahnfried, begleitet von einigen Musikern des Orchesters. Zuvor legen beide Ensembles dort Blumenkränze nieder. Niemand weiß, wann genau diese Tradition entstanden ist, und sie ist auch nicht allgemein bekannt. Aber diejenigen, die davon wissen, kommen dann in den Wahnfried-Park, um dem Ensemble zuzuhören.

von Jolanta Łada-Zielke

Dieses Jahr bin auch ich da. Bereits zwanzig Minuten vor zehn ist die Grabstätte von Richard und Cosima Wagner von einer Menschenmenge umgeben. Schließlich erscheint der Chor mit seinem Leiter Eberhard Friedrich, der ihn auf einem Klappstuhl stehend dirigiert.

Ich erwarte wenigstens „Wach auf, es nahet gen den Tag“ oder den Pilgerchor aus „Tannhäuser“. Stattdessen höre ich – nach einer instrumentalen Einleitung von drei Posaunisten – Bruckners „Locus iste“. Dieses Stück haben im Repertoire viele Ensembles, ebenso Laienchöre. Deshalb bin ich etwas enttäuscht. Jemand aus dem Publikum bemerkt, dass der Chor unterbesetzt sei und deshalb ein so dünnes Programm präsentiert. Dieses Jahr wurde die Zahl der Sänger von 134 auf 121 reduziert. „Kommentar: Festspielchor Bayreuth in kleiner Besetzung
Bayreuth, 29. Juli 2024“
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Zu Claudia Roths infantilisierenden Bayreuth-Plänen: Die Zukunft auf dem Grünen Hügel wird wagnerianisch sein – oder sie wird gar nicht sein

Bayreuther Festspiele 2022, Tannhäuser © Enrico Nawrath, Bayreuther Festspiele

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) möchte auf dem Grünen Hügel in Zukunft nicht mehr nur Wagner sehen. Die von ihr genannten Gründe infantilisieren das Publikum und lassen die eigentlichen Motive deutlich erkennen.

Ein Kommentar von Willi Patzelt

Bei nicht wenigen Wagnerianern dürfte sich beim Durchsehen der jüngsten Feuilletons der Puls dem Tempo des Walkürenritts angeglichen haben. Es war nämlich zu lesen, dass sich Kulturstaatsministerin Claudia Roth den Grünen Hügel künftig als einen Ort wünscht, auf dem neben den Werken Richard Wagners auch noch Opern anderer Komponisten (im O-Ton wahrscheinlich eher „Komponist*innen“) aufgeführt werden. Das ist zwar keine ganz neue Forderung. Doch sie kommt in neuem argumentativem Gewand einher. „Kommentar zu Kulturstaatsministerin Claudia Roth
klassik-begeistert.de, 19. Juli 2024“
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Tobias Kratzer, der designierte Hamburger Opernintendant, erklärt bei der Nacht der ZEIT, er werde lieber ausgebuht als nur beklatscht 

Tobias Kratzer mit Florian Zinnecker, Moderator der Wochenzeitung DIE ZEIT, Ressort Hamburg. Foto © Dr. Ralf Wegner

Der Herr Operndirektor wäre angehalten, jeden Tag neue frische Blumen unter das Porträt von John Neumeier zu legen (der vermutlich mehr als 50% der Einkünfte am Haus generiert). Tobias Kratzer wird um dieser Replik willen sicher nicht böse sein, denn ihm sei ein Buh lieber als reiner akklamativer Beifall. Jedenfalls geht er nur bei Buhrufen noch ein zweites Mal auf die Bühne, um zu zeigen, dass er nicht feige ist.

Raus aus dem Schatten der Elbphilharmonie!
Ein Abend mit Tobias Kratzer, dem neuen Chef der Staatsoper Hamburg, Gespräch mit Florian Zinnecker, Ressortleiter der ZEIT Hamburg

Hörsaal Erziehungswissenschaften, Universität Hamburg, 8. Juni 2024

von Dr. Ralf Wegner

Tobias Kratzer wirkte eigentlich ganz sympathisch, in seinem Wachmannaufzug mit Käppi. Eine Barriere zum Publikum entfiel damit, man hätte am liebsten gleich mit ihm persönlich gesprochen. Und er sprach sehr, sehr schnell. Schnelles Sprechen ist ein Zeichen von Intelligenz. Zumindest korreliert schnelles Vorlesen hochgradig mit manchen Intelligenztests. Und wendig war Tobias Kratzer auch. Er übernahm schnell vom Moderator Florian Zinnecker angefangenes modernistisches Sprachklicken und erkannte gleichzeitig, dass doch viele Ältere unter dem Publikum seinen Worten lauschten. Die Frage des Moderators nach einem neuen jungen Opernpublikum beantwortete er denn auch zunächst ganz im Sinne des Moderators, fügte aber schnell hinzu, dass für ihn die über 50-, über 60- und über 70-Jährigen auch angesprochen und im Hause gehalten werden müssten. „Ein Abend mit Tobias Kratzer, dem neuen Chef der Hamburger Staatsoper, Gespräch mit Florian Zinnecker, Ressortleiter der Zeit
Universität Hamburg, 8. Juni 2024“
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Der Fall François-Xavier Roth: Erleben wir gerade den Niedergang einer Ikone?

François-Xavier Rot © Daniel Dittus

Ein Kommentar von Daniel Janz

Es klingt unglaublich, was da am 22. Mai 2024 publik wurde. »Ein hübsches Kompliment, und zack, schon folgte das Dickpic« – so lauten u.a. die erschütternden Vorwürfe, denen François-Xavier Roth sich ausgesetzt sieht. „Virtuelle Duschen“, „Sexnachrichten“, Genitalbilder. Das alles soll sich der 2025/2026 zum SWR Symphonieorchester wechselnde Dirigent des Gürzenich-Orchesters und Generalmusikdirektor der Stadt Köln geleistet haben. Hat François-Xavier Roth, der 1971 in Neuilly-sur-Seine geboren wurde und seit 2015 in Köln amtiert, seine Musiker etwa belästigt, genötigt und ist sogar sexuell übergriffig geworden? „Kommentar: Der Fall François-Xavier Roth: Erleben wir gerade den Niedergang einer Ikone?
klassik-begeistert.de, 26. Mai 2024“
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Liebe Maestri, stoppt den Regie-Wahnsinn!

Wer, wenn nicht Christian Thielemann, hätte es in der Hand, den Regie-Unfug zu stoppen. Noch dazu, wo man von den Salzburger Osterfestspielen vorgewarnt gewesen ist.

Foto: Christian Thielemann © Dieter Nagl

Ein KOMMENTAR von Herbert Hiess

Im Sommer 2023 – also vor noch gar nicht so langer Zeit – hatte der bekannte Dirigent Alberto Veronesi gegen eine seiner Beurteilung nach unangebrachten Inszenierung insofern protestiert, als er mit verbundenen Augen dirigiert hatte. „Kommentar: Liebe Maestri, stoppt diesen (Regie-)Wahnsinn!
klassik-begeistert.de, 9. Mai 2024“
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Müssen die Wiener Festwochen wirklich Teodor Currentzis ausladen?

Will das internationale Publikum in Wien auf einen
Weltstar am Pult verzichten?

Milo Rau © Bea Borgers

Ein Kommentar von Herbert Hiess

Kommentare wie diesen zu schreiben ist nie angenehm und meistens zwingt einen geradezu ein zwiespältiger und beklemmender Anlass dazu.

War es im Dezember 2022 die Absage von Sergej Prokofievs „Alexander Nevsky“ durch den Haus- und Hobbychor eines Konzertveranstalters, hat dieses Mal der Festwochen-Intendant Milo Rau geradezu „den Vogel abgeschossen“. „KOMMENTAR: Currentzis bei den Wiener Festwochen ausgeladen
klassik-begeistert.de, 12. Februar 2024“
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