CD-Rezension: Vladimir Jurowski als Gipfelstürmer

CD-Rezension, Vladimir Jurowski, Richard Strauss, Eine Alpensinfonie  klassik-begeistert.de

Jurowski und sein brillantes Orchester müssen den Vergleich mit anderen Aufnahmen keineswegs scheuen!

Richard Strauss, Eine Alpensinfonie
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Vladimir Jurowski

Pentatone  PTC 5186 802

von Peter Sommeregger

Die Alpensinfonie von Richard Strauss, deutlich später als die anderen Tondichtungen des Komponisten entstanden, und Produkt eines langen Arbeitsprozesses, sind nur vordergründig eine reine Naturschilderung. Der ursprünglich von Strauss vorgesehene Titel „Der Antichrist“ weist den Weg zu dem Philosophen Nietzsche, der schon für „Also sprach Zarathustra“ gleichsam Pate gestanden hatte.

Der Komponist hat den insgesamt 22 Abschnitten des Werkes beschreibende Namen gegeben, lediglich „Vision“  „Elegie“ und „Ausklang“ weisen auf den tieferen philosophischen Gehalt der Komposition hin. Vladimir Jurowski bemüht sich in seiner Interpretation, der Komposition das plakative Element zu nehmen und die feinen Details dieser spätromantisch schönheitstrunkenen Partitur sensibel auszuleuchten. Schöne Feinheiten werden da hörbar, die man in Aufführungen oft vermisst, die dem Werk etwas Bombastisches verleihen. Das ist Jurowskis Sache nicht, im Booklet der CD legt er seinen Interpretationsansatz dar, der die in dem Werk auch vorhandenen, leiseren Passagen stärker herausstellt. Für ihn ist Strauss’ einfühlsame Naturschilderung und Beschreibung einer Bergwanderung vom Aufstieg über die Erreichung des Gipfels bis zum Abstieg viel mehr als reine Programm-Musik.

Scherzhaft meinte Strauss einmal, bei der Alpensinfonie hätte er das Instrumentieren gelernt, was natürlich eine nicht ernst zu nehmende Selbsteinschätzung bedeutet, ist seine perfekte Beherrschung auch des größten Orchesterapparates doch seine besondere Stärke auch schon bei frühen Werken. Die Orchesterbesetzung der Alpensinfonie ist ausgesprochen opulent, folgt man der Partitur, so umfasst das Orchester mindestens 125 Musiker. Dabei  spart Strauss auch nicht an Ausgefallenem wie einer Wind- und Donnermaschine, Herdenglocken, Celesta und Orgel, hinter der Szene werden 12 Hörner, 2 Trompeten und 2 Posaunen eingesetzt. Bei einem Konzert mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden brachte Richard Strauss das Werk im Oktober 1915 in Berlin zur Uraufführung.

Die Aufführung, die Vladimir Jurowski mit seinem Rundfunk-Sinfonieorchester im Februar 2019 im Berliner Konzerthaus realisierte, ist nun auf CD erschienen, und stellt eine interessante Ergänzung der umfangreichen Diskographie des Werkes dar, in der sogar eine Aufnahme unter Richard Strauss selbst zu finden ist. Jurowski und sein brillantes Orchester müssen den Vergleich mit anderen Aufnahmen keineswegs scheuen!

Peter Sommeregger, 26. August 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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