Schostakowitsch Überlebensstrategie war das (titelgebende) „Doppelte Spiel“

CD Rezension: Schostakowitsch, Doppeltes Spiel,  klassik-begeistert.de

Man lernt viel über Schostakowitsch in diesem Hörbuch und ist bereits gespannt, auf wen die Wahl als nächstes fällt.

CD Rezension

Schostakowitsch Doppeltes Spiel, Hörbiographie

BR Klassik 900929

von Peter Sommeregger

 Die Hörbiografien großer Komponisten von Jörg Handstein jeweils akribisch recherchiert und als Hörbuch für den Bayerischen Rundfunk erarbeitet, erfreuen sich inzwischen großer Beliebtheit und finden über die CD-Ausgabe auch weite Verbreitung.

Als neueste Folge erschien soeben das Hörbuch über Dmitrij Schostakowitsch. Das Leben dieses russischen Komponisten kann man getrost als eine der bewegtesten Biographien des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Bedenkt man, dass die Lebensspanne von Schostakowitsch zwei Weltkriege und die russische Oktoberrevolution einschließt, ist dieses Leben schon durch die äußeren Ereignisse geprägt, die Persönlichkeit des Komponisten war selbst aber auch gespalten und erscheint wie ein Abbild der turbulenten Zeitläufte, die er erlebt hat.

Jörg Handstein gelingt es auch diesmal, aus den Daten der Biografie ein lebendiges Bild der komplexen Persönlichkeit des Komponisten zu formen. Im Fall von Schostakowitsch ist es auch eine Chronik der unseligen politischen Entwicklung der Sowjetunion, in der Künstler wie er stets gefährdet waren, in Ungnade zu fallen, oder gar liquidiert zu werden.

Schostakowitsch Überlebensstrategie war das titelgebende „Doppelte Spiel“. Formal hielt der Komponist sich an ideologische Vorgaben, versteckte in seinen Kompositionen aber ganz gegenteilige Botschaften. Die Hinweise darauf machen diese Hörbiografie besonders interessant, man erfährt tatsächlich viel Neues, und hört dadurch manche Werke auf einmal anders.

Die Auswahl der Musikbeispiele erfolgte ebenfalls sehr klug und kompetent. Der Hörer kommt in den Genuss zahlreicher, zum Teil historischer Einspielungen, die erneut die ungeheure stilistische Vielfalt dieses Gesamtwerks demonstrieren. Der gesprochene Text schildert dann den verborgenen Subtext einzelner Stücke.

Als Erzähler fungiert wieder der bewährte Udo Wachtveitl, als Dmitrij Schostakowitsch hören wir den Schauspieler Ulrich Matthes, dem es gelingt, die sensible Natur des Komponisten und sein auch privat bewegtes Leben plastisch abzubilden.

Angefügt ist dem Hörbuch eine Live-Aufnahme der 5. Symphonie. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist in einer Live-Aufnahme von 2014 unter Mariss Jansons zu hören. Der Dirigent lotet diese sehr vielschichtige Musik optimal aus, spart dabei die ihm innewohnende Zerrissenheit nicht aus.

Man lernt viel über Schostakowitsch in diesem Hörbuch und ist bereits gespannt, auf wen die Wahl als nächstes fällt.

Peter Sommeregger, 29. Dezember 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

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