GEDANKEN ZUM TOD VON BRUNO GANZ

GEDANKEN ZUM TOD VON BRUNO GANZ,  Salzburger Festspiele

Foto © Loui der Colli / Wikipedia CC BY-SA 3.0

von Heinrich Schramm-Schiessl, www.onlinemerker.com

Er war einer der ganz Großen des deutschsprachigen Theaters und er gehörte zu jener heute leider sehr rar gewordenen Spezies von Schauspielern, die man, ohne hinzusehen bereits an ihrer Stimme erkannt hat. Bruno Ganz, der 1941 in Zürich geborene Schauspieler ist am Samstag in seinem Haus in Zürich gestorben.

Sein Name ist – auch wenn er an vielen Theatern und unter den wichtigsten Regisseuren aufgetreten ist – untrennbar mit der Berliner Schaubühne und damit mit dem Namen Peter Stein verbunden. Dort spielte er zahlreiche Rollen des klassischen aber auch modernen Repertoires, wie z.B. einen der Peer Gynt’s (Nr.3 und Nr. 8) oder den Oberon in Botho Strauss‘ „Der Park“. Meine erste Begegnung mit ihm fand 1973 bei den Wr. Festwochen im Theater an der Wien bei einem Gastspiel der Schaubühne als Kleists „Prinz von Homburg“ statt. Ich geben gerne zu, dass ich anfangs vom neuen Sprechstil etwas irritiert war, aber im Laufe des Abend war ich faszinert von der Persönlichkeit, die da neben anderen Größen des damaligen deutschsprachigen Theaters wie Peter Lühr und Jutta Lampe auf der Bühne stand.

In Österreich konnten wir ihn leider nicht allzu oft auf der Bühne sehen. Zunächst bei den Salzburger Festspielen 1972 in Thomas Bernhards „Der Ignorant und der Wahsinnige“ in der Regie Claus Peymanns. Von dieser Produktion gab es nur eine Vorstellung, da die sie nach Differenzen zwischen Peymann und den Sicherheitsverantwortlichen der Festspiele (Stichwort Notbeleuchtung) abgesetzt werden musste. 1986 spielte er in der Uraufführung der Neufassung von Aischylos‘ „Prometheus“ durch Peter Handke die Titelrolle und 1993 folgte dann während der von Gerard Mortier nach sechs Jahren mutwillig beendeten Schauspieldirektion von Peter Stein der „Coriolanus“ von Shakespeare in der Regie von Deborah Warner. Ein ganz großes Theaterereignis in Wien war sein Faust in der ungekürzten Fassung beider Teile in Rahmen einer Tourneeproduktion, wieder in der Regie von Peter Stein. Am Burgtheater gastierte er leider nur einmal, nämlich in „Ödipus auf Kolonos“ im Jahr 2003. Sein letzer Wiener Auftritt erfolgte 2013 im Rahmen der Wr. Festwochen in Harold Pinters „Le Retour“ in einem Gastspiel des Théatre Odeon Paris in der Regie von Luc Bondy.

Bruno Ganz war aber nicht nur ein großer Bühnendarsteller, sondern wirkte in unzähligen Film- und Fernsehproduktionen mit, u.a. einmal sogar in einer Folge der Krimireihe „Tatort“ (Schattenwelt/1996.). Es würde den Rahmen dieses Nachrufs sprengen, alle diese Filme zu erwähnen und sei nur eine ganz persönliche Auswahl genannt: „Messer im Kopf“ (1978), „Die Fälschung“ (1981), „Väter und Söhne“ (1986 u.a. mit Burt Lancaster), „Himmel über Berlin“ (1987), „Erfolg“ (1991 u.a. mit Peter Simonischek), „Epsteins Nacht“ (2002) und natürlich die beiden wichtigen Filme zur deutschen Geschichte, nämlich „Der Untergang“ (2004 als Adolf Hitler) und „Der Baader-Meinhof-Komplex“ (2008 als BKA-Präsident Horst Herold).

Bruno Ganz beeindruckte aber nicht nur, wie bereits erwähnt, durch seine Sprache sondern vor allen Dingen durch seine enorme Persönlichkeit, die oft auch andere große Schauspieler neben ihm blass aussehen ließ.

Seine Bedeutung für das deutschsprachige Theater wurde letztendes auch dadurch unterstrichen, dass ihn Josef Meinrad als seinen Nachfolger als Träger des Iffland-Ringes bestimmte. Es wird nun interessant sein, wen Ganz als seinen Nachfolger ernannt hat.

Heinrich Schramm-Schiessl

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