CD-Rezension: Fantasie von Übermorgen – Lieder aus dem Exil

CD-Rezension: Constance Heller & Gerold Huber, Fantasie von übermorgen – Lieder im Exilklassik-begeistert.de

Diese CD ist ein wichtiger Beitrag zur weiteren Erforschung von Musik des Exils, man möchte ihr die gebührende Aufmerksamkeit und Verbreitung wünschen.

Constance Heller & Gerold Huber

Solo Musica SM 356

von Peter Sommeregger

Diese neue CD ist eine interessante Rarität, präsentiert sie doch viele der enthaltenen Lieder zum ersten Mal, entreißt andere wiederum der Vergessenheit. Sehr ambitioniert ist dieses Projekt, das die Mezzosopranistin Constance Heller und der Pianist Gerold Huber unter dem Titel „Fantasie von übermorgen – Lieder aus dem Exil“ nach aufwändiger Forschung und Vorbereitung nun vorlegen.

Die Zusammenstellung enthält Lieder von vier Komponisten. So verschieden ihre einzelnen Schicksale auch sind, sie waren alle Juden, die Deutschland nach der Machtergreifung der Nazis verlassen mussten, im Fall von Alexander Boskovich war es seine Siebenbürgische Heimat.

Die Komponisten griffen fast ausschließlich auf Texte hebräischer Dichter zurück, die aber in deutscher Übersetzung gesungen werden. Es findet sich neben einem Text aus dem 7. Jahrhundert auch ein Lied auf einen Text von Erich Kästner, im letzten Lied auf der CD wird sogar ein Text Albert Einsteins, ein Auszug aus seiner Rede „Zum Frieden im Atomzeitalter“, verwendet.

Bei allen stilistischen Unterschieden der Kompositionen haben aber in sämtlichen Liedern Motive der Musik der neuen Heimat Eingang gefunden und sich deren Duktus angepasst.

Constance Heller hat selbst aktiv am Aufspüren der verstreuten Lieder teilgenommen. Die Lyrikerin Dagmar Nick hat von den hebräischen Texten erstmals eine deutsche Fassung erstellt, und hat damit einen wesentlichen Anteil am Zustandekommen dieses verdienstvollen Projekts.

Heller macht sich die Schwermütigkeit der Lieder stimmlich zu eigen, ihr tragfähiger Mezzosopran bewegt sich sicher durch die insgesamt 27 Titel, denen eine gewisse Monotonie eigen ist. Heller versucht, dem durch Textdeutlichkeit abzuhelfen, ihr Vortrag, am Flügel bestens unterstützt von Gerold Huber, ist lebendig und facettenreich.

Diese CD ist ein wichtiger Beitrag zur weiteren Erforschung von Musik des Exils, man möchte ihr die gebührende Aufmerksamkeit und Verbreitung wünschen.

Constance Heller herself actively participated in tracking down the scattered songs. The lyricist Dagmar Nick has produced a German version of the Hebrew texts for the first time, thus playing a significant role in bringing about this commendable project.

Heller makes the melancholy of the songs vocally her own, her carrying mezzo-soprano moving confidently through the 27 titles in all, which have a certain monotony about them. Heller tries to remedy this by clarity of text, her performance, well supported on the piano by Gerold Huber, is lively and multifaceted.

Note 1

Peter Sommeregger, 21. Oktober 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Jonas Kaufmann & Helmut Deutsch, CD-Rezension, Liszt, Freudvoll und leidvoll klassik-begeistert.de

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