Bad Ischl: Thomas Blondelle triumphiert als grandioser Prinz im „Land des Lächelns“

Franz Lehár, Das Land des Lächelns,  Kongress & TheaterHaus Bad Ischl

Foto: www.fotohofer.at (c)
Kongress & TheaterHaus Bad Ischl, 21. Juli 2018
Franz Lehár, Das Land des Lächelns

von Mirjana Plath

Dramatisches Musiktheater wird selten mit der Operette in Verbindung gebracht. Das Land des Lächelns von Franz Lehár ist eine Ausnahme. Selten enden Operetten so tragisch wie hier, im Normalfall umfängt die Figuren sorglose Glückseligkeit beim Happy End. Im Land des Lächelns muss sich das Liebespaar am Ende trennen. Der chinesische Prinz und die österreichische Grafentochter können ihre kulturellen Unterschiede nicht überwinden und dem Druck der chinesischen Traditionen nicht standhalten.

Das Lehár Festival Bad Ischl zeigte Das Land des Lächelns eine Woche nach seiner Eröffnung als zweite Premiere der Saison. Mit dieser Aufführung ehrt das Festival seinen Namenspatron, dessen Todestag sich heuer zum 70. Mal jährt.

Die diesjährige Inszenierung nimmt dem ehrwürdigen Klassiker die schwere Süße, in der das Stück gerne gezeigt wird. Mit Daniela Musca hat das Lehár Festival eine junge und vielversprechende Dirigentin engagiert. Musca gestaltete die Operettenmusik bei der Premiere sehr gefällig und leicht. Sie zeigte ein feines Gespür dafür, wann das Orchester zurückgenommen werden musste, um den Sängern Raum zur Entfaltung geben zu können. Schwülstige Klänge suchte man hier vergebens.

Die Besetzung der Hauptrolle traf genau ins Schwarze. Thomas Blondelle dominierte als Prinz Sou-Chong mit einer exzeptionellen Leistung die Premierenaufführung. Die Emotionalität, die er in seine Arien legte, war atemberaubend. Der belgische Tenor zeigte feinste Schattierungen in seinem Gesang und gestaltete dadurch die Gefühle seiner Rolle so intensiv, als wären es seine eigenen. Der innere Konflikt, sich selbst mehr der Macht als der Liebe verpflichtet zu wissen, kam durch seine starke Charakterdarstellung zum Ausdruck.

Alexandra Reinprecht (Sopran) präsentierte eine selbstbestimmte Grafentochter Lisa, die ihre Heimat Wien verlässt, um ihrem Geliebten nach China zu folgen. Sie gestaltete ihre Partie mit einer kraftvollen Stimme und viel Vibrato.

Die Soubrette Verena Barth-Jurca übernahm die Rolle der chinesischen Prinzessin Mi. Ihre Stimme klang filigran und dennoch gestochen scharf. Dabei zeigte sie eine unbeschwerte Leichtigkeit, selbst die höchsten Töne schienen nicht forciert.

„Gustl“, oder besser den Grafen Gustaf von Pottenstein, spielte der Wiener Tenor Peter Kratochvil. Er harmonierte stimmlich gut mit seiner Bühnenpartnerin Barth-Jurca. Sie sangen reizende Duette zusammen, die auch optisch schön inszeniert waren.

Regisseur Wolfgang Dosch hat eine allegorische Tanzfigur in seine Inszenierung eingebaut. Schon während der Ouvertüre zeigt sie sich wie ein böses Omen, das Prinz Sou-Chong und Lisa am Ende auseinanderbringen wird. Die Tänzerin tritt während der Operette immer wieder als drohendes und unaufhaltsames Schicksal auf, das am Ende triumphiert. Das Stück erfährt so eine Dramatisierung. Doschs Version vom Land des Lächelns entfernt den Kitsch und tauscht ihn durch eine Ernsthaftigkeit aus, die dem Stück guttut. Die Kulisse ist nicht rüschenhaft überladen, die Ausstattung zielt auf symbolische Elemente ab. Das Bühnenbild lässt viel Platz für die Arbeit mit den Figuren, die den Raum gut ausnutzen.

„Ischl muss ich sehr loben“, meinte einst der gebürtige Hamburger Johannes Brahms. Sein Urteil scheint auch auf diese Aufführung vom Land des Lächelns beim Lehár Festival zu passen.

Mirjana Plath, 22. Juli 2018, für
klassik-begeistert.de

Daniela Musca, Musikalische Leitung
Wolfgang Dosch, Regie
Toto, Ausstattung
Sabine Wiesenbauer, Lichtgestaltung
Evamaria Mayer, Choreografie & Regieassistenz
Gerald Krammer, Choreinstudierung
Susanne Marik, Inspizienz
Stefan Birnhuber, Korrepetition

Alexandra Reinprecht, Lisa
Thomas Blondelle, Prinz Sou-Chong
Verena Barth-Jurca, Mi
Peter Kratochvil, Graf Gustav von Pottenstein
Claudiu Sola, Tschang
Bernhard Teufl, Graf Ferdinand Lichtenfels
Nikola Basta, k.u.k. General
Seungmo Jeong, Obereunuch
Doris Buchinger, Exzellenz Hardegg
Loes Cools, Lore
Stephanie Fritz, Fini
Ken Takashima, Fu-Li
Juka Jutersek, Kuli
Dmitry Tsepilov, Diener und Chinesische Wache

Franz Lehár-Orchester
Tänzer: Nicole Eckenigk, Melanie Oster und Nicolas Lugstein
Chor des Lehár Festivals Bad Ischl

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.