CD-Rezension: Gibt es eine Auferstehung für „Risurrezione“?

CD-Rezension, Franco Alfano, Risurrezione  klassik-begeistert.de

Franco Alfano: Risurrezione
Maggio Musicale Fiorentino
Francesco Lanzilotta
Dynamic  CDS 7866.02

 von Peter Sommeregger

Den Namen des Komponisten Franco Alfano verbindet man heute nur noch fast ausschließlich mit seiner Vollendung von Puccinis „Turandot“, die der Komponist unvollendet hinterlassen hatte.

Dabei war Alfanos Schaffen reichhaltig und facettenreich, umfasste sowohl Opern als auch Orchesterwerke und Lieder. Am ehesten haben noch die Opern „Risurrezione“ (1904) und „Cyrano de Bergerac“ (1936) überlebt und tauchen hin und wieder auf den Opernspielplänen auf.

Beim Maggio Musicale Fiorentino 2020 stand „Risurrezione“ auf dem Programm, die vorliegende CD ist ein Mitschnitt der Vorstellungen vom Januar 2020. Der Dirigent Francesco Lanzillotta versammelte für die Produktion ein international gemischtes Ensemble. Die meisten Rollen sind aber eher kurz und haben nur episodenhaften Charakter.

Im Wesentlichen spielt sich das nach Leo Tolstois Roman „Auferstehung“ entstandene Drama zwischen dem Prinzen Dimitri und der Magd Katyusha ab. Alfano komponierte die Oper nur fünf Jahre nach Erscheinen des Romans. Die Sopranistin Anne Sophie Duprels ist als Katyusha zu hören. Ihr dramatischer Sopran ist für den veristischen Stil dieser Oper sehr geeignet. Es steht ihr ein breites Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung. Der Tenor Matthew Vickers ist ihr ein kongenialer Partner, die eher heldische Ausrichtung seines kräftigen Tenors gibt der gebrochenen Figur des Fürsten Dimitri ein interessantes, glaubwürdiges Profil. Dramaturgisch wichtig ist auch die Rolle des politischen Häftlings Simonson, die in  Leon Kims Bariton einen mehr als nur soliden Interpreten findet.

Die Musik ist durchaus stark emotional,  vielschichtig in ihrer Struktur, und kostet die dramatischen Wendungen des Dramas genüsslich aus. So entsteht ein berührendes Drama, das sich in publikumswirksamen Tableaus darbietet.

Was der Oper ein wenig fehlt, sind überzeugende musikalische Einfälle. Eine markante Arie, oder ein überzeugendes Duett sucht man in der knapp zweistündigen Oper vergeblich.

Alfano, der erst 1954 starb, geriet nach ursprünglichen Erfolgen doch schon früh in Vergessenheit. Eine Rolle mag dabei auch gespielt haben, dass er große Affinität zu Mussolini und dessen Faschisten zeigte, sich von deren Regime auch vereinnahmen ließ.

Ob diese Wiederaufführung der „Risurrezione“ zu einer Wiederentdeckung des Werkes führt, bleibt abzuwarten.

Peter Sommeregger, 27. April 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

2 Gedanken zu „CD-Rezension, Franco Alfano, Risurrezione
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  1. Es stimmt nicht, dass Alfanos Oper keine markanten Stellen hat. Befasst man sich mit dem Stück intensiv, etwa mit der hervorragenden Aufnahme mit Denia Mazzola-Gavazzeni und Antonio Nagore, so erkennt man durchaus ariose Stellen und 2 lange und packende Duette. Also bitte öfter hören. Trotzdem ein sehr schöner Beitrag.

    Rolf Mildenberger

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