Eine weitere Mayr-Ausgrabung

CD-Rezension: Johann Simon Mayr, ELENA

CD-Rezension: Johann Simon Mayr, ELENA

Concerto de Bassus
Franz Hauk

Naxos 8.660462-3

von Peter Sommeregger

Das umfangreiche Schaffen des aus Bayern gebürtigen Komponisten Mayr geriet lange in Vergessenheit, seit einigen Jahren wird es aber Stück um Stück der Vergessenheit entrissen. Wesentlichen Anteil daran hat der Dirigent und Organist Franz Hauk, der sich unermüdlich für Aufführungen und CD-Einspielungen von Opern und Oratorien Mayrs einsetzt. Im Jahr 2003 gründete er den Simon Mayr-Chor, der auch in dieser neuen Einspielung zu hören ist.

Die Oper Elena ist dem Typus der Rettungsoper zuzurechnen, einem in der Zeit seiner Entstehung zu Beginn des 19. Jahrhunderts populären Sujet. Die in Verkleidung als Mann auftretende Elena ist um die Rettung ihres unschuldig verfolgten Gatten Costantino bemüht, die Handlung wird aber auch durch humoristische Einschübe und buffoneske Figuren angereichert.

Für die vorliegende Aufnahme fand sich ein Ensemble junger, unverbrauchter Stimmen zusammen, für welche die spielerisch leichte musikalische Sprache Mayrs in diesem Werk die nötige stimmliche Flexibilität und Geschmeidigkeit zur Verfügung steht.

Allen voran ist Julia Sophie Wagner zu nennen, die mit ihrem leuchtenden Sopran der Titelrolle der Elena zum Zentrum der Aufführung macht. Als ihr Ehemann Costantino macht Daniel Ochoa mit geschmeidigem, höhensicheren Bariton blendende Figur, die Stimmen ergänzen sich vortrefflich.

Die Buffo-Partie des Carlo ist mit dem Bass-Bariton Niklas Malimann, einem früheren Tölzer Chorknaben, ausgezeichnet besetzt, er sorgt hauptsächlich für das heitere Element der Handlung. In kleineren Rollen sind die Soprane Mira Graczyk, Anna Feith, die Tenöre Markus Schäfer, Fang Zhi und Harald Thum, die Mezzosopranistin Anna-Doris Capitelli, sowie der Bass Andreas Mattersberger zu hören. Sie bilden ein Ensemble, das der in dieser Musik angelegten Spielfreude akustisch gerecht wird.

Als Orchester fungiert das Concerto de Bassus, eine Formation, die sich aus Studenten und Graduierten der Münchener Hochschule für Musik und Theater gebildet hat. Dieses spezialisierte Ensemble sorgt für den authentischen Klang der Musik Mayrs.

Neben den engagierten Musikern ist es auch ein Verdienst des Labels NAXOS, das auch quantitativ umfangreiche Schaffen Mayrs zugänglich zu machen. Immerhin hinterließ der Komponist, der sich u.a. als Lehrer Donizettis unsterblich machte, rund 60 Opern und eine Vielzahl geistlicher Werke, sowie Kammermusik. Sein Werk wieder hörbar zu machen, ist eine verdienstvolle Aufgabe, die hier von allen Beteiligten mit Engagement wahrgenommen wird. Diese Einspielung macht durchaus Appetit auf weitere Werke des Komponisten.

Peter Sommeregger, 4. Juli 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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