Tröstliche Musik im Pandemie-Lockdown

DVD Rezension: Franz Joseph Haydn, Die Schöpfung  Klassik-begeistert.de

Franz Joseph Haydn
Die Schöpfung
Maggio Musicale Fiorentino
Zubin Mehta
Dynamic 57909

von Peter Sommeregger

Florenz, ganz Italien im strengen Lockdown. Es ist November 2020 und der große Zubin Mehta setzt ein Konzert mit Chor, Solisten und größerer Orchesterbesetzung durch. Publikum darf nicht im Saal sein, aber das Konzert wird aufgezeichnet und ist jetzt auch als DVD erschienen.

Aufgeführt wurde Haydns „Schöpfung“, eines der beliebtesten Oratorien überhaupt. Diese musikalisch ungemein reiche, im Text fromm naive Schilderung der Schöpfungsgeschichte hat durch den feierlichen Charakter der Musik etwas Erhebendes. Gerade deshalb scheint es besonders gut in diese Zeit der Trauer und ungewissen Zukunft zu passen.

Zubin Mehta zelebriert die Einleitung sehr breit, getragen. Nicht nur auf dem Podium dominiert das Schwarz. Michael Volle, der den Erzengel Raphael und den Adam singt, muss seinen Bassbariton erst von einer anfänglichen Rauheit freisingen. Die Stimme klingt anfangs fahl, gewinnt erst im Verlauf der Aufführung an Farben und Geschmeidigkeit.

Der Tenor Maximilian Schmitt singt den Engel Uriel mit klarer Diktion und Phrasierung, ein wenig fehlt ihm aber die Durchschlagskraft seines Organs. Die Partie, den Evangelisten der Bach-Passionen nachempfunden, würde stellenweise etwas mehr Nachdruck vertragen.

Hanna-Elisabeth Müller singt den Erzengel Gabriel und die Eva. Ihr sehr schlanker, klarer Sopran verfügt über ein ansprechendes Timbre. Was aber auch ihr fehlt, ist ein größeres Volumen der Stimme. In den exponierten Höhen wirkt sie leicht angestrengt, viele Phrasierungen geraten bei ihr äußerst kurz. Der Zusammenklang der drei Solisten, die für das Finale noch durch die Mezzosopranistin Veta Pilipenko verstärkt werden, ist harmonisch, die Stimmfarben mischen sich vorzüglich.

Eindrucksvoll der teilweise mit Maske singende Chor des Maggio Musicale, dem in diesem Oratorium eine große Aufgabe zufällt. Bemerkenswert ist die idiomatisch saubere, nahezu perfekte Textbehandlung, dies wohl auch Verdienst des Chorleiters Lorenzo Fratini.

Zubin Mehta gestaltet mit dem Orchestra del Maggio Musicale, dessen Leiter er seit längerer Zeit ist, einen etwas behäbigen, aber soliden Haydn. Er versteht aber sehr wohl, Steigerungen in den musikalischen Abläufen heraus zu arbeiten und so der Struktur des Werkes gerecht zu werden. Es bleibt der positive Gesamteindruck eines sehr spirituell angelegten Konzertes, das man vor dem Hintergrund der erschwerten Bedingungen der Aufführung besonders würdigen muss.

Peter Sommeregger, 9. September 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik- begeistert.at

 

 

 

 

 

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