Diese Weber-Hommage hat  trotz hoher Qualität Leerstellen

Weber The Spirit of German Romanticism  klassik-begeistert.de, 12. Mai 2026

 

CD/Blu-ray Besprechung:

Anlässlich seines bevorstehenden 200. Todestages hat nun das Label Warner eine umfangreiche Zusammenstellung der Werke Carl Maria von Weber in einer 18 CDs umfassenden Edition veröffentlicht. Sie spiegeln die Vielfalt der musikalischen Gattungen wieder, in denen Weber erfolgreich war.

Weber
The Spirit of German Romanticism

Warner 5026854112398

von Peter Sommeregger

Geboren fünf Jahre vor Mozarts Tod, gestorben ein / zwei Jahre vor Beethovens und Schuberts Tod. Carl Maria von Weber war also Zeitgenosse von drei der wohl größten musikalischen Genies. Dass sein Werk unbeschadet dessen auch noch zweihundert Jahre nach seinem Tod Gewicht und Präsenz hat, ist schon eine Leistung für sich.

Anlässlich seines bevorstehenden 200. Todestages hat nun das Label Warner eine umfangreiche Zusammenstellung seiner Werke in einer 18 CDs umfassenden Edition veröffentlicht. Sie spiegeln die Vielfalt der musikalischen Gattungen wieder, in denen Weber erfolgreich war.

Warner konnte sich bei der Zusammenstellung einer Vielzahl zum Teil schon historischer Aufnahmen bedienen. Mit den beiden Symphonien ist Roger Norrington vertreten, die Ouvertüren dirigiert Sawallisch, mit der berühmten „Aufforderung zum Tanz“ ist sogar noch André Cluytens zu hören.

Die beiden Klarinettenkonzerte, die dem Komponisten einst zum Durchbruch verhalfen, erklingen in exemplarischen Einspielungen mit Sabine Meyer und der Sächsischen Staatskapelle unter Herbert Blomstedt.

Von den vier Klaviersonaten sind nur die Nummern 2 und 4, dafür aber eine ganze Reihe weiterer Konzertstücke enthalten. Es fehlen allerdings beide Konzerte für Klavier und Orchester, das ist ein schwer verständliches Manko. Interessant ist eine Zusammenstellung von Kompositionen, die sich an Themen Webers bedienen. Hier kommen Liszt, Wagner und Hindemith zu Gehör. Von Wagner der Chor „An Webers Grabe“, der an Wagners Verdienst an der späten Überführung von Webers Leichnam von London nach Dresden erinnert.

An Vokalmusik sind die beiden Messen und eine Lieder-CD von Hermann Prey enthalten, die leider nur eine bescheidene Auswahl aus dem Liedschaffen darstellt.

Gegenwärtig ist Weber aber hauptsächlich durch seine Bühnenwerke populär, vor allem dem „Freischütz“, mit dem ihm der größte Erfolg seines Lebens und die Schaffung der Deutschen Nationaloper schlechthin gelang.

Mit der Einspielung Nikolaus Harnoncourts wählte man eine vielleicht nicht repräsentative, aber doch in sich stimmige Interpretation aus. Der frühe „Abu Hassan“ ist in Glanzbesetzung mi Kurt Moll, Nicolai Gedda und Edda Moser unter Wolfgang Sawallisch enthalten, die Aufnahme des „Oberon“ unter James Conlon mit Ben Heppner und Deborah Voigt überzeugt vokal, aber die Mischung von Musik und gesprochenem Text beeinträchtigt den Hörgenuss deutlich.

Bedauerlicherweise fehlt in der Edition die frühe Oper „Silvana“, das Singspiel „Peter Schmoll“, vor allem aber die mittlere seiner drei großen Opern, die für Wien geschriebene „Euryanthe“. Das ist schwer nachvollziehbar, befindet sich doch im alten EMI-Katalog die großartige Einspielung unter Marek Janowski. Das Fehlen dieser Opern ist eine empfindliche Schwachstelle der Edition.

Eine große Zahl historischer Aufnahmen bildet eine interessante Ergänzung und bildet die jüngere Rezeptionsgeschichte ab. So kann man die Ouvertüre zum Freischütz in frühen Aufnahmen von Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler und Karl Böhm hören, Klavierwerke eingespielt von Arthur Schnabel, Alfred Cortot und Wilhelm Backhaus. Lotte Lehmann, Tiana Lemnitz, Ljuba Welitsch, Elisabeth Schwarzkopf, Birgit Nilsson und die Herren Peter Anders und Richard Tauber sind mit Arien aus den Opern vertreten, und ermöglichen interessante Vergleiche mit späteren Interpreten.

Insgesamt ist die Edition eine gelungene Würdigung des Komponisten Weber, ruft auch viele selten gehörte seiner Werke wieder ins Gedächtnis.

Trotz der erwähnten Leerstellen ist die geschmackvoll gestaltete Box unbedingt zu empfehlen!

Peter Sommeregger, 12. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Carl Maria von Weber, Der Freischütz Hamburgische Staatsoper, 23. April 2026

5. Symphoniekonzert, Carl Maria von Weber, Aufforderung zum Tanz Lübeck, Musik- und Kongresshalle, 8. Februar 2026

Carl Maria von Weber, Oberon, Theater an der Wien, 19. Mai 2019

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